KZ-Außenlager Kaufering VI

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Friedhof und Gedenkstätte des Außenlager Kaufering VI bei Türkheim

Das KZ-Außenlager Kaufering VI war ein nationalsozialistisches Konzentrationslager nahe dem Ort Türkheim. Es war eines von über 100 Nebenlagern des KZ Dachau und gehörte zu dem Komplex von KZ-Außenlagern rund um Landsberg und Kaufering zur deutschen Rüstungsproduktion in der Endphase des Zweiten Weltkrieges.

Errichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzentrationslager wurde im Oktober 1944 einige hundert Meter nördlich des Bahnhofs Türkheim abseits der Ortschaft in einem Waldstück in großer Eile errichtet und schon im Oktober 1944 von ersten Häftlingen bezogen. Das Lager bestand im Wesentlichen aus Baracken und Erdhütten. Südlich des Lagers entstanden Häuser für die Organisation Todt.[1]

Das Konzentrationslager beherbergte während seines Bestehens mehrere Tausend vornehmlich jüdischer Häftlinge, die überwiegend aus dem Konzentrationslager Dachau sowie dessen Außenlagern nach Türkheim gebracht wurden. Eine größere Zahl ungarischer Juden wurde direkt aus Budapest nach Türkheim verbracht. Am 2. April 1945 wurde vor dem Hintergrund der vorrückenden amerikanischen Truppen die Mehrheit der Häftlinge evakuiert. Zunächst sollte der Tross aus rund 1.200 (nach anderen Quellen über 2.000) Häftlingen zu Fuß nach Dachau gehen, wurde dann aber wegen der dortigen Überfüllung über Landsberg, Windach und Pasing nach Allach umgeleitet. Am 27. April 1945 wurde das Lager von amerikanischen Soldaten befreit, zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch rund 500 Häftlinge im Lager.[2]

Ein bekannter Insasse des Lagers war Viktor Frankl, der im März 1945 aus dem Kauferinger Konzentrationslager III nach Türkheim verlegt wurde. Viktor Frankl besuchte die Überreste von Kaufering VI auf die Initiative von Anton Posset ab 1984 mehrfach. Im Jahr 1983 nahm Anton Posset, der sich intensiv mit der geschichtlichen Aufarbeitung des Konzentrationslagers Kaufering beschäftigte, Kontakt zu Viktor Frankl auf. Kurz darauf veröffentlichte die Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert, in Form einer Mitgliederbroschüre, eine erste Publikation rund um die Aufarbeitung der Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus in und rund um Landsberg. In diesem wurden unter anderem Texte von Viktor Frankl, dem späteren Ehrenmitglied der Bürgervereinigung, aus seinem Buch „…trotzdem Ja zum Leben sagen“ ausgewählt und beigesteuert. Am 11. November 1984 besuchte Viktor Frankl erstmals wieder die Überreste des Konzentrationslagers Kaufering III und VI, in dem er als Häftling war, und hielt eine Rede bei der Einweihung des Gedenksteines von Kaufering III, der auf die Initiative von Anton Posset hin errichtet wurde. An diesem Tag war Viktor Frankl das erste Mal nach seiner Inhaftierung wieder in Kaufering/Landsberg vor Ort und wurde von Anton Posset durch die Überreste der Konzentrationslager Kaufering III, IV, VI und VII im Raum Kaufering/Landsberg geführt. Die Straße, an der die heutige Gedenkstätte (Haus Nummer 99) liegt ist nach Viktor Frankl benannt.

Gedenkorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

KZ-Friedhof Türkheim

In den 1950er Jahren wurde nördlich des Konzentrationslagers bei der schon vorher bestehenden damaligen Fuchsfarm eine Gedenkstätte mit einem Friedhof für Insassen errichtet, die nach der Befreiung verstorben waren.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: KZ Kaufering VI – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alois Epple: KZ Türkheim: das Dachauer Aussenlager Kaufering VI. BoD – Books on Demand, 2009.
  2. Alois Epple: Das KZ bei Türkheim. Epple Verlag, 1998.
  3. Aufklärerin der Nazi-Zeit: Barbara Fenner verunglückt in Tiroler Bergen In: Augsburger Allgemeine. 5. Juni 2016, abgerufen am 31. März 2020 (Nur Einleitung, voller Artikel liegt hinter Bezahlschranke)

Koordinaten: 48° 6′ 9,9″ N, 10° 50′ 42,9″ O