Karl Bartsch

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Karl Bartsch

Karl Friedrich Adolf Konrad Bartsch (* 25. Februar 1832 in Sprottau; † 19. Februar 1888 in Heidelberg) war ein deutscher germanistischer Mediävist und Altphilologe, der an der Universität Rostock das erste Germanistische Institut in Deutschland gründete.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Bartsch wurde als Sohn eines Artillerieoffiziers und der Friederike von Winterfeld geboren. In Gleiwitz, wo die Familie später lebte, besuchte er das katholische Gymnasium und wechselte danach auf das Gymnasium in Breslau, um nebenher seine dichterischen Vorlieben zu pflegen. Ab 1849 studierte er an der Hochschule zu Breslau Klassische Philologie und besuchte nebenbei germanistische Vorlesungen bei Karl Weinhold. 1851 ging er nach Berlin und hörte Vorlesungen bei Wilhelm Grimm und Heymann Steinthal. Seine Promotion (De veteris theodiscae linguae praesertim Otfridi arte metrica) schloss er im März 1853 in Halle (Saale) ab. Zunächst wollte er Schauspieler werden. Danach bemühte sich Bartsch um eine Anstellung im Staatsdienst, blieb aber erfolglos. Er nahm daher das Angebot wahr, eine Bibliotheksreise nach Paris, London und Oxford zu unternehmen, um handschriftliche Aufzeichnungen von Troubadouren zu kopieren. Nach seiner Rückkehr wurde er Hauslehrer bei einem Freiherrn.

Im Herbst 1855 bekam Bartsch die Stelle des Kustos an der Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Doch nach Streitigkeiten mit dessen Gründer verließ er Nürnberg und zog 1858 nach Rostock, wo er am 11. Juni desselben Jahres das erste Germanistische Institut in Deutschland gründete. Dort arbeitete er bis 1871 als Professor für Germanistik und Romanistik und wurde zweimal zum Rektor gewählt. Dann wurde er als Professor für germanische und romanische Philologie an die Universität Heidelberg berufen, wo er bis zu seinem Tod lehrte.

Karl Bartsch starb kurz vor seinem 56. Geburtstag.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ritterkreuz des Kgl. schwedischen Nordsternordens (1868)
  • Ritterkreuz des Hausordens der Wendischen Krone (1871)[1]
  • Hofrat (1871)
  • Geheimer Hofrat (1873)
  • Ritterkreuz 1. Klasse des Königlich Sächsischen Albrechtsordens (1877)
  • Ritterkreuz des Ordens der Italienischen Krone (1878)
  • Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen (1880)
  • Eichenlaub zum Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer (1881)
  • Königlich Preußischer Kronenorden 3. Klasse (1881)
  • Geheimer Rat 2. Klasse (1886)[2]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht von Halberstadt und Ovid im Mittelalter. Quedlinburg-Leipzig 1861 (= Bibliothek der gesammten deutschen National-Literatur, 38); Neudruck Amsterdam 1965.
  • Chrestomathie de l'ancien Français (VIIIe–XVe siècles), accompagnée d'une grammaire et d'un glossaire. Leipzig 1866.
  • Deutsche Liederdichter des 12. bis 14. Jahrhunderts. 2. Aufl., Stuttgart 1879.
  • als Hrsg.: Ruperto Carola. 1386–1886. Illustrirte Fest-Chronik der V. Säcular-Feier der Universität Heidelberg. Petters, Heidelberg 1886.
  • Die altdeutschen Handschriften der Universitätsbibliothek in Heidelberg. Heidelberg 1887 (= Katalog der Handschriften der Universiäts-Bibliothek in Heidelberg. Die altdeutschen Handschriften. Band 1).
  • Sagen, Märchen und Gebräuche aus Mecklenburg, 1879/1880
  • Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Bartsch, Franz Pfeiffer und Gabriel Riedel, hrsg. von Günter Breuer, Jürgen Jaehrling und Ulrich Schröter. (Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Kritische Ausgabe in Einzelbänden. Bd. 2.) Hirzel, Stuttgart 2002. ISBN 3-7776-1141-7

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Karl Bartsch – Quellen und Volltexte
 Commons: Karl Bartsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik 1871, S. 253
  2. Stephanie Dressler: Bartsch, Karl Friedrich Adolf Konrad. In: Christoph König (Hrsg.), unter Mitarbeit von Birgit Wägenbaur u. a.: Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. Band 1: A–G. De Gruyter, Berlin/New York 2003, ISBN 3-11-015485-4, S. 88–90, hier: S. 88.