Karl Harrer

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Karl Harrer (1920)

Karl Harrer (* 8. November 1890 in Beilngries; † 5. September 1926 in München) war ein deutscher Sportjournalist und neben Anton Drexler und Gottfried Feder Gründungsmitglied der Deutschen Arbeiterpartei (DAP), aus der die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) hervorging.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung der Deutschen Arbeiterpartei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harrer war ein Sohn des Gastwirtes Michael Harrer und seine Ehefrau Aloisia, geb. Kopfmüller.

1913 trat Harrer als Einjährig-Freiwilliger ins 2. bayerische Infanterieregiment ein. Im Ersten Weltkrieg wurde Harrer im September 1914 bei Vermandovillers (Frankreich) schwer verwundet.[1] Er kam anschließend nicht mehr an die Front und wurde Ende Juni 1918 aus der Armee entlassen.[2]

Nach dem Ende seiner Militärzeit wurde Harrer Sportjournalist beim Münchener Beobachter, der seit 1918 im Besitz der antisemitischen Thule-Gesellschaft war und sich in seinem Untertitel als „Unabhängige Zeitung für nationale und völkische Politik“ bezeichnete.

Im Auftrag des Chefredakteurs und Gründers der Thule-Gesellschaft, Rudolf von Sebottendorf, engagierte sich Harrer nach dem Krieg beim Aufbau der Deutschen Arbeiterpartei[3], die Arbeiter aus sozialdemokratischem und kommunistischem Milieu mit antisemitischen und völkischen Ideen beeinflussen sollte. Am 5. Januar 1919 wurde er der erste Vorsitzende („Reichsvorsitzender“) der DAP. Anton Drexler wurde Vorsitzender der Münchener Ortsgruppe. Anwesend waren etwa 24 Personen, überwiegend Eisenbahner aus Drexlers Kollegenkreis.[4]

Machtkampf mit Drexler und Hitler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Harrer hatte den Plan, die DAP wie eine Geheimgesellschaft nach dem Vorbild der Thule-Gesellschaft zu führen. Dies kollidierte mit den Absichten Adolf Hitlers, der der Partei im September 1919 beigetreten war. Nach dessen Vorstellung sollte die Partei die Massen erreichen. Gegen Ende 1919 trat die Rivalität zwischen Harrer und Hitler offen zutage; Harrer beschuldigte Hitler des Größenwahns. Er trat am 5. Januar 1920 von allen Parteiämtern zurück, nachdem er der Absicht Hitlers, Anfang 1920 eine Massenveranstaltung abzuhalten, widersprochen und eine Niederlage erlitten hatte.[5] Der Parteivorsitz ging in der Folge zunächst an Drexler und wenige Monate später an Hitler über.

Harrer starb, noch nicht einmal 36 Jahre alt, am 5. September 1926 in München eines natürlichen Todes. Nach Angabe von Sebottendorf war die Kriegsverletzung Ursache von Harrers Tod.

Archivarische Überlieferung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv hat sich eine Militärpersonalakte aus Harrers Zeit in der Bayerischen Armee erhalten (OP 37072).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verlustlisten Erster Weltkrieg: Bayerische Verlustliste Nr. 54 vom 18. November 1914.
  2. Verlustlisten Erster Weltkrieg: Bayerische Verlustliste Nr. 54 (18. November 1914), S. 2730; Bayerisches Hauptstaatsarchiv IV, Kriegsstammrolle 4432, Eintrag 5006; digitalisierte Kopie bei ancestry.com, eingesehen am 1. Juli 2018
  3. Paul Hoser: Münchner Beobachter. In: Historisches Lexikon Bayerns
  4. Vgl. Ian Kershaw: Hitler. 1889–1936. Stuttgart 1998, S. 184.
  5. Vgl. Ian Kershaw: Hitler. 1889–1936. Stuttgart 1998, S. 188 f.