Katharina Kepler

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Katharina Kepler (* 1546 in Eltingen bei Leonberg; † 13. April 1622) war die Mutter des kaiserlichen Astronomen Johannes Kepler. Sie wurde 1615 während einer Hexenverfolgung in einem der bekanntesten württembergischen Hexenprozesse angeklagt und nicht zuletzt durch die Bemühungen ihres bekannten Sohnes 1621 freigesprochen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katharina Kepler, geborene Guldenmann, wuchs in Eltingen auf. Ihr Vater Melchior Guldermann war Wirt und Schultheiß. Sie hatte eine Tante, die später als „Hexe“ verbrannt wurde. Katharina heiratete am 15. Mai 1571 Heinrich Kepler, den sie wahrscheinlich in der Wirtschaft ihres Vaters kennengelernt hatte. Sieben Monate nach der Hochzeit bekam sie ihr erstes Kind Johannes. Zwischen den Eheleuten herrschte stets ein gespanntes Verhältnis. Die Schwiegereltern lehnten Katharina ab; ihr Schwiegervater war Bürgermeister in Weil der Stadt und erachtete sie als schlechte Partie für seinen Sohn.

Im Jahre 1574 lief Heinrich Kepler erstmals aus dieser angespannten Atmosphäre davon und wurde Söldner in Belgien. Im Sommer 1575 reiste ihm Katharina Kepler nach. Die beiden kamen wieder nach Hause zurück und kauften ein Haus in Leonberg. Im Januar 1589 verließ Heinrich Kepler nach 18 Jahren Ehe endgültig seine Familie. Er soll bei Augsburg einen schlimmen Tod gestorben sein. Die 42-jährige Katharina Kepler blieb mit ihren Kindern Margaretha und Christoph allein zurück. Insgesamt überlebten vier von ihren Kindern: ihr Erstgeborener Johannes, Heinrich, Christoph, der später Zinngießer in Leonberg wurde, und ihre Tochter Margarete, die den Pfarrer von Heumaden heiratete.

Hexenprozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Leonberger Vogt Lutherus Einhorn erhob während seiner Amtszeit (1613–1629) gegen fünfzehn Frauen Anklage wegen Hexereiverdachts und ließ gegen acht von ihnen Todesurteile vollstrecken. Er handelte in Übereinstimmung mit der Leonberger Stadtobrigkeit und weiten Teilen der Bevölkerung. Sie forderten ein rigoroses Vorgehen gegen Hexen. Einhorn initiierte 1615 den Hexenprozess gegen Katharina Kepler, die Mutter des Astronomen Johannes Kepler, der 1620/21 in Leonberg und Güglingen stattfand. Sie entging nur knapp dem Feuertod auf dem Scheiterhaufen. Der Prozess endete mit einem Freispruch. Nach einem geschäftlichen Streit mit der Gattin eines Glasers, Ursula Reinbold, bezichtigte diese Katharina Kepler, ihr einen bitteren Trank gegeben zu haben, an dem sie erkrankt sei und zeigte Katharina 1615 beim herzoglichen Untervogt des Amtes Leonberg mit einer Forderung nach Schadenersatz für erlittene Schmerzen an. Christoph Kepler verklagte die Reinbolds dagegen wegen Verleumdung, Johannes Kepler wollte seine Mutter zum Schutz nach Linz holen, diese folgte dem Angebot jedoch nicht. Im Oktober 1616 ging sie zu einer Anhörung nach Stuttgart und streifte am Stadttor im Vorbeigehen die achtjährige Burga Haller am Arm. Das Kind schrie, die „Hexe“ habe ihr einen lähmenden Schlag versetzt, was einem Ertappen beim „Schadenzauber“ auf frischer Tat bedeutete. Katharina wurde sofort verhaftet und verhört, aber wieder freigelassen. Im März 1618 reichten die Reinbolds ihre Schadenersatzklage ein, in der sie 1000 Gulden für das Ursula durch den „Hexentrank“ zugefügte Leiden zuzüglich Erstattung der Gerichtskosten forderten. Die Constitutio Criminalis Carolina von 1532 stellte die Zauberei nur unter Strafe sofern durch sie (Personen-)Schaden entstanden war. Johannes Kepler kümmerte sich um die Verteidigung seiner Mutter. Es dauerte noch eineinhalb Jahre, bis die 280 Seiten umfassende Anklageschrift fertiggestellt und vom Amtsschreiber Nördlinger vorgelegt worden war. Es war ungewöhnlich, dass in einem Hexenprozess ein Verteidiger zugelassen wurde. Dabei kam ihm ein juristisches Gutachten der Universität Tübingen zu Hilfe, das wohl auf seinen Studienfreund Besold zurückgeht. Er holte sie zwischenzeitlich im Dezember 1616 zu sich nach Linz in Oberösterreich, aber sie kehrte zurück und wurde am 7. August 1620 Katharina im Pfarrhaus in Heumaden verhaftet und nach Gügelingen verbracht, der peinliche Gerichtstag fand am 20. August 1621 statt. Katharina erschien laut Protokoll „leider mit Beistand ihres Sohnes Johann Kepler, Mathematici“. Zwei starke Männer bewachten Tag und Nacht die dreiundsiebzigjährige Frau. Für die Kosten hatten die Angeklagte und ihre Angehörigen aufzukommen. 14 Monate lag sie in Ketten, und die Akten ihres Prozesses häuften sich zu Bergen.

Als ihr schließlich die Folterinstrumente gezeigt wurden, um sie zu einem Bekenntnis zu zwingen, blieb sie standhaft: „Sie hat gesagt, man mache mit ihr, was man wolle, und wenn man ihr auch jede Ader aus dem Leibe herausziehen würde, so wüsste sie doch nichts zu bekennen … sie wolle auch darauf sterben; Gott werde nach ihrem Tode offenbaren, dass ihr Unrecht und Gewalt geschehen“. Im Oktober 1621 konnte ihr Sohn Johannes Kepler ihre Freilassung durchsetzen. Katharina Kepler verstarb sechs Monate später, im April 1622, vermutlich in Roßwälden. Ihr Begräbnisort ist urkundlich nicht nachgewiesen.

Nachwirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katharina Kepler ist eine der Hauptfiguren in Paul Hindemiths Oper Die Harmonie der Welt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Baschwitz: Hexen und Hexenprozesse, Bertelsmann Verlag, München, 1990, S. 252 - 260.
  • Berthold Sutter: Der Hexenprozeß gegen Katharina Kepler, [Hrsg. von der Kepler-Gesellschaft Weil der Stadt e.V. zusammen mit dem Heimatverein Weil der Stadt], Weil der Stadt, Kepler-Gesellschaft, 1979.
  • James A. Connor: Kepler’s witch: An astronomer’s Discovery of Cosmic Order Amid Religious War, Political Intrigue, and the Heresy Trial of His Mother, San Francisco 2004 ISBN 0-06-052255-0.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]