Kehlen (Luxemburg)

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Kehlen
Wappen Karte
Wappen von Kehlen Lage von Kehlen im Großherzogtum Luxemburg
Basisdaten
Staat: Luxemburg
Koordinaten: 49° 40′ N, 6° 2′ OKoordinaten: 49° 39′ 57″ N, 6° 1′ 50″ O
Kanton: Capellen
Einwohner: 5903 (1. Januar 2017)[1]
Fläche: 28,2 km²
Bevölkerungsdichte: 209,5 Einw./km²
Gemeindenummer: 00009006
Website: www.kehlen.lu
Politik
Bürgermeister: Guy Scholtes (LSAP)
Wahlsystem: Proporzwahl

Kehlen (luxemburgisch Kielen) ist eine Gemeinde im Großherzogtum Luxemburg und gehört zum Kanton Capellen.

Zusammensetzung der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Ortschaften:

  • Dondelange
  • Kehlen und Kehlen-Brameschhof
  • Keispelt
  • Meispelt
  • Nospelt
  • Olm gliedert sich auf in drei Teile:
    • Olm-Duerf
    • Olm-Kraizwee
    • Olm-Huesekneppchen
  • Drei Gehöfte: Direndall, Weidendall und Quatre-Vents

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name „Kehlen“ kommt aus dem lateinischen Callidovilla (Landhaus des Callido), die Ansiedlung ist nachgewiesen ab 636. Auf frühere Ansiedelungen weisen archäologische Grabungen sowie die Entdeckung keltischer Grabstätten um Kehlen hin, gallo-römische Friedhöfe und römische Villen in der Umgebung von Nospelt sowie merowingische Gräber zwischen Nospelt und Dondelingen.

Ausgrabungen einer gallo-römischen Villa

Auf der Höhe von Schoenberg nahe Kehlen, an der Kreuzung zweier römischer Straßen, existierte höchstwahrscheinlich eine Ansammlung gallo-römischer Gebäude, worauf der Fund eines Sockels hindeutet, der vier Gottheiten darstellt. Das Original wird im Staatsmuseum aufbewahrt; eine Replik wurde vor dem Friedhof von Schoenberg aufgestellt. Dass Schoenberg in die Liste der nationalen Denkmäler aufgenommen wurde, verdankt es der Kapelle (Chor der ehemaligen Kirche) und den alten Grabsteinen aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Die ehemalige Pfarrkirche von Schoenberg, deren Register bis zum Jahre 1637 zurückreichen, stand in Abhängigkeit zur Reichsabtei St. Maximin in Trier. Der Legende nach soll auf dem Plateau von Schoenfels ein Dorf existiert haben, das nach einer Pest verschwunden sei; doch keine Spuren wurden gefunden.

Die Ortschaften Keispelt und Meispelt entwickelten sich infolge umfangreicher Rodungen, die durch die fränkischen Adligen und die Abtei St. Maximin gefördert wurden. Im Mittelalter gehörten sie zur Herrschaft Ansemburg, für welche Keispelt als Hauptort fungierte.

Dondelingen (frz.: Dondelange) war in der Vergangenheit bekannt für seine beiden Kornmühlen, die schon für 1280 und 1328 nachgewiesen sind; sie gibt es aber nicht mehr. Die Fenster der St. Hubert geweihten Kapelle in Dondelingen stellen Jagdwild dar.

Die Ortschaft Olm, deren Name vom Ulmenbaum abgeleitet wird, wurde zum ersten Male 1528 in einem „Feuerstättenverzeichnis“ erwähnt. Sie zählt heute über 1500 Einwohner, davon ungefähr 1200 im Neubaugebiet Huesekneppchen.

Die Sozialgeschichte der Gemeinde ist geprägt durch Bauern und Handwerker. Mit der Industrialisierung des Landes sowie dem Strukturwandel nach dem Zweiten Weltkrieg ist heutzutage der überwiegende Teil der Einwohnerschaft im Dienstleistungssektor beschäftigt.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: STATEC

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Großteil der Bevölkerung gehört der römisch-katholischen Konfession an. Die drei Pfarrverbände Kehlen/Olm, Nospelt/Dondel und Keispelt/Meispelt wurden zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einen überregionalen Pfarrverband mit Namen Mamerdall gebildet (nach dem gleichnamigen Fluss, welcher die drei Gemeinden durchfließt), dem auch noch die Gemeinden Kopstal und Mamer angehören.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen und Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nospelt befand sich eines der ältesten Zentren der Herstellung von Küchengeräten aus Ton; das Töpferhandwerk („Aulebäcker“, 1819: 17 Betriebe; bis 1914) war über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Im Töpfermuseum, welches in der Werkstatt des "Dittjes Neckel" (8, rue des Potier Nr.13) untergebracht ist, kan man unter anderem und vor allem den seit Beginn des 20. Jahrhunderts gebauten alten Brennofen bewundern, in dem das Töpfermaterial noch bis in die 1930er Jahre gebrannt wurde. Auch kann der Betreiber des Museums, das beim Syndicat d'Initiative angesiedelt ist, regelmäßig mit sehenswerten Ausstellungen und Detailrekonstruktionen das Publikum begeistern. 1973 wurde in der Ortsmitte ein Block aus rotem Sandstein aufgestellt, in den der Bildhauer Léon Nosbusch das Relief eines an der Scheibe arbeitenden Töpfers gemeißelt hat.[3]

Ein seit mehreren Jahrzehnten bestehender Verein, die „Georges Kayser Altertumsforscher“ mit ca. 1200 Mitgliedern, führt regelmäßige Grabungen nach keltischen und römischen Fundstücken durch. Ein sehenswertes Museum befindet sich in Nospelt selbst auf der Place de l'Eglise, wo die Besiedlung der Römer und der Kelten anhand von Bildern, Kleidung und Modellen nachgestellt wird. Sehenswert sind auch die Fundgegenstände der Region.

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Ostern wird „Emaischen“[4] gefeiert, was an die Tradition der Töpferei in Nospelt anknüpft. Verschiedensten Töpferwaren werden angeboten. In den letzten Jahren konnten regelmäßig über 15.000 Besucher begrüßt werden.

Am Ostermontag werden an den Verkaufsständen „Péckvillercher“ angeboten. Der Peckvillchen ist ein sogenannter Pfeifvogel, welcher vor vielen Jahren als Kinderspielzeug diente und über zwei Töne verfügte.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein ca. 8 km langer Wanderweg führt über die Nospelter Gemarkung zum Naturschutzgebiet „Telpeschholz“, einer Heide- und Ginsterlandschaft; ein weiterer Wanderweg mit einer Länge von ca.10 km wird Wanderern und Naturliebhabern ebenfalls angeboten.

Partnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinde von Kehlen ist Meckenbeuren in Baden-Württemberg, zu der die gleichnamige Ortschaft Kehlen gehört.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kehlen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. STATEC Luxembourg – Population par canton et commune 1821–2015 (franz.)
  2. Histoire.
  3. Nospelter „Emaischen“ 2010. In: Lëtzebuerger Journal, 30. März 2010.
  4. Eemaischen in der letzeburgischsprachigen Wikipedia