Kent International Airport

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Manston, Kent's International Airport
Manston Airport aerial view.jpg
Kenndaten
ICAO-Code EGMH
IATA-Code MSE
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 4 km westlich von Ramsgate,
20 km nordöstlich von Canterbury
Straße A299
Basisdaten
Eröffnung 1916 (Militärflugfeld)
1989 (Kent Int.)
Schließung 2014
Betreiber Infratil
Terminals 1
Passagiere 25.813 [1]
Luftfracht 28.103 t (2010)
[2]
Flug-
bewegungen
16.260 (2010) [3]
Start- und Landebahn
10/28 2752 m × 61 m Asphalt

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Manston, Kent's International Airport (IATA: MSE, ICAO: EGMH), zeitweise auch unter dem irreführenden Namen London Manston Airport vermarktet, war ein Verkehrsflughafen nahe der Stadt Ramsgate im nordöstlichen Kent im Südosten Englands. Der wenig frequentierte Flughafen nutzte die Start- und Landebahn der bis 1999 bestehenden Royal-Air-Force-Basis RAF Manston; er wurde am 15. Mai 2014 aus Kostengründen geschlossen.

Flughafenbeschreibung und Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flughafen liegt 54 m über dem Meeresspiegel und etwa 1,5 km von der Küste entfernt unmittelbar südlich des Weilers Manston im Distrikt Thanet. Weitere benachbarte Orte sind die Dörfer Minster im Südwesten, Acol im Nordwesten und Cliffsend im Südosten; die nächste Stadt ist der Fährhafen Ramsgate wenige Kilometer weiter östlich. Durch die Buslinie 38 der Stagecoach Group East Kent war der Flughafen mit Ramsgate, Broadstairs und Birchington verbunden; nächster Bahnhof ist die von Southeastern angefahrene Ramsgate Station. Canterbury liegt etwa 20 km südwestlich und konnte über die A28 erreicht werden, London ist etwa 120 km entfernt, die Fahrt über A299, M2 und A2 dauerte knapp zwei Stunden.

Der Flughafen besaß ein Terminal, die Startbahn ist 2,75 km lang. Besitzer und Betreiber war die neuseeländische Investmentfirma Infratil, die unter anderem auch den Flughafen Glasgow-Prestwick betreibt.

Neben dem Flughafen befinden sich zwei kleine Museen, die an die militärische Vergangenheit der Anlage erinnern: das RAF Manston History Museum und das Spitfire & Hurricane Memorial Museum.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1916 errichtete die Royal Navy während des Ersten Weltkrieges für ihre Marineflieger ein Flugfeld in Manston, das durch eine Wasserflugzeug-Station bei Westgate ergänzt wurde. Die Basis wuchs schnell an, bereits 1917 umfasste Manston vier unterirdische Hangars, einen eigenen Eisenbahnanschluss, eine eigene Stromerzeugung und Unterkünfte für 3000 Mann. Nach Kriegsende ging der Flugplatz an die neugeschaffene Royal Air Force über; es wurde eine Schule errichtet, in der Luftfahrtpersonal in der Flugzeugwartung ausgebildet wurde.

In den 1930er Jahren wurde das Flugfeld erstmals von einigen wenigen Zivilflugzeugen genutzt. Zusätzlich entstand nur wenige Kilometer weiter mit dem Ramsgate Airport ein weiterer Flugplatz, der bis 1968 Bestand hatte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Royal Air Force Station Manston (kurz RAF Manston) während der Luftschlacht um England bombardiert. 1943 traf Barnes Wallis auf der Basis ein, um im nahen Dorf Reculver seine "bouncing bomb" zu testen. Es wurden nun Typhoon-Jagdbomber stationiert, später auch Meteor-Jets. Ab 1944 wurde der Flugplatz zum Abfangen von V1-Flugkörpern genutzt. Zur gleichen Zeit wurde die Landebahn stark erweitert (auf 9000 x 750 Fuß, d.h. ca. 2743 x 229 m), um als Notlandeplatz für schwerbeschädigte zurückkehrende Bomber zu dienen. Zu diesem Zweck wurde der Flugplatz auch mit dem FIDO-System ausgerüstet, um Notlandungen bei schlechtem Wetter zu ermöglichen. Später nach Kriegsende wurde die Landebahn allerdings um eine Rollbahn ergänzt und dafür auf 200 Fuß (61 m) Breite verengt.

1950 wurde der Militärflugplatz von der United States Air Force übernommen und acht Jahre lang von dieser genutzt. 1960 wurde er wieder an die RAF zurückgegeben und diente erneut als Notlandeplatz sowie als Flugschulungsort (mit de Havilland Chipmunks). Daneben wurde ein Ausbildungszentrum für die RAF-Feuerwehr eingerichtet. Gleichzeitig wurde der (nicht mehr ausgelastete) Flugplatz nun erstmals regelmäßig als Zivilflughafen genutzt: in der Ferienzeit fanden zahlreiche Pauschal-Charterflüge statt. Ab Mitte der 1960er Jahre wurden in Manston Seenotrettungs-Helikopter stationiert.

Anfang der 1980er Jahre erlangte die militärische Basis durch die Reaktivierung der nahen Radarstation RAF Ash noch einmal an Bedeutung, jedoch war mit dem Ende des Kalten Krieges die Schließung der Station absehbar, weshalb mit der Vergrößerung des zivilen Bereiches begonnen wurde. 1989 wurde ein Passagierterminal eröffnet und der neue Name Kent International Airport bekannt gegeben. 1999 wurde RAF Manston endgültig geschlossen, womit der Flughafen erstmals nur noch zivil genutzt wurde. Das Defence Fire Training and Development Centre übernahm die angrenzenden Militärgebäude. Die Betreibergesellschaft änderte den Namen aus Marketinggründen in London Manston Airport (obwohl London 120 km entfernt ist), musste jedoch 2005 Bankrott anmelden. Infolgedessen wurde der Flughafen an das neuseeländische Investmentunternehmen Infratil verkauft, das ihn auch seitdem betrieb.[4]

Im Sommer 2013 nutzte British Airways Manston einige Wochen zum Crewtraining mit ihrem ersten, gerade von Airbus übernommenen neuen A380.

Nach der Einstellung der einzigen Linienverbindung (KLM nach Amsterdam) und der fehlgeschlagenen Suche nach einem Käufer wurde der Flughafen am 15. Mai 2014 stillgelegt und geschlossen.[5]

Flugziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 2. April 2013 bis 9. April 2014 wurde Manston zweimal täglich von KLM mit einer Fokker F70 angeflogen.[6] Regelmäßige Flüge zu anderen nationalen oder internationalen Flughäfen konnten sich mangels Auslastung nicht durchsetzen. Beispielsweise hatte Flybe 2010 vorübergehend Linien nach Edinburgh, Belfast und Manchester beflogen.

Daneben besaß der Flughafen Manston auch als Fracht-Drehkreuz eine gewisse Bedeutung und diente in diesem Bereich vor allem als Ausweichplatz für Flugunternehmen, denen die Londoner Flughäfen zu teuer waren.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1958 bis zur Schließung kam es zu vier Totalverlusten von Verkehrs- und Transportflugzeugen, davon einem tödlichen Unfall mit drei Todesopfern.[7]

  • Am 23. Januar 1958 kam eine Vickers Varsity der Royal Air Force (WL633) bei der Landung von der Landebahn ab, kollidierte mit Schneewehen und explodierte. Drei der fünf Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.[8]
  • Am 30. September 1968 ließ sich auf einem Trainingsflug mit der Airspeed Ambassador G-AMAG der Dan-Air das rechte Hauptfahrwerk nicht verriegeln. Die Piloten wichen nach Manston aus und führten dort eine Bauchlandung auf einem Schaumteppich durch. Die Maschine war anschließend nicht mehr zu reparieren, aber beide Besatzungsmitglieder überlebten.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Civil Aviation Authority UK Airport Statistics: Terminal and Transit Passengers 2010 (PDF; 63 kB)
  2. Civil Aviation Authority UK Airport Statistics: Freight 2000 - 2010 Tonnes (PDF; 76 kB)
  3. Civil Aviation Authority UK Airport Statistics: Aircraft Movements 2010 (PDF; 85 kB)
  4. Manston Airport Sold to Infratil
  5. bbc.co.uk - Kent's Manston Airport to close on 15 May (englisch) 6. Mai 2014
  6. BBC News vom 26. März 2014: KLM suspends flights from Manston Airport
  7. Unfallstatistik Flughafen Manston, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. Januar 2016.
  8. Unfallbericht WL633, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. Januar 2016.
  9. Unfallbericht G-AHPL, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. Januar 2016.
  10. Unfallbericht G-ANCG, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. Januar 2016.
  11. Unfallbericht G-AMAG, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. Januar 2016.