Kerinth

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Kerinth (Kerinthos) war ein gnostischer Lehrer um die Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert n. Chr.

Da keine seiner Schriften erhalten ist, müssen sein Leben und seine Lehre aus Berichten und Erwähnungen bei anderen Schriftstellern, meist Kirchenvätern, rekonstruiert werden. Er scheint in Ephesus (Kleinasien) gewirkt zu haben.

Kerinth unterschied zwischen Gott und einer davon getrennten Schöpferkraft. Wie im Gnostizismus oft üblich trennt er den menschlichen Jesus von Christus ab. Dass er am jüdischen Gesetz festhielt und Chiliast war, wird von der neueren Forschung bezweifelt.[1]

In der apokryphischen Schrift Epistula Apostolorum (Brief der Apostel) wird in Kapitel 1 angegeben: „Der Brief ist katholisch, für alle bestimmt und wurde aus Anlaß des Auftretens der Falschapostel Simon und Kerinth verfaßt, damit sich niemand ihnen anschließt.“ Beide werden noch ein weiteres mal in Kapitel 7 erwähnt als „die gekommen sind, die Welt zu durchwandern, [...] hütet euch vor ihnen, denn in ihnen ist Befleckung und Tod. (Variante: ‚und Bedrängnis‘) Ihnen drohen am Ende Gericht und Verderben.“ (Variante: „und Verlorensein“).[2]

Der Theologe Klaus Berger kommentiert dazu: „Kerinth war ein christlicher Lehrer des 2. Jh.s, dem einerseits grob sinnliche Erwartungen für das Tausendjährige Reich nachgesagt werden, der aber andererseits als Gnostiker verdächtigt wird. Auch eine Engel-Christologie wird mit ihm verknüpft. Die letztere wäre eine judenchristliche Weise, sich die Hoheit Jesu vorzustellen bzw. zurechtzulegen.“ (Berger/Nord, S. 988).

In der Exegese des 1. Johannesbriefs wird diskutiert, ob sich die dort erwähnten Irrlehren auf die Lehren Kerinths beziehen.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Pratscher: Kerinth. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 1387–1388.
  2. Klaus Berger, Christiane Nord: Das Neue Testament und frühchristliche Schriften. Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1999., S. 990 und 993. ISBN 3-458-16970-9.
  3. Vgl. Hans-Josef Klauck: Der erste Johannesbrief (= EKK – Evangelisch-Katholischer Kommentar zum NT Band XXIII/1). Neukirchener Verlagshaus, Neukirchen-Vluyn 1994, ISBN 978-3-545-23122-1 und Rudolf Schnackenburg: Die Johannesbriefe (= Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament. Band 13). 7. Auflage. Herder, Freiburg 1984, ISBN 3-451-01150-6, der das eher ablehnt.