Kinderchor

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Ein Kinderchor ist

  • eine Gemeinschaft singender Jungen und Mädchen, in der jede Stimmlage mehrfach besetzt ist (gleichstimmiger Chor); gegenüber dem in gleicher Stimmlage singenden Frauenchor hat ein Kinderchor ein geringeres Klangvolumen
  • die Kurzbezeichnung für das von Kinderstimmen auszuführende Werk

Kinderchor und Schulmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Kinderkonzert“ Gemälde von Georgios Jakobides, 1884

Der weltliche Kinderchor hat seine Wurzeln etwa im 19. Jahrhundert. Er entwickelte sich aus den Bemühungen um die Musik an den Schulen. Durch die veränderte Geisteshaltung in dieser Epoche wurde auch der Ruf nach einer musikalischen Volksbildung laut. Lehrer sollten speziell für das Singen mit Kindern ausgebildet werden, musische Schulen sollten gegründet werden, das Kindersingen sollte allgemein gefördert werden.

Der Schultag der Kinder wurde mit einem (oft mehrstimmig improvisierten) Kinderlied begonnen. Dann kamen die Schulchöre dazu. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich diese Entwicklung weiter fort. Es entstanden Kinderchöre an Schulen und Kirchen; fast jeder Sender der ARD hatte einen hauseigenen Kinderchor. In den Kindersendungen sangen ausschließlich Kinder für Kinder. Kinderchorliteratur kam verstärkt auf den Markt (Carl Orff, Cesar Bresgen, Paul Hindemith, Günther Kretzschmar u. v. a.).

Auch die meisten Opernhäuser verfügen heute über einen eigenen Kinderchor, der in die Aufführungen einbezogen wird. Kinderchöre kommen zum Beispiel in Hänsel und Gretel, in Carmen, in Tosca und Boris Godunow zum Einsatz.

In den 1970er Jahren kam dann die Idee der Musikalischen Früherziehung in Deutschland auf. Unzählige Jugendmusikschulen entstanden überall (viele als Privatinitiativen von Eltern und Musiklehrern). In den 80er Jahren, wurde das Fach „Musik“ mehr auf Lehr- und Lernbares beschränkt. Langzeitstudien an musischen Schulen, wie beispielsweise die Bastian-Studie zeigen, welche Auswirkungen das Singen im Kindesalter auf die Entwicklung des Kindes haben kann.

Es ist aber der ungebrochenen Freude am Singen (vor allem bei jüngeren Kindern) zu verdanken, dass auch heute noch „selbst“ gesungen wird. Musikpädagogen raten in den Familien wieder mit gemeinsamen Singeversuchen zu beginnen. Singwochenenden für Kinder und Erwachsene werden angeboten. Viele engagierte Lehrer und Chorleiter (oft Laienmusiker) singen mit ihren Kindern und stellen Kinderchöre auf die Beine. Viele Liedermacher machen auch heute noch Lieder für singende Kinder und Kinderchöre. Die Idee der Musikalischen Früherziehung lebt in abgewandelter Form in Musik- und Baby-Musikgärten fort.

Im Jahre 2002 gab es noch 18.790 Kinder- und Jugendchöre in Deutschland (das sind 30,9 % aller Chorsparten).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Chormusik – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Chormusik
 Portal: Kirchenmusik – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Kirchenmusik

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Kinderchor – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]