Klappertöpfe

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Klappertöpfe
Kleiner Klappertopf (Rhinanthus minor)

Kleiner Klappertopf (Rhinanthus minor)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae)
Gattung: Klappertöpfe
Wissenschaftlicher Name
Rhinanthus
L.

Die Klappertöpfe (Rhinanthus) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae) und umfassen eine Reihe von Arten, die als Halbschmarotzer leben. Das Verbreitungsgebiet der Gattung ist Nordamerika und Eurasien, also die Holarktis.

Namensherkunft der Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihren deutschen Namen verdanken die Klappertöpfe den reifen Früchten, in denen die Samen laut vernehmlich klappern, wenn sie bewegt werden. Klappertöpfe zapfen mit speziellen Wurzeln (Haustorien) die Wurzelsysteme anderer Pflanzen an. Die von Landwirten aufgrund ihres geringen Futterwertes als „Unkraut“ gewerteten Pflanzenarten werden im Volksmund auch Milchdieb oder Milchschelm genannt, da die Pflanzen in Nachbarschaft der Halbschmarotzer weniger gut gedeihen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration des Kleinen Klappertopf (Rhinanthus minor)

Klappertopf-Arten sind halbparasitische (hemiparasitisch), einjährige krautige Pflanzen. Die Laubblätter sind gegenständig.[1]

Der endständigen, traubige Blütenstände enthalten Tragblätter. Die Blüten sind zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Von den vier Kelchblättern sind die oberen zwei auf etwa der halben Länge und die anderen fast vollständig verwachsen. Die Kronblätter sind zu einer zweilippigen Blütenkrone verwachsen. Die Unterlippe ist dreilappig. Es sind nur vier Staubblätter vorhanden. Die fachspaltigen (lokuliziden) Kapselfrüchte enthalten in jedem Fruchtfach einige Samen. Die Samen sind breit geflügelt.[1]

Klappertopf-Arten als Halbschmarotzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um Halbschmarotzer (Hemiparasiten). Ähnlich wie die Arten der Gattung Augentrost (Euphrasia) haben auch die Klappertopfarten ein nur verkümmertes Wurzelsystem. Sie bilden dagegen kleine Saugwarzen an den Wurzeln benachbarter Pflanzen und dringen in deren Leitungsbahnen ein. Klappertopfarten schädigen ihre Wirtspflanzen, da sie ihnen vor allem größere Mengen Wasser entnehmen.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Rhinanthus wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Der botanische Gattungsname Rhinanthus leitet sich von rhinos für Rüssel (rüsselartig ausgezogene Helmspitze) ab; Rhinanthus kann als „nasenblütig“ gedeutet werden. Synonyme für Rhinanthus L. sind Alectorolophus Zinn und Fistularia Kuntze.[1][2]

Die Gattung Rhinanthus wurde früher zur Familie Braunwurzgewächse, Rachenblütler (Scrophulariaceae) gestellt. Durch molekularbiologische Untersuchung hat sich eine nähere Verwandtschaft aller Halbschmarotzer, die früher als „Rachenblütler“ eingeordnet wurden, mit der Sommerwurz (Orobanche) herausgestellt und somit gehört Rhinanthus heute zur Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae).[2]

Zur Gattung Klappertöpfe (Rhinanthus) gehören etwa 45 bis 50 Arten in der Holarktis[1].

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Deyuan Hong, Hanbi Yang, Cun-li Jin, Manfred A. Fischer, Noel H. Holmgren & Robert R. Mill: Scrophulariaceae: Rhinanthus, S. 96 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 18: Scrophulariaceae through Gesneriaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1998, ISBN 0-915279-55-X.
  2. a b Rhinanthus im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 15. April 2014.
  3. K. Marhold, 2011: Scrophulariaceae. Datenblatt Rhinanthus bei Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  4. Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gertrud Scherf: Wiesenblumen - der etwas andere Naturführer. BLV-Verlag, München 2004, ISBN 3-405-16909-7
  • Hans Christian Weber: Parasitismus von Blütenpflanzen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993, ISBN 3-534-10529-X
  • Hans Christian Weber: Schmarotzer: Pflanzen, die von anderen leben. Belser, Stuttgart 1978, ISBN 3-7630-1834-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klappertöpfe (Rhinanthus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien