Kleinmünchen

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Linzer Stadtteil Kleinmünchen
Statistische Bezirke des Linzer Stadtteils Kleinmünchen
Basisdaten
Politischer Bezirk Linz (L)
Statistische Bezirke Kleinmünchen-Auwiesen, Neue Heimat
Fläche 12,72 km²
Geografische Lage 48° 15′ N, 14° 19′ OKoordinaten: 48° 15′ N, 14° 19′ O
Höhe 266 m ü. A.
Einwohner 41.174 (Stand: 2006)
3237 Einwohner je km²
Postleitzahl 4030

Kleinmünchen ist ein Stadtteil von Linz. Kleinmünchen war bis zu seiner Eingemeindung nach Linz im Jahr 1923 eine eigene Gemeinde.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil Kleinmünchen liegt im Süden der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz und grenzt im Norden an den Stadtteil Waldegg, im Osten an den Stadtteil St. Peter, im Süden an den Stadtteil Ebelsberg und im Westen an die Linzer Nachbarstädte Traun und Leonding.

Der Stadtteil umfasst die statistischen Bezirke Kleinmünchen-Auwiesen, Neue Heimat und den südlichen Teil der Bezirke Bindermichl-Keferfeld und Spallerhof.[2] Vor der Reorganisation der Linzer statistischen Bezirke im Jahr 2014 umfasste er Kleinmünchen, Scharlinz, Neue Welt, Neue Heimat, Bergern, Wegscheid und Schörgenhub.[2]

Ausdehnung des Stadtteilgebietes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größte Ausdehnung des Stadtteiles von Osten nach Westen beträgt rund 4,6 km, von Norden nach Süden rund 3,3 km. Die Gesamtfläche aller statistischen Bezirke des Stadtteils Kleinmünchen beträgt 12,72 km².

Wichtige Flüsse und Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinmünchen wird im Süden durch den Fluss Traun begrenzt. Schörgenhub und Kleinmünchen werden vom Jauckerbach (Oberwasserkanal des Kraftwerks Kleinmünchen) durchflossen. Zum Teil unter den Straßen verrohrt, fließt ein geringer Teil des ehemaligen Werkskanals der Linz Textil, beginnend bei der Traunwehr im Bereich Schörgenhub, durch den Stadtteil und mündet kurz unterhalb des Kraftwerks Kleinmünchen in dessen Unterwasserbereich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich gehörte ein großer Teil von Kleinmünchen einem reichen Mann mit dem Namen Otto ze Munichen (Otto aus München). Er schenkte seinen Besitz dem in diesem Gebiet befindlichen Quirinus-Kirchlein, und im Laufe der Zeit änderte sich der Name Quirin über Kyrein zu Klein.

Kleinmünchen im 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinmünchen bestand noch im 19. Jahrhundert aus den vier Ortschaften Kleinmünchen, Scharlinz, Bergern und Sankt Martin. Sankt Martin wurde jedoch 1876 in die Gemeinde Traun ausgegliedert. 1834 lebten in der Gemeinde Kleinmünchen insgesamt 765 Menschen in 102 Häusern bei 167 Wohnparteien. Die Ortschaft Kleinmünchen bestand zur damaligen Zeit aus 63, großteils zusammenstehenden Häusern, die nördlich gelegene Ortschaft Scharlinz aus einer geschlossenen Siedlung mit 12 Häusern. Bergern verfügte 1834 über sieben Häuser in Streulage, Sankt Martin über 20 Häuser, die teilweise geschlossen, teilweise zerstreut an der Traun lagen. Die Bevölkerung lebte überwiegend von der Landwirtschaft oder verdingte sich als Tagelöhner. Wichtigster Betrieb dieser Zeit war eine Baumwoll- und Tuchdruckerei mit 15 Arbeitern. 1830 wurde weiters eine Baumwoll-Spinnfabrik mit 30 Spinnstühlen errichtet, in der 150 bis 200 Arbeiter beschäftigt wurden. An der Traun wurden acht Mahlmühlen betrieben.

Kleinmünchen im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinmünchen wurde 1923 nach Linz eingemeindet. Im Zweiten Weltkrieg befand sich in Kleinmünchen von Mai 1944 bis zum 5. Mai 1945 das KZ-Außenlager Linz III, ein Außenlager des KZ Mauthausen, in dem über 5000 KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit in der Stahl- und Panzerproduktion und zu diversen Bauarbeiten herangezogen wurden. Im Südwesten des Stadtteils entstand ab 1990 der Gewerbepark Franzosenhausweg. Seit 1951 verbindet eine Straßenbahnlinie die Bereiche Schörgenhub, Kleinmünchen, Scharlinz und Neue Welt mit den nördlichen Stadtteilen, seit 2002 auch mit Ebelsberg und seit Sommer 2005 mit der SolarCity Linz.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Mal wird eine Kirche in Kleinmünchen im Jahre 1290 erwähnt, in einem Ablassbrief das Papst Nikolaus IV. an die Kirche von Leonding zu der auch die Filiale „sancti Quirini in Municheyn“ gehört. Archäologische Grabungen aus dem Jahre 1982 brachten ans Licht, dass diese Kirche bereits die dritte an dieser Stelle war und somit die Geschichte Kleinmünchens bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht. Seit 1784 sandte das Stift St. Florian Geistliche nach Kleinmünchen. Schließlich wurde Kleinmünchen eine Expositur von Ebelsberg und 1878 Josef Denk zum Pfarrkurator von Kleinmünchen ernannt.

Kleinmünchen war von zunehmender Industrialisierung geprägt und Denk erkannte die Notwendigkeit einer neuen, größeren Kirche und gründete 1889 einen Kirchenbauverein. Bereits fünf Jahre später – Kleinmünchen war seit drei Jahren eine eigene Pfarre – wurde der Grundstein für die neue Kirche vom Ölberg aus Jerusalem mitgebracht. Die Grundsteinlegung erfolgte am 20. August 1905 und bereits am 18. März 1906 fand die Feier der Turmkreuzstreckung statt. Am 22. Juli 1906 wurden die Glocken durch Propst Josef Sailer vom Stift St. Florian geweiht und am Nachmittag zum ersten Mal geläutet. Am 19. August 1906 weihte Bischof Franz Maria Doppelbauer die neue Kirche und zelebrierte die erste Heilige Messe.

Im Ersten Weltkrieg musste die Kirche ihre Glocken abliefern, ebenso das Kupferdach und die Prospektpfeifen, die 17 Kilogramm Zinn enthielten. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche wiederum ihrer Glocken beraubt. Am 20. Dezember 1944 wurde die Kirche durch eine Fliegerbombe schwer beschädigt, die unter anderem auch die Hälfte des Presbyteriumgewölbes einstürzen ließ.

Die evangelische Johanneskirche wurde 1965 erbaut.

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinmünchen hat eine lange Weber- und Spinnereitradition. Lange, bis um 1985 hieß die Endstation der Straßenbahn Linz hier Spinnereistraße. Im Jahr 1840 wurde der Baumwollenzeug-Fabrika die Landes-Fabriks-Befugnis erteilt, und 1871 wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Heute befindet sich die Linz Textil in Kleinmünchen, bis Mai 2018 soll die Erzeugung von Viskose-Garn hier eingestellt werden. "Ein Teil der Produktion wird zum kroatischen Tochterunternehmen Predionica Klanjec verlagert."[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Xaver Bohdanowicz: Die Linzer Vororte. Dargestellt nach dem Josephinischen Lagebuch und dem Francisceischen Kataster. Band 6, Linz 1963, „Abschnitt Gemeinde Kleinmünchen/Hausruckviertel“.
  • Franz Dobusch, Johann Mayr (Hrsg.): Linz – Stadt der Arbeit und Kultur. Gutenberg-Werbering, Linz 1997.
  • Barbara Hinterleitner, Helfried Hinterleitner (Hrsg.): Kleinmünchen 75 Jahre bei Linz. Kleinmünchner Kulturkreis, Linz 1998.
  • Helfried Hinterleitner: Kleinmünchen. Eine Reise durch die Geschichte. Kleinmünchner Kulturkreis, Linz [Jahr], ISBN 978-3-902598-27-1.
  • Stephanie Höfler: Die soziale Lage der Arbeiterschaft in Kleinmünchen 1919 bis 1938. Eine Frauen Alltagsgeschichte. Diplomarbeit, Salzburg 1991.
  • Astrid Maria Kapplinger: Arbeitersiedlung der Kleinmünchner Spinnerei. Historische Bedeutung, Sanierung und Erweiterung. Diplomarbeit, Innsbruck 1993.
  • Stadtforschung Linz: Linz 2000. Fakten, Bilder, Grafiken. CD-ROM, Linz 2000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kleinmünchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eingemeindung; Land Oberösterreich 1923
  2. a b Linz – Politik/Verwaltung – Linz Zahlen – Stadtgebiet (mit Überblick über die aktuellen und ehemaligen, von 1957 bis 2013 gültigen statistischen Bezirke von Linz).
  3. Linz Textil schließt Garnproduktion in Linz orf.at, 9. November 2017, abgerufen 10. November 2017.