Klinikum Schloß Winnenden

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Klinikum Schloß Winnenden
Ort Winnenden
Bundesland Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 52′ 20,9″ N, 9° 23′ 51,8″ OKoordinaten: 48° 52′ 20,9″ N, 9° 23′ 51,8″ O
Website

Das Zentrum für Psychiatrie Winnenden - Klinikum Schloß Winnenden ist ein Fachkrankenhaus für die psychiatrisch-psychotherapeutische sowie neurologische Behandlung und Betreuung von Erwachsenen.[1] Es wurde 1834 unter dem Namen „Königliche Heilanstalt Winnenthal“ eröffnet und in den Räumlichkeiten des ehemaligen Schlosses angesiedelt.[2]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klinikum Schloß Winnenden

Im Klinikum Schloß Winnenden ergänzen sich fünf eigenständige, spezialisierte Kliniken:

Eine Ergänzung des Behandlungsangebotes stellt die Einrichtung sowohl einer Tagesklinik als auch einer psychiatrischen Institutsambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie dar, deren Inbetriebnahme für Ende 2014 geplant ist.[4]

Das Klinikum ist verantwortlich für die regionale Versorgung des Rems-Murr-Kreises, des Landkreises Ludwigsburg Süd und des Ostalbkreises, was einem Versorgungsgebiet von etwa 900.000 Einwohnern entspricht.[5]

Seit dem Rechtsformwechsel im Jahr 1996 ist das Krankenhaus eine Anstalt des öffentlichen Rechts und ist seit 2009 ein Unternehmen der ZfP-Gruppe Baden-Württemberg. Insgesamt gibt es sieben Zentren für Psychiatrie (ZfP) in Baden-Württemberg.[6] 2009 feierte das Zentrum für Psychiatrie Winnenden sein 175-jähriges Bestehen.[7] Gleichzeitig wurde der Namenszusatz „Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie“ durch die Bezeichnung „Klinikum Schloß Winnenden“ ersetzt. Das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg ist die verantwortliche Aufsichtsbehörde.[8] Der Aufsichtsrat besteht aus sechs Personen, die Verantwortung der Geschäfte liegt beim Geschäftsführer Hermann-J. Fliß. Dieser berichtet zwei Mal jährlich an den Aufsichtsrat und wird von der Geschäftsleitung, die sich mit ihm aus sieben Personen zusammensetzt, beraten und unterstützt.[9] [10] Die Position des Ärztlichen Direktors ist von Christopher Dedner besetzt.

Auf dem öffentlich zugänglichen Gelände befindet sich eine weitläufige Parkanlage. Die Klinik- und Verwaltungsgebäude sind in dieses Areal eingebettet. Des Weiteren befinden sich produzierende Betriebe wie Küche, Wäscherei, Technikwerkstätten, eigene Apotheke, Personalcasino sowie das Schloßcafé auf dem Gelände. Das ZfP Winnenden veranstaltet regelmäßige Informationsveranstaltungen und Führungen sowie alle zwei Jahre einen Tag der offenen Tür. Außerdem werden Bilder-Ausstellungen von Künstlern aus der Region, Schlosskonzerte und -matineen sowie die jährlich stattfindende Veranstaltung „Winnenden liest“ vom Klinikum organisiert.[11] Seit Ende 2012 ist das Klinikum als „Singendes Krankenhaus“ zertifiziert.

Das Klinikum Schloß Winnenden verfügt über Außenstellen in Aalen, Schwäbisch Gmünd und Ellwangen. In Aalen teilen sich die Stadt Aalen und das Zentrum für Psychiatrie Winnenden die Trägerschaft, letzteres ist zusätzlich für die Betreibung verantwortlich. Im sogenannten Hirschbachhaus ist seit 1999 eine Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie mit 25 Plätzen angesiedelt, seit 2006 gibt es zusätzlich eine Außensprechstunde.[12] Die Außenstelle in Schwäbisch Gmünd besteht seit dem 1. Juli 2010 im Haus der Gesundheit. Dort gibt es ein psychiatrisch-psychotherapeutisches Angebot mit zwei offenen Stationen, einer Psychiatrischen Institutsambulanz, einer Tagesklinik für Allgemeinpsychiatrie und Suchttherapie sowie einem medizinischen Versorgungszentrum mit den Fachrichtungen Psychiatrie, Innere Medizin und Neurologie.[13] Im Dezember 2012 wurde in der St. Anna-Virngrund-Klinik Ellwangen eine Abteilung für Erwachsenenpsychiatrie eingerichtet, die vom Klinikum Schloß Winnenden betrieben wird.[14]

Allgemeine Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anzahl Betten: 590
  • Anzahl Mitarbeiter: 1003
  • Geschäftsführer: Hermann-J. Fliß (seit 1999)

Therapie- und Versorgungsformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachärztliche psychiatrische Versorgung und Psychotherapie, psychiatrische Pflege, Psychosomatik, Stationäre Betreuung, Tageskliniken, Psychiatrische Institutsambulanzen (PIA), Medizinisches Versorgungszentrum, Kunsttherapie, Musiktherapie, Ergotherapie, Physiotherapie, Sport- und Bewegungstherapie, Sozialdienst, Seelsorge, Laienhelfer, Suchttherapie und Entwöhnung, Alterspsychiatrie und -psychotherapie, Diagnostik und Therapie bei neurologischen Erkrankungen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heilanstalt Schloss Winnenthal

→ zur Vorgeschichte siehe Schloss Winnental

Das Klinikum behandelt seit seiner Eröffnung am 1. März 1834 psychisch Kranke und ist somit die älteste Heilanstalt Württembergs.[15] Zunächst waren 100 Betten vorhanden, bis ins Jahr 1840 stieg die Anzahl der Mitarbeiter auf 37 an. Das Schloss Winnenthal wurde wegen seiner verkehrsgünstigen und klimatisch gesunden Lage ausgewählt und in eine Heilanstalt für psychisch Kranke umgebaut. Die Aufgabe der neuen Klinik war, im Gegensatz zu den meisten damaligen Einrichtungen, vorrangig die Heilung von Geisteskranken, nicht deren bloße Verwahrung. Die Anstalt wurde nach Plänen des Mediziners und Obermedizinalrats Karl Heinrich Gotthilf von Köstlin aufgebaut, der erste ärztliche Direktor war Albert Zeller. Mit seiner damals bemerkenswert fortschrittlichen Denkweise, dass auch psychisch Kranke einen Anspruch auf Fürsorge, Pflege und Mitleid haben sollten, fungierte er als früher Verfechter der auf medizinischer Grundlage basierenden Psychiatrie und prägte die Entwicklung dieser Fachrichtung in Deutschland nachhaltig. Er legte großen Wert auf die somatische Behandlung, weshalb körperliche Begleiterscheinungen und Gebrechen sorgfältig verarztet wurden. Dies geht zurück auf seinen ganzheitlichen Ansatz, dass Körper und Seele zusammengehören. Außerdem setzte er bereits auf Arbeits-, Sport- und Beschäftigungstherapie. Zeller leitete die Anstalt bis zu seinem Tod 1877.

Danach übernahm Zellers ältester Sohn Ernst die Leitung und führte das 1875 in „Königliche Heil- und Pflegeanstalt Winnenthal“ umbenannte Klinikum von 1878 bis 1900. Die Umbenennung der Einrichtung stand in starkem Kontrast zu Albert Zellers Vorstellung der Trennung von Behandlungs- und Pflegefällen. Das Haus nahm nun sowohl heilbar als auch unheilbar Kranke auf, was jedoch bereits nach kurzer Zeit zu einer Ausschöpfung der Bettenkapazität führte. Bis 1930 wurde diese auf 600 Betten angehoben. Die Zahl der Mitarbeiter betrug zu diesem Zeitpunkt 159, davon 6 Ärzte und 86 Pflegekräfte. Deren schlechte Arbeitsbedingungen wurden durch sozialgesetzliche Reformen im Jahr 1895 verbessert, um die starke Personalfluktuation und den Mangel an weiblichem Pflegepersonal einzudämmen.

1902 wurde im Klinikum eine landwirtschaftliche Kolonie mit Viehhaltung eröffnet, die lange Jahre eine nahezu vollständige Selbstversorgung ermöglichte.

Der Erste Weltkrieg hatte auch für die Anstalt schwerwiegende Folgen. Viele männliche Mitarbeiter wurden für den Wehrdienst eingezogen, wodurch die bereits überbelegte Einrichtung mit schweren Personalengpässen zu kämpfen hatte. Außerdem stieg durch den Mangel an Nahrungsmitteln die Sterberate unter den Patienten drastisch an. In dieser Zeit wurde Ernst August Wagner, einer der bekanntesten Psychiatriepatienten in Europa, in das Klinikum Winnenden eingewiesen. Der Fall des Massenmörders hatte großes öffentliches Interesse geweckt.

Auch der Einfluss der Nationalsozialisten traf die Einrichtung schwer. 1940 wurde sie eine sogenannte Zwischenanstalt für Patienten aus anderen württembergischen Anstalten auf deren Weg in die zentrale Tötungseinrichtung Schloss Grafeneck. Im Rahmen der Aktion „T4“, die ein Teil des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten darstellte, wurden fast 400 Menschen durch die „Grauen Busse“ der Gemeinnützigen Krankentransport GmbH nach Grafeneck verlegt und dort ermordet. Die im Klinikum verbleibenden Patienten litten unter Problemen wie dem Mangel von Medikamenten, Lebensmitteln und Heizmaterial. Durch die Unterbringung des Wehrmachtslazaretts und später der Gesundheitsabteilung des Innenministeriums aus Stuttgart sowie die Aufnahme weiterer pflegebedürftiger Personen wurde dieser Mangel verstärkt und ein erhebliches Platzproblem kam zudem hinzu. 416 Patienten verstarben im Jahr 1945, viele von ihnen während der kalten Wintermonate. Seit dem Jahr 2009 erinnert ein Mahnmal auf dem Gelände des Klinikums an die zahlreichen Opfer dieser Zeit.[16] [17]

Ab dem Jahr 1961 wurden im Rahmen eines Erlasses des baden-württembergischen Innenministeriums an den Psychiatrischen Landeskrankenhäusern des Landes Baden-Württemberg Krankenpflegeschulen eingerichtet, welche die bisherigen Krankenpflegekurse ablösten. Dies trug zu einer fachlich qualifizierten Versorgung der Patienten im seit 1953 in „Psychiatrisches Landeskrankenhaus Winnental“ umbenannten Haus bei.

Seit der Einstellung eines Musiktherapeuten im Jahr 1965 und der damit verbundenen Einführung der Musiktherapie ist diese ein wichtiger Bestandteil der Behandlungsangebote im Klinikum Schloß Winnenden. Im selben Jahr wurde die für die Arbeitstherapie genutzte Halle neu gebaut.

Im darauf folgenden Jahr startete in Winnenden der Modellversuch einer Tagesklinik in Baden-Württemberg.

1971 nahm eine neurologische Fachabteilung den Betrieb auf, 1973 wurde die ehemalige Heilanstalt umbenannt in „Psychiatrisches Landeskrankenhaus Winnenden“ (PLK).

Ende des Jahres 1974 wurde das Personalkasino am neuen Wirtschaftsgebäude eröffnet und erstmals die Hauszeitschrift Der Brunnen veröffentlicht. Diese Mitarbeiterzeitschrift erscheint in modernisiertem Format noch heute monatlich. Im Januar 1983 folgte außerdem die Inbetriebnahme einer Krankenhausapotheke auf dem Gelände.

Ab 1979 kam mit dem Beginn der Entwöhnungsbehandlung und der Eröffnung einer neuen Abteilung für Suchttherapie ein weiteres Therapieangebot hinzu. Im Jahr 2002 erhielt das ZfP Winnenden die Erlaubnis zur Betreibung einer Institutsambulanz (PIA) mit den Schwerpunkten Allgemeine und Alterspsychiatrie sowie Suchttherapie.[18]

Bekannte Patienten in Winnenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der österreichische Dichter Nikolaus Lenau wurde im Oktober 1844 wegen Tobsucht in die „Königliche Heilanstalt Winnenthal“ eingewiesen. Während seines Aufenthaltes in der Heilanstalt verfasste er sein Werk „Notizbuch aus Winnenthal“, ein typisches Sudelbuch, das sowohl seine seelische Verstörung als auch seine plötzlichen Einfälle und Gedanken widerspiegelt. Lenau war ein Patient der Ersten Versorgungsklasse, wodurch er Privilegien wie beispielsweise ein Einzelzimmer genoss.[19] Einer der bekanntesten Psychiatriepatienten Europas war Ernst August Wagner. Er wurde am 4. Februar 1914 aufgrund von Verfolgungswahn in die Heilanstalt Winnenthal eingewiesen, nachdem er seine Frau und vier Kinder erschlagen sowie wahllos zwölf weitere Menschen erschossen hatte.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klinikum Schloß Winnenden zfp-winnenden.de
  2. Von der „Heilanstalt Winnenthal“ zum Klinikum Schloß Winnenden zfp-winnenden.de
  3. Klinikum Schloß Winnenden, Geschäftsbericht 2012 (PDF; 2,4 MB)
  4. Klinikum Schloß Winnenden, Geschäftsbericht 2012 (PDF; 2,4 MB)
  5. Die Fachkliniken zfp-winnenden.de
  6. Zentren für Psychiatrie Baden-Württemberg psychiatrie-bw.de
  7. Stadt Winnenden, ZfP Winnenden (Hrsg.): 175 Jahre Heilanstalt Winnenden. verlag regionalkultur, 2009, ISBN 978-3-89735-547-7
  8. Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg sozialministerium-bw.de
  9. Der Aufsichtsrat des Klinikums Schloß Winnenden zfp-winnenden.de
  10. Die Geschäftsleitung des Klinikums Schloß Winnenden zfp-winnenden.de
  11. Kultur und Entspannung zfp-winnenden.de
  12. Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Aalen ostalbkreis.de
  13. Psychiatrische Klinik im Haus der Gesundheit Schwäbisch Gmünd ostalbkreis.de
  14. St. Anna-Virngrund-Klinik Ellwangen ostalbkreis.de
  15. Geschäftsbericht 2011 der Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg (PDF; 3,8 MB)
  16. Gedenktag für Nazi-Opfer in Winnenden m.stuttgarter-zeitung.de
  17. Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus baden-wuerttemberg.de
  18. Stadt Winnenden, ZfP Winnenden (Hrsg.): 175 Jahre Heilanstalt Winnenden. verlag regionalkultur, 2009, ISBN 978-3-89735-547-7
  19. Stadt Winnenden, ZfP Winnenden (Hrsg.): 175 Jahre Heilanstalt Winnenden. verlag regionalkultur, 2009, ISBN 978-3-89735-547-7

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadt Winnenden, ZfP Winnenden (Hrsg.): 175 Jahre Heilanstalt Winnenden, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2009, ISBN 978-3-89735-547-7.

Filme:

  • ZfP Winnenden: Klinikum Schloß Winnenden - Zeit für Seele, (ca. 6 Minuten) 2013
  • ZfP Winnenden: Klinikum Schloß Winnenden – Arbeit mit Menschen und Perspektiven, (ca. 6 Minuten) 2013