Kohlekrise

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Die Kohlekrise (umgangssprachlich auch Zechensterben) beschreibt den wirtschaftlichen Niedergang des Steinkohle-Bergbaus in West- und Mitteleuropa.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mögliche Ursachen für die Kohlekrise gibt es viele, dazu zählen unter anderem:

  • die Subventionen, mit denen der westdeutsche Staat bis zum Jahr 1957 den Steinkohlenbergbau aktiv unterstützt und zur Expansion bewegt hat, um dem durch die wachsende Nachfrage der Nachkriegsindustrie des westdeutschen Wirtschaftswunders drohenden Kohleengpass entgegenzuwirken. Das führte möglicherweise zu einer Übersättigung des Steinkohlenmarktes, weil noch weiter expandiert wurde, als es marktwirtschaftlich nicht mehr nötig war;
  • Schutzzölle auf Erdöl, die aus Angst vor hohen Energiepreisen, die das westdeutsche Wirtschaftswunder hätten hemmen können, seitens der westdeutschen Regierung abgeschafft wurden. Aufgrund der in Folge sinkenden Ölpreise etablierte sich Erdöl sowohl in Haushalten als auch in der Schifffahrt und zahlreichen weiteren Industriezweigen als primärer Energielieferant. In direkter Folge sank die Nachfrage nach Steinkohle drastisch und der Kohleanteil am Energiemarkt ging im Zeitraum von 1950 bis 1964 von ca. 87 % auf 60 % zurück und sank danach noch weiter.
  • Deutsche Steinkohle ist teurer als ausländische Steinkohle. Das hat wiederum verschiedene Gründe:
    1. Die geologischen Bedingungen zur Förderung der Steinkohle sind nicht (mehr) optimal. Nach Norden hin liegen die Kohleflöze tiefer als im südlichen Ruhrgebiet. Die Kohle wird in Teufen von bis zu 1000 Metern abgebaut; dagegen kann in anderen Ländern die Steinkohle bisweilen in Oberflächennähe oder im Tagebau abgebaut werden.
    2. Westdeutsche Bergleute erhielten und erhalten deutlich höhere Löhne als Bergleute in anderen Ländern.
    3. Durch sinkende Transportkosten als Folge größerer Schiffe (Massengutfrachter) und besserer Infrastruktur wurden die Förderkosten ausschlaggebend für den Steinkohlenabsatz.
  • Durch den steigenden Braunkohle- und Kernenergiekraftanteil an der Energieerzeugung halbierte sich der westdeutsche Steinkohlenbedarf von Beginn der 1960er bis Ende der 1990er Jahre (von 120 Millionen Tonnen auf etwa 70 Millionen Tonnen). In den Jahren 1975 bis 1989 gingen die großen Kernkraftwerke in der BRD ans Netz.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinkohle

Als Beginn der Kohlekrise gelten allgemein die Jahre 1957 und 1958, als vor allem im Ruhrgebiet unversehens große Haldenbestände an Kohle anfielen – die Bergwerke wurden plötzlich ihre Kohle nicht mehr los. Versuchten die Gesellschaften das Problem zunächst durch „Feierschichten“ (der Arbeitstag fiel einfach aus, die Bergleute wurden hierfür nicht bezahlt) in den Griff zu bekommen, kam es rasch zu ersten Stilllegungen.

Am 31. Januar 1959 schloss die Zeche Lieselotte bei Hattingen, doch erst das Aus für die Zeche Friedrich Thyssen 4/8 in Duisburg-Hamborn schreckte die Öffentlichkeit auf. In der Folge wurden zunächst kleinere, ältere und unrentable Gruben vor allem im Süden des Ruhrgebiets geschlossen, doch rasch griff das Zechensterben auch auf größere, leistungsfähige Gruben über. Es begann eine Dauerkrise der Montanindustrie, die in den kommenden Jahrzehnten zu Schließungen von Zechen, Hochöfen und Stahlwerken führte.

Einen ersten Höhepunkt erreichte die Kohlekrise 1963, als dreizehn Zechen (Zeche Centrum, Zeche Dorstfeld, Zeche Fröhliche Morgensonne u.a.) geschlossen wurden und rund 10.000 Bergleute ihren Arbeitsplatz verloren. Bis 1975 gab es in früheren Bergbaustädten wie Bochum, Essen, Herne oder Wattenscheid so gut wie keine Bergwerke mehr. Um auf die Krise effektiver reagieren zu können, schlossen sich 1968 die Zechen des Ruhrgebiets zur Ruhrkohle-AG (RAG – heutige RAG Aktiengesellschaft) zusammen. Die finanziellen Verluste der RAG werden von der öffentlichen Hand ausgeglichen, die Gewinne und die Grundstücke verbleiben bei den Zechen.

In den folgenden Jahren kam es zu zahlreichen Streiks und Mahnwachen von Bergleuten, die gegen den Verlust von Arbeitsplätzen protestierten. So kam es 1987 beispielsweise zu einem Streik von etwa 100.000 Bergleuten, die anlässlich der geplanten Schließung zweier Hochöfen des Krupp-Stahlwerks in Duisburg-Rheinhausen ihre Arbeit niederlegten (Besetzung einer Rheinbrücke: „Brücke der Solidarität“, zeitweilige Blockade von Autobahnen). Die Streiks, Menschenketten und Fackelzüge der nächsten Jahre verhinderten jedoch nicht die Schließung weiterer Standorte der Montanindustrie, so dass sich die Zahl der Zechen im Ruhrgebiet bis 1998 auf elf und bis 2007 auf sechs reduzierte. Anfang 2012 waren in Nordrhein-Westfalen noch vier Zechen in Betrieb: das Bergwerk West in Kamp-Lintfort wurde Ende 2012 und die Auguste Victoria in Marl wurde Ende 2015 stillgelegt, Bergwerk Ibbenbüren und Prosper-Haniel in Bottrop werden 2018 folgen. Im Aachener Revier wurde die letzte Zeche bereits 1997 geschlossen, die letzte Grube im Saarrevier, das Bergwerk Saar, stellte die Förderung zum 30. Juni 2012 ein.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]