Kolinda Grabar-Kitarović

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Kolinda Grabar-Kitarović (2016)

Kolinda Grabar-Kitarović[1] (* 29. April 1968 in Rijeka als Kolinda Grabar) ist eine kroatische Politikerin und Diplomatin. Am 11. Januar 2015 wurde sie zur Staatspräsidentin Kroatiens gewählt. Sie trat ihr Amt am 15. Februar 2015 an.

Sie war bis 2015 Mitglied der Kroatischen Demokratischen Union (HDZ). Kroatische Präsidenten müssen ihre Parteimitgliedschaft ablegen.

Kindheit, Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie wurde als erstes Kind geboren.[2] Ihre Familie wohnte in der Ortschaft Lubarska bei Rijeka. Der Vater Branko hatte eine Metzgerei. Ihr fünf Jahre jüngerer Bruder Branko arbeitete im Gewerbe des Vaters. Sie reiste jeden Tag nach Rijeka zur Schule und wuchs in männlicher Gesellschaft auf. In der Jugendzeit wollte Kolinda Stewardess oder Übersetzerin werden. Nach der dritten Klasse des Gymnasiums in Rijeka ging sie im Rahmen eines Austauschs in die Vereinigten Staaten. Kolinda Grabar besorgte sich selber ein Visum, kaufte selbstständig ein Flugticket und erledigte die restlichen Formalien, und war dann ein Jahr lang in Los Alamos bei einer Familie.[3]

Der Großvater mütterlicherseits war Mitglied der Kroatischen Bauernpartei. Zu Zeit des Zweiten Weltkriegs schloss er sich der Antifaschistischen Bewegung an – wegen der Verbrechen italienischer Faschisten in seiner Heimatregion. Die Enkelin meinte später, dass ihr Opa zu den Partisanen ging, um einer Gefangennahme und Erschießung durch die Italiener zu entgehen. Im Frühling 1945 wurde er im Kampf mit Deutschen um Rijeka schwer verletzt. Er starb 60-jährig an den Folgen der Verwundungen. Ihre Großmutter rettete ein Pfarrer aus Grobnik vor der Erschießung. Die gläubigen Großeltern wurden nach dem Krieg zu Gegnern des Kommunismus.[2]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tochter eines Metzgers kam mit 17 als Austauschschülerin in die Vereinigten Staaten, wo sie nach einem Jahr die High School in Los Alamos (New Mexico) abschloss. Sie studierte die Sprachen Englisch und Spanisch an der Universität Zagreb mit dem Abschluss Diplom (1993). 1995/96 belegte sie ein Aufbaustudium der deutschen Sprache und zusätzliche diplomatische Ausbildungen an der Diplomatischen Akademie Wien. Sie verbrachte Studienaufenthalte bei internationalen Institutionen, u.a. in Genf, Straßburg und Brüssel. 2000 erhielt sie in Politikwissenschaft an der Universität Zagreb einen Master-Abschluss in internationalen Beziehungen.[4] Mit dem Fulbright-Programm kam Grabar-Kitarović anschließend an die George Washington University[5] und erhielt weitere Stipendien, u.a. für die Harvard University und Johns Hopkins University.[6]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 arbeitete Grabar-Kitarović im neugebildeten Ministerium für Wissenschaft und Technologie als Beraterin im Ressort der Internationalen Zusammenarbeit. Seit 1993 gehört sie der HDZ an.[7] Im selben Jahr wechselte sie ins Außenministerium, wo sie ab 1995 für zwei Jahre die Abteilung für Nordamerika-Beziehungen leitete. Anschließend wechselte sie als diplomatische Beraterin und später Botschaftsrätin in die Kroatische Botschaft nach Ottawa, Kanada.

Bei der Parlamentswahl in Kroatien 2003 erhielt sie ein Mandat im Sabor; in der daraufhin im Dezember 2003 gebildeten Regierung von Ivo Sanader wurde sie Ministerin für Europäische Integration. Nach dem Rücktritt des Außenministers Miomir Žužul wurde sie dessen Nachfolgerin, wobei das Ministerium für Europäische Integration in das Außenministerium integriert wurde. Sie blieb Außenministerin bis Januar 2008, ihr Nachfolger wurde Gordan Jandroković. Anschließend war sie von 2008 bis 2011 kroatische Botschafterin in den Vereinigten Staaten und von 2011 bis 2014 stellvertretende Generalsekretärin der NATO für den Bereich Public Diplomacy.[8]

Kolinda Grabar-Kitarović meinte Ende Juni 2017, dass den Kroaten in BiH drohe, als einer der drei konstitutiven Völker zu einer Minderheit zu verkommen. Deshalb seien Änderungen am Wahlgesetz Bosnien-Herzegowinas unabdingbar. Sie insistiert und werde immer für die Gleichberechtigung der Kroaten in Bosnien-Herzegowina insistieren. Deswegen müsste man mit größtem Ernst an der Lösung politischer Probleme herantreten.[9]

Außerdem hielt sie im Juni 2017 anlässlich eines Staatsfeiertags eine Rede über die 26 -jährige Unabhängigkeit Kroatiens mit folgendem Wortlaut:[9]

„Die heutige Zeremonie führt unsere Gedanken 26 Jahre zurück – zur die Unterzeichnung der Unabhängigkeitsdeklaration der Republik Kroatien. Es war das Ende einer langen Reise des kroatischen Volkes im Kampf für einen eigenen unabhängigen Staat. Leider konnten wir unseren jungen demokratischen Staat nicht wie dies andere Völker in Frieden aufbauen, sondern mussten den jungen Staat von inneren und äußeren Aggressionen befreien, welche durch eine großserbische Ideologie entstanden.“

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Präsidentschaftswahl 2014/15 war Kolinda Grabar-Kitarović im 1. Wahlgang mit 37,2 % Zweitplatzierte hinter Amtsinhaber Ivo Josipović mit 38,5 % und vor dem drittplatzierten Ivan Vilibor Sinčić mit 16,4 %.[10] Im zweiten Wahlgang am 11. Januar 2015 wurde sie mit 50,7 % der Stimmen zum Staatsoberhaupt gewählt und am 15. Februar 2015 vereidigt.[11] Mit dem Amtsantritt legte sie ihre Mitgliedschaft in der Trilateralen Kommission nieder.[12]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996 heiratete sie Jakov Kitarović, den sie während der gemeinsamen Studienzeit in Zagreb kennengelernt hatte und der seit 2008 seine Professur an der Fakultät für Seefahrt der Universität Rijeka zugunsten der Karriere seiner Frau ruhen lässt. Das Paar hat eine Tochter (* 2001) und einen Sohn (* 2003).[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kolinda Grabar-Kitarović – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Im Kroatischen wird der Doppelname häufig ohne Bindestrich, also Kolinda Grabar Kitarović geschrieben.
  2. a b Kolinda Grabar Kitarović. (vecernji.hr [abgerufen am 15. Oktober 2017]).
  3. Tko je nova hrvatska predsjednica? Pročitajte biografiju Kolinde Grabar Kitarović! | Dnevno.hr. Abgerufen am 15. Oktober 2017 (hr-HR).
  4. Lebenslauf Kolindas.
  5. Pressemitteilung der Universität.
  6. Who is Who bei der Nato.
  7. Kolinda Grabar Kitarović - nova nada Hrvatske, Narodni List (Zadar) online, 22. Juni 2014
  8. www.nato.int Kolinda Grabar-Kitarovic, Assistant Secretary General for Public Diplomacy. In: Nato.int.
  9. a b KOSMO-Redaktion: „Kroaten in Bosnien-Herzegowina droht Gefahr, eine Minderheit zu werden“ - KOSMO. In: KOSMO. 27. Juni 2017 (kosmo.at [abgerufen am 15. Oktober 2017]).
  10. Ergebnis des 1. Wahlgangs (kroatisch); siehe auch Präsidentschaftswahl in Kroatien: Staatsoberhaupt verpasst absolute Mehrheit. In: Spiegel Online, 28. Dezember 2014.
  11. Ergebnis des 2. Wahlgangs (kroatisch); Kolinda Grabar-Kitarovics Sieg ist amtlich. In: St. Galler Tagblatt Online, 12. Januar 2015; Inauguracija prve predsjednice, jutarnji.hr, 27. Januar 2015 (kroatisch)
  12. Eine Mitgliedschaft in der Trilateralen Kommission ist für aktive Inhaber hoher Staatsämter nicht möglich, siehe Rozita Vuković, Kolinda Grabar Kitarović izlazi iz Trilateralne komisije, jutarnik.hr, 10. Februar 2015
  13. Suprug Kolinde Grabar Kitarović konačno izašao iz sjene. In: tportal.hr, 18. August 2014 (kroatisch); Moj suprug nije papučar nego moderan muškarac. In: gloria.hr, 24. Dezember 2014 (kroatisch).