Public Diplomacy

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Der Begriff Public Diplomacy (PD) wurde zu Beginn der 1960er Jahre in den USA geprägt und beschreibt die Ausrichtung moderner Diplomatie, die als Adressaten insbesondere ausländische Öffentlichkeiten zum Ziel hat. Public Diplomacy stellt damit eine Mischung aus Auslands-Propaganda, politischem Marketing, Völkerverständigung und Kulturdiplomatie dar. Sie zielt auf Verbesserung des Images des eigenen Landes in der Wahrnehmung anderer Länder.

Definitionen[Bearbeiten]

Hans M. Tuch definiert Public Diplomacy als „Kommunikationsprozess einer Regierung mit ausländischen Öffentlichkeiten mit der Absicht, Verständnis zu schaffen für die Vorstellungen und Ideale des eigenen Landes, seine Einrichtungen und Kulturen wie auch für dessen nationalen Ziele und aktuellen politischen Leitlinien.”[1]

Signitzer (1995) beschreibt zwei Grundfunktionen der Public Diplomacy: Demnach gäbe es einerseits die „harte Schule“ der Public Diplomacy – die politische Information. Sie sei die Beeinflussung ausländischer Zielgruppen mittels Persuasion. Dabei gehe es zumeist um die kurzfristige Erklärung bzw. Verteidigung von konkreten Positionen und Verhaltensweisen von Regierungen. Andererseits gäbe es die „weiche Schule“ der Public Diplomacy, die auf auf wechselseitiges Verständnis in eher auf Langfristigkeit angelegten Präsentationen der Gesamtgesellschaft bzw. von Teilaspekten derselben ziele.

Eine Publikation des US-Außenministeriums beschreibt Public Diplomacy wie folgt:

Public diplomacy umfasst Aktionen der US-Regierung, die darauf abzielen, ausländische Öffentlichkeiten zu verstehen, zu informieren und zu beeinflussen durch internationale Austauschprogramme, internationale Informationsprogramme, Medienforschung und Umfragen sowie Unterstützung für Nichtregierungsorganisationen. Public diplomacy festigt die Beziehungen zu Amerikas Verbündeten, sucht andere mit amerikanischen Werten zu impfen und fördert gegenseitiges Verständnis zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Gesellschaften. Richtig betrieben, verringert PD das Potenzial für militärische, politische und wirtschaftliche Konflikte und zerstreut negative Vorstellungen über die Vereinigten Staaten. Public diplomacy ist ein kostengünstiges, aber sehr wirksames Mittel um amerikanische Grundsätze und Interessen im Ausland zu fördern.[2][3]

Abgrenzungen[Bearbeiten]

Im Unterschied zur „normalen“ Diplomatie richtet sich Public Diplomacy nicht nur an staatliche Akteure, sondern auch an die Bevölkerung anderer Staaten.

Auch der Begriff Propaganda ist nicht mit dem Begriff Public Diplomacy gleichzusetzen. Propaganda wird meist von staatlichen Akteuren beziehungsweise im Auftrag der staatlichen Akteure betrieben. Zudem ist Propaganda ein Instrument, das vor allem in Kriegszeiten genutzt wird, während Public Diplomacy hauptsächlich in Zeiten des Friedens angewandt wird. In der Praxis lassen sich die Begriffe Propaganda und Public Diplomacy allerdings nicht immer eindeutig voneinander abgrenzen. [4]

Public Diplomacy in der Wirtschaft[Bearbeiten]

Auch auf wirtschaftlicher Ebene wird Public Diplomancy betrieben. Am Beispiel der Übernahme der französischen Konzerns Alstom von General Electric konnte man dies besonders anschaulich verfolgen: Hierbei griff der französische Staat massiv in die Verhandlungen zwischen General Electric und Alstom ein, da er ein großes Interesse daran hatte, wichtige eigene Wirtschaftsunternehme zu kontrollieren. Genau dieser Punkt veranschaulicht die fließenden Grenzen zwischen Lobbyismus und Public Diplomacy. Gerade in Frankreich spielen große Unternehmen wie EDF, Total, Citroën oder eben auch Alstom eine identitätsstiftende und nicht zuletzt auch patriotische Rolle für das Land. Dadurch fühlt man sich in Frankreich auch parteiübergreifend für französische Unternehmen verantwortlich und zögert nicht, diese finanziell zu unterstützen. So wie Apple, Coca Cola oder Google als amerikanische Unternehmen wahrgenommen werden, nimmt die französische Öffentlichkeit Unternehmen wie Alstom als traditionell französisch war. Die Politik sorgt in Frankreich für diese Unterstützung, weil sie weiß, dass es kein besseres Aushängeschild beziehungsweise keine bessere Werbung für ein Land gibt, als erfolgreiche und mächtige Unternehmen mit einer nationalen Identität. Der französische Wirtschaftsminister Montebourg sagte in diesem Zusammenhang: „Die Wahl, die wir getroffen haben, ist eine Wahl für den ökonomischen Patriotismus“. Dieses Eingreifen impliziert die besondere Form von Public Diplomacy, welche der französische Staat verfolgt. Er möchte ein klares politisches Signal senden. So wird zum einen das Bild eines starken Staates an Europa und an die Welt gesendet und zum anderen das Bild einer soliden französischen Wirtschaft propagiert. Auch möchte der französische Staat seinen Bürgern zeigen, dass Arbeitsplätze gesichert werden. In Zukunft wird Lobbyismus ein zunehmend zentraler Aspekt sein, um auch der Politik zu ermöglichen, eine nationale und internationale Unternehmensstrategie beziehungsweise Public Diplomacy auf wirtschaftlicher Ebene umzusetzen. Dies ermöglicht Staaten, wie zuletzt Frankreich, die Standortwahl von Unternehmen bedeutend zu beeinflussen. Außerdem gibt man dadurch indirekt jedem einzelnen Bürger die Chance, bei zentralen Entscheidungen von Großkonzernen mitentscheiden zu können.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Klöckner: Public Diplomacy. Auswärtige Informations- und Kulturpolitik der USA. Strukturanalyse der Organisation und Strategien der USIA und des USIS in Deutschland. Nomos VG, Baden-Baden 1993, ISBN 3-7890-2941-6
  • Michael Kunczik: Die manipulierte Meinung. Nationale Image-Politik und internationale Public Relations. Böhlau, Köln 1990, ISBN 3-412-08089-6
  • Sebastian Lange: Der Erfolg von "Public Diplomacy": Eine theoretische Analyse am Fallbeispiel Deutschland. VDM, Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-8364-4650-1
  • Holger Ohmstedt: Von der Propaganda zur Public Diplomacy. Die Selbstdarstellung der Vereinigten Staaten von Amerika im Ausland vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende des Kalten Krieges. Dissertation, Universität München 1993
  • Daniel Ostrowski: Die Public Diplomacy der deutschen Auslandsvertretungen weltweit. Theorie und Praxis der deutschen Auslandsöffentlichkeitsarbeit. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16959-0
  • Hansgert Peisert: Die auswärtige Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Sozialwissenschaftliche Analysen und Planungsmodelle. Klett, Stuttgart 1978, ISBN 3-12-910160-8
  • Kristina Schlachetzki: Public Diplomacy - der U.S.-amerikanische Auslandsrundfunk als Instrument der Außenpolitik, Universität zu Köln, Seminar für Politische Wissenschaft 2005, ISBN 3836459868, ISBN 978-3836459860
  • Antje Scholz: Verständigung als Ziel interkultureller Kommunikation. Eine kommunikationswissenschaftliche Analyse am Beispiel des Goethe-Instituts. LIT-Verlag, Münster 2000, ISBN 3-8258-4890-6
  • Benno Signitzer: Public Relations und Public Diplomacy. In: Walter A. Mahle (Hrsg.): Deutschland in der internationalen Kommunikation. UVK-Medien, Konstanz 1995, ISBN 3-88295-236-9
  • Benno H. Signitzer: Anmerkungen zur Begriffs- und Funktionswelt von Public Diplomacy. In: Wolfgang Armbrecht u.a. (Hrsg.): Image und PR. Kann Image Gegenstand einer Public Relations-Wissenschaft sein? Westdeutscher Verlag, Opladen 1993, ISBN 3-531-12466-8, S. 199-211
  • Benno H. Signitzer, Timothy Coombs: Public relations and public diplomacy. Conceptual convergences. In: Public Relations Review, Vol. 18 (1992), S. 137-147
  • Nancy Snow: Brainscrubbing. The failures of US public diplomacy after 9/11. In: David Miller (Hrsg.): Tell me lies. Propaganda and media distortion in the attack on Iraq. Pluto Press, London 2004, ISBN 0-7453-2201-8, S. 52-62
  • Tim Stiehl: Public Diplomacy gleich Nation Branding? Eine theoretische Abgrenzung zweier Konzepte zur Außendarstellung von Staaten. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, 2011, ISBN 978-3639344844
  • Hans N. Tuch: Communicating with the world. US public diplomacy overseas. St. Martin's Press, New York 1990, ISBN 0-312-04809-2

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Orig.: “Public diplomacy is a government’s process of communicating with foreign publics in an attempt to bring about understanding for its nation’s ideas and ideals, its institutions and cultures, as well as its national goals and current policies.”
  2. Orig.: "Public diplomacy involves U.S. Government activities intended to understand, inform, and influence foreign publics through international exchanges, international information programs, media research and polling, and support for nongovernmental organizations. Public diplomacy solidifies relations with America's allies, seeks to inculcate others with American values, and promotes mutual understanding between the United States and other societies. Done properly, it reduces the potential for conflict - military, political, and economic - and dispels negative notions about the United States. Public diplomacy is an inexpensive, yet highly effective, way to promote American policy and interests overseas." - United States Advisory Commission on Public Diplomacy: Consolidation of USIA Into The State Department: An Assessment After One Year (Oktober 2000; PDF; 183 kB), S. 5;
  3. Consolidation of USIA Into The State Department: An Assessment After One Year (Oktober 2000), S. 5
  4. http://www.bpb.de/apuz/31364/auswaertige-kulturpolitik-und-propaganda-in-den-usa?p=all

Weblinks[Bearbeiten]