Kommandobunker Börfink

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Der Kommandobunker Börfink, genannt Bunker Erwin, ist ein nicht mehr genutzter, ehemals geheimer NATO-Bunker in der Nähe von Börfink bei Birkenfeld im Hunsrück (Rheinland-Pfalz) am Fuß des Erbeskopf, von dem aus die Luftraumüberwachung Mitteleuropas im Kalten Krieg gesteuert wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bunkeranlage liegt ca. 15 km von der Kreisstadt Birkenfeld entfernt zwischen den Orten Börfink und Thranenweier.

Die Anlage wurde in den Jahren 1960 bis 1963 für die Aufnahme eines SOC (Sector Operation Center) und CRC (Control and Reporting Center) erbaut. Der Bau begann mit dem Spatenstich am 1. April 1960. 1963 wurde der Bunker für ein Jahr in Probebetrieb genommen und am 1. Juni 1964 erfolgte die Inbetriebnahme durch die deutsche und US-amerikanische Luftwaffe. 1973 nahm die NATO das Angebot der Bundesrepublik Deutschland zur Mitnutzung an und die Anlage wurde NATO-Kommandobunker.

Während der zweijährigen Umbauphase ab 1975 wurde der Betrieb eingestellt. Als Primary War Headquarters Allied Forces Central Region (PWHQ AFCENT) wurde die Anlage 1977 wieder in Betrieb genommen und beherbergte bis 1994 das gemeinsame Kriegshauptquartier AFCENT/AIRCENT, die Radarführungsabteilung 21 (CRC 21), eine nationale satellitengestützte Feindnachrichtenzentrale der US-Streitkräfte und eine Außenstelle des Amtes für Nachrichtenwesen der Bundeswehr. In den Jahren von 1990 bis 1994 erfolgte der Neubau eines Energiebunkers. 1994 wurde die Anlage an das Stabsbataillon Birkenfeld und 1996 an das Heeresführungskommando in Koblenz übergeben.

Nach der kompletten Räumung wurde die Anlage 2002 der Standortverwaltung Idar-Oberstein zum Zwecke der Veräußerung übergeben. Immer wieder gab es seither Gerüchte, wonach der Bunker zum symbolischen Preis von einem Euro veräußert werden solle.[1]

Zum 1. Januar 2015 hat ein schwäbisches Softwareunternehmen im Bunker Erwin ein Hochsicherheitsrechenzentrum mit dem Schwerpunkt Datensicherung nebst Softwareentwicklung und Schulungszentrum in Betrieb genommen.[1][2]

Bunkerdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bunker wurde für 250 Soldaten konzipiert, war aber während des allgemeinen Dienstes stets mit 300 bis 350 Soldaten und bei Übungen gar mit bis zu 750 Soldaten besetzt. Er wurde aus diesem Grund mehrfach umgebaut und erweitert. Die Gesamtgröße der Anlage beträgt 15.000 Quadratmeter.

Der unterirdische Komplex besteht aus einem Personalbunker (vier Etagen, Länge: 72 m, Breite: 53 m, Höhe: 25 m), einem Energiebunker (drei Etagen, Länge: 44 m, Breite: 53 m, Höhe: 21 m) und einem Energiebunker-Neubau (zweieinhalb Etagen, Länge: 55 m, Breite: 47 m, Höhe: 21 m, Bauzeit 1990 bis 1994). Die Gesamtgröße der Liegenschaft beträgt 68.000 Quadratmeter.

Die Außenwände sind 3,5 m dick und die Bunkerdecke besteht aus Doppel-T-Trägern, über denen sich eine Betonschicht (4 m) befindet. Eine sechs Meter dicke Erdschicht grenzt den Bunker zur Oberfläche ab.

Die Abgase der Generatoren wurden von einem Luftstrom (Umgebungsluft) ummantelt. Die Wärmeabgabe erfolgte durch Wärmeübertrager. Damit war der Kommandobunker für Wärmebildkameras unsichtbar.


Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Sensible Daten lagern unter der Erde: Nato-Bunker wird Rechenzentrum für Software-Entwickler. In: Trierischer Volksfreund, 23. Februar 2011. 
  2. Börfink: Rechenzentrum im Bunker nimmt Betrieb auf. In: Nahe-Zeitung, 26. Januar 2015. 

Koordinaten: 49° 41′ 56″ N, 7° 4′ 53″ O