Konfliktkosten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Konfliktkosten sind Kosten, die durch Konflikte hervorgerufen werden. Es gibt quantitative und qualitative Konfliktkosten. Zu qualitativen Kosten zählen beispielsweise der Verlust an Lebensqualität, die Reduktion von Respekt oder Fairness, aber auch fehlende Mitgestaltungsoptionen. Quantitative Kosten sind beispielsweise 'verlorene' Lebenszeit, Rechtsdurchsetzungskosten oder Kosten für Gesundheitseinschränkungen, die durch Konflikte hervorgerufen wurden. Je nach Reichweite unterscheiden sich mikro-, meso- oder makroökonomische Konfliktkosten.

Betriebswirtschaftliche Konfliktkosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Amerikaner Daniel Dana war einer der ersten, der sich mit finanziellen Konsequenzen von Konflikten auseinandersetzte. Er führte sie im Wesentlichen auf acht Faktoren zurück: verschwendete Zeit, falsche Entscheidungen, verlorene Mitarbeiter, unnötige Restrukturierungen, Sabotage und Diebstahl, verringerte Motivation, verlorene Arbeitszeit und Gesundheitskosten. Den größten Kostenfaktor – mit fast 50 % – sah er in der falsch eingesetzten Zeit. Entsprechend seiner Berechnungen kostet ein 'konfliktreiches' Team knapp $ 400.000 pro Jahr.

Im deutschsprachigen Raum gibt es 2006 erste Publikationen zu dem Thema. Eine Arbeitsgruppe der 'Experts Group Wirtschaftsmediation' der Wirtschaftskammer Österreich befragte Unternehmen zu 'vermeidbaren' Konfliktkosten aus den Bereichen Personal, Kunden, Lieferanten und Rechtskosten. Knapp 650 Euro pro Mitarbeiter und Jahr sind laut Interviewpartner im Schnitt zu sparen.[1]

KPMG führte 2009 eine Konfliktkostenstudie deutscher Industrieunternehmen durch. Sie entwickelten eine Formel, bei denen sie funktionale und dysfunktionale Kosten gegenüberstellten. Unter der Annahme, dass diese a priori bestimmbar sind, können so Einschätzungen von Aufwand und Nutzen einzelner Konflikte abgeschätzt werden. Einen besonderen Fokus legte KPMG auf projektbezogene Konfliktkosten. Je nach Projektgröße bezifferten sie 50.000 bis 500.000 Euro je Projekt.[2]

Siegbert Bregenhorn vom Europäischen Institut für Conflict Management e.V. verglich streitwertabhängige Kosten, die durch Wirtschaftsmediation, durch Schiedsverfahren bzw. Gerichtsverfahren entstehen. Er kommt im Ergebnis dazu, dass die Kosten einer Mediation streitwertunabhängig wesentlich geringer als die eines Schiedsgerichts- oder ordentlichen Gerichtsverfahrens sind. [3]

Seit 2011 führt das Wirtschaftsforum der Führungskräfte in Kooperation mit 'inCoop' das Manager-Monitoring 'Teamgeist Barometer' durch. Anselm Eder und Elvira Hauska entwickelten das Befragungsinstrument. Einmal pro Jahr werden österreichische Führungskräfte zu Konflikten und deren Konsequenzen befragt. Im Rahmen der Befragung erfolgt weiters eine Klassifizierung nach Teamplayer, Teamneutralen und Teamfrustrierten. Basis der Konfliktkostenbewertung in der Studienserie sind die anteiligen Arbeitszeiten, die mit Konflikten verbracht werden. Bewertet mit dem jeweiligen Gehalt ergeben sie die Kosten. Im Jahr 2012 fielen im Schnitt € 1.560 pro Führungskraft und Monat an, das entspricht einer Steigerung von 8 % zum Wert von 2011, obwohl es anteilsmäßig mehr Teamplayer gibt. Die Steigerung resultiert primär aus der sehr deutlichen Erhöhung der Kosten teamfrustrierter Manager.

Konfliktfolgekosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konfliktfolgekosten nennt man solche Kosten, die sich langfristig wirtschaftlich aus dem Ende der (Rechts-)Beziehung der Konfliktgegner, die einen Konflikt streitig und/oder gerichtlich ausgetragen haben, ergeben. Nach einer streitigen Entscheidung durch ein Gericht oder einen gerichtlichen Vergleich können sich die "Gegner" nicht mehr in die Augen schauen. Bisher kooperierende Unternehmen werden keine Vertragsbeziehungen miteinander unterhalten, der gemeinsame Freundeskreis spaltet sich, das "Team" braucht neue Mitglieder. Es müssen also zum Beispiel neue Kooperationspartner gefunden werden, neue Mitarbeiter eingearbeitet werden. Dies kostet Geld. Diese Folgekosten werden in der Regel bei der Kalkulation, was eine Auseinandersetzung kosten wird, fälschlicherweise nicht miteinbezogen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Studie_Konfliktkosten Exenberger et al.: Studie Konfliktkosten - Neue Wege der Ergebnisverbesserung WKO 2006
  2. KPMG-Studie: Konflikte in Unternehmen verursachen hohe Kosten (2009)
  3. Streitwertabhängige Kostenübersicht

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]