Constantin von Höfler

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Konstantin Höfler, zeitgenössischer Stich

Karl Adolf Konstantin (seit 1873) Ritter von Höfler (auch Karl Adolf Constantin Ritter von Hoefler; * 26. März 1811 in Memmingen / Königreich Bayern; † 29. November 1897 in Prag / Österreich-Ungarn) war ein deutscher Historiker, Archivar, Hochschullehrer und Rektor der Karls-Universität Prag.

Leben[Bearbeiten]

Karl Adolf Konstantin, ein Sohn des Ehepaares Johann Nepomuk Höfler (1780-1843), Oberappellations-Gerichtsrat und Therese, geb. Hofer (1790-1848) studierte zunächst Rechtswissenschaft, dann Geschichte der Philosophie unter dem Einfluss von Friedrich Wilhelm Joseph Schelling an der Ludwig-Maximilians-Universität München und in Landshut und promovierte 1831 zum Doktor der Philosophie. Danach folgten ein Geschichtsstudium in Göttingen und seit 1834 Studienreisen nach Florenz und Rom. 1836 arbeitete er als Redakteur für die Münchener Politische Zeitung. 1838 habilitierte er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität, an die er 1839 zum außerordentlichen und 1841 zum ordentlichen Professor für Geschichte berufen wurde und seit 1842 Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften war.

Neben seiner Lehrtätigkeit beschäftigte er sich mit damals aktuellen politischen Themen und veröffentlichte diese während der Unruhen 1846. Wegen seiner Parteinahme gegen die Tänzerin Lola Montez, die einen großen Einfluss auf den bayerischen König Ludwig I. ausübte, und seiner Teilnahme an Protesten wegen Auflösung des klerikalen Parlaments wurde er am 26. März 1847 pensioniert und als Kreisarchivar nach Bamberg versetzt, wo er aus fränkischen Geschichtsquellen Forschungsergebnisse publizierte.

Im Jahr 1851 erhielt er durch Vermittlung von Graf Leo von Thun und Hohenstein einen Ruf an die Karls-Universität Prag, an der er bis 1882 als ordentlicher Professor für Geschichte lehrte. In Prag kam er im Spannungsfeld der Deutschen und Tschechen in zunehmenden Gegensatz zum Geschichtsbild von František Palacký. Er wurde Mitbegründer des "Verein für die Geschichte der Deutschen in Böhmen", war von 1865 bis 1869 Mitglied des böhmischen Landtags, seit 1872 im Herrenhaus, seit 1873 leitete er das historische Seminar der Universität, von 1876 bis 1880 gemeinsam mit Anton Gindely, wurde mehrmals Dekan der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität Prag und 1871 deren Rektor. Er war Befürworter der Teilung der Technischen Hochschule (TH) (1868) und der Universität Prag (1882) in zwei nationale Hochschulen mit getrennten Unterrichtssprachen. Nach seiner Emeritierung war er weiterhin wissenschaftlich, literarisch und politisch tätig.

Für seine Verdienste in der Förderung der Wissenschaften und der Anliegen der Deutschen in Böhmen, wurde er zum Nationalrat und später zum Hofrat ernannt, erhielt den österreichischen Orden der Eisernen Krone III. Klasse und wurde 1873 als Ritter von Höfler in den erbländisch-österreichischen Adelsstand erhoben.

Konstantin von Höflers Veröffentlichungen als Historiker sind umfangreich. Während seines Aufenthaltes in Bayern erforschte er Beiträge zur Geschichte des Papsttums, beleuchtete die Zeit der Romanik des Mittelalters mit den Kämpfen zwischen Päpsten und Kaisern um die Vormachtstellung in Europa. Als Archivar waren ihm Schriften zu diesen Themenkreisen zugänglich, die er kommentierte und veröffentlichte. Einige seiner Publikationen wurden in konträren Fachkreisen abgelehnt und es kam zu heftigen Diskussionen. Einige Texte veröffentlichte er gemeinsam mit Pavel Jozef Šafárik.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Die deutschen Päpste. Nach handschriftlichen und gedruckten Quellen. 2 Bände - Regensburg 1839
  • Konkordat und Konstitutionseid der Katholiken in Bayern. München 1847 (betrifft: Staatskirchenvertrag und Römisch-katholische Kirche
  • Ueber Johannes genannt Porta de Annoniaco – 1860
  • Carmen historicum occulti autoris saeculi XIII. Wien 1861
  • Des Bartholomaeus von Sct. Aegidius Chronik von Prag im Reformationszeitalter (Chronica de Seditione et Tumultu Pragensi 1524-1531) 1859, übersetzt und kommentiert durch Constantin Höfler
  • Kaiser Friedrich H. München 1844
  • Albert von Behaim u. Regesten Papst Innocenz IV. Stuttgart 1847 (betrifft: Albert Behaim und Papst Innozenz IV.)
  • Quellensammlung für fränkische Geschichte. Bayreuth 1849–52
  • Bayern, sein Recht u. seine Geschichte. Regensburg 1850
  • Über die politische Reformbewegung in Deutschland im XIV. Jahr u. den Anteil Bayerns an derselben. München 1850
  • Fränkische Studien. Wien 1852–53 (betrifft: Geschichte der Franken)
  • Die Geschichtsschreiber der hussitischen Bewegung. 1865–66 (betrifft: Zeit der Hussitenkriege)
  • Böhmische Studien. 1854
  • Mag. Johannes Huss und der Abzug der deutschen Professoren und Studenten aus Prag. Prag 1864 (betrifft u.a. (siehe unten) auch Jan Hus)
  • Concilia Pragensia 1353–1413. 1862
  • Urkunden zur Beleuchtung der Geschichte Böhmens und des deutschen Reiches im XV. Jahrh. 1865
  • Barbara Markgräfin zu Brandenburg, verwitwete, Herzogin in Schlesien, vermählte Königin von Böhmen. 1867 (betrifft: Barbara von Brandenburg (1464-1515], Königin von Böhmen)
  • Aus Avignon. 1868
  • Die Zeit der Luxemburgischen Kaiser. Wien 1867 (siehe: Haus Luxemburg)
  • Anna von Luxemburg. 1871
  • Der deutsche Kaiser und der letzte deutsche Papst: Kaiser Karl V. und Papst Adrian VI. 1876
  • Der Aufstand der kastilianischen Städte gegen Kaiser Karl V.. Prag 1876 (betrifft: Kaiser Karl V. (HRR))
  • Die romanische Welt und ihr Verhältniss zu den Reformideen des Mittelalters. Wien, 1878 (siehe: Reformation)
  • Abhandlungen aus dem Gebiet der slavischen Geschichte. 1879–83 (betrifft: Geschichte der Slawen)
  • Papst Adrian VI. 1880 (betrifft: Papst Hadrian VI.)
  • Monumenta Hispania sacra. Prag 1881–82
  • Don Antonio de Alcuña genannt der Luther von Spanien. Wien 1882 (Vergleich mit dem Reformator Martin Luther)
  • Donna Juana, Königin v. Leon etc. 1885 (betrifft: Johanna (Kastilien))
  • Habsburgische Trilogie: Karls V. erste Liebe. 1888
  • Leonore v. Österreich. 1888 (betrifft: Eleonore von Österreich )
  • Don Rodrigo de Borja (Papst Alexander VI.) u. seine Söhne. 1889 (betrifft: Papst Alexander VI.)
  • Kaiser Karls V. Ende. 1889
  • Die Ära der Bastarden am Schlusse des Mittelalters. Prag 1891

Wiederaufgelegte Werke[Bearbeiten]

  • Magister Johannes Hus und der Abzug der deutschen Professoren und Studenten aus Prag 1409. 1985 (betrifft: Auszug der Studenten und Magister der sächsischen, bayerischen und polnischen nationes aus der Universität Prag nach Leipzig im Jahr 1409, siehe: Universität Leipzig)
  • Denkwürdigkeiten aus dem Reformationszeitalter. Pirckheimer, Charitas. 1984
  • Rechtsbuch. 1984
  • Denkwürdigkeiten brandenburgischer (hohenzollerischer) Fürsten Ludwig von Eyb. 1984 (betrifft: Eyb (Adelsgeschlecht))
  • Albert von Beham und Regesten Papst Innozenz IV. Albertus Bohemus. 1981
  • Geschichtsschreiber der hussitischen Bewegung in Böhmen

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]