Kunde (Prostitution)

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Als Kundin oder Kunde wird (nicht nur) im Jargon der Sexarbeit bzw. Prostitution eine Person bezeichnet, die für sexuelle Dienstleistungen bezahlt. Die Kundin oder der Kunde eines Sexarbeitenden wird auch als „Gast“ oder Freier bezeichnet.

Etymologie von „Freier“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der deutschen Sprache gibt es für die Kundschaft der Prostituierten die Personenbezeichnung Freierin bzw. Freier. Laut Duden geht das Wort zurück auf "mittelniederdeutsch, mittelhochdeutsch (mitteldeutsch) vrīer"[1]. Freien wurde gleichbedeutend mit „heiraten“ genutzt. Um eine Frau zu freien, bedeutet (nach wie vor, aber ungebräuchlich), sich um ihre Liebe hinsichtlich ihres Einverständnisses zur Ehe zu bemühen. Der Ausdruck Auf Freiersfüßen wandeln bedeutet scherzhaft "eine Ehefrau suchen" (ebd.).

Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studien über Kunden kommen wiederholt zu dem Ergebnis, dass es kein eindeutiges Profil des Kunden gibt: Kunden sind überwiegend männlich, aber bei Herkunft, Bildungsniveau, Gesellschaftsschicht und politischen sowie religiösen Überzeugungen gibt es grundsätzlich keine Muster.[2] Dies gilt in Deutschland sowie international.[3][4][5] Allerdings sind laut einer Studie aus dem deutschsprachigen Raum Männer mit Abiturabschluss, aus akademischen Kreisen und mit überdurchschnittlichem Einkommen leicht überrepräsentiert.[6]

Studien zeigen zudem, dass Kunden Männer jeden Alters sein können, wenn auch die am häufigsten vertretene Altersgruppe die 20–40-Jährigen sind.[7]

Prostitutionskunden der Gegenwart (Deutschland)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut der einzigen repräsentativen Studie aus dem deutschen Sprachraum nimmt circa jeder fünfte deutsche Mann mindestens einmal im Leben eine sexuelle Dienstleistung in Anspruch.[8] Das Bundesfamilienministerium schätzt die Zahl der täglichen Prostitutionskunden in Deutschland auf 1,2 Millionen.[9]

Seit Einführung des Prostitutionsgesetzes besteht in Deutschland für die Prostituierte bzw. den Prostituierten ein Rechtsanspruch auf Bezahlung, während dies zuvor aufgrund der Sittenwidrigkeit von Prostitution nicht der Fall war. Kunden, die nicht bezahlen wollen, werden im Jargon als „Nuttenpreller“ bezeichnet. Der umgekehrte Fall, bei dem die Kundin oder der Kunde bestohlen wird, wird als „Beischlafdiebstahl“ bezeichnet. Verlangt die Prostituierte oder der Prostituierte mehr Geld als vereinbart, wird dies im Jargon als „Nachkobern“ bezeichnet.

Diskreter Kontakt wird unter anderem über die Medien (zum Beispiel über Kontaktanzeigen in Zeitung) gesucht und gefunden. In Zeiten des Internets findet die Anbahnung auch über Erotikportale und Foren von Prostitutionskunden statt. Eine weitere Möglichkeit ergibt sich in einschlägigen Nachtbars und auf dem Straßenstrich.

Im Oktober 2013 startete die Journalistin Alice Schwarzer mit der von ihr geleiteten Zeitschrift Emma den Appell zur Abschaffung von Prostitution[10] und warb für das sogenannte Schwedische Modell. In Schweden dürfen sexuelle Dienstleistungen angeboten werden, aber die Inanspruchnahme wird unter Strafe gestellt. In der Folge entwickelte sich eine gesellschaftliche Kontroverse. Gegen eine Kundenbestrafung sprach sich unter anderem der Berufsverband für sexuelle und erotische Dienstleistungen mit einem Appell für Prostitution[11] und die Freieroffensive[12] mit einem offenen Brief an Alice Schwarzer aus.

Straf- und ordnungsrechtliche Aspekte (Deutschland)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschen Strafgesetzbuch (StGB) taucht der Begriff Freierin bzw. Freier nicht auf.

Die bundesweiten Straftatbestände (§ 184f und § 184g Strafgesetzbuch) und Ordnungswidrigkeiten (§ 120 OWiG) der verbotenen Prostitution im Sperrbezirk oder der jugendgefährdenden Prostitution gelten ausschließlich für die Prostituierten selbst, nicht für deren Kundinnen und Kunden. Den Kommunen ist es allerdings möglich, in kommunalen Verordnungen auch für Kundinnen und Kunden die Kontaktaufnahme zu Prostituierten im Sperrbezirk zu untersagen und mit Geldbußen zu belegen. Derartige Verordnungen gibt es unter anderem in den Städten Düsseldorf,[13] Leipzig,[14] Mannheim[15] und Stuttgart.[16] Der Begriff Freierin bzw. Freier wird in diesen Regelungen nicht gebraucht.

Seit 15. Oktober 2016 können Kunden von Zwangsprostituierten bestraft werden (§ 232a Absatz 6 StGB; seit der Verschärfung des § 177 StGB zum 10. November 2016 kommt auch eine Bestrafung wegen sexuellen Übergriffs bzw. Vergewaltigung in Frage).

Seit 1. Oktober 2021 können Kunden schon dann bestraft werden, wenn sie leichtfertig nicht erkannt haben, dass es sich um eine Zwangsprostituierte handelt.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chester Brown: Ich bezahle für Sex. Aufzeichnungen eines Freiers. Walde+Graf, Zürich 2012, ISBN 978-3-03774-045-3.
  • Tamara Domentat: Laß dich verwöhnen. Prostitution in Deutschland. Aufbau-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-351-02550-5.
  • Udo Gerheim: Die Produktion des Freiers. Macht im Feld der Prostitution. Eine soziologische Studie. transcript-verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-1758-0 (Zugleich: Bremen, Universität, Dissertation, 2010).
  • Sabine Grenz: (Un)heimliche Lust. Über den Konsum sexueller Dienstleistungen. 2. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-34776-9.
  • Dieter Kleiber, Doris Velten: Prostitutionskunden. Eine Untersuchung über soziale und psychologische Charakteristika von Besuchern weiblicher Prostituierter in Zeiten von Aids (= Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit. Bd. 30). Nomos-Verlags-Gesellschaft, Baden-Baden 1994, ISBN 3-7890-3260-3.
  • Werner Krieger: Bordellgesellschaft. Die Reportage. ICS Communikations-Service, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 978-3-00-022128-6.
  • Prostituierten-Projekt Hydra (Hrsg.): Freier. das heimliche Treiben der Männer. Galgenberg, Hamburg 1991, ISBN 3-87058-103-4.
  • Doris Velten: Aspekte der sexuellen Sozialisation. Eine Analyse qualitativer Daten zu biographischen Entwicklungsmustern von Prostitutionskunden. Berlin 1994 (Freie Universität Berlin, Dissertation, 1994).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dudenredaktion (Hrsg.): Duden Universalwörterbuch. Bibliographisches Institut, Berlin 2015.
  2. Sabine Grenz: (Un)heimliche Lust: Über den Konsum sexueller Dienstleistungen. 2005.
  3. Janice G. Raymond: Prostitution on Demand: Legalizing the Buyers as Sexual Consumers. In: Violence Against Women. Band 10, Nr. 10, Oktober 2004.
  4. L. Xantidis, MP McCabe: Personality Characteristics of Male Clients of Female Commercial Sex Workers in Australia. Hrsg.: Archive on Sexual Behaviour. 29. April 2000, S. 165–176.
  5. Ronald Weitzer: Prostitution as a Form of Work. In: Sociology Compass. Band 1, Nr. 1, 18. Juni 2007, S. 148.
  6. Udo Gerheim: Die Produktion des Freiers: Macht im Feld der Prostitution. Transcript, 2011, ISBN 978-3-8376-1758-0, S. 15.
  7. Dieter Kleiber, Doris Velten: HIV-Infektionsrisiken im Rahmen der gewerblichen Sexualität: Zur Rolle der Freier. In: Sexualverhalten in Zeiten von Aids. Edition Sigma, Berlin 1994, S. 356.
  8. Dieter Kleiber, Doris Velten: Prostitutionskunden. 1994, S. 16–19.
  9. Prostitution: 1,2 Millionen Männer am Tag. In: Der Tagesspiegel Online. 7. Mai 2001, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 27. März 2018]).
  10. emma.de
  11. berufsverband-sexarbeit.de (Memento vom 31. Oktober 2014 im Internet Archive)
  12. Freieroffensive
  13. § 6a Düsseldorfer Straßenordnung. Abgerufen 30. Oktober 2006. „Im Sperrbezirk ist es untersagt, zu Prostituierten Kontakt aufzunehmen, um sexuelle Handlungen gegen Entgelt zu vereinbaren.“
  14. § 3 Polizeiverordnung über öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Stadt Leipzig. siedlerbund.de, abgerufen 30. Oktober 2006. „In Wohn- und Mischgebieten, insbesondere in der näheren Umgebung von Schulen sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen, ist es auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen sowie in öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen untersagt, zu Personen Kontakt aufzunehmen, um sexuelle Handlungen gegen Entgelt zu vereinbaren.“
  15. § 9 Polizei-Verordnung zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung auf öffentlichen Straßen und Anlagen und zur Abwehr von verhaltensbedingten Gefahren im Stadtkreis Mannheim:. (Memento vom 23. November 2005 im Internet Archive) (PDF) „Das Ansprechen von Prostituierten im Sperrbezirk zum Zweck der Kontaktanbahnung ist untersagt.“
  16. § 4 Straßen- und Anlagen-Polizeiverordnung der Landeshauptstadt Stuttgart. (Memento vom 27. April 2006 im Internet Archive) „Im Sperrbezirk ist es untersagt, zu Prostituierten Kontakt aufzunehmen, um sexuelle Handlungen gegen Entgelt zu vereinbaren.“'
  17. Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches. Effektivere Bekämpfung von Nachstellungen und bessere Erfassung des Cyberstalkings sowie Verbesserung des strafrechtlichen Schutzes gegen Zwangsprostitution. In: Bundesgesetzblatt. Jahrgang 2021 Teil I. Nr. 53, 10. August 2021, S. 3513–3514 (bgbl.de [PDF; 45 kB; abgerufen am 2. Oktober 2021]).