Prostitution in der Schweiz

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Prostitution in der Schweiz ist ein legales Gewerbe. Das gilt sowohl für das Angebot und den Konsum wie auch für das Betreiben von Bordellen, oft als Salons bezeichnet. "Die Schweiz gehört in Sachen Prostitution zu den liberalsten Ländern."[1] Die Prostitution und ihre Rahmenbedingungen sind stark reglementiert. Ab den 1990er-Jahren haben sich die Kontaktmöglichkeiten für sexuelle Dienstleistungen diversifiziert durch die elektronischen Medien, wodurch der Anteil der sichtbaren Strassenprostitution am ganzen Gewerbe zurückging. Das sogenannte Rotlichtmilieu bleibt in den grösseren Städten traditionell verbunden mit bestimmten Vierteln, so in Zürich mit dem Langstrassenquartier, in Genf mit Les Pâquis[2] oder in Basel mit dem Klingental[3].

Definitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Bundesrat beantwortete die Definitionsfrage 1985 in einer Botschaft: "Was ist unter Prostitution zu verstehen? Prostitution kann sowohl hetero- wie homosexuelle Prostitution sein. Sie besteht im gelegentlichen oder gewerbsmässigen Anbieten und Preisgeben des eigenen Körpers an beliebige Personen zu deren sexueller Befriedigung gegen Entlöhnung in Geld oder anderen materiellen Werten. Die sexuelle Handlung braucht nicht in der Vornahme des Beischlafes zu bestehen."[4] Die Ethikerin Bowald (2010: S. 34) bemängelte, es sei in der Botschaft "keine inhaltliche Bestimmung von Prostitution oder sexueller Handlung zu finden". Die Erziehungswissenschafterin Büschi (2011: S. 20) kritisierte ihrerseits, "dass mit der Nutzung des Begriffs Prostitution die Tatsache, dass es sich um eine Erwerbsarbeit handelt, nicht explizit gemacht wird; dass gelegentliche und gewerbsmässige Prostitution unterschieden und damit implizit davon ausgegangen wird, gelegentliche Prostitution sei nicht gewerbsmässig ausgeübt und umgekehrt, gewerbsmässige Prostitution werde nicht (ausschliesslich) gelegentlich ausgeübt; dass von der Annahme ausgegangen wird, der gesamte Körper des oder der Prostituierten werde angeboten oder preisgegeben; dass von der Annahme ausgegangen wird, dies geschehe an beliebige Personen (ohne Auswahloption)".
  • Das Bundesgericht hat "in einem Entscheid festgehalten, dass die so genannte erotische Feinmassage auch zur Prostitution zu rechnen ist." (Bowald 2010: S. 34) Hingegen "fallen [sic] beispielsweise die Tätigkeit in einer Peep-Show oder als Cabaret-Tänzerin nicht darunter" (ebd.).
  • Das kantonale Freiburger Prostitutionsgesetz definiert in Art. 2: "Unter Prostitution ist die Tätigkeit einer Person zu verstehen, die sich sexuellen Handlungen oder Handlungen sexueller Art mit einer bestimmten oder unbestimmten Anzahl von Personen gegen Entgelt hingibt."[5]
  • Ähnlich legt der Art. 2 des kantonalen Berner Prostitutionsgesetzes fest: "Unter Prostitution ist die Tätigkeit einer Person zu verstehen, die Handlungen sexueller Art für eine bestimmte oder unbestimmte Anzahl von Personen gegen Entgelt erbringt."[6]
  • Die Schweizer Juristin Brigitte Hürlimann (2004: S. 11) definiert konzise: "Auf einen kurzen Nenner gebracht bedeutet Prostitution nichts anderes als Sex gegen Geld, wobei unter Geld eine materielle Gegenleistung des Freiers jeglicher Art gemeint ist, etwa auch Geschenke."
  • Die Schweizer Ethikerin Béatrice Bowald (2010: S. 33) gibt zu berücksichtigen: "Welche (sexuellen) Verhaltensweisen als Prostitution begriffen werden, hängt vom jeweiligen kulturellen Verständnis ab. Dieses ist immer auch normativ geprägt und zudem nicht geschlechtsneutral." Sie definiert: "[D]ie Prostitutionstätigkeit stellt eine Dienstleistung dar, die zu Erwerbszwecken ausgeübt wird." (ebd. S. 35) Ausserdem sei Prostitution "ein Phänomen mit verschiedensten Ausprägungen und fliessenden Übergängen. Als solches ist sie eine Form von Sexarbeit bzw. ein Teil des Sexgewerbes, das noch verschiedene andere Arten sexueller Dienstleistung beinhaltet wie […] den Telefonsex, die Pornoindustrie und \weitere" (ebd. S. 34 f.).

Begriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Prostitution wurde erst im 18. Jh. aus dem Französischen entlehnt und hat sich in der Schweiz durchgesetzt. Für Prostitution gibt es viele Synonyme, deren jeweiliger Gebrauch unterschiedlich motiviert sein kann. in Gesetzestexten wird auf Bundesebene seit vielen Jahrzehnten ausschliesslich Prostitution verwendet. In anderen amtlichen deutschsprachigen Texten finden sich in den letzten 100 Jahren vorwiegend zwei Synonyme:

  • Gewerbsmässige Unzucht: Das ursprünglich althochdeutsche Wort Unzucht wurde ab dem 18. Jh. "stärker auf sexuelle Regelverstösse eingeschränkt und zum Oberbegriff für moralisch und rechtlich verfolgte Sexualdelikte"[7]. Die Bezeichnung (widernatürliche) gewerbsmässige Unzucht findet sich in amtlichen Texten der Schweiz noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jh.s, gilt aber heute als archaistisch oder anachronistisch.
  • Sexarbeit: Dieser Neologismus ist eine Lehnübersetzung der frühen 1980er-Jahren aus dem Englischen und geht zurück auf die Aktivistin Carol Leigh. In seiner weiteren Bedeutung wird er als Oberbegriff für diverse erotische Erwerbstätigkeiten gebraucht, darunter auch Telefonsex oder Pornodarstellung. In seiner engeren Bedeutung ist er ein Synonym für Prostitution, dessen Gebrauch eine liberale Einstellung zur Frage der Legitimität signalisiert. In der Schweiz wird das Synonym zunehmend auch in amtlichen Texten verwendet. Der Kanton Bern gebraucht es in der Kommunikation mit der Bevölkerung seit 2013 quasi ausschliesslich.[8] Der Kanton Luzern verwendet es auch in seinen gesetzlichen Texten.[9]

Umfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Tendenzen wurden und werden immer wieder für einzelne Bereiche der Prostitution oder Kategorien von Prostituierten beobachtet; z. B. gab das Bundesamt für Polizei (BAP) 1999 an: "In der Schweiz gibt es eine wachsende Zahl von Clubs und Salons, wo sich über 95% der Frauen – als Touristinnen getarnt – illegal prostituieren."[10] Konkrete Zahlen zur Quantität von Prostituierten oder ihren Kundinnen und Kunden sind jeweils lediglich Schätzungen:

  • Das BAP geht 2000 in seinem "Bericht über die Rotlichtkriminalität" davon aus, "dass die Prostitution in der Schweiz zahlenmässig nach wie vor zunimmt. Umfrageergebnisse zeigen, dass sich allein in den Kantonen Zürich, Bern, Basel, Genf, Luzern und Tessin mehr als 7000 Frauen prostituieren dürften"[11].
  • Der Bundesrat bezog sich in einer Stellungnahme 2020 auf Schätzungen von 2015, wonach "es in der Schweiz rund 6000 Arbeitsplätze für Sexarbeitende [gibt]. Viele Sexarbeitende halten sich nur für kurze Zeit in der Schweiz auf, man geht von rund 13 000 bis 20 000 Sexarbeitenden pro Jahr aus."[12]
  • Medien schätzten 2012, dass in der Schweiz zwischen 13'000 und 25'000 Personen in der Prostitution tätig seien mit einem Jahresumsatz von rund 3,5 Milliarden Franken.[1] Im Kanton Genf habe man 2004 800, 2012 über 4100 als Prostituierte tätige Personen gezählt.[1]
  • Forscherinnen und Forscher mahnten wiederholt, zirkulierende Zahlen mit Vorsicht zu behandeln. Es sei "schwierig, an verlässliche Zahlen zu kommen", bestätigte die Historikerin Sarah Baumann von der Universität Freiburg: "Von einer Mitarbeiterin der Genfer Beratungsstelle für Prostituierte ‘Aspasie’ weiss ich: ‘Vorhandene Statistiken zu Prostitution und Prostituierten sind grundsätzlich falsch.’ Dies vor allem deshalb, weil die Dunkelziffer der nicht registrierten Prostituierten hoch ist."[13] Die Soziologinnen Bugnon und Chiemient (2009, 3. Bd., S. 24) äusserten sich ebenfalls über die Unmöglichkeit verlässlicher Zahlen. Sie gingen von 13 000 bis 20 000 Personen in der Strassenprostitution aus sowie von einem Transgenderanteil von 4 % und einem Männeranteil von 2 %.

Rechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesetze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesetze, Verordnungen und Reglemente verfolgen allgemein in erster Linie ihr stets erklärtes Ziel des Schutzes von Prostituierten, Migrierten, Minderjährigen, Opfern von Menschenhandel und von Frauen allgemein, in zweiter Linie jenes der öffentlichen Ordnung und des Schutzes der Quartierbevölkerung vor Lärm und anderer Belästigung. Prostituierte arbeiten zumeist als Selbständige, eine Anstellung ist aber auch möglich.

Die Schweiz hat auf Bundesebene kein Prostitutionsgesetz. Was allgemein in Bezug auf Prostitution verboten ist, bestimmt das Strafgesetz in wenigen Artikeln[14]. Neben dem Verbot des Menschenhandels in Art. 182 sind hier auch die Art. 193 Ausnützung der Notlage, 195 Förderung der Prostitution und 196 Sexuelle Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt zu nennen. Art. 199 Unzulässige Ausübung der Prostitution verpflichtet zur Beachtung der "kantonalen Vorschriften über Ort, Zeit oder Art der Ausübung der Prostitution und über die Verhinderung belästigender Begleiterscheinungen".

Das Bundesgesetze bildet lediglich einen Rahmen, die eigentliche Reglementierung der Prostitution obliegt den 26 Kantonen.[15] In 11 von ihnen wurden ab den frühen 2000er-Jahren spezifische Verordnungen oder Gesetzesartikel erlassen, teilweise ganze Prostitutionsgesetze:

  • Basel-Stadt: Seit 2006 gilt die auf dem Übertretungsstrafgesetz basierende Verordnung über Strassenprostitution.[16]
  • Bern: Seit 2013 gilt das Gesetz über das Prostitutionsgewerbe (PGG) und die dazugehörige Prostitutionsgewerbeverordnung.[6]
  • Freiburg: Seit 2011 gilt das Gesetz über die Ausübung der Prostitution[17] und die dazugehörige Verordnung über die Ausübung der Prostitution[18].
  • Genf: Seit 2010 gilt das Gesetz Loi sur la prostitution (LProst)[19] und die dazugehörige Verordnung Règlement d'exécution de la loi sur la prostitution (RProst)[20].
  • Jura: Seit 2013 gilt das Gesetz Loi sur la prostitution (LProst)[21] und die dazugehörige Verordnung Ordonnance sur la prostitution (OProst)[22].
  • Luzern: Seit 2020 gelten die Regelungen für das Sexgewerbe in § 29 des Gewerbepolizeigesetzes (GPG).[9]
  • Neuenburg. Seit 2017 gilt das Gesetz Loi sur la prostitution et la pornographie (LProst)[23] und die dazugehörige Verordnung Règlement d'exécution de la loi sur la prostitution et la pornographie (RELProst)[24].
  • Tessin: Seit 2001 gilt das Gesetz Legge sull'esercizio della prostituzione (LProst)[25] und die dazugehörige Verordnung Regolamento sull’esercizio della prostituzione (RProst)[26].
  • Wallis: Seit 2016 gilt das Gesetz über die Prostitution (GPr)[27] und die dazugehörige Verordnung über die Prostitution (VPr)[28].
  • Waadt: Seit 2004 gilt das Gesetz Loi sur l'exercice de la prostitution (LPros)[29] und die dazugehörige Verordnung Règlement d'application de la loi sur l'exercice de la prostitution (RLPros)[30]. Zudem gibt es seit 2010 die kantonale Charta Ehrenkodex in Verbindung mit dem Bereich der Prostitution[31], die aber nicht als Gesetz gilt.
  • Zürich: Seit 2013 gilt in der Stadt Zürich die Prostitutionsgewerbeverordnung (PGVO)[32] und die dazugehörigen Ausführungsbestimmungen[33].

Steuern und Sozialabgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prostitution gilt als wirtschaftliche Tätigkeit. Einkünfte aus der Sexarbeit unterliegen der Steuerpflicht, und es müssen die Sozialabgaben abgerechnet werden. Gewerbliche Ausgaben wie Raummiete, Raumausstattung oder Arbeitskleidung können von der Steuer abgezogen werden.

Jugendschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Art. 195 des Strafgesetzbuches ist es strafbar, eine minderjährige Person, also jünger als 18 Jahre, der Prostitution zuzuführen. Die Freierin oder der Freier einer oder eines Prostituierten von unter 18 Jahren macht sich nach Art. 196 Strafgesetzbuch strafbar. Das gesetzliche Mindestalter für Kundinnen und Kunden der Prostitution ist gleich dem der sexuellen Mündigkeit und liegt bei 16 Jahren.

Ausländische Prostituierte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausländische Prostituierte benötigen einen Aufenthaltsstatus mit Arbeitsbewilligung. Erleichterte Bedingungen bestehen für Prostituierte aus Ländern der EFTA, der EU und des Vereinigten Königreichs, denn für sie gilt die sogenannte 90-Tage-Regelung.[34]

Geschichte (20. und 21. Jahrhundert)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtsgeschichte auf Bundesebene (1937–2021)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Legalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die "gewerbsmässige Unzucht" wurde 1942 für Personen mit heterosexueller Praxis, 1992 auch für alle anderen legal. Bis dahin galt nach Art. 194 Widernatürliche Unzucht des 1942 in Kraft getretenen Strafgesetzbuches von 1937: "[W]er gewerbsmäßig mit Personen gleichen Geschlechts unzüchtige Handlungen verübt, wird mit Gefängnis bestraft."[35] 1942 wurden sonstige homosexuelle Handlungen legal. Seit 1973 ist die heterosexuelle Prostitution, seit 1992 Prostitution allgemein, durch die in Art. 27 der Bundesverfassung garantierte Gewerbefreiheit geschützt. Mit dem neuen Sexualstrafrecht wurden 1992 auch Kuppelei und passive Zuhälterei legal, wobei Delikte, welche den Menschenhandel oder die Ausbeutung von Prostituierten betreffen, seither stärker geahndet werden.

Entkriminalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prostitution wurde 2021 gänzlich entkriminalisiert, als das Bundesgericht in einem Urteil die bisher geltende (und 1985 bzw. 2011 zuletzt bekräftigte) vertragsrechtliche Sittenwidrigkeit (gemäss Art. 20 OR) der Prostitution aufhob. Prostituierten wurde der "auf einer selbstbestimmten Vereinbarung zur Erbringung einer sexuellen Dienstleistung gegen Entgelt beruhende Anspruch […] auf Entschädigung nach Erbringung ihrer Leistung strafrechtliche Schutzwürdigkeit zuerkannt"[36]. Der Bundesrat hatte eine solche Aufhebung seit mehreren Jahre erwartetet und sich 2012 dazu geäussert: "Heute kann auch nach Ansicht des Bundesrates ein Vertrag über die entgeltliche Erbringung von sexuellen Leistungen nicht mehr per se als sittenwidrig angesehen werden."[37] Ausserdem hatte der Kanton Bern zu seinem neuen Prostitutionsgesetz 2013 erklärt, "dass die Prostitution im Kanton Bern nicht mehr sittenwidrig ist"[6] (Hervorhebung im Original), und sich damit formal über die bundesgerichtliche Sittenwidrigkeit hinweg gesetzt. Des Weiteren hatte das Bezirksgericht Horgen 2013 in einem Einzelfall gegen die geltende Sittenwidrigkeit der Prostitution entschieden und für die rechtsgültige Anerkennung des kommerziellen mündlichen Vertrags zwischen einer klagenden Prostituierten und ihrem beschuldigten Kunden, der eine Dienstleistung nicht hatte zahlen wollen. Obendrein war 2016 die Kommission für Rechtsfragen des Ständesrates der Ansicht gewesen, "dass die Gerichte Verträge zur Erbringung sexueller Handlungen gegen Entgelt zukünftig nicht mehr als sittenwidrig anschauen würden"[38]. Schliesslich führte 2021 ein weiterer juristischer Einzelfall, der Rekurs eines in St. Gallen verurteilten nicht zahlungswilligen Kunden, mit dessen letztinstanzlicher Verurteilung zur Aufhebung der Sittenwidrigkeit des Prostitutionsvertrags und so zum rechtlichen Schutz des sogenannten Dirnenlohns.[36]

Berufliche Anerkennung und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn die Prostitution vertragsrechtlich anderen Erwerbstätigkeiten heute gleichgestellt ist, so geht damit keine offizielle Anerkennung des Berufs einher. Der Bundesrat verwies zuletzt 2005 darauf, dass "die Rahmenbedingungen für eine Berufsanerkennung nicht vorhanden" seien, denn Voraussetzung für "eine Aufnahme ins Berufsverzeichnis [sei] eine berufliche Grundbildung".[39]

Hingegen wurden ab 2006 von sexualpädagogischen Vereinen Ausbildungen mit (nicht staatlich anerkanntem) Diplom in Sexualassistenz bzw. Sexualbegleitung angeboten, um für Menschen mit Behinderung und Menschen im höheren Alter eine Möglichkeit der sexuellen Erfahrung zu eröffnen.[40] Gesetzlich fällt Sexualassistenz unter Prostitution. Einzige Ausnahme ist seit 2009 der Kanton Genf, dessen Gesetz den beruflichen Status von sexuell Assistierenden dennoch nicht definiert (vgl. kantonales Prostitutionsgesetz LProst, Art. 2, 2.[19]). Als der Dachverband für Menschen mit Behinderung Pro Infirmis 2003 sein Programm zur Ausbildung von Sexualassistentinnen und Sexualassistenten ausarbeitete, erfolgte ein breites Medienecho und ein Skandal. Das Vertrauen der Spenderinnen und Spender ging zurück, woraufhin das Programm abgebrochen wurde. Vergleichbare kleinere Programme von regionalen sexualpädagogischen Vereinen waren erfolgreicher und konnten in Basel 2006[41] und in Genf 2008[42] mit den ersten Ausbildungen beginnen.

Restriktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das gesetzliche Mindestalter für Prostituierte war lange gleich dem sexuellen Schutzalter, das 1992 für alle auf 16 Jahre festgelegt wurde[43], bis 2014 gemäss der ratifizierten europarätlichen Lanzarote-Konvention[44] die Bestrafung von Freierinnen und Freiern minderjähriger Prostituierter (unter 18 Jahre) in Kraft trat.[45] Das entsprechende Gesetz sichert den minderjährigen Prostituierten Straffreiheit zu. Das Mindestalter für Prostitution liegt also seit 2014 de facto bei 18 Jahren. Das ist das Alter der Volljährigkeit, das bis 1996 bei 20 Jahren gelegen hatte.

Eine allgemeine *Freierbestrafung* nach schwedischem Modell, wie sie in der Schweiz von radikal-feministischen[46] und religiös-konservativen Stimmen auch in Parlamenten[47] und Kirchen[48] wiederholt gefordert und 2016 im Nachbarland Frankreich eingeführt wurde, lehnte der Bundesrat 2015 in einer ausführlichen Regierungserklärung zur Prostitutionspolitik ab.[49] Im Vorfeld hatten manche Nationalrätinnen und Nationalräte unterschiedlicher Parteien bemängelt, dass der rechtliche Schutz – insbesondere von Frauen – in der Prostitution nicht bestmöglich gewährleistet sei. Dabei pochten die einen auf mehr Liberalisierung und berufliche Anerkennung bei voller Gewährleistung der sexuellen Selbstbestimmung, die anderen, von abolitionistischer Überzeugung, auf mehr Kriminalisierung und Repression mit dem Ziel einer idealisierten Abschaffung der gesamten Prostitution.

Während der Corona-Krise von 2020–2021 wurde die Prostitution zeitweise bundesweit und zeitweise nur in einzelnen Kantonen verboten, so z. B. in Basel.[50][51]

Verfolgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bis 1942 verfolgte die Polizei insbesondere Frauen, die der "Anlockung zur Unzucht an öffentlichen Orten" beschuldigt wurden, teilweise systematisch. Sie konnten verhaftet, zwangsweise medizinisch untersucht und zur Strafe beispielsweise für mehrere Jahre des Kantons verwiesen werden (vgl. Sarasin et al. 2004: S. 23 ff.). Junge weibliche Prostituierte wurden oft in Heimen zur Nacherziehung untergebracht (vgl. ebd.: S. 151 f.).
  • Bis 1942 drohte homosexuellen männlichen Prostituierten und ihren Kunden – wie homosexuellen Männern allgemein – harte Bestrafung: "An sich waren solche Kastrationen […], mit Ausnahme des Kantons Waadt, freiwillig, doch war die Alternative dazu eine langjährige Internierung in einer Anstalt. Denn bis 1942 waren homosexuelle Handlungen in den meisten Deutschschweizer Kantonen mit Freiheitsstrafen zum Teil bis zu 8 Jahren, belegt, und Rückfällige wurden oft in geschlossene Anstalten eingewiesen."[52]
  • Noch bis in die 1960er-Jahre erfuhren viele Kinder und Jugendliche aus problematischen Familienverhältnissen die Verdingung. Sie wurden nach kurzen amtlichen Verfahren der Zwangsarbeit zugeführt und ausgebeutet. Dieses Schicksal widerfuhr auch manchen jungen Prostituierten. Mit gleicher Methode operierte 1937 ein Amtsstatthalter (Staatsanwalt) in Luzern: "Die Verfolgung im besagten Jahr war beispielslos. 55 junge Männer wurden verdächtigt, Strichjungen zu sein. Die meisten von ihnen waren über 18 Jahre alt. Obwohl sich kaum je nachweisen liess, dass sich einer von ihnen etwas zu Schulden hätte kommen lassen, wurde ein Grossteil von ihnen bevormundet und zur Nacherziehung in verschiedene Heime gebracht – darunter in die Zwangsarbeitsanstalt Sedel."[53]

Sittlichkeitsbewegung (Abolitionismus)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im späteren 19. Jh. entstandenen abolitionistischen Sittlichkeitsvereine kämpften auch im 20. Jh. für die Kriminalisierung und die repressive Verfolgung der Prostitution.[54] Unter ihnen war zunächst die in Genf 1875 auf Initiative von Josephine Butler gegründete Internationale Föderation zur Abschaffung der Prostitution (FAI), die noch 1990 im UNO-Haupgebäude Palais des Nations in Genf einen Weltkongress abhielt. Hinzu kamen Ihre nationale SektionSchweizerischer Frauenbund zur Hebung der Sittlichkeit (SFHS) mit regionalen Untersektionen, ferner der in Neuenburg 1877 entstandene Internationale Verein Freundinnen junger Mädchen, der unter dem späteren Namen Compagna noch heute fortbesteht. "Der Verband deutschschweiz. Frauenvereine zur Hebung der Sittlichkeit nannte sich ab 1921 evang. Frauenhilfe und schloss sich 1947 dem Evangelischen Frauenbund der Schweiz (EFS) an"[55], der seit 2007 Evangelische Frauen Schweiz (EFS) heisst.

Im 21. Jh. verfolgt insbesondere die Frauenzentrale Zürich ein abolitionistisches Programm. Sie fordert die strafrechtliche Verfolgung von Freierinnen und Freiern.[56] Unter den politischen Parteien vertreten vor allem die EVP und die CVP die abolitionistische Position. Diese wird in fast allen anderen Parteien nur teilweise geteilt.

Selbstorganisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hurenbewegung, wie sie etwa in Frankreich, England oder Deutschland in den letzten Jahrzehnten auf sich aufmerksam gemacht hat, drückte sich in der Schweiz in der Form von einigen Initiativen der Selbstorganisation von Prostituierten aus, unter ihnen die folgenden:

  • 1982 gründeten Genfer Prostituierte in Zusammenarbeit mit Sozialarbeiterinnen den Verein Aspasie, dessen Beratungsstelle noch heute besteht.
  • 1998 wurde in Genf auf Initiative von Grisélidis Réal der Verein Astarté von prrostituierten Frauen und Männern gegründet.
  • Von 2006 bis 2016 war die Präsidentschaft des Beratungsstellen-Verbands ProKoRe mit Prostituierten besetzt.
  • 2012 wurde in Genf eine Gewerkschaft für Sexarbeiterinnen und -arbeiter (Sydicat des travailleuses et travailleurs du sexe STTS) gegründet.[57]

Bekannte Prostituierte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz sind verschiedene internationale Organisationen beheimatet, die sich laufend mit Fragen rund um Prostitution auseinandersetzen. Unter ihnen: WHO, UNAIDS, IAO, UNHCR, CEDAW, IKRK.

Einige nationale und regionale Organisationen in der Schweiz sind Partnerinnen der internationalen Nichtregierungsorganisationen ICRSE (International Committee on the Rights of Sex Workers in Europe), NSWP (Global Network of Sex Work Projects) und TAMPEP (European Network for HIV/STI Prevention and Health Promotion among Migrant Sex Workers).

National[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene eher sex-positiv bzw. liberal-feministisch orientierte Nichtregierungsorganisationen setzen sich u. a. mit der Prostitution in der Schweiz auseinander. Unter ihnen: FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration, AIDS-Hilfe Schweiz, Terre des Femmes (Schweiz), Christlicher Friedensdienst, humanrights.ch, Amnesty International (Schweiz). Hinzu kommt ProKoRe, ein Verband, der sich spezifisch mit allen Fragen der Prostitution bzw. Sexarbeit auseinandersetzt und erklärtermassen die Rechte aller Sexarbeitenden in der Schweiz vertritt. Die hier genannten Organisationen sind regelmässig Ansprechpartnerinnen der Bundespolitik und werden von Bundesbehörden, insbesondere bei Vernehmlassungen, zu Themen rund um Prostitution konsultiert.

Regional[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diverse Organisationen bieten Beratungen für Prostituierte an. Quasi flächendeckend bieten die regionalen Fachstellen, die dem Dachverband ProKoRe angehören, ein administratives, psychosoziales und gesundheitliches Beratungsangebot für Prostituierte aller Geschlechter und Genders und verfahren dabei nach dem Prinzip einer anerkennenden und wertschätzenden Sozialen Arbeit, die Sexarbeit als Arbeit sieht. Die angestellten Fachleuchte der Sozialen Arbeit, Krankenpflege, Psychologie usw. arbeiten mit Prostituierten vor Ort, also in ständigem Kontakt mit der Basis. Die meisten dieser Organisationen verfügen über eine unabhängige Vereinsstruktur und haben Leistungsverträge mit öffentlichen Verwaltungsstellen, wenige sind städtische oder staatliche Einrichtungen. Sie sind regelmässig Ansprechpartnerinnen der jeweiligen kantonalen Politik und werden von Kantons- und Kommunalbehörden, insbesondere bei Vernehmlassungen, zu Themen rund um Prostitution konsultiert. Zudem bieten einige abolitionistisch orientierte radikal-feministische oder kirchliche Organisationen, darunter die Heilsarmee[62], Beratungen ausschliesslich für Frauen mit dem primären Ziel ihrer beruflichen Neuorientierung, ihres sogenannten Ausstiegs. Vor allem in den grösseren Agglomerationen befassen sich auch weitere Organisationen mit der Prostitution, insbesondere mit Fokus auf Gewalt (Opferhilfeprojekte), Drogengebrauch (Drogenhilfeprojekte) oder sexuelle Gesundheit (STI-Prävention) bei breiteren Zielgruppen.

Verschiedene Organisationen veranstalten In unregelmässigen Abständen in Schweizer Städten kleinere öffentliche Aktionen am 03. März zum Internationalen Tag für Rechte von Sexarbeitenden, am 21. Juni zum Internationalen Hurentag, am 14. September zur internationalen Sex Worker Pride oder am 17. Dezember zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Sexarbeitenden.

Kulturelle Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2004 zeigte das Schweizerischen Nationalmuseum im Zürcher Museum Bärengasse die Ausstellung Wertes Fräulein, was kosten Sie? Prostitution in Zürich 1875-1925. Es erschien ein gleichnamiger Begleitband zur Ausstellung (Sarasin et al. 2004).
  • 2007 zeigte das Kornhausforum Bern die Ausstellung Sexarbeit. Prostitution – Lebenswelten und Mythen. Kuratorin Elisabeth von Dücker brachte die Ausstellung vom Museum der Arbeit Hamburg nach Bern, wo die Kunsthistorikerin und Filmemacherin Veronika Minder einen spezifischen Bereich zur Schweiz sowie ein breites Rahmenprogramm gestaltete.[63]
  • 2015 zeigte der ehemalige Genfer Bürgermeister Patrice Mugny unter freiem Himmel die Ausstellung Putain de portraits aus Anlass der Herausgabe seines gleichnamigen Buches mit einer Reihe von Portraits Prostituierter in Text und Fotografie.

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010 zeigte die Genfer Regisseurin Françoise Courvoisier ihr Bühnenstück Les combats d'une reine nach Texten von Grisélidis Réal zum Thema Prostitution zunächst in Avignon, später im Théâtre de Poche in Genf.[64]
  • 2015 zeigte der Zürcher Schauspieler und Performer Daniel Hellmann erstmals sein Bühnenstück Traumboy, in dem er Sexarbeit zum Thema macht und diskutiert, im Theaterhaus Gessnerallee in Zürich.[65][66]

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene die Prostitution betreffende Ereignisse fanden in den Schweizer Medien der vergangenen Jahre besondere Beachtung, darunter die folgenden.

  • Das Personenfreizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU vom 21. Juni 1999, das 2009 auch auf Rumänien und Bulgarien ausgeweitet wurde, führte zu einer Zunahme des Angebots.[1]
  • 2009 liess die Genfer Stadtregierung das Grab der Schriftstellerin, Malerin und Prostituierten Grisélidis Réal (1929–2005), einer Ikone der internationalen Hurenbewegung, feierlich auf den Ehrenfriedhof Cimetière des Rois umbetten. In den Monaten zuvor war in Schweizer und europäischen Medien von einem grossen Skandal die Rede.[67][68] Réals Werk geniesst international Beachtung.[69]
  • 2011 wurde die Schweiz vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zur Entschädigung einer Privatklägerin verurteilt. Sie war von der Genfer Polizei 1993 zu Unrecht in einem spezifischen Prostituiertenregister erfasst worden und hatte daraufhin Klage eingereicht.[70][71]
  • 2013 liess die Stadt Zürich im peripheren Stadtteil Altstetten Verrichtungsboxen aufstellen (Strichplatz Depotweg). Zur gleichen Zeit verbot sie den Strassenstrich am Sihlquai nahe der Innenstadt.[72] Diese Massnahmen wurden von mehreren Organisationen als zu restriktiv kritisiert.[73]
  • 2014 wurde öffentlich bekannt, dass Insassen der Therapie-Abteilung La Pâquerette im Untersuchungsgefängnis Champ-Dollon bei Genf in Begleitung von Sozialtherapeuten Prostituierte hatten besuchen dürfen.[74][75]
  • 2018 startete die radikal-feministisch bzw. abolitionistisch orientierte Frauenzentrale Zürich eine medienwirksame Kampagne für die Einführung eines Prostitutionsverbots[76]. Die feministische Schweizer Nichtregierungsorganisation Terre des Femmes (Schweiz) distanzierte sich mit Gegenforderungen der Liberalisierung, was zum Eklat und bald zum Bruch mit der deutschen Schwester-Organisation Terre des Femmes e. V. führte.[77][56]
  • 2019 wurde in Genf eine Korruptionsaffäre zwischen einem Bordellbetreiber und etwa 20 Polizeibeamten zum Skandal.[78] Es kam zu gerichtlichen Verfahren. Zur Aufklärung leitete der Genfer Staatsrat eine Untersuchung ein und liess die ethischen Regeln der Polizei überarbeiten.[79]
  • Während der Corona-Krise von 2020–2021 gerieten viele Prostituierte in eine wirtschaftliche Notlage, woraufhin psychosozial-gesundheitliche Fach- und Beratungsstellen Aktionen zur Solidarisierung starteten. Verschiedene Organisationen unterstützten die Bildung von Nothilfe-Fonds, aus denen über die Beratungsstellen Gelder an Bedürftige verteilt wurden.[80][81]

Fernsehsendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Appell Sexarbeit-ist-Arbeit.ch (Hrsg.): Ich bin Sexarbeiterin. Porträts und Texte. Limmat, Zürich 2020.
  • Valentin N. J. Landmann: Nackte Tatsachen. Der Rotlicht-Report. Orell Füssli, Zürich 2011. (Essay)
  • Patrice Mugny: Putain de portraits. Slatkine, Genf 2015. (französisch)
  • Aline Wüst: Piff, Paff, Puff. Prostitution in der Schweiz. Echtzeit, Basel 2020. (Reportage)

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeiten: Die heutige Lektüre der Dissertation des Juristen Eugen Meier von 1948 (Univ. Zürich) bringt rechtsgeschichtliche Aufschlüsse zum Eidgenössischen Strafgesetzbuch von 1937 und auch zur Unterscheidung zwischen legaler heterosexueller und verbotener gleichgeschlechtlicher Prostitution. Der Psychiater und Sexualwissenschafter Willy Pasini (Univ. Genf) bezieht ab den frühen 1970er-Jahren Prostitution bei seinen Arbeiten immer wieder ein.[82] In der Rechtswissenschaft gilt heute die Dissertation von Brigitte Hürlimann 2004 (Univ. Freiburg) zur Frage der Sittenwidrigkeit als einschlägig. Die Soziologin Milena Chimienti promovierte 2007 (Univ. Genf) über Prostitution und Migration. Sie wurde 2009 bekannt durch ihre umfassende Auftragsstudie für die Bundesverwaltung über den Sexmarkt in der Schweiz. Um HIV und männliche Sexarbeiter in der Schweiz geht es in der Dissertation des Pädagogen Andreas Pfister 2009 (Univ. Zürich). Die Dissertation der katholischen Theologin und Ethikerin Béatrice Bowald 2010 (Univ. Luzern) hat viel Beachtung gefunden. Auch die Dissertationen der Erziehungswissenschafterinnen Eva Büschi 2011 (Univ. Zürich) und Maritza Le Breton 2011 (Univ. Zürich) werden viel zitiert. Die Dissertation der Wirtschaftswissenschafterin Kathrin Heinzl 2016 (Univ. Zürich) liefert ihrerseits einen Beitrag zur Prostitution im Schweizer Strafrecht. Ebenfalls 2016 veröffentlichen die Kriminologen Martin Killias und Lorenz Biberstein (Univ. Zürich) wichtige Ergebnisse ihrer nationalen "Studie zum Prostitutionsmarkt". Nora Scheidegger 2018 (Univ. Bern) äussert gesetzlichen Reformbedarf auch bezüglich der Prostitution in ihrer juristischen Monographie über das Schweizer Sexualstrafrecht. Eine monographische Ethnographie der Arbeitsbeziehungen von der Sozialen Arbeit im Prostitutionskontext liefert Rebecca Mörgen 2020 (Univ. Zürich).

Vernetzung: Einige wissenschaftlich Forschende aus der Schweiz beteiligen sich seit 2015 am interdisziplinären Netzwerk Kritische Sexarbeitsforschung, das in den Folgejahren zur Gesellschaft für Sexarbeits- und Prostitutionsforschung (GSPF) mutierte.[83]

Archive:

  • Das Schweizerische Sozialarchiv in Zürich führt ein gesondertes Dossier über Prostitution.[84]
  • Das Centre Grisélidis Réal[85] in Genf ist ein Archiv zur Prostitution bzw. Sexarbeit, das allen Forschenden offen steht.[86] Der Bestand wurde katalogisiert; der Katalog ist online zugänglich. Kernbestand ist die von der Namensgeberin über 30 Jahre geführte systematische Sammlung von Texten und anderen Zeitzeugnissen über Prostitution.[87]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Das Recht, mit Sex Geld zu verdienen, auf origin.swissinfo.ch
  2. A. Fumagalli: Les Pâquis: das aussergewöhnlichste Viertel der Schweiz. In: NZZ. 19. September 2019, abgerufen am 7. Februar 2021.
  3. Runder Tisch Klingental / Sexgewerbe. Verein Stadtteilsekretariat Kleinbasel, abgerufen am 7. Februar 2021.
  4. Botschaft 85.047 vom 26. Juni 1985 über die Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes (Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben, gegen die Sittlichkeit und gegen die Familie). In: Bundesblatt BBl 1985 II 1009. Bundesrat, 10. September 1985, S. 1082 f., abgerufen am 15. Februar 2021.
  5. Gesetz über die Ausübung der Prostitution ASF 2010_045. Kanton Freiburg, 17. März 2010, abgerufen am 15. Februar 2021.
  6. a b c Prostitutionsgesetz – Gesetz über das Prostitutionsgewerbe (PGG). Kanton Bern, Sicherheitsdirektion, 1. April 2013, abgerufen am 13. Februar 2021.
  7. Susanna Burghartz: Unzucht. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 14. Januar 2014, abgerufen am 16. Februar 2021.
  8. Sexarbeit im Kanton Bern. Sicherheitsdirektion des Kantons Bern, abgerufen am 26. Februar 2021.
  9. a b Kanton Luzern: Gewerbepolizeigesetz (GPG). Kanton Luzern, 23. Januar 1995, abgerufen am 26. Februar 2021.
  10. BAP veröffentlicht Lagebericht über "Organisierte Kriminalität". In: Medienmitteilungen. Bundesamt für Polizei (BAP), 29. Januar 1999, abgerufen am 27. Februar 2021.
  11. Die Organisierte Kriminalität benutzt das Rotlichtmilieu - Das BAP veröffentlicht den jährlichen Lagebericht. In: Medienmitteilungen. Bundesamt für Polizei (BAP), 14. September 2000, abgerufen am 27. Februar 2021.
  12. Stellungnahme zur Interpellation 20.3233. Bundesrat, 1. Juli 2020, abgerufen am 7. Februar 2021.
  13. Benedikt Meyer: Es geht überraschend wenig um Sex. Sarah Baumann (Historikerin) im Interview. In: Alma & Georges. 29. November 2017, abgerufen am 7. Februar 2021.
  14. Schweizerische Eidgenossenschaft: Strafgesetzbuch (Gesetzestext). Abgerufen am 8. Februar 2021.
  15. Prostitution. Koordinationsstelle gegen Menschenhandel und Menschenschmuggel (KSMM), 8. August 2014, archiviert vom Original am 8. August 2014; abgerufen am 11. Februar 2021.
  16. Verordnung über die Strassenprostitution. Kenton Basel-Stadt, 24. Dezember 2006, abgerufen am 26. Februar 2021.
  17. Gesetz über die Ausübung der Prostitution. Kanton Freiburg, 17. März 2010, abgerufen am 26. Februar 2021.
  18. Verordnung über die Ausübung der Prostitution. Kanton Freiburg, 23. November 2010, abgerufen am 26. Februar 2021.
  19. a b Loi sur la prostitution (LProst). Kanton Genf, 17. Dezember 2009, abgerufen am 26. Februar 2021 (französisch).
  20. Règlement d'exécution de la loi sur la prostitution (RProst). Kanton Genf, 14. April 2010, abgerufen am 26. Februar 2021 (französisch).
  21. Loi sur la prostitution (LProst). Kanton Jura, 20. Oktober 2010, abgerufen am 26. Februar 2021 (französisch).
  22. Ordonnance sur la prostitution (OProst). Kanton Jura, 6. März 2012, abgerufen am 26. Februar 2021 (französisch).
  23. Loi sur la prostitution et la pornographie (LProst). Kanton Neuenburg, 30. August 2016, abgerufen am 26. Februar 2021 (französisch).
  24. Règlement d'exécution de la loi sur la prostitution et la pornographie (RELProst). Kanton Neuenburg, 14. Dezember 2016, abgerufen am 26. Februar 2021 (französisch).
  25. Legge sull’esercizio della prostituzione (LProst). Kanton Tessin, 22. Januar 2018, abgerufen am 26. Februar 2021 (italienisch).
  26. Regolamento sull’esercizio della prostituzione (RProst). Kanton Tessin, 5. Mai 2019, abgerufen am 26. Februar 2021 (italienisch).
  27. Gesetz über die Prostitution (GPr). Kanton Wallis, 12. März 2015, abgerufen am 26. Februar 2021.
  28. Verordnung über die Prostitution (VPr). Kanton Wallis, 23. September 2015, abgerufen am 26. Februar 2021.
  29. Loi sur l'exercice de la prostitution (LPros). Kanton Waadt, 30. März 2004, abgerufen am 26. Februar 2021 (französisch).
  30. Règlement d'application de la loi sur l'exercice de la prostitution (RLPros). Kanton Waadt, 1. September 2004, abgerufen am 26. Februar 2021 (französisch).
  31. Ehrenkodex in Verbindung mit dem Bereich der Prostitution. Kanton Waadt, 17. Dezember 2010, abgerufen am 26. Februar 2021.
  32. Prostitutionsgewerbeverordnung. Stadt Zürich, 7. März 2012, abgerufen am 26. Februar 2021.
  33. Ausführungsbestimmungen zur Prostitutionsgewerbeverordnung (PGVO). Stadt Zürich, 14. November 2012, abgerufen am 26. Februar 2021.
  34. Arbeiten in der Schweiz für Personen aus einem EU/EFTA-Land - www.ch.ch. Schweizerische Bundeskanzlei, abgerufen am 8. Februar 2021.
  35. Kommentar zum Art. 194 betr. widernatürliche Unzucht. In: Der Kreis, Bd. 5/1944, S. 2 ff. Mai 1944, abgerufen am 22. Februar 2021.
  36. a b Urteil 6B_572/2020. Bundesgericht, 8. Januar 2021, abgerufen am 7. Februar 2021.
  37. Stellungnahme zur Interpellation 12.3187. Bundesrat, 16. März 2012, abgerufen am 7. Februar 2021.
  38. Bericht der Kommission für Rechtsfragen zur Standesinitiative 12.317. (PDF). Ständerat, 11. Januar 2016, abgerufen am 28. Februar 2021.
  39. Stellungnahme zur Interpellation 04.3693. Bundesrat, 23. Februar 2005, abgerufen am 10. Februar 2021.
  40. Sexuelle Assistenz. Insieme - Dachverband der Elternvereine für Menschen mit einer geistigen Behinderung, abgerufen am 7. Februar 2021.
  41. Erste Fachstelle für Behinderte und Sexualität. In: Schweiz aktuell. SRF TV, 17. Mai 2006, abgerufen am 11. Februar 2021.
  42. Vereinsgeschichte – sexuelle Assistenz. In: SEHP. Verein SEHP - SExualité et Handicaps Pluriels, abgerufen am 11. Februar 2021 (französisch).
  43. Jean-Michel Berthoud: Jugendprostitution in der Schweiz: Noch kein Verbot. In: swissinfo.ch. 16. Februar 2011, abgerufen am 11. Februar 2021.
  44. Abkommen abgeschlossen in Lanzarote 2007. Europarat, abgerufen am 8. Februar 2021.
  45. CBC Radio Canada - News (Hrsg.): Switzerland raises legal prostitution age to 18. 10.09.2013 (englisch). (cbc.ca [abgerufen am 13. Februar 2021]).
  46. z. B.: Frauenzentrale Zürlch. Abgerufen am 8. Februar 2021.
  47. z. B. Marianne Streiff-Feller (EVP): Vorstoss 12.4162 Nationalrat 2013. Abgerufen am 8. Februar 2021.
  48. z. B. Pfarrerin Catherine McMillan: SRF TV – Wort zum Sonntag – Prostitution. 2. Juni 2018, abgerufen am 8. Februar 2021.
  49. Prostitution und Menschenhandel ‒ Bundesrat legt Bericht vor. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  50. Elodie Kolb: Coronavirus: Wegen Berufsverbot in der Stadt: Sexarbeiterinnen zieht es ins Baselbiet | bz Basel. bz – Zeitung für die Region Basel, 8. Januar 2021, abgerufen am 16. Februar 2021.
  51. Patricia Islas: Sexworkerinnen. weder Opfer noch Rebellinnen. Swissinfo, 26. Februar 2021, abgerufen am 2. März 2021.
  52. Rolf Trechsel: Die Kastration Schwuler in der Schweiz. In: Kuno Trüeb, Stephan Miescher (Hrsg.): Männergeschichten. Schwule in Basel seit 1930. Buchverlag Basler Zeitung, Basel 1988, ISBN 978-3-85815-163-6, S. 213.
  53. Lena Berger: Der Luzerner Amtsstatthalter führte 1937 ein geheimes Schwulenregister. In: Luzerner Zeitung. CH Media, 16. September 2018, abgerufen am 24. Februar 2021.
  54. Elisabeth Joris: Abolitionismus. In: Historische Lexikon der Schweiz HLS. Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, 5. Juni 2001, abgerufen am 4. März 2021.
  55. Elisabeth Joris: Sittlichkeitsbewegung. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). 24. Januar 2013, abgerufen am 24. Februar 2021.
  56. a b Die Schweiz streitet über Prostitutionsverbot. Swissinfo, abgerufen am 10. Februar 2021.
  57. Prostituierte gründen erste Gewerkschaft. SDA. In: Basler Zeitung. 13. September 2012, ISSN 1420-3006 (bazonline.ch [abgerufen am 4. März 2021]).
  58. R. Kunz: Frau Mercedes fährt nun Smart. In: Der Bund. ISSN 0774-6156 (derbund.ch [abgerufen am 10. Februar 2021]).
  59. N. Krättli: Intersexuell: «Lieber verkaufe ich meinen Arsch als meine Seele». In: Beobachter. 24. Juni 2014, abgerufen am 10. Februar 2021.
  60. Jean-Marc Boillat: DIJU - Dictionnaire du Jura – Plumey, Claudette (1937-). Cercle d'Études historiques und Société jurassienne d'Émulation, 10. Januar 2020, abgerufen am 13. Februar 2021 (französisch).
  61. Willi Wottreng: Irene – Oh, Lady Shiva. In: Die Zeit. 26. September 2013, abgerufen am 11. Februar 2021.
  62. Heilsarmee: Prostituierte Frauen. Abgerufen am 15. Februar 2021.
  63. SEXARBEIT. Eine Ausstellung zum Thema Prostitution. art tv, 12. Juni 2007, abgerufen am 4. März 2021.
  64. Cécile della Torre: Une histoire de légendes au Poche. 26. November 2014, abgerufen am 26. Februar 2021 (französisch).
  65. Lilo Weber: Sexarbeit – na und? NZZ, 15. Juni 2015, abgerufen am 26. Februar 2021.
  66. Patricia Moreno, Jennifer Khakshouri: «Traumboy» von Daniel Hellmann in der Gessnerallee - Kultur kompakt - SRF. SRF Radio, 16. Juni 2015, abgerufen am 27. Februar 2021.
  67. Marguerite Menz: La Putain respectueuse. In: NZZ. 6. Februar 2009, abgerufen am 6. Februar 2009.
  68. Jürgen Altwegg: Die streitbare Dirne auf dem Ehrenfriedhof der Republik. In: FAZ. 12. März 2009, abgerufen am 7. Februar 2021.
  69. Kulturplatz - angesagt: "Erinnerungen einer Negerhure" von Grisélidis Réal. SRF TV, 26. März 2008, abgerufen am 7. Februar 2021.
  70. EU-Gericht verpflichtet Schweiz zu Entschädigungszahlung. (Keystone-SDA). In: Swissinfo. 18. Oktober 2011, abgerufen am 27. Februar 2021.
  71. Affaire Khelili c. Suisse. (Urteil im Fall Khelili gegen Schweiz). Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, 18. Oktober 2011, abgerufen am 27. Februar 2021 (französisch, deutsch, isländisch).
  72. Zürich installiert «Verrichtungsboxen» für Prostituierte | NZZ. Abgerufen am 21. Februar 2021.
  73. Ein Verbot schadet den Frauen, auf woz.ch
  74. Christophe Büchi: Begleitete Freigänge für Prostituiertenbesuch. In: NZZ. 31. Januar 2014, abgerufen am 14. Oktober 2018.
  75. Häftlinge gingen auf Freigang zu Prostituierten, auf tagesanzeiger.ch
  76. Stopp Prostitution - Für eine Schweiz ohne Freier. Frauenzentrale Zürich, 2018, abgerufen am 10. Februar 2021.
  77. Tobias Tscherrig: Prostitution und Kopftuch spalten Frauenrechts-Organisation. In: Infosperber. Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information SSUI, 4. August 2018, abgerufen am 22. Februar 2021.
  78. Sex gegen Bussen-Erlass – Offene Türen für Polizisten in Genfer Bordellen. In: Schweiz Aktuell. SRF TV, 19. April 2019, abgerufen am 27. Februar 2021.
  79. Benjamin Weinmann: Sex-Skandal der Genfer Polizei. Jetzt reagiert die Kantonsregierung - und ergreift Massnahmen. Aargauer Zeitung, 16. Mai 2020, abgerufen am 27. Februar 2021.
  80. Sexarbeit und Corona - So prekär ist die Lage der Sexarbeiterinnen in der Schweiz. SRF Radio, 29. Januar 2021, abgerufen am 7. Februar 2021.
  81. Linda Koponen: Coronavirus: Wie Prostituierte in Zürich um ihre Existenz kämpfen (Linda Koponen). In: NZZ. 20. Mai 2020, abgerufen am 7. Februar 2021.
  82. William Geisendorf, Willy Pasini (Hrsg.): Sexologie 1970-1973. Éditions Médecine et Hygiène, Genf 1974 (französisch).
  83. Gesellschaft für Sexarbeits- und Prostitutionsforschung e. V. Abgerufen am 26. Februar 2021.
  84. Dossier Sachdokumentation: 13.8 Prostitution. Schweizerisches Sozialarchiv, abgerufen am 28. Februar 2021.
  85. Centre Grisélidis Réal, auf aspasie.ch (französisch)
  86. Les archives militantes de Grisélidis Réal ouvertes au public. In: swissinfo.ch. 14. März 2019, abgerufen am 11. Februar 2021 (französisch).
  87. Les archives de Grisélidis Réal sortent de l'ombre - Léman Bleu Télévision. Léman Bleu TV, abgerufen am 11. Februar 2021 (französisch).