Kurt Blanke

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Kurt Blanke (* 18. November 1900 in Emden; † 28. Februar 1997 in Celle) war ein deutscher Jurist und Kommunalpolitiker (DP, CDU). Von 1964 bis 1973 war er Oberbürgermeister der niedersächsischen Stadt Celle.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt Blanke war Vorsitzender des örtlichen Advokatenvereins und war 25 Jahre lang für das Landesprüfungsamt beim niedersächsischen Justizministerium tätig. Von 1957 bis 1977 war er Mitglied des Niedersächsischen Staatsgerichtshofs und wurde 1964 zum Stadtoberhaupt von Celle gewählt.

Für seine Verdienste als Kommunalpolitiker wurde er u. a. mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zwei Jahre nach seinem Tod beschloss der Rat der Stadt Celle, eine Straße nach Blanke zu benennen.

Anfang 2008 wies der Konstanzer Historiker Martin Jungius in seiner Dissertation Blankes Verstrickungen in die Judenverfolgung in Frankreich während der Zeit des Nationalsozialismus nach. Blanke, der am 14. November 1938 nach der Reichspogromnacht unter Protest aus der SA (Mitglied seit 9. Juli 1933, am 1. Mai 1938 als Adjutant in den Sturmbann II/7 berufen und wenig später zum Truppführer befördert) ausgetreten war (und sich davor auch vor dem Obersten Parteigericht der NSDAP verantworten musste), war als Leiter des Referats „Entjudung“ in der Wirtschaftsabteilung unter Leitung von Elmar Michel, des Militärbefehlshabers in Frankreich für die Kontrolle und Durchsetzung der „Arisierung“ in der besetzten Zone verantwortlich.

Als Konsequenz dieser Forschungsergebnisse beschloss der Rat der Stadt Celle Ende Mai 2008 – wie im Jahr zuvor schon beim früheren Stadtoberhaupt Ernst Meyer – die Umbenennung der Kurt-Blanke-Straße in Wildgarten.[2]

Kurt Blankes Sohn Edzard Blanke war CDU-Politiker und Landtagspräsident.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph Billig: Dr. Kurt Blanke. Hôtel Majestic. In: Le Monde juif. Nr. 4, Paris 1956.
  • RWLE Möller, Bernd Polster: Kurt Blanke. In: RWLE Möller, Bernd Polster: Celle. Das Stadtbuch. ES, Bonn 2003, ISBN 3-00-012605-8, S. 57.
  • Martin Jungius: Der verwaltete Raub. Die „Arisierung“ der Wirtschaft in Frankreich 1940–1944. Thorbecke, Ostfildern 2008, ISBN 978-3-7995-7292-7.
  • Martin Jungius, Wolfgang Seibel: Der Bürger als Schreibtischtäter. Der Fall Kurt Blanke. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Band 56, Nr. 2, Oldenbourg, München 2008, ISSN 0042-5702, S. 265–303 (PDF).
    • englisch: The Citizen as Perpetrator. Kurt Blanke and Aryanization in France 1940–1944. In: Zs. Holocaust and Genocide Studies. Jg. 22 Heft 3, 2008, S. 441–474 (online siehe Weblinks).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. RWLE Möller, Bernd Polster: Kurt Blanke, in dies.: Celle. Das Stadtbuch. ES, Bonn 2003, ISBN 3-00-012605-8, S. 57
  2. Gunther Meinrenken: 77er-Massaker: Straßennamen in Celle nur für Vorbilder. cellesche-zeitung.de. 29. August 2014. Abgerufen am 24. April 2019.