Lühnde

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Lühnde
Gemeinde Algermissen
Wappen von Lühnde
Koordinaten: 52° 16′ 27″ N, 9° 57′ 3″ O
Höhe: 85 m ü. NHN
Fläche: 5,7 km²[1]
Einwohner: 1418 (1. Jan. 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 249 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31191
Vorwahl: 05126
Lühnde (Niedersachsen)
Lühnde

Lage von Lühnde in Niedersachsen

Ev. St.-Martin-Kirche

Lühnde ist ein Ortsteil der Gemeinde Algermissen im Landkreis Hildesheim, Niedersachsen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage des Dorfes nahe dem Hassel, der historischen Malstätte des altsächsischen Gaues Astfala, trug wesentlich zu seiner frühen besonderen Stellung bei. Hier entstand die Mutterkirche aller späteren Pfarreien ringsum und der Sitz eines geistlichen Gerichts. Die kreuzförmige romanische Archidiakonatskirche St. Martin aus Bruchstein wurde 1117 erstmals erwähnt. Die ursprüngliche Anlage als Pfeilerbasilika mit Ostquerhaus und drei halbrunden Apsiden aus dem 12. Jahrhundert hat später Umgestaltungen erfahren. Ein Schlussstein der gotischen Gewölberippen zeigt den Kopf des Hl. Stephanus und weist darauf hin, dass in einer der Seitenapsiden ein Stephanusaltar gestanden hat. Kirchen, in denen Stephanus als Nebenpatron verehrt wurde, zählen zu den ältesten christlichen Kirchen Deutschlands. Das Martins-Patronat deutet auf eine Gründung durch fränkische Missionare, vielleicht auch auf hier nach den Sachsenkriegen angesiedelte fränkische Bevölkerungsteile.

Im Mittelalter war Lühnde durch einen Wall mit Graben geschützt. Daran erinnern noch Straßennamen wie Bledelner Tor, Bolzumer Tor und Wätzumer Tor. Rings um die Kirche stehen einige interessante Fachwerkhäuser.

Am 25. Januar 1902 wird durch die Lühnder Bürger die freiwillige Feuerwehr Lühnde gegründet. Damit wurden in Lühnde alle Bürger zwischen 17 und 55 Jahren verpflichtet, in die Feuerwehr einzutreten, sofern sie nicht Beamte, Soldaten, Gendarmen, Geistliche, Ärzte, Apotheker, Lehrer oder Schüler waren.[3]

Am 6. September 1944 detonierte eine Bombe in der Feldmark, unweit von Lühnde. Zahlreiche Häuser im Dorf wurden durch den Luftdruck am Dach beschädigt. Zur Beseitigung der Schäden wurden 25.000 Dachziegel benötigt.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurde Lühnde in die Gemeinde Algermissen eingegliedert.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1910 1925 1933 1939 1950 2013 2014 2018 2019
Einwohner 728 860 742 763 1563 1413 1400 1407 1418

(Quellen: 1910,[5] 1925–1939,[6] 1950,[1] 2013–2014,[7] 2018–2019[2])

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Lühnde wurde am 1. Januar 2012 mit den Kirchengemeinden in Algermissen, Groß Lobke, Hotteln, Oesselse und Wirringen-Müllingen-Wassel zur evangelisch-lutherischen Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde Sarstedt-Land im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt zusammengeschlossen.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsrat von Lühnde setzt sich aus zwei Ratsfrauen und fünf Ratsherren folgender Parteien und Sitzen zusammen:[9]

SPD: 4 Sitze
CDU: 3 Sitze

(Stand: Kommunalwahl 11. September 2016)

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbürgermeister von Lühnde ist Lutz Sohns (SPD). Sein Stellvertreter ist Jens Volland (CDU).[9]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Lühnde
Blasonierung: „In Gold ein grüner Hügel, belegt mit einem schrägrechts gestellten roten Schild, darin ein goldener Löwe; auf dem Hügel eine zweizinnige rote Mauer, daraus mittig wachsend ein grüner Haselstrauch.“[10]
Wappenbegründung: Im Mittelalter hatte Lühnde eine besondere Bedeutung, denn die Dorfkirche war die Hauptstelle aller Pfarreien in der Umgebung und Sitz eines geistlichen Gerichts, des sogenannten Sendes. Zusätzlich befanden sich vor Ort eine Reihe weltlicher Gerichte. Vor allem das Goding der Go Hassel. Die Gerichtsstätte tagte unter freiem Himmel auf einer Anhöhe, die wohl darum Hassel hieß, weil sie von Haselnussgerten umhegt war. Im Kommunalwappen sollte dieses Goding festgehalten werden. Der grüne Berg mit der roten Mauer und dem ebenfalls grünen Haselstrauch deuten auf die Stätte dieses Gerichtes hin. Weil Lühnde jedoch auch zwei Freiendinge innehatte (in Lühnde und Loppenstedt), legte man schräg auf dem Berge einen roten Schild mit einem goldenen Löwen, dem Sinnbild der Freiheit, als Wappenzier.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Eyron (* 1964), Schauspieler, Moderator, Produzent, Autor und Geschäftsmann

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmuth Albrecht (1885–1953), Politiker (DVP), war Direktor der Gewerkschaft Carlshall, eines Kalisalzbergwerkes in Lühnde
  • Mirko Slomka (* 1967), Fußballtrainer, ist in Lühnde aufgewachsen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Flyer „Lühnde feiert 900 Jahre“
  • Arbeitsgruppe Chronik: Lühnde – eine Chronik. Die jüngere Geschichte von Lühnde und die Geschichten von seinen Leuten, mit Anhang „Aus der Geschichte des Dorfes Lühnde, von Friedrich Peine, 1958“. Lühnde 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lühnde – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13. September 1950. Band 33. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart/Köln 1950, S. 35, Sp. 2 (Digitalisat [PDF; 26,4 MB; abgerufen am 11. Juni 2019] Landkreis Hildesheim-Marienburg, S. 44).
  2. a b Einwohnerzahlen. In: Internetseite der Gemeinde Algermissen. 1. Januar 2019, abgerufen am 1. April 2019.
  3. Die Anfänge – Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Lühnde. Abgerufen am 12. Januar 2020 (deutsch).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 209.
  5. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Hildesheim. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: www.gemeindeverzeichnis.de. 3. Februar 2019, abgerufen am 3. April 2019.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Hildesheim (→ Siehe unter: Nr. 29). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Einwohnerzahlen 2013–2014. In: Internetseite der Gemeinde Algermissen. 1. Januar 2013, archiviert vom Original am 7. September 2014; abgerufen am 3. April 2019.
  8. Kirchliches Amtsblatt für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers. Nr. 2/2012. Hannover 3. April 2012, S. 54 ff. (Digitalisat [PDF; 573 kB; abgerufen am 1. April 2019] S. 14 ff.).
  9. a b Ortsrat Lühnde. In: Internetseite Gemeinde Algermissen. Abgerufen am 1. April 2019.
  10. August Söding: Wappenbuch Landkreis Hildesheim-Marienburg. Hrsg.: Heimatbund des Landkreises Hildesheim-Marienburg e. V. (= Heimatkundliche Schriftenreihe. Nr. 7). Schwitalla Verlag, Himmelsthür 1966, S. 174–175.