Lühnde

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Lühnde
Gemeinde Algermissen
Wappen von Lühnde
Koordinaten: 52° 16′ 23″ N, 9° 56′ 53″ O
Höhe: 85 m ü. NHN
Fläche: 5,71 km²[1]
Einwohner: 1420 (1. Jan. 2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 249 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31191
Vorwahl: 05126
Lühnde (Niedersachsen)
Lühnde

Lage von Lühnde in Niedersachsen

Ev. St.-Martin-Kirche

Lühnde ist ein Ortsteil der Gemeinde Algermissen im niedersächsischen Landkreis Hildesheim.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage des Dorfes nahe dem Hassel, der historischen Malstätte des altsächsischen Gaues Astfala, trug wesentlich zu seiner frühen besonderen Stellung bei. Hier entstand die Mutterkirche aller späteren Pfarreien ringsum und der Sitz eines geistlichen Gerichts. Die kreuzförmige romanische Archidiakonatskirche St. Martin aus Bruchstein wurde im Jahr 1117 erstmals erwähnt. Die ursprüngliche Anlage als Pfeilerbasilika mit Ostquerhaus und drei halbrunden Apsiden aus dem 12. Jahrhundert hat später Umgestaltungen erfahren. Ein Schlussstein der gotischen Gewölberippen zeigt den Kopf des Hl. Stephanus und weist darauf hin, dass in einer der Seitenapsiden ein Stephanusaltar gestanden hat. Kirchen, in denen Stephanus als Nebenpatron verehrt wurde, zählen zu den ältesten christlichen Kirchen Deutschlands. Das Martins-Patronat deutet auf eine Gründung durch fränkische Missionare, vielleicht auch auf hier nach den Sachsenkriegen angesiedelte fränkische Bevölkerungsteile.

Im Mittelalter war Lühnde durch einen Wall mit Graben geschützt. Daran erinnern noch Straßennamen wie Bledelner Tor, Bolzumer Tor und Wätzumer Tor. Rings um die Kirche stehen einige interessante Fachwerkhäuser.

Am 6. September 1944 detonierte eine Bombe in der Feldmark, unweit von Lühnde. Zahlreiche Häuser im Dorf wurden durch den Luftdruck am Dach beschädigt. Zur Beseitigung der Schäden wurden 25.000 Dachziegel benötigt.

Bis in das Jahr 1997 besaß Lühnde viele Jahrzehnte lang eine Poststelle, die von Elisabeth und Hermann Dohrs geführt wurde.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen verlor die Gemeinde Lühnde am 1. März 1974 ihre politische Selbständigkeit und wurde ein Ortsteil der Gemeinde Algermissen.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1910 728 [5]
1925 860 [6]
1933 742 [6]
1939 763 [6]
1950 15630 [7]
1956 13260 [7]
Jahr Einwohner Quelle
1973 1090 [1]
2013 1413 [8]
2014 1400 [8]
2018 1407 [9]
2019 1418 [2]
2020 1420 [2]

Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Januar 1902 wird durch die Lühnder Bürger die Freiwillige Feuerwehr Lühnde gegründet. Damit wurden in Lühnde alle Bürger im Alter zwischen 17 und 55 Jahren verpflichtet, in die Feuerwehr einzutreten, sofern sie nicht Beamte, Soldaten, Gendarmen, Geistliche, Ärzte, Apotheker, Lehrer oder Schüler waren.[10]

Heute verfügt die Ortsfeuerwehr über drei Fahrzeuge[11] zur Brandbekämpfung und Hilfeleistung und hat ca. 60 aktive Feuerwehrmänner und -frauen[12]. Zudem besitzt Sie eine eigene Jugendfeuerwehr mit 20 Mitgliedern[13]. Das Feuerwehrhaus befindet sich im Hangeräthsweg und wurde im Jahr 2010 um das Vereinsheim des Sportvereins TuS Lühnde aufgestockt[14].

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Lühnde wurde am 1. Januar 2012 mit den Kirchengemeinden in Algermissen, Groß Lobke, Hotteln, Oesselse und Wirringen-Müllingen-Wassel zur evangelisch-lutherischen Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde Sarstedt-Land im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt zusammengeschlossen.[15]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsrat von Lühnde setzt sich aus zwei Ratsfrauen und fünf Ratsherren folgender Parteien und Sitzen zusammen:[16]

(Stand: Kommunalwahl 11. September 2016)

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbürgermeister von Lühnde ist Lutz Sohns (SPD). Sein Stellvertreter ist Jens Volland (CDU).[16]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Lühnde
Blasonierung: „In Gold ein grüner Hügel, belegt mit einem schrägrechts gestellten roten Schild, darin ein goldener Löwe; auf dem Hügel eine zweizinnige rote Mauer, daraus mittig wachsend ein grüner Haselstrauch.“[17]
Wappenbegründung: Im Mittelalter hatte Lühnde eine besondere Bedeutung, denn die Dorfkirche war die Hauptstelle aller Pfarreien in der Umgebung und Sitz eines geistlichen Gerichts, des sogenannten Sendes. Zusätzlich befanden sich vor Ort eine Reihe weltlicher Gerichte. Vor allem das Goding der Go Hassel. Die Gerichtsstätte tagte unter freiem Himmel auf einer Anhöhe, die wohl darum Hassel hieß, weil sie von Haselnussgerten umhegt war. Im Kommunalwappen sollte dieses Goding festgehalten werden. Der grüne Berg mit der roten Mauer und dem ebenfalls grünen Haselstrauch deuten auf die Stätte dieses Gerichtes hin. Weil Lühnde jedoch auch zwei Freiendinge innehatte (in Lühnde und Loppenstedt), legte man schräg auf dem Berge einen roten Schild mit einem goldenen Löwen, dem Sinnbild der Freiheit, als Wappenzier.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ÖPNV

Lühnde ist Endpunkt der Buslinie 330 der Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe nach Bemerode. Des Weiteren befinden sich Bushaltestellen des Regionalverkehr Hildesheim mit Verbindungen nach Hildesheim im Ort.

Die Haupt-Bushaltestelle in Lühnde heißt "Am Brink". Sie befindet sich im Alt-Dorf und liegt im Ortskern. Dort halten alle Buslinien, die den Ort anfahren. Lühnde besitzt 4 Bushaltestellen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Eyron (* 1964), Schauspieler, Moderator, Produzent, Autor und Geschäftsmann

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmuth Albrecht (1885–1953), Politiker (DVP), war Direktor der Gewerkschaft Carlshall, eines Kalisalzbergwerkes in Lühnde
  • Mirko Slomka (* 1967), Fußballtrainer, ist in Lühnde aufgewachsen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Flyer „Lühnde feiert 900 Jahre“
  • Arbeitsgruppe Chronik: Lühnde – eine Chronik. Die jüngere Geschichte von Lühnde und die Geschichten von seinen Leuten, mit Anhang „Aus der Geschichte des Dorfes Lühnde, von Friedrich Peine, 1958“. Lühnde 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lühnde – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindeverzeichnis für Niedersachsen. Gemeinden und Gemeindefreie Gebiete. Eigenverlag, Hannover 1. Januar 1973, S. 31, Landkreis Hildesheim-Marienburg (Digitalisat (Memento vom 7. August 2019 im Internet Archive) [PDF; 21,3 MB; abgerufen am 12. Juni 2020]).
  2. a b c Einwohnerzahlen 2019–2020. In: Webseite Gemeinde Algermissen. 1. Januar 2020, abgerufen am 12. Juni 2020.
  3. Arbeitsgruppe Chronik Lühnde: Lühnde - Eine Chronik. In: Arbeitsgruppe Chronik Lühnde (Hrsg.): https://luehnde.com/2016/luehnder-chronik-jetzt-vorbestellen/. 1. Auflage. Band 1, Nr. 1. Arbeitsgruppe Chronik Lühnde, Lühnde 2017, S. 456.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 209.
  5. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Hildesheim. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: gemeindeverzeichnis.de. 5. Januar 2020, abgerufen am 12. Juni 2020.
  6. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Hildesheim (Siehe unter: Nr. 29). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. a b Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland – Ausgabe 1957 (Bevölkerungs- und Gebietsstand 25. September 1956, für das Saarland 31. Dezember 1956). W. Kohlhammer, Stuttgart 1958, S. 167 (Digitalisat).
  8. a b Einwohnerzahlen 2013–2014. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webseite Gemeinde Algermissen. 1. Januar 2013, archiviert vom Original am 7. September 2014; abgerufen am 3. April 2019.
  9. Einwohnerzahlen 2018–2019. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webseite Gemeinde Algermissen. 1. Januar 2019, archiviert vom Original am 30. März 2019; abgerufen am 12. Juni 2020.
  10. Die Anfänge – Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Lühnde. In: geschichte.feuerwehr-luehnde.de. Abgerufen am 12. Januar 2020.
  11. Fahrzeuge – Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Lühnde. Abgerufen am 8. August 2020 (deutsch).
  12. Freiwillige Feuerwehr – Lühnde. Abgerufen am 8. August 2020 (deutsch).
  13. Freiwillige Feuerwehr – Lühnde. Abgerufen am 8. August 2020 (deutsch).
  14. Feuerwehrhaus. In: Freiwillige Feuerwehr Lühnde. 24. Juli 2016, abgerufen am 8. August 2020 (deutsch).
  15. Kirchliches Amtsblatt für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers. Nr. 2/2012. Hannover 3. April 2012, S. 54 ff., S. 14 ff. (Digitalisat [PDF; 573 kB; abgerufen am 1. April 2019]).
  16. a b Ortsrat Lühnde. In: Webseite Gemeinde Algermissen. Abgerufen am 1. April 2019.
  17. August Söding: Wappenbuch Landkreis Hildesheim-Marienburg. Hrsg.: Heimatbund des Landkreises Hildesheim-Marienburg e. V. (= Heimatkundliche Schriftenreihe. Nr. 7). Schwitalla Verlag, Himmelsthür 1966, S. 174–175.