Bledeln

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Bledeln
Gemeinde Algermissen
Koordinaten: 52° 16′ 13″ N, 9° 55′ 28″ O
Höhe: 96 m ü. NN
Einwohner: 681 (1. Jan. 2014)[1]
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31191
Vorwahl: 05126
Wappen von Bledeln

Bledeln ist eine Ortschaft im Landkreis Hildesheim in Niedersachsen. Seit 1974 ist es ein Ortsteil der Gemeinde Algermissen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein 800 Jahre Bledeln

Die erste urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahr 1160 erhalten. Ulrich und Friedrich von Bledeln (Odelricus et Frithericus de Blitehenim), ein ansässiges Adelsgeschlecht, treten als Zeugen bei der Bestätigung eines Gütererwerbs des Klosters Lamspringe in Breinum auf. Die beiden werden als Gefolgsleute (viri) des Grafen Berenger und Friedrich von Poppenburg aufgeführt.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1205 wird Bledeln genannt, hier hat der Abt Dietrich des Hildesheimer Michaelisklosters vier solidi Einkünfte in Blethenem besessen, die am Tag der Enthauptung Johannes des Täufers fällig waren. In der Folgezeit wird der Ortsname Bledhenem (1246), Bledennem (1265), Bledenem (1277), Bledenum (1382) und Bledelem (1562) geschrieben, später setzt sich die Schreibweise 'Bledeln' durch.

Eine Annahme ist, dass der Ortsname 'Bledeln' zu den Ortsnamen mit dem Grundwort 'heim' gehört, deren Alter umstritten ist. In der Umgebung von Hildesheim gehören diese Ortsnamen zu den älteren, sie entstanden in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Das Bestimmungswort von 'Bledeln' ist offenbar ein alter Vorname 'Blede' oder 'Bledel'. Die Bedeutung wäre demnach 'Heim des Blede (Bledel)'.

Das Adelsgeschlecht von Bledeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bereits erwähnte Ulrich von Bledeln, aus dem Adelsgeschlecht von Bledeln, tritt nochmals als Zeuge bei einem Verkauf von drei Hufen Land in Lobke an das Moritzstift im Jahre 1189 auf, und zuletzt wird er zwar in einer Urkunde aus dem Jahre 1204 genannt; aber sein Sohn mit dem gleichen Naman nimmt bereits das Verfügungsrecht über das Familiengut wahr, indem er 60 Morgen Land in Klein-Algermissen für 34 Mark Silber an die St. Andreaskirche in Hildesheim verkauft. Der Name seines Vaters wird nur zu Ulrichs II. Identifizierung angeführt. Demnach wird dieser schon gestorben gewesen sein. Johannes und Konrad von Bledeln, Brüder Ulrichs II., verzichteten gleichzeitig auf ihre Anrechte an den verkauften beiden Hufen.

Noch 1267 eine blühende Sippe, verschwinden sie plötzlich im Dunkel der Geschichte. Was kann dazu die Ursache gewesen sein? Genaues ist aus jener Zeit selten über den Untergang eines Adelshauses zu erfahren. Es darf jedoch angenommen werden, dass die von Bledeln während der Kämpfe ums Leben kamen, welche zwischen dem jungen Bischof Otto und seinen Brüdern, den Welfenherzögen, nach 1267 ausbrachen. Zwölf Jahre später wurde die Umgegend besonders heimgesucht.

Der Hassel, Gerichtsstätte – Goding[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Grenzen der Bledelner Feldmark befindet sich im Nordwesten ein Wäldchen, der Hassel. Es liegt auf der Kuppe eines flachen Hügels, der sich bis zu 103 m über NN. erhebt. Hier wurde wahrscheinlich schon in altsächsischer Zeit, jahrhundertelang das Goding abgehalten.

Auch das Gericht des Königs fand hier unter dem Vorsitz des von ihm eingesetzten Grafen statt, wie man aus dem Flurnamen „Königsstuhl“ für den alten Grenzstreifen, der sich von der Nordostspitze des Wäldchens in nördlicher Richtung hinzieht, schließt. Dieser Name findet sich in den Grenzbeschreibungen des Amtes Coldingen-Ruthe im 16. und 17. Jahrhundert. Das Königsgericht war jedoch auf die Zeit von etwa 800 bis 1200 beschränkt, während das Goding noch ca. 250 Jahre länger tagte.

Zum ordentlichen Ding erschienen die Einwohner aus dem Gebiet zwischen Bruchgraben und Warmbüchener Moor der Leine und der Aue. Bezeugt sind die Orte Anecampe (wüste Ortschaft zwischen Bemerode und Hannover), Anderten, Höver, Bilm, Döhren, Laatzen, Grasdorf, Wülferode, Evern, Rethmar, Sehnde, Müllingen, Oesselse, Gleidingen, Sarstedt, Helperde (Wüstung bei Sarstedt), Gödringen, Hotteln, Bledeln, Lühnde, Ummeln und Bolzum.

Heute existieren von den alten Dokumenten hauptsächlich noch Auflassungsurkunden von Grundeigentum, teilweise solche von erheblichem Umfang. So wurde zum Beispiel im Jahr 1386 auf dem Hassel das ganze Dorf Evern mit dem zehnten Teil des Wertes aufgelassen, für das die von Salder es dem Domkapitel verkauft hatten. Auch Graf Simon von Dassel erklärte, dass die Güter, die er dem Sültekloster 1325 übergab, im Gebiet des Godings lägen.

Aus einer Aufstellung aus der Zeit um 1490 über das Freiding Lühnde ergibt sich, dass auf dem Hassel auch das Gericht, das „Hals und Leute anging“, abgehalten wurde. Doch auch Zivilklagen entschied man auf dem Goding. So war dieses Gericht auf dem Hassel im 14. und 15. Jahrhundert die entscheidende Instanz. Andere Gericht wie Freiding, Meierding und Holzding waren für besondere Angelegenheiten zuständig.

Das Goding auf dem Hassel bestand etwa bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Seine Befugnisse gingen dann auf die Landgerichte über, von denen das Erbregister von 1682 Sarstedt, Ruthe und Steinwedel angeführt.

Die Wüstung Loppenstedt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des späteren Mittelalters ist eine Anzahl von Dörfern in der Umgebung von Bledeln von ihren Einwohnern verlassen worden. Als Beispiel seien genannt: Oldendorf und Helperde bei Sarstedt, Delm zwischen Heisede und Hotteln, Bockum nördlich von Oesselse, Nienstedt bei Algermissen, Kleinsehnde östlich von Bolzum, Gilgen bei Haimar, Anecampe bei Bemerode und schließlichen Loppenstedt 1,5 km südlich von Bledeln. Diese sind in der Zeit der häufigen Fehden des 14./15. Jahrhunderts, als die Streitigkeiten vorwiegend durch Rauben, Brennen und Brandschatzen in den gegnerischen Dörfern ausgetragen wurden, von ihren verzweifelten Bewohnern wie erwähnt verlassen worden. Die kleinen Ortschaften, die vielleicht nur ein Dutzend Höfe zählten, konnten den bedrängten Einwohnern nicht genügenden Schutz gewähren; darum suchten sie nach den immer wiederkehrenden Schädigungen an Leib, Leben und Eigentum schließlich entweder Zuflucht hinter sicheren Stadtmauern, oder siedelten in größere Nachbardörfer über, die ihnen durch stärkere Anzahl der Verteidiger oder auch – wie in Lühnde und wahrscheinlich Bledeln – durch den Schutz von Wall und Graben größere Sicherheit boten.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. August 1941 fielen bei einem Luftangriff auf Hannover Sprengbomben auf Bledeln. Es gab ein Todesopfer und fünf Verletzte, eine Scheune und zwei Wohnhäuser wurden zerstört. Am 10. Februar 1944 wurden vier Menschen beim Abwurf von einer Sprengbombe und 30 Brandbomben verletzt. Eine Scheune wurde restlos zerstört und einige Wohnhäuser beschädigt. Am 19. Februar 1944 stürzte ein englischer Bomber unweit von Bledeln ab und explodierte, wobei ein Trichter von 17 m Tiefe entstand. Mehrere seiner Spreng- und Brandbomben trafen das Dorf und richteten erhebliche Schäden an. Sämtliche Dächer in Bledeln wurden stark beschädigt und zahlreiche Fenster zerstört. Eine Scheune brannte vollständig ab, ebenso der Dachstuhl eines Stalls.

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurde Bledeln in die Gemeinde Algermissen eingegliedert.[2]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die St.-Georg-Kirche zu Bledeln stammt aus dem 13. Jahrhundert, sie hat noch überwiegend romanische Bausubstanz. Die Innenausstattung ist barock.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister ist Uwe Leder (CDU).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ortswappen enthält Elemente der Familienwappen derer von Weichs (Spitze) und von Lenthe (Ast). Diese Familien übten seit dem 17. Jahrhundert gemeinsam mit denen von Bülow Patronatsrechte an der Bledelner Kirche aus.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bledeln geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leo Meyer (1830–1910), Sprachforscher, Hochschullehrer und russischer Staatsrat
  • George Meyer (1828–1889), deutscher Reichsgerichtsrat

In Bledeln gewirkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Bertram: Geschichte des Bistums Hildesheim. 3 Bände, Hildesheim 1899/1916.
  • Bernhard Engelke: Die Große und die Kleine Grafschaft der Grafen von Lauenrode. In: Hann. Geschichtsbl. Heft 4/5 im 24. Jahrgang;
  • J. Gebauer: Geschichte der Stadt Hildesheim. 2 Bd., Hildesheim 1922/1924.
  • Görges-Spehr-Fuhse: Vaterländische Geschichten und Denkwürdigkeiten der Lande Braunschweig und Hannover. 3 Bd., Braunschweig 1925/1929.
  • Wilhelm Havemann: Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg. 3 Bd., Göttingen 1853/1857.
  • Adolf Hueg: Dorf und Bauerntum. Oldenburg 1939.
  • K. Kayser: Die reformatorischen Kirchenvisitationen in welfischen Landen 1542/1544. Göttingen 1896.
  • K. Kayser: Die General-Kirchenvisitation von 1588 im Lande Göttingen-Kalenberg. In: Zeitschr. d. Ges. f. nieders. Kirchengeschichte. 1904.
  • Hermann Adolf Lüntzel: Die bäuerlichen Lasten im Fürstentum Hildesheim. Hildesheim 1830.
  • Hermann Adolf Lüntzel: Die ältere Diözese Hildesheim. Hild. 1837.
  • J. Machens: Die Archidiakonate des Bistums Hildesheim im Mittelalter. Hildesheim 1920.
  • Hector Wilhelm Heinrich Mithoff: Kunstdenkmale und Alterthümer im Hannoverschen, 3. Band: Fürstenthum Hildesheim. Nebst der ehemals freien Reichsstadt Goslar, mit Abbildungen, Hannover: Helwing, 1875; herunterladbar als PDF-Dokument der Universitätsbibliothek Braunschweig
  • Friedrich Peine: Die Frühgeschichte der Go Hassel Ders. Das Goding, die Freidinge und das Meierding in Lühnde. In: Blätter für Volkstum und Heimat im Reg.-Bez. Hildesheim. Jahrg. 1941, Heft 7/8, 1943 H. 10/12.
  • Friedrich Peine: Aus der Geschichte des Dorfes Bledeln. Bearbeitet von Friedrich Peine, Peine 1963.
  • Werner Spieß: Die Großvogtei Kalenberg. Göttingen 1933.
  • Janicke-Hoogeweg: Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe. 6 Bände, Leipzig 1896, Hann. 01/11.
  • R. Doebner: Urkundenbuch der Stadt Hildesheim. 8 Bände, Hildesheim 1881–1901.
  • H. Sudendorf: Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg. 11 Bände, Hann./Gött. 1859–1883.
  • Jörg Mumme: Private, familiengeschichtliche Aufzeichnungen. Bledeln 1989–2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bledeln – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahl am 1. Januar 2014. (Memento des Originals vom 7. September 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.algermissen.de Website der Gemeinde Algermissen, abgerufen am 7. September 2014.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 209.