Līgatne

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Līgatne sds
Wappen von Līgatne
Līgatne (Lettland)
Red pog.svg
Basisdaten
Staat: Lettland
Landschaft: Livland (lettisch: Vidzeme)
Verwaltungsbezirk: Līgatnes novads
Koordinaten: 57° 14′ N, 25° 3′ OKoordinaten: 57° 13′ 56″ N, 25° 2′ 45″ O
Einwohner: 1.147
Fläche: 7,4 km²
Bevölkerungsdichte: 155 Einwohner je km²
Höhe: 88 m
Webseite: www.ligatne.lv
Postleitzahl:
ISO-Code:

Līgatne, seit 2009 Līgatnes novads, (deutsch Ligat) ist eine Kleinstadt im Norden Lettlands am Ufer der Gauja im Gauja-Nationalpark. 2009 vereinigte sich die Stadt mit ihrer Landgemeinde zu Līgatnes novads. Im 2016 zählte Līgatne 1147 Einwohner.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft entstand um eine Papierfabrik, welche 1815 von Justus Storch gegründet worden war. 1864 kaufte die AG Rigaer Papierfabriken die Papierfabrik Ligat.[2] Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden um die Fabrik Arbeitersiedlungen, ein Krankenhaus, ein Kulturhaus, Kindergarten und andere Einrichtungen.[3] In einem damals einzigartigen sozialen Modell wurde den Arbeitern freie Wohnung, Heizung, Strom, Kindererziehung, Altersversorgung etc. gewährt.

Ein oberer Ortsteil entwickelte sich an der Straße Riga-Pleskau. Touristische Anziehungspunkte sind heute ein Naturpark mit Freigehegen für einheimische Wildtiere, ein für die Regierung der LSSR gebauter sowjetischer Bunker, die ehemalige Fabrik, eine hölzerne Autofähre über die Gauja und der Gūdu-Felsen.

Geschichte der Papierfabrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft ist mit der dort befindlichen Papierfabrik eng verbunden.

Ein Zeitzeugenbericht beschreibt die Arbeitervergünstigungen Anfang des 20. Jahrhunderts: „Die Ligater Arbeiter verdienten...an barem Geldlohn bei der damals allgemein üblichen 12-stündigen Arbeit, etwa ebenso viel wie im Rigaer Stadtbezirk in der Industrie gezahlt wurde. Dabei genossen sie aber eine Menge Vergünstigungen, die in der Stadt fehlten: freie Wohnung und Beheizung, wobei ihnen Brennholz zur Verfügung stand,soviel sie brauchten. Dann: freie ärztliche Behandlung und Medikamente. Staatliche Krankenkassen gab es damals nicht, es gab also auch keine Abzüge vom Lohn dafür. In Ligat bestand ein Krankenhaus mit 8 Betten,...Außerdem gab es eine sehr gut eingerichtete... sehr gut betreute Entbindungsanstalt. Der alte Dr. Vogel, der ca. 5 km von Ligat wohnte, kam wöchentlich zweimal regelmäßig zur Fabrik, und am Ort lebte der Heilgehilfe... Weiter hatten die Leute freie Schule für alle Kinder, im Rahmen etwa der Grundschule. Dazu alles Schulmaterial frei. Die Schule war in 3 Klassen geteilt, den Unterricht erteilten 3 Lehrer, ... Ob und in welcher Höhe eine Lohnsteuer erhoben wurde, ist mir entfallen. Ich glaube nicht; denn es gab damals auch keine Einkommensteuer“.[4]

Die Papierproduktion wurde während des Ersten Weltkriegs in Līgatne gestoppt, die Papiermaschinen wurden demontiert und nach Russland gebracht.

1920 stellte die neue Regierung der Republik Lettland 20 Mio. Lettische Rubel bereit, um die Fabrik wieder aufzubauen und mit der Papierproduktion wieder zu beginnen. In den 20er und 30er Jahren hatte die Papierfabrik Līgatne die modernsten Anlagen zur Papierproduktion in Europa und war eine der besten Fein- und Spezialpapierfabriken.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion erneut gestoppt, im Februar 1945 auf 3 Papiermaschinen wieder aufgenommen.

Während eines Brandes 1993 brannte die Fabrik teilweise ab und wurde durch Spenden wieder aufgebaut. Im Jahr 2000 wurde sie unter dem Namen SIA „PAPĪRFABRIKA LĪGATNE“ Ltd. als GmbH eingetragen. 2014 musste Insolvenz angemeldet werden.[5]

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Asja Lācis (1891–1979), Schauspielerin, Regisseurin und Theaterleiterin

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Latvijas iedzīvotāju skaits pašvaldībās pagastu dalījumā
  2. Hans Feldmann, Heinz von zur Mühlen (Hrsg.): Baltisches historisches Ortslexikon, Teil 2: Lettland (Südlivland und Kurland). Böhlau, Köln 1990, S. 350.
  3. Robert Burmeister: Die Papierfabrik. Abgerufen am 7. August 2015.
  4. W. v. Schilling: Erinnerungen an die Papierfabrik Ligat, Manuskript 1956.
  5. Pasludināts „Papīrfabrikas Līgatne“ maksātnespējas process. 7. August 2015, abgerufen am 7. August 2015.