L. Behrens & Söhne

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L. Behrens & Söhne war eine Hamburger Privatbank und Handelsfirma, sie bestand mit Unterbrechung von 1806 bis 1970.

Zusammen mit seinen Söhnen gründete der aus Pyrmont zugewanderte Kaufmann Levy Behrens 1806 in Hamburg die Firma L. Behrens & Söhne. Sie betätigten sich in den ersten Jahren sehr erfolgreich als Merchant Banker und handelten vor allem mit englischen und sächsischen Textilien und Tuchwaren, die sie in Norddeutschland verkauften. Um den geschäftlichen Kontakt nach England zu vertiefen, gründeten die beiden Söhne dort Tochterfirmen: Salomon Levy Behrens 1815 in Manchester die S. L. Behrens & Co. und Jakob Behrens 1834 in Leeds die bis heute bestehende Jacob Behrens & Co.[1] Die Hinwendung zum Bankgeschäft fand in den 1850er Jahren statt, durch Verbindungen zum Londoner Bankhaus Rothschild wurde L. Behrens & Söhne zusammen mit dem Frankfurter Bankhaus Rothschild und dem Berliner Bankhaus S. Bleichröder an den Verkäufen von Aktien beteiligt. In den folgenden Jahren stieg L. Behrens & Söhne neben Joh. Berenberg, Gossler & Co., Conrad Hinrich Donner und M. M. Warburg & CO zu einem der führenden Hamburger Bankhäuser auf.

Da nach dem Ersten Weltkrieg Devisenknappheit herrschte, stieg L. Behrens & Söhne in den Zuckerhandel ein, sie waren mit eine der ersten deutschen Firmen, die deutschen Zucker exportierten. Auch die nachfolgende Weltwirtschaftskrise konnte die Firma heil überstehen. Während des Nationalsozialismus wurde das Bankhaus 1938 „arisiert“, der Haupteigentümer George Eduard Behrens wurde de facto enteignet und in Schutzhaft genommen. Den Firmenteil, der die Bankgeschäfte abwickelte, übernahm die Norddeutsche Kreditbank-AG in Bremen.[2] Die Handelsabteilung konnte von dem mit Behrens befreundeten Henry S. Willink als Willink & Co weitergeführt werden. 1948 kehrte G. E. Behrens aus dem Exil zurück und L. Behrens & Söhne wurde aus der Firma Willink & Co. wiederbegründet. Das Bankgeschäft wurde dabei nicht wieder aufgenommen. Auch die alte Bedeutung konnte nicht wiedererlangt werden. 1970 wurde L. Behrens & Söhne liquidiert.

Kunstrestitution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 restituierte die niederländische Regierung ein Werk von Camille Corot an die Erben von George Behrens, das dieser vermutlich 1940 an ein niederländisches Museum verkauft hatte.[3] 2013 restituierten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ein Werk von de la Peña, das nach März 1935 verkauft worden war.[4] Nachdem die Stadt Düsseldorf die Restitution eines Werks von Menzel, das Behrens vermutlich im Sommer 1935 verkauft hatte, abgelehnt hatte, jedoch die Limbach-Kommission um eine Empfehlung gebeten wurde, empfahl diese im Februar 2015, das Werk nicht zu restituieren.[5]

Adolf Friedrich Erdmann von Menzel - Pariser Wochentag

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese besteht noch heute als Sir Jacob Behrens & Co. Siehe homepage behrens.co.uk
  2. siehe dazu Ingo Köhler: Die „Arisierung“ der Privatbanken im Dritten Reich. Verdrängung, Ausschaltung und die Frage der Wiedergutmachung. Beck, München 2005, ISBN 3-406-53200-4, S. 287 f
  3. Empfehlung der niederländischen Restitutionskommission RC 1.71; Sotheby's arts auction 21. März 2010 abgerufen am 17. März 2016, jeweils abgerufen am 17. März 2016
  4. A Just and Fair Solution Reached by Bayerische Staatsgemäldesammlungen and the Heirs of George Behrens
  5. Empfehlung der Limbach-Kommission; zur Diskussion s. Pressemeldung der Stadt Düsseldorf vom 19. Februar 2015, juristische Anmerkung Kahmann/Naumann in Zeitschrift für offene Vermögensfragen 2015, 114