M.M.Warburg & CO

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  M.M.Warburg & CO (AG & Co.) Kommanditgesellschaft auf Aktien
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Staat DeutschlandDeutschland Deutschland
Sitz Hamburg
Rechtsform AG & Co. KGaA
Bankleitzahl 201 201 00[1]
BIC WBWC DEHH XXX[1]
Gründung 1798
Website mmwarburg.com
Geschäftsdaten 2020[2]
Bilanzsumme 7,2 Mrd. € (Warburg Gruppe)

5,2 Mrd. € (M.M.Warburg & CO)

Mitarbeiter 963 (Warburg Gruppe)
Leitung
Unternehmensleitung

Joachim Olearius, Peter Rentrop-Schmid, Patrick Tessmann, Matthias Schellenberg

Die M.M.Warburg & CO (AG & Co.) Kommanditgesellschaft auf Aktien ist eine 1798 in Hamburg von den Brüdern Moses Marcus Warburg und Gerson Warburg aus der Bankiersdynastie Warburg gegründete unabhängige Privatbank. Die M.M.Warburg & CO ist heute die größte inhabergeführte Privatbank Deutschlands.

Das in der Zeit des Nationalsozialismus zwangsweise „arisierte“ Bankhaus musste 1941 auf Anweisung der deutschen Reichsregierung in Brinckmann, Wirtz & Co. umfirmieren. 1969 wurde die Bank unter der Leitung von Eric M. Warburg in M.M.Warburg-Brinckmann, Wirtz & Co. umbenannt und trug somit ein knappes Vierteljahrhundert nach Ende der NS-Zeit wieder den Namen der Gründerfamilie. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands nahm das Bankhaus 1991 den ursprünglichen Namen M.M.Warburg & CO an.

Mehr als 80 % der Gesellschafteranteile gehören den Familien von Max M. Warburg Jr. und Christian Olearius.

Um die Privatbank M.M.Warburg & CO ist seit der Jahrtausendwende die Warburg Gruppe mit der Finanzholding-Gesellschaft M.M.Warburg & CO Gruppe GmbH entstanden. Die Warburg Gruppe ist in 10 deutschen Städten vertreten. Zum Konzern gehören Bankhäuser, Kapitalanlagegesellschaften und Schifffahrtsgesellschaften. Kerngeschäftsfelder der Warburg Gruppe sind Vermögensverwaltung, Private Banking, Immobilieninvestmentfonds und Investmentbanking. Mit einer Bilanzsumme von 7,2 Milliarden Euro, Assets under Management and Administration von 76,2 Milliarden Euro und einem verwahrten Vermögen in Höhe von 33,9 Milliarden Euro ist die Warburg Gruppe einer der größten privaten Finanzdienstleister Deutschlands (Stand 2020).[3][4]

Die Bank steht in neuester Zeit insbesondere aufgrund der Teilnahme an sogennanten "Cum-Ex-Geschäften", in der M. M. Warburg auf Kosten der Finanzverwaltung unberechtigterweise Millionen an Steuerrückzahlungen erhielt, obwohl überhaupt keine Steuern gezahlt wurden, in der Kritik. Der Gesamtschaden belief sich auf 151 Millionen Euro.[5] Der frühere Generallbevollmächtigte der Bank wurde wegen seiner Beteiligung an diesen Geschäften zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1798–1933[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsitz der M.M. Warburg & CO in der Ferdinandstraße 75 in Hamburg

Das Bankhaus wurde 1798 von den Brüdern Moses Marcus Warburg und Gerson Warburg gegründet.[7][8]

Am 22. Juni 1810 wurde erstmals ein Gesellschaftervertrag für die M.M.Warburg & CO aufgesetzt. Am 14. November 1831 starb Bankgründer Moses Marcus Warburg. Abraham Samuel Warburg übernahm das Bankhaus und wählte als neuen Partner seinen Vetter Elias Warburg, der bereits 1837 aus unbekannten Gründen wieder aus der Bank ausschied. Am 8. Juli 1856 verstarb Abraham Samuel Warburg. Als langjährige Matriarchin der Warburg-Familie regierte nach dem Tod ihres Mannes nun Sara Warburg von 1856 bis 1864 als Alleininhaberin die Geschäfte der M.M.Warburg & CO. Saras Tochter Rosa (1833–1908) war verheiratet mit Paul Schiff, dem geschäftsführenden Bankdirektor der von Salomon Meyer Freiherr von Rothschild gegründeten Wiener Credit-Anstalt.

Sara Warburg übertrug ihren Söhnen Siegmund Warburg und Moritz M. Warburg Geschäftsanteile und Führungsaufgaben an der familieneigenen Bank. 1863 gab die Firma ihren ursprünglichen Titel Geldwechsler auf und legte sich fortan die Bezeichnung Bankier- und Geldwechselgeschäft zu. Die M.M.Warburg & CO war zu einer Privatbank mit guten internationalen Verbindungen gereift. Obwohl die Bank nur zehn Angestellte hatte, führte sie weltweit Devisen- und Wechselgeschäfte mit großen Handelshäusern und Banken. Zudem wuchs das lukrative Emissionsgeschäft stetig. 1864 schied Sara Warburg aus der Bank aus und übertrug die Geschäfte des Finanzinstituts endgültig auf die beiden ungleichen Söhne. Der etwas ältere Siegmund (Teilhaber von 1859 bis 1889) besaß die unbestrittene Vormachtstellung in der Bank, der Einfluss von Moritz (Teilhaber von 1862 bis 1910) war überschaubar.

1870 wirkte M.M.Warburg & CO bei der Gründung der Hamburger Commerz- und Disconto-Bank mit.

Max M. Warburg (1867–1946)
Jacob Schiff (1847–1920)
Otto H. Kahn (1867–1934)

Am 1. Juli 1893 wurde Max M. Warburg Teilhaber der M.M.Warburg & Co.

Carl Melchior in der deutschen Verhandlungsdelegation des Versailler Vertrags, Erster von rechts (1919)

1933 war die M.M.Warburg & CO mit einem Kapital von 18 Millionen Reichsmark noch vor Mendelssohn & Co. die bedeutendste und größte Privatbank Deutschlands.[9]

1933–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Beginn der NS-Machtergreifung und der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 entwickelte die M.M.Warburg & CO gemeinsam mit dem Berliner Bankhaus A.E. Wassermann und der von Theodor Herzl gegründeten Anglo-Palestine Bank die Palästina Treuhandstelle zur Beratung Deutscher Juden GmbH (Paltreu). Über die 1934 als Teil des Ha’avara-Abkommens erschaffene Treuhandgesellschaft wurden drei Viertel aller Finanztransfers abgewickelt, die für die Emigration deutscher Juden und den Export deutscher Waren nach Palästina im Rahmen des Ha’avara-Abkommens nötig waren. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs flossen 140 Millionen Reichsmark durch die Bank und sorgten dafür, dass M.M.Warburg & CO in dieser schweren Zeit genug Aufträge erhielt. Weitere Aufgabe der Gesellschaft war es, jene deutschen Juden zu beraten, die nach Palästina auswandern und einen Teil ihres Vermögens mitbringen wollten. Die Paltreu stand unter der Aufsicht des Auswärtigen Amts, des Reichswirtschaftsministeriums und der Reichsbank.[10][11][12]

Bei Hitlers Machtergreifung besaßen die M.M.Warburg & CO-Teilhaber 108 Aufsichtsratsmandate. Der Beginn der NS-Zeit brachte für M.M.Warburg & CO trotz ihres industriellen Einflusses schwerwiegende Veränderungen. Der Poststrom versiegte zusehends, immer weniger Kunden fanden den Weg in die Bank. Innerhalb des Jahres 1933 nahm die Zahl der Kunden von 5241 auf 1875 ab und das Bankhaus wurde aus zahlreichen Wertpapierzusammenschlüssen ausgestoßen. Zum vorläufigen Niedergang des Bankhauses trugen aber nicht ausschließlich die Nationalsozialisten bei. Durch den Zahlungsaufschub für die Deutschland gewährten Kredite wurden internationale Zahlungsströme eingefroren. Außerdem litt die Bank immer noch unter dem Debakel von 1931.

An ein und demselben Tage starben am 30. Dezember 1933 die beiden M.M.Warburg & CO-Teilhaber Carl Melchior und Aby S. Warburg. Im Januar 1934 emigrierte M.M.Warburg & CO-Teilhaber Siegmund G. Warburg nach London und eröffnete dort das Bankhaus S. G. Warburg & Co. Im Sommer 1938 emigrierte Erich M. Warburg nach New York und gründete in den Büros von Kuhn, Loeb & Co. die Investmentbank E.M. Warburg & Co.

Zwischen 1936 und 1938 verloren die verbliebenen Teilhaber der M.M.Warburg & CO 80 von 98 Aufsichtsratmandaten. Makabre Haupttätigkeit im Jahre 1937 war die Übernahme der Kunden von bereits arisierten jüdischen Banken wie dem Bankhaus S. Bleichröder, J. Dreyfus & Co. und 200 weiteren Privatbanken. M.M.Warburg & CO war eine der letzten Vertrauensbanken für die jüdische Geschäftswelt.

Im September 1937 teilte Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht Max M. Warburg bei einem Gespräch in Berlin mit, die Bank nicht länger im Reichsanleihen-Konsortium halten zu können. Daraufhin entschloss sich Max M. Warburg, die Bank mit Hilfe von Freunden wie Franz Schütte und Konsul Dubbers in Bremen und Mitgliedern der Familie Nottebohm und Laeisz in Hamburg in eine Kommanditgesellschaft (KG) umzuwandeln. Rudolf Brinckmann, langjähriger loyaler Generalbevollmächtigter der M.M.Warburg & CO, und der Hamburger Geschäftsfreund Johann Jacob Paul Wirtz übernahmen 1938 die Bank. Ende Mai 1938 verabschiedete sich Max M. Warburg mit einer bewegenden Rede von seinen Mitarbeitern und emigrierte im August 1938 in die USA. Die stille Beteiligung, die die Familie Warburg weiterhin an der Bank hielt, wurde bei Kriegsausbruch 1939 beschlagnahmt. Das Bankhaus musste am 27. Oktober 1941 auf Anweisung der Regierung des Deutschen Reiches in Brinckmann, Wirtz & Co. umfirmieren. Die Einlagen der stillen Teilhaber aus der Familie Warburg wurden beschlagnahmt. Rudolf Brinckmann und Johann Paul Wirtz steuerten die Bank nicht ohne Gefahr für sich selbst durch die dunklen Jahre des Krieges.[13]

1945–2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenige Tage nach der deutschen Kapitulation 1945 kehrte Erich M. Warburg am 11. Mai 1945 als Lt. Col. Eric M. Warburg, Oberster Offizier des Nachrichtendienstes der United States Army Air Forces und mittlerweile amerikanischer Staatsbürger, in das von den Briten besetzte Hamburg zurück.[14][15] Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erhielten die Teilhaber der M.M.Warburg & CO ihre eingefrorenen Vermögen zurück.[16] Der 1938 ins amerikanische Exil emigrierte Firmenpatriarch Max. M. Warburg starb am 26. Dezember 1946 in New York.

1949 wurde durch Abschluss eines Rückerstattungsvergleichs die von Eric M. Warburg vertretene Familie Warburg wieder Gesellschafter der Bank. Ab 1956 trat er als Komplementär bei Brinckmann, Wirtz & Co. ein. Anfang 1957 trat Friedrich Priess neben Eric M. Warburg und Rudolf Brinckmann als dritter persönlich haftender Komplementär in die Bank ein. 1969 wurde die inzwischen stark gewachsene Bank zu M.M.Warburg-Brinckmann, Wirtz & Co. umfirmiert und trug damit erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder den Namen der Warburgs.

Max Marcus Alfons Warburg (kurz: Max M. Warburg Jr.; geb. im März 1948 in New York), Sohn von Eric M. Warburg, absolvierte zunächst Praktika bei der Chase Manhattan in New York, E.M. Warburg & Pincus in New York, S. G. Warburg & Co. in London und der Effectenbank Warburg AG in Frankfurt. Im Anschluss daran trat Max M. Warburg Jr. 1978 zunächst als Direktor Sales & Trading und schließlich 1982 als Partner und damit in der 6. Generation der Warburg-Familie bei der M.M.Warburg & CO ein.[17] Die Familien der Hauptgesellschafter Max M. Warburg Jr. und Christian Olearius halten mehr als 80 % der Anteile an M.M.Warburg & CO (Stand März 2018).[3][18]

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands nahm die Bank am 1. Oktober 1991 wieder ihren ursprünglichen Namen M.M.Warburg & CO an.

Um die Jahrtausendwende wuchs unter der Unternehmensführung von Christian Olearius die M.M.Warburg & CO durch die Übernahme zahlreicher deutscher Privatbanken stark an. 1997 wurden zunächst das größte niedersächsische Privatbankhaus Hallbaum aus Hannover und 1998 die traditionsreiche Hamburger Privatbank Marcard, Stein & Co akquiriert. Es folgten 1999 die Übernahme der ältesten Bremer Privatbank Carl F. Plump & CO und 2003 schließlich der Kauf der Berliner Privatbank Löbbecke. Hinzu kamen die Gründungen der ausländischen Töchtergesellschaften M.M.Warburg Bank  AG (Schweiz) und M.M.Warburg & CO Luxembourg S.A., sowie mehrere Kapitalanlagegesellschaften.[19] Ab 2009 gehörte die Schwäbische Bank AG mit Sitz in Stuttgart zur Warburg-Bankengruppe.[20] Die zunächst übernommenen Tochterunternehmen Bankhaus Hallbaum, Bankhaus Löbbecke, Bankhaus Carl F. Plump & CO und die Schwäbische Bank wurden 2016 mit der Muttergesellschaft M.M.Warburg & CO verschmolzen und firmieren seitdem als Zweigniederlassungen von M.M.Warburg & CO.[21]

Am 20. Januar 2016 durchsuchten Steuerfahnder die Räume der Bank.[22] Im März 2018 fand erneut eine Durchsuchung der Bank sowie von privaten Immobilien der Gesellschafterfamilie Olearius statt.[23] Die Warburg Bank weist alle Vorwürfe zurück.[24]

Im Frühjahr 2018 erwarb die Warburg Bank 75,1 % der Anteile an der NORD/LB Asset Management AG aus Hannover von der NORD/LB Norddeutsche Landesbank Girozentrale. Beide Banken bündelten ihre Asset Management-Aktivitäten fortan in der Warburg Invest Holding GmbH. Im Juni 2019 übernahm Warburg die restlichen Anteile an der Holding und ist seitdem alleinige Eigentümerin der ehemaligen NORD/LB Asset Management AG. Diese firmiert mittlerweile als Warburg Invest AG. Mit einem betreuten Vermögen (Assets under Management and Administration) von mehr als 36 Milliarden Euro und rund 130 Mitarbeitern ist die Holding ein bedeutender Asset Manager in Norddeutschland.[25]

Im November 2019 gaben der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Olearius sowie sein Stellvertreter Max Warburg, beide Hauptgesellschafter der Bank, ihren Rücktritt zum Ende des Jahres bekannt. Grund hierfür soll Druck seitens der Bafin gewesen sein.[26]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schiffsfonds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die M.M.Warburg & CO hat bis zum Jahr 2010 Schiffsfonds angeboten, die über komplex konstruierte Vertriebs- und Beteiligungsgesellschaften wie Vigor und Atalanta abgewickelt wurden. Für die stark risikobehafteten Vertragsabschlüsse mit Anlegern kassierte die Bank hohe, teils zweistellige Provisionen. 2015 bestätigte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein Urteil gegen M.M.Warburg & CO, wonach einem geschädigten Kunden die von ihm in den Schiffsfonds MT „MARGARA“ investierten 50.000 Euro plus Zinsen zurückzuzahlen waren. Das Gericht verurteilte die Bank „wegen fehlerhafter Beratung zur Leistung von Schadensersatz“, da M.M.Warburg & CO eine „ganz erhebliche Provision, und damit einen echten, aufklärungspflichtigen Kick-back bezogen“ habe.[27][28]

Cum-Ex-Geschäfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. Januar 2016 wurden im Zuge von Steuerfahndung die Räume der Bank durchsucht.[22] Bei den Ermittlungen zu den Cum-Ex-Geschäften wurde die M.M.Warburg & CO im Oktober 2016 von den Hamburger Steuerbehörden informiert, dass die Steuerbescheide für die Jahre 2009 bis 2011 zum Nachteil der Warburg-Bank korrigiert werden müssen.[29] Auf Anweisung des Bundesfinanzministeriums stellte die Hamburger Finanzbehörde der Warburg-Bank Anfang 2018 einen Steuerbescheid in Höhe von 43 Millionen Euro zuzüglich 13 Millionen Euro Zinsen aus. Gegen den Bescheid geht die Bank auf dem Rechtsweg vor.[30] Im März 2018 durchsuchten Steuerfahnder erneut die Bank sowie private Immobilien der Hauptgesellschafter Christian Olearius und Max Warburg,[23] die auch privat Cum-Ex-Geschäfte durchführten.[31]

Im Januar 2019 wurde bekannt, dass die Bank im Dezember 2018 beim Landgericht Frankfurt am Main Klage gegen die Deutsche Bank eingereicht hat. Diese habe es bei großen Aktiengeschäften („Cum Ex“) jahrelang „pflichtwidrig“ unterlassen, fällige Steuern einzubehalten und an die Finanzämter abzuführen, zitiert die Süddeutsche Zeitung (SZ) aus der Klageschrift. Die Deutsche Bank wies alle Vorwürfe zurück.[32]

Nach einem SZ-Bericht hat die Wirtschaftsprüfgesellschaft Deloitte im Auftrag der Finanzaufsicht Bafin einen Untersuchungsbericht vorgelegt, der verheerend für Warburg und Olearius ausfalle: Nach derzeitigen Erkenntnissen und Einschätzungen soll sich Olearius zusammen mit zwei Beschäftigten der Bankengruppe bei Cum-Ex-Aktiendeals der „besonders schweren Steuerhinterziehung“ strafbar gemacht haben, wie es in einer Zusammenfassung des Prüfreports vom 19. Februar 2019 heiße, die SZ, NDR und WDR vorliegt. Darin kommt Deloitte zu dem Ergebnis, dass Olearius auch gegen gesetzliche Vorschriften für die Führung von Banken verstoßen habe. Die Bafin könne deshalb wohl verlangen, ihn als Aufsichtsrat bei Warburg abzuberufen. Dafür lägen „ausreichende Anhaltspunkte“ vor.[33]

Im März 2020 wurde die Bank vom Landgericht Bonn dazu verurteilt, 176 Millionen Euro an Kapitalertragsteuer zurückzuzahlen.[34] Die Bank hatte diese Gelder im Rahmen der Cum-Ex-Geschäfte zu Unrecht erhalten. M.M.Warburg & CO legte dagegen Revision ein.[35] Einen Monat später forderte schließlich auch die Stadt Hamburg Gelder in Höhe von 160 Millionen Euro zurück.[36] Am 14. Januar 2021 gab Warburg bekannt, die Bank habe alle wegen der Cum-Ex-Aktiengeschäfte für 2007 bis 2011 festgesetzten Steuern vollständig an das Finanzamt für Großunternehmen in Hamburg überwiesen, womit die landgerichtlich angeordnete Einziehung der Steuern erledigt sei.[37]

Laut einem Spiegel-Bericht vom März 2021 zahlte Warburg für Beratungen zu Cum-Ex-Geschäften 17,5 Millionen Euro an Hanno Berger und Benjamin Frey. Die Bank überwies das Geld an die Sarasin-Bank, die es an eine Offshore-Firma von Berger und Frey auf den Britischen Jungferninseln weiterleitete.[31]

Am 17. November 2020 begann vor dem Landgericht Bonn ein Verfahren gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Bank. Er soll gemeinsam mit weiteren Angeklagten, deren Verfahren abgetrennt wurde, 13 Fälle der besonders schweren Steuerhinterziehung begangen haben, mit einem Schaden von über 325 Millionen Euro.[38]

Am 1. Juni wurde der Ex-Generalbevollmächtigte von Warburg deswegen zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von zehn Jahren, die Verteidiger Freispruch gefordert. Das erste Urteil gegen einen deutschen Banker im Rahmen der juristischen Aufarbeitung des Cum-Ex-Skandals ist noch nicht rechtskräftig.[39]

Parlamentarischer Untersuchungsausschuss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. November 2020 nahm der Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft seine Arbeit zur Klärung der Frage auf, warum der Hamburger Senat und die Hamburger Steuerverwaltung bereit waren, Steuern in Millionenhöhe mit Blick auf Cum-Ex-Geschäfte verjähren zu lassen und inwieweit es dabei zur Einflussnahme zugunsten der Warburg-Bank und zum Nachteil der Hamburgerinnen und Hamburger kam (PUA „Cum-Ex-Steuergeldaffäre“).[40][41][42]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Vagts: M. M. Warburg & CO. Ein Bankhaus in der deutschen Weltpolitik 1905–1933, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 45, 1958, Heft 3, Seite 289–388.
  • E. Rosenbaum, A. J. Sherman: Das Bankhaus M.M.Warburg & Co. 1798–1938. Christians, Hamburg 1976, ISBN 3-7672-0420-7.
  • Eckart Kleßmann: M. M.Warburg & Co 1798–1998. Die Geschichte eines Bankhauses. Dölling und Galitz, Hamburg 1998, ISBN 3-933374-27-8.
  • Ron Chernow: Die Warburgs – Odyssee einer Familie. Siedler-Verlag, München 1994, ISBN 3-886805-21-2.
  • Ron Chernow: The Warburgs. The Twentieth-Century Odyssey of a Remarkable Jewish Family. Random House, New York 1993, ISBN 0-679-74359-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: M.M.Warburg & CO – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. [1] Pressemitteilung vom 10. Mai 2021
  3. a b Heinz-Roger Dahms: Warburg-Bank: Aus der Reserve Die ZEIT, 6. September 2017.
  4. Pressemitteilung vom 16. Mai 2017.
  5. NDR: Warburg Bank: Steuerforderungen nach Cum-Ex-Affäre beglichen. Abgerufen am 18. September 2021.
  6. Klaus Ott, Nils Wischmeyer, Jan Diesteldorf: Cum-Ex-Steuerskandal: Ex-Warburg-Banker muss ins Gefängnis. Abgerufen am 18. September 2021.
  7. Julius H. Scheps: Die Warburgs – Ron Chernows große Geschichte einer Hamburger Familie Die Zeit, 2. Dezember 1994.
  8. M.M.Warburg & Co - Historie Website M.M.Warburg & Co; abgerufen am 9. November 2012.
  9. Ron Chernow: Die Warburgs – Odyssee einer Familie. Siedler-Verlag, München, 1994, Seite 443 / 449
  10. Ron Chernow: Die Warburgs – Odyssee einer Familie. Siedler-Verlag, München, 1994, Seite 487
  11. David Jünger: Jahre der Ungewissheit: Emigrationspläne deutscher Juden 1933–1938. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2016 Seite 155
  12. Francis R. Nicosia: Zionismus und Antisemitismus im Dritten Reich. Wallstein Verlag, Göttingen, 2008, Seite 122
  13. ihr.org Rezension Powerful Jewish Dynasty Profiled
  14. Marion A. Kaplan,Beate Meyer: Jüdische Welten: Juden in Deutschland vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Wallstein Verlag, Göttingen, Seite 336
  15. Michael Naumann: Glück gehabt – Ein Leben. Hoffmann und Campe Verlag, 2017
  16. Der Spiegel: Arisierung: „Keiner hat hier was zu feiern.“ Der Spiegel, Ausgabe 52/1987 vom 21. Dezember 1987.
  17. Lebenslauf von Max Marcus Alfons Warburg (Memento vom 5. April 2018 im Internet Archive)
  18. Der Tradition verbunden – der Zukunft verpflichtet Firmengeschichte der M.M.Warburg & CO
  19. Unternehmen der Warburg Gruppe Website M.M.Warburg & CO; abgerufen am 1. Juli 2014.
  20. M.M. Warburg steigt bei der Schwäbischen Bank ein. In: Die Welt, 18. Dezember 2008.
  21. Warburg Bank geht mit Strukturreform in Offensive – Kurztext boersen-zeitung.de. In: www.boersen-zeitung.de. Abgerufen am 12. Oktober 2016.
  22. a b NDR: Cum Ex: Vom Ende einer Chose. Abgerufen am 20. Oktober 2018.
  23. a b CORRECTIV: „Jahrhundertcoup - Angriff auf Europas Steuerzahler“ (HD, Panorama zu #CumExFiles). 19. Oktober 2018, abgerufen am 20. Oktober 2018.
  24. Klaus Ott Bonn: Justiz knöpft sich im Cum-Ex-Skandal Banken vor. In: sueddeutsche.de. 30. Juni 2019, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 10. Juli 2019]).
  25. Landesbank: NordLB verkauft restliche Asset-Manager-Anteile an M.M. Warburg. Abgerufen am 10. Juli 2019.
  26. Jörn Lauterbach: Wechsel im Aufsichtsrat: Paukenschlag bei Hamburger Warburg Bank. 23. November 2019 (welt.de [abgerufen am 2. Dezember 2019]).
  27. Jens Brambusch: BGH watscht Warburg ab. Capital, 15. März 2016
  28. Jens Brambusch: Die Schiffbrüchigen Capital, Ausgabe 09/2013, Seite 171–175
  29. sueddeutsche.de: Millionen: Bund zwingt Hamburg, gegen renommierte Privatbank vorzugehen
  30. dpa: Warburg-Bank weist Vorwürfe zu Cum-Ex-Geschäften zurück. Süddeutsche Zeitung, 16. Januar 2018, abgerufen am 7. August 2020..
  31. a b Oliver Schröm, Oliver Hollenstein: Steuerexperte und Anwalt Hanno Berger: Der Mann hinter der Cum-Ex-Masche. In: Der Spiegel. Abgerufen am 26. März 2021.
  32. Georg Mascolo, Klaus Ott: Hamburger Privatbank verklagt Deutsche Bank. Süddeutsche Zeitung, 9. Januar 2019
  33. Georg Mascolo, Klaus Ott: Vermutete Cum-Ex-Deals. Bericht von Wirtschaftsprüfern belastet Warburg-Bank. In: SZ.de vom 6. April 2019 (abgerufen am 8. Mai 2019)
  34. Cum-Ex: Warburg-Bank muss Millionen zurückzahlen, NDR vom 19. März 2020; Zugriff am 22. April 2020
  35. Warburg Bank legt Revision gegen Cum-Ex-Urteil ein, NDR vom 22. März 2020; Zugriff am 22. April 2020
  36. Hamburg fordert doch Steuern von Warburg-Bank zurück, NDR vom 22. April 2020; Zugriff am 22. April 2020
  37. Warburg begleicht Steuerforderungen aus Cum-Ex-Geschäften, Welt vom 14. Januar 2021; Zugriff am 20. Januar 2021
  38. Fast 70 Ermittlungsverfahren und ein weiterer Strafprozess, Legal Tribune Online vom 9. November 2020; Zugriff am 20. Januar 2021
  39. Erstmals Urteil gegen deutschen Banker in Cum-Ex-Prozess. FAZ.NET, 1. Juni 2021
  40. Drs. 22/1762. (PDF) Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 28. Oktober 2020, abgerufen am 7. November 2020.
  41. KurzProt. 22/12. (PDF) Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 29. Oktober 2020, abgerufen am 7. November 2020.
  42. Cum-Ex-Affäre: Ausschuss in Hamburg konstituiert sich. (HTML) NDR, 6. November 2020, abgerufen am 7. November 2020.

Koordinaten: 53° 33′ 8,6″ N, 9° 59′ 52,2″ O