La Mer (Chanson)

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La Mer (französisch: „Das Meer“) ist ein Chanson des französischen Chansonniers Charles Trenet. Es entstand im Jahr 1943 und wurde von Trenet erstmals 1946 eingespielt. Seither wurde das Lied von zahlreichen internationalen Interpreten gecovert und entwickelte sich zu einem der bekanntesten französischen Chansons.

Text und Musik[Bearbeiten]

Der amerikanische Songwriter Jack Lawrence, der La Mer ins Englische übertrug, beschrieb Trenets Chanson als Tongedicht ganz im Stile von Claude Debussys gleichnamiger sinfonischen Dichtung La Mer, auf die der Titel Bezug nimmt. Trenet meditiere über die verschiedenen Stimmungen der See und wie er durch sie berührt wird. Auf den Wellen spiegeln sich Sonnenlicht und Wolken. In den Tiefen des Ozeans entdeckt er Engel, Schafe und eine azurblaue Schäferin. [1]

Die erste Strophe lautet:

„La mer
Qu’on voit danser le long des golfes clairs
A des reflets d’argent
La mer
Des reflets changeants
Sous la pluie“[2]

Das Lied setzt ein mit dem Spiel einer Harfe ein, deren Arpeggio als Untermalung der Wellenbewegung verstanden werden kann. Trenets Gesang steigert sich in einer Klimax, bis er beim Finale von einem Männerchor begleitet wird.[3] Jede Strophe wird einheitlich mit den Worten „La mer“ eingeleitet.[1]

Stefan Lüddemann beschreibt das Chanson als „so schwebend leicht wie die Reflexe des Sonnenlichts auf dem Mittelmeer, so rührselig wie eine Urlaubserinnerung“.[4] Laut Will Friedwald wird das Lied gewöhnlich mit dem Ernst und der Feierlichkeit einer Nationalhymne intoniert und ist eine Quelle gallischen Stolzes. Gerade seine Veröffentlichung unmittelbar nach der Libération, der Befreiung Frankreichs vom Nationalsozialismus, trug zu diesem Gefühl von Stolz und zur Popularität des Chansons bei.[1] Kritiker warfen Trenet hingegen vor, mit dem Chanson Pétain’sche Werte wie die heimische „Scholle“ und die Jugend zu verklären.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Trenet schrieb das Lied 1943 (nach anderen Quellen im Juli 1942[6]) auf einer Zugfahrt nach Perpignan in Begleitung des Sängers Roland Gerbeau und des Pianisten Léo Chauliac.[7] Die Seenlandschaft, durch die die Fahrt führte, rief Trenet ein Gedicht in Erinnerung, das er bereits als Jugendlicher verfasst hatte. Chauliac hielt Trenets dazu gesummte Melodie fest[6] und bearbeitete sie später noch. Meistens wird er jedoch nicht als Mitkomponist des Stückes erwähnt.[8]

Eine erste Aufführung des Chansons vor Publikum fand nur schwachen Anklang.[6] Trenet selbst fand das Lied zu „solennelle et rococo“ („feierlich und Rokoko“), und es verschwand für zwei Jahre in der Schublade.[7] Die erste Plattenveröffentlichung sang 1945 Roland Gerbeau ein, nachdem Suzy Solidor den Titel abgelehnt hatte.[9] Trenet nahm seinen Titel erst 1946 auf Druck des Musikverlegers Raoul Breton auf.[6] Die Einspielung wurde dirigiert von Albert Lasry, der in neuen Ausgaben des Liedes auch als Co-Komponist genannt wird.[1]

La Mer wurde, auch dank der Performance von Trenet, zu einem Hit im Nachkriegsfrankreich. Der Erfolg machte bald auch Interpreten in anderen Ländern auf das Stück aufmerksam, die Coverversionen des Stückes aufnahmen.[1] Im Jahr 1966 bezeichnete das amerikanische Billboard-Magazin das Lied gemeinsam mit La vie en rose als das meistverkaufte französische Lied und zählte knapp 100 Einspielungen.[10] Zu Trenets Tod im Jahr 2001 war diese Zahl bereits auf über 4000 Einspielungen angewachsen[11] Die Zahl verkaufter Tonträger des Chansons lag zu diesem Zeitpunkt bei über 70 Millionen.[12]

Interpretationen[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
La Mer (Beyond the Sea) – Bobby Darin
  US 6 02/1960 (14 Wo.)
  UK 8 05/1960 ( 5 Wo.)

Der amerikanische Songwriter Jack Lawrence übertrug La Mer 1946 als Beyond the Sea ins Englische. Dabei handelt seine Version des Liedes von einem Liebenden, der sich nach seiner Liebe „beyond the sea“ („in Übersee“) sehnt.[13] Benny Goodman kam mit dieser Fassung 1949 auf Position 26 der US-Charts. Für den amerikanischen Sänger Bobby Darin wurde Beyond the Sea einer seiner größten Erfolge.[13] Er erreichte mit dem Lied Rang 6 der Billboard Hot 100 und Rang 8 der UK-Singlecharts. Seine Lebensgeschichte wurde 2004 unter dem Titel Beyond the Sea – Musik war sein Leben verfilmt.

Die erste deutsche Übersetzung schrieb 1948 Hans Fritz Beckmann gemeinsam mit Lale Andersen (unter ihrem Pseudonym Nicola Wilke). Andersen sang das Lied in der Begleitung Michael Jarys und seines Orchesters. Beckmann war mit der Fassung allerdings unzufrieden und fertigte eine stark veränderte Neuübersetzung an, die 1949 in der Einspielung von Liselotte Malkowsky mit dem Orchester Adalbert Lutters populär wurde.[8] Der dänische Gitarrist Jørgen Ingmann hatte mit einer Instrumentalversion von La Mer 1964 einigen Erfolg in Deutschland.

Verwendung als Filmmusik[Bearbeiten]

Die Originalversion von Trenet wurde in vielen Filmen benutzt, z. B. in A Safe Place (1971), L.A. Story (1991), Funny Bones (1995), The Dreamers (2003), Le scaphandre et le papillon/Schmetterling und Taucherglocke (2007). Im Film Mr. Bean macht Ferien tanzt Mr. Bean zu diesem Chanson am Ende des Films. In Brösels Trickfilm Werner – Gekotzt wird später! untermalt La mer die idyllische Anfangsszene auf einem korsischen Campingplatz, ehe diese in eine Fußballschlacht ausartet.[14] Auch in den deutschen Krimiserien Derrick (Madeira, April 1975, mit Curd Jürgens) und Ein starkes Team (Das große Fressen, Oktober 2009) wurde das Lied eingesetzt.

Die englische Coverversion von Robbie Williams ist im Animationsfilm Findet Nemo zu hören. In der französischen Sprachfassung des Films wird die Originalversion Trenets verwendet. Im Film French Kiss singt Kevin Kline das Lied im Abspann auf französisch. Eine weitere Version, gesungen von Julio Iglesias, beschließt den britischen Spionagefilm Dame, König, As, Spion. Das Chanson ist auch dem Abspann des deutschen Films Sein letztes Rennen unterlegt. In den Ablegern der BioShock-Spielereihe hört man oft eine Cover-Version des Jazz-Gitarristen Django Reinhardt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Will Friedwald: Ocean Crossing auf der Internetseite bobbydarin.com.
  2. La Mer auf charles-trenet.net.
  3. Jordan Bhatt La Mer – Charles Trenet – 1946' im Blog themusiccriticblog.
  4. Stefan Lüddemann: „La Mer“: Chansonier Charles Trenet vor 100 Jahren geboren. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 17. Mai 2013.
  5. Hans-Georg Rodek: Unsterblicher des französischen Chansons. In: Die Welt, 20. Februar 2001.
  6. a b c d Charles Trenet: Y a d’la joie. Intégrale des chansons. Le Cherche Midi, Paris 2013, ISBN 978-2-7491-1959-5. Anmerkungen zu La Mer, ohne Seitenangabe.
  7. a b Véronique Mortaigne: Le siècle de Charles Trenet. In: Le Monde, 19. Februar 2001.
  8. a b Jazzschlager des Monats Dezember 2013 auf der Internetseite von Götz Alsmann.
  9. Dominic Daussaint: Roland Gerbeau: De Trenet à Castro. Auf charles-trenet.net, 21. Juli 2003.
  10. Trenet Returns To Paris Stage. In: Billboard, 22. Oktober 1966, S. 44.
  11. French singer Trenet dies. In: BBC News, 19. Februar 2001.
  12. Patrick O’Conner: Charles Trenet. In: The Guardian, 20. Februar 2001.
  13. a b Matt Schudel: Composer Jack Lawrence Dies at 96. In: The Washington Post, 18. März 2009.
  14. Eberhard Dobler: "Werner - Gekotzt Wird Später" von Original Soundtrack – laut.de – Album. In: laut.de. Abgerufen am 19. Juli 2014.

Weblinks[Bearbeiten]