Philippe Pétain

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Philippe Pétain (1941)
Persönliche Standarte des Staatschefs von Vichy

Henri Philippe Benoni Omer Joseph Pétain (* 24. April 1856 in Cauchy-à-la-Tour, Département Pas-de-Calais; † 23. Juli 1951 in Port-Joinville, Île d’Yeu, Département Vendée) war ein französischer Militär, Diplomat und Politiker. Von 1940 bis 1944 stand er als Staatschef dem autoritären État français (Vichy-Regime) vor.

Während des Ersten Weltkriegs avancierte Pétain aufgrund seiner Abwehrerfolge in der Schlacht um Verdun zum gefeierten Nationalhelden („Held von Verdun“) und wurde 1917 Oberbefehlshaber der französischen Armee. In der Zwischenkriegszeit prägte er als einflussreicher Marschall von Frankreich sowie in verschiedenen militärischen Ämtern die Verteidigungsdoktrin seines Landes entscheidend mit.

Im Verlauf der sich abzeichnenden französischen Niederlage gegen das nationalsozialistische Deutsche Reich wurde Pétain am 16. Juni 1940 letzter Regierungschef der Dritten Republik und erwirkte den Waffenstillstand von Compiègne. Anschließend übernahm er von 1940 bis 1944 als Chef de l’État (Staatschef) mit nahezu absoluten Vollmachten die Führung des mit dem Reich kollaborierenden État français in Vichy und proklamierte in der Révolution Nationale den Bruch des republikanisch-demokratischen Prinzips in Frankreich. Mit dem politischen Aufstieg Pierre Lavals büßte Pétain seine unumschränkte Machtstellung ab 1942 ein.

Wegen der Kollaboration wurde Pétain 1945 zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde jedoch in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt.

Herkunft & frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorfahren der Familie Pétain waren einfache, alteingesessene Bauern, die aus dem nordfranzösischen Kohlerevier stammten und den Familienbesitz von zehn Hektar Ackerland bestellten.[1] Henri Philippe Benoni Omer Joseph Pétain selbst wurde am 24. April 1856 auf dem elterlichen Bauernhof in Cauchy-à-la-Tour geboren.[2] Er war der einzige Sohn von Omer-Venant Pétain (1816–1888) mit dessen Ehefrau Clotilde Legrand (1824–1857) und hatte mit Marie-Françoise (1852–1950), Adélaïde (1853–1919) und Sara (1854–1940) drei ältere Schwestern.[3][4] Nach der Geburt der Tochter Joséphine (1857–1862) im Oktober 1857 verstarb die Mutter im Wochenbett. Der Vater heiratete 1859 erneut und hatte mit seiner neuen Ehefrau drei weitere Nachkommen. Aufgrund der Vernachlässigung durch die Stiefmutter, wuchsen der als still beschriebene Philippe und zwei Schwestern im Haushalt der streng religiösen Großmutter auf.[5]

Prägenden Einfluss auf den heranwachsenden Pétain wird seinem Onkel Abbé Jean-Baptiste Legrand zugeschrieben („Mein lieber Neffe! Ich wünsche mir nur eins, dass es in meiner Familie immer Männer geben möge, die das Kreuz tragen – und das Schwert.“).[6] Dieser war Pfarrer der Kirchengemeinde Bomy[7] und ermöglichte seinem elfjährigen Neffen durch ein Halbstipendium ab Oktober 1867 den Besuch des Jesuitenkollegs Saint-Bertin in Saint-Omer. In der dortigen Klosterschule erhielt Pétain zwischen 1867 und 1875 eine durch Religiosität, Gehorsam und Disziplin geprägte Schulbildung.

Unter dem Eindruck der französischen Niederlage von 1871 sowie der Kriegserzählungen seines Großonkels Joseph Lefebvre, eines katholischen Priesters, der als junger Mann in der Grande Armée unter Napoleon Bonaparte gedient hatte, entstand bei Pétain der Wunsch, seinem Land als Soldat zu dienen. In Vorbereitung auf die angestrebte Offizierslaufbahn besuchte er 1875 das von Dominikanern geführte Collège Albert-le-Grand in Arcueil.[8]

Offizierslaufbahn bis 1914[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pétain als junger Sous lieutenant der Chasseurs à pied (Foto ca. 1880)

Am 25. Oktober 1876 trat Pétain als 403. von 412 Kadetten in die nationale Militärschule Saint-Cyr ein. Die zweijährige Ausbildung zum Offizier schloss er als 229. von 336 Absolventen seines Jahrgangs (N°61 de Plewna) erfolgreich ab.

Nach der Militärschule trat Pétain in die Infanterie ein und diente im Rang eines Sous lieutenant dem 24. Bataillon der Chasseurs à pied in Villefranche-sur-Mer (1878–1883), anschließend fünf Jahre lang als Lieutenant dem 3. Bataillon in Besançon. Pétain galt als distinguiert, kühl und intelligent[9] und durchlief von 1888 bis 1890 die Ausbildung zum Generalstabsoffizier an der Pariser École supérieure de guerre, die er als Capitaine beendete (14e promotion). In der Folge diente Pétain dem XV. Armeekorps in Marseille (1890–1892) und dem 29. Chasseurs-Bataillon in Vincennes (1892/93), ehe er 1893 in den Stab des Pariser Militärgouverneurs Général Félix Gustave Saussier berufen wurde.[10] Unter dessen Nachfolgern Émile Auguste Zurlinden und Henri Joseph Brugère diente Pétain als Ordonnanzoffizier.[8] Im Verlauf seiner Offizierskarriere zeigte Pétain wenig Interesse an einer Verwendung innerhalb des wachsenden Kolonialreichs und wurde, für damalige Verhältnisse unüblich, ausschließlich an Standorten im Mutterland eingesetzt. Um seine Karriere nicht zu gefährden, behandelte Pétain seine politischen Ansichten äußerst diskret, und in Bezug auf die Dreyfus-Affäre ist seine Haltung nicht bekannt.[11]

Ablehnung der Offensive à outrance[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemessen an damaligen Karrieren, erlebte Pétain einen langsamen militärischen Aufstieg und verblieb 22 Dienstjahre in der Gruppe der Subalternoffiziere. Erst 1900 erhielt er die Stellung als Befehlshaber des 8. Chasseurs-Bataillons in Amiens und wurde Instrukteur an der École normale de tir in Châlons-sur-Marne. Dort machte Pétain aufgrund der unkonventionellen Ablehnung einer reinen Offensivstrategie auf sich aufmerksam und stand mit dieser alternativen Haltung im Gegensatz zur taktischen Doktrin der Armeeführung (Offensive à outrance). Für deren führende Militärtheoretiker, Ferdinand Foch und Louis Loyzeau de Grandmaison, war eine defensive Grundhaltung die Hauptursache der französischen Niederlage von 1871. Um den objektiven deutschen Vorteil der höheren Bevölkerungszahl auszugleichen, sollte die Armee in einem offensiven Geist, ohne Rücksicht auf gegnerische Absichten, ausgebildet werden. Nur auf diese Weise sei Elsaß-Lothringen für Frankreich zurückzugewinnen (Revanchismus).[12] Beeindruckt von der enormen Feuerkraft der modernen Maschinengewehre, zeigte sich Pétain skeptisch und hielt die strategische Offensive für nicht mehr vertretbar. Er glaubte nicht an die Durchschlagskraft fanatischer, frontal geführter Sturmangriffe der Infanterie. Dies müsse unweigerlich zu einem Massaker führen. Vielmehr verlangte Pétain eine hohe Feuergeschwindigkeit und Schussgenauigkeit, während die gesteigerte Waffenwirkung eine sichere Deckung der Truppen notwendig mache („Wenn nötig lasst euch töten. Aber mir wäre lieber, ihr tut eure Pflicht und bleibt am Leben.“[13]). Seine gegensätzlichen Ansichten, die er unter dem Schlagwort «Le feu tue» (Feuerkraft tötet) zusammenfasste, behinderten Pétains militärischen Aufstieg. Nach nur sechs Monaten wurde er als Instrukteur abgelöst und zum 5. Infanterieregiment versetzt.

Trotz der kritischen Betrachtung seiner taktischen Ideen wirkte Pétain zwischen 1901 und 1903 sowie 1904 und 1907 an der École supérieure de guerre. Zunächst als Hilfsprofessor für Infanterie-Taktik, dann besetzte er den Lehrstuhl für Infanterie. Neben seinem Lehrauftrag verfasste er Memoranden zur Verbesserung des Zusammenspiels zwischen Infanterie und Artillerie, einem Bereich, der durch den französischen Generalstab vernachlässigt worden war.[14] Mit seiner unverhohlenen Geringschätzung für die Offensive à outrance blieb Pétain innerhalb des Offizierskorps in der Minderheit und fand auch bei seinen Vorgesetzten keine Unterstützung. Nachdem Foch die Leitung der Kriegshochschule übernommen hatte, löste er Pétain als Dozent ab und setzte ihn vorübergehend als Lieutenant-Colonel des 118. Infanterieregiments in Quimper ein. Zwischen 1908 und 1911 kehrte Pétain letztmals als Taktik-Professor an die École supérieure de guerre zurück.

Nach der Verwendung als Dozent wechselte Pétain am 26. Juni 1911 wieder in die Truppenführung und übernahm als Colonel das 33. Infanterieregiment in Arras. Dort gehörte der junge Sous-lieutenant Charles de Gaulle ab 1912 dem Regimentsstab an. Als man Pétain am 20. März 1914 den Befehl über die 4. Infanteriebrigade in Saint-Omer übertrug, verwehrte ihm das Kriegsministerium die damit verbundene Beförderung zum Général de brigade. In seinen 36 Dienstjahren hatte Pétain an keinem Kampfgeschehen aktiv teilgenommen, und nach einer unauffällig verlaufenen Offizierskarriere begann er mit den Vorbereitungen auf den Ruhestand.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schneller Aufstieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pétain als Général de division (1914)
Kriegsminister Alexandre Millerand (links) mit Pétain (1915)

Mit Auslösen der Generalmobilmachung am 2. August 1914 wurde Pétains Brigade der 5. Armee unter Général Charles Lanrezac zugeordnet. Diese marschierte den heranrückenden deutschen Truppen entgegen und sollte deren Übergang über die Maas verhindern. Während der nun einsetzenden Grenzgefechte fand Pétain am 14. August nahe dem belgischen Dinant erstmals im aktiven Kampfeinsatz Verwendung.[15] In der folgenden Schlacht an der Sambre (21. bis 23. August) gelang es Pétains Einheiten, den taktischen Rückzug der 5. Armee zu decken, und auch während der Schlacht bei St. Quentin (28. bis 30. August) tat er sich als fähiger Kommandeur hervor. In den ersten Kriegswochen enthob das französische Oberkommando hunderte Offiziere von ihren Posten, und mit der Beförderung zum Général de brigade begann der späte militärische Aufstieg des 58-jährigen Pétain, der sich noch vor Kriegsbeginn in den Ruhestand verabschieden wollte. Im Zuge des deutschen Vormarschs auf Paris erhielt Pétain am 2. September den Befehl über die 6. Infanteriedivision. Im Verlauf der kriegsentscheidenden Marneschlacht wurde die Division zwischen dem Aisne-Marne-Kanal und dem Fort de Brimont in heftige Abwehrgefechte verwickelt.[16] Nach dem überraschenden französisch-britischen Gegenstoß zog sich die vorrückende deutsche Armee wieder zurück („Wunder an der Marne“). Aufgrund seines entschlossenen und besonnenen Handelns hatte sich Pétain erfolgreich für höhere Aufgaben empfohlen und erhielt am 14. September den Rang eines Général de division. In Anerkennung seiner strategischen Leistungen während der Frühphase des Krieges zeichnete man ihn mit dem Offizierskreuz der Ehrenlegion aus.

Mit der rasch folgenden Beförderung zum Général de corps d'armée am 20. Oktober 1914 war Pétain innerhalb von elf Kriegswochen zu einem Vier-Sterne-General aufgestiegen und wurde mit dem Befehl über das XXXIII. Armeekorps bedacht. Dieses stand im Raum Arras und gehörte der neu gebildeten 10. Armee unter Louis Ernest de Maud’huy an. Nach dem Übergang vom Bewegungs- in den Stellungskrieg (Wettlauf zum Meer) sorgte sich Pétain als einer der wenigen höheren französischen Kommandeure um die Versorgung und das Wohlergehen der einfachen Soldaten. Während der Grabenkämpfe bemühte er sich um die Verbesserung ihrer Alltagsbedingungen und bildete die ihm unterstellten Einheiten in den Wintermonaten für die bevorstehenden Offensiven des Jahres 1915 aus. Durch seine Haltung galt Pétain als „menschlicher General“.[17] Nach Beginn der Lorettoschlacht im Mai 1915 durchbrachen Pétains Verbände die deutschen Stellungen am Höhenzug von Vimy, jedoch misslang die geplante Einnahme der Ortschaft Carency, und die Operation musste aufgrund fehlender Reserven abgebrochen werden.

Durch seine, wenn auch begrenzten, Erfolge in der Lorettoschlacht rückte Pétain in das Blickfeld des Oberbefehlshabers Joseph Joffre, der ihn am 21. Juni 1915 an die Spitze der 2. Armee berief und zum Général d’armée ernannte. Pétain erhielt den Befehl, eine französische Offensive in der Champagne vorzubereiten, und seine Armee wurde um Kolonialtruppen erweitert.[18] Die gescheiterten Angriffsversuche während der Herbstschlacht in der Champagne (September bis November 1915) zeigten auf, dass Pétain mit seinen Theorien Recht behalten hatte, die er als Instrukteur an der Militärakademie aufgestellt hatte. Die Verteidiger waren strategisch im Vorteil, und Großangriffe der Infanterie gegen stark ausgebaute, von Maschinengewehren verteidigte Stellungen und Artilleriebeschuss bis dato unbekannten Ausmaßes führten zu ergebnislosen Materialschlachten. Die Westfront verharrte im Stellungskrieg. Als Konsequenz lehnte Pétain die Durchführung weiterer Offensiven ab und empfahl in einer Denkschrift eine defensivere Kriegsführung („die Artillerie erobert, die Infanterie besetzt“).[19] Die Entente solle zunächst eine Überlegenheit der Waffen herstellen und dann zu örtlich begrenzten Offensiven übergehen.

Schlacht um Verdun[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme des Forts Douaumont (etwa Mai 1916)
Die Fotografie zeigt einen Explosionskrater auf dem Schlachtfeld des Forts Douaumont
Pétain (rechts) zeichnet einen Offizier aus

Zu Beginn des Jahres 1916 verfolgte das Deutsche Reich an der Westfront eine „Ermattungsstrategie.“[20] Die Oberste Heeresleitung unter Erich von Falkenhayn wollte die Kriegsentscheidung in einer Materialschlacht herbeiführen und die französische Armee „ausbluten“ lassen.[21] Mit einer massiven Großoffensive im Frontbogen um die Festung Verdun versuchten sie ab dem 21. Februar 1916 die französischen Stellungen zu durchbrechen (Schlacht um Verdun). Nach dem Fall des strategisch wichtigen Forts Douaumont (25. Februar) verlegte das französische Oberkommando die 2. Armee aus der operativen Reserve am 26. Februar in den Frontsektor von Verdun. Trotz einer akuten Bronchitis[22] wurde Général Pétain neuer Befehlshaber aller in diesem Abschnitt eingesetzten Truppen und organisierte die Verteidigung. Sein Hauptquartier verlegte er in den unmittelbaren Bereich der Etappe und bezog die Mairie der Gemeinde Souilly. In der klaren Überzeugung, dass es sich bei der Beschränkung des deutschen Angriffs auf das rechte Maas-Ufer um einen schweren taktischen Fehler gehandelt hatte, ließ er den inneren Verteidigungsring zu einer von ihm benannten Sperrfeuerstellung ausbauen. Er reorganisierte die Artillerie, und die Geschützbatterien sollten die Angriffe der Deutschen jederzeit zum Erliegen bringen. Pétain ergriff Maßnahmen zur effektiveren Organisation des Nachschubs, und täglich versorgten 3.500 Lastwagen die Fronttruppen über die Voie Sacrée. Ausschlaggebend für die dauerhafte Stabilisierung der Front war die Einführung des von Pétain entwickelten Noria-Reservesystems. Hatten kämpfende Einheiten ein Drittel ihrer Kampfstärke verloren, wurden sie nach einem kurzen Fronteinsatz in Reservestellungen und andere Abschnitte verlegt. Die kurzen Kampfzeiten vor Verdun verringerten spürbar die Erschöpfung und damit die Ausfallraten der Soldaten, stärkten die Moral und den Widerstandsgeist. Insgesamt wurden bis zum Ende des Krieges 259 der 330 französischen Infanteriedivisionen vor Verdun eingesetzt. Dieser Umstand war ein wesentlicher Faktor in der Etablierung Verduns als symbolischer Erinnerungsort des ungebrochenen französischen Widerstands.

Während des gesamten Monats April organisierte Pétain die erbitterte Verteidigung des Forts Vaux sowie der Höhenzüge „304“ und „Le Mort Homme“. Gleichzeitig befahl er einen Vorstoß auf sein nunmehr zentrales Ziel, die Wiedereroberung des Forts Douaumont, um eine neue Flanke gegen die Deutschen zu eröffnen. Die erfolgreiche Abwehr der deutschen Versuche, die „Höhe 304“ und „Le Mort Homme“ zu erobern, veranlasste Pétain, am 10. April eine an die Soldaten der 2. Armee gerichtete Erklärung zu verfassen, in der er sie zu noch größeren Anstrengungen aufrief und die zu den berühmtesten des Ersten Weltkriegs zählt:

„Der 9. April ist ein ruhmreicher Tag für unsere Streitkräfte. Die erbitterten Angriffe der Soldaten des Kronprinzen sind überall gescheitert: Infanteristen, Kanoniere, Pioniere und Piloten der 2. Armee haben einander an Heldentum übertroffen. Meine Hochachtung an alle. Die Deutschen werden gewiss weiter angreifen. Möge ein jeder ebenso viel Einsatz zeigen wie bisher.

Nur Mut! … Wir werden sie besiegen![23]

Pétain, den Joffre unentwegt zu Gegenangriffen aufforderte, stand nach wie vor gegen die Offensive à outrance und vermied verlustreiche, aussichtslose Angriffsoperationen. Trotz seiner unbestreitbaren Abwehrerfolge wurde Pétain am 1. Mai 1916 durch Robert Nivelle an der Spitze der 2. Armee ersetzt. Mit der Ernennung Nivelles setzte das Oberkommando auf einen Vertreter der offensiven Verteidigungsstrategie. Pétain hatte sich als kompetenter und fähiger Heerführer erwiesen, wurde jedoch gegen seinen Wunsch zum Oberbefehlshaber der übergeordneten Groupe d’Armées du Centre (Heeresgruppe Mitte) in Bar-le-Duc ernannt. Joseph Joffre hoffte, der zu ständigem Pessimismus neigende Pétain werde die allgemeine Situation besser überblicken, wenn er ihm mehr Abstand und den Befehl über eine breitere Front verschaffte.[24] Neben der Leitung der Verteidigung Verduns hatte er zusätzlich die Frontabschnitte der 3., 4. und die 5. Armee in seinem Verantwortungsbereich. Die Kämpfe um Verdun gingen mit unverminderter Härte weiter, und die Franzosen mussten Fort Vaux am 7. Juni räumen. Durch britische Entlastungsangriffe an der Somme, die russische Brussilow-Offensive sowie einen Wechsel in der Obersten Heeresleitung konnte die französische Armee erfolgreiche Gegenoffensiven einleiten. Diese führten am 24. Oktober zur Rückeroberung Douaumonts und wurden nach einem taktischen Sieg am 20. Dezember 1916 eingestellt.[25]

Durch seine Zuversicht und unerschütterliche Standhaftigkeit, mit der Pétain seine Truppen immer wieder angetrieben hatte, erlangte er im Frühjahr 1916 landesweite Bekanntheit. Seine berühmten Tagesbefehle (« Courage!… On les aura! » „Nur Mut! … Wir kriegen sie noch!“ und « Ils ne passeront pas! » „Sie werden nicht durchkommen!“) trugen erheblich zu seiner Aura als „Retter Frankreichs“ bei, und die französische Presse bezeichnete ihn als „Held von Verdun“. Als der politisch gut vernetzte Nivelle im Dezember 1916 zum neuen Oberbefehlshaber ernannt wurde, erfuhr Pétain eine unerwartete Zurückstufung.

Französischer Oberbefehlshaber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pétain im Jahr 1918
Pétain als Marschall von Frankreich

Mit der am 16. April 1917 einsetzenden Frühjahrsoffensive an der Aisne versuchte das neue französische Oberkommando unter Robert Nivelle den Stellungskrieg aufzubrechen. Nach enormen Verlusten brach die unzureichend vorbereitete Operation unter deutschem Abwehrfeuer am Höhenzug des Chemin des Dames zusammen. Infolge des Scheiterns verweigerten große Teile der demoralisierten Nordarmeen den Befehl und meuterten gegen den als „Blutsäufer“ bezeichneten Nivelle.[26] Die weit ausgreifenden Gehorsamsverweigerungen erfassten 68 der 112 französischen Divisionen,[27] wodurch dem gesamten Frontabschnitt im Mai 1917 der Zusammenbruch drohte (Meutereien in der französischen Armee). Angesichts der militärischen Krise forderte Kriegsminister Paul Painlevé die Einstellung der Offensive und sprach sich im Kabinett für einen Wechsel in der Armeeführung aus. Die Regierung enthob Nivelle seines Postens und ernannte Philippe Pétain, der bereits im Vorfeld Kritik an den Planungen seines Vorgängers geäußert hatte, am 15. Mai 1917 zum neuen Oberbefehlshaber des Heeres. Als Befehlsstelle unterstand ihm das im Schloss Compiègne untergebrachte Grand Quartier Général (G.Q.G.), das von Pétain diverse Umstrukturierungen erfuhr. Besonderes Augenmerk legte er auf die Schaffung eigener Stabsstellen (Bureaux) für die Luftfahrt, Telegrafie, Kryptographie und die Verbindung zu den zivilen Behörden.[28]

Unter dem Eindruck der russischen Februarrevolution sahen zahlreiche Regierungsmitglieder die Meutereien als Folge einer bolschewistischen Unterwanderung. Pétain hingegen erkannte, nach zahlreichen Frontbesuchen und persönlichen Gesprächen mit den Soldaten (Poilu), dass es ihnen nicht um politische Forderungen ging, sondern um Veränderungen sowohl im Dienstverhältnis als auch der Würdigung ihrer Alltagssituation. Weniger durch drakonische Disziplinarmaßnahmen – von den 554 durch Militärgerichte ausgesprochenen Todesurteilen ließ Pétain lediglich 49 vollstrecken[29] – als vielmehr durch eine Verbesserung der Nachschuborganisation, Unterbringung in Regenerationslagern, Reform der Fronturlaube sowie Einführung des Rotationsprinzips gelang es Pétain, die Kampfbereitschaft und den Gehorsam der Truppen bis zum Juli 1917 wiederherzustellen. Der bei den Soldaten populäre Pétain und „Apostel der Defensive“[30] vollzog umgehend einen grundlegenden Wechsel in der französischen Kriegstaktik. Gemäß seiner Maxime „Feuerkraft tötet“ (« Le feu tue ») beschränkte er sich in den nächsten Monaten auf eine defensivere, abwartende Kriegsführung und befahl lediglich begrenzte Angriffsoperationen, die durch massives Artilleriefeuer unterstützt wurden (Schlacht bei Malmaison).

In der Directive No. 4 vom 22. Dezember 1917 legte Pétain seine Ansichten über die kommenden Entwicklungen dar:

„Die Entente kann die Überlegenheit der Streitkräfte wiedererringen, wenn die amerikanische Armee fähig ist, eine bestimmte Zahl großer Einheiten heranzuführen. Bis dahin müssen wir uns auch auf die Gefahr einer nicht wiedergutzumachenden Abnutzung hin abwartend verhalten, wir dürfen dabei aber die Idee nicht aufgeben, die Offensive, die allein den Endsieg bringen kann, so bald wie möglich zu beginnen.“[31]

Von der Regierung forderte er die verstärkte Produktion und Bereitstellung der neuen Panzerwaffe („Ich warte auf die Amerikaner und die Panzer“).[32]

Nach Beginn der deutschen Frühjahrsoffensive am 21. März 1918 gerieten die Streitkräfte der Entente unter Druck. Das Unternehmen Michael setzte an der Nahtstelle zwischen der französischen Armee und der British Expeditionary Force (BEF) an und hatte das Ziel, dieses nach Norden abzudrängen. In dieser kritischen Lage hielt Pétain den Großteil seiner Reserve für den zu erwartenden deutschen Vorstoß auf Paris zurück und verlegte nur wenige Divisionen an den Frontabschnitt der schwer bedrängten britischen 5. Armee. Aufgrund der militärischen Krise erkannten die Entente-Mächte auf einer Sitzung des Alliierten Obersten Kriegsrats (Konferenz von Doullens) am 26. März die Notwendigkeit einer einheitlichen, koordinierten Kriegsführung und beschlossen die Bildung eines gemeinsamen Oberbefehls. Während der Konferenz beschuldigte Pétain die Briten, sie würden eigensinnig nur ihre eigenen Kriegsziele verfolgen, und empfahl eine Räumung der Hauptstadt.[33] Gegenüber Premierminister Georges Clemenceau befürchtete Pétain, der britische Oberbefehlshaber Douglas Haig „sei ein Mann, der innerhalb der nächsten vierzehn Tage im offenen Feld werde kapitulieren müssen“,[34] wohingegen Ferdinand Foch zu fanatischem Widerstand aufrief. Hinsichtlich der Vorbehalte Pétains gegenüber den Briten und seines offen gezeigten Pessimismus wurde er nicht für den Posten des gemeinsamen Oberkommandeurs vorgeschlagen. Man einigte sich schließlich auf Foch, der als Generalissimus den Oberbefehl aller Truppen an der Westfront erhielt und fortan für die gemeinsame Kriegsführung verantwortlich war. Foch warf die französischen Reserven an die Front und konnte den deutschen Vormarsch aufhalten, der allerdings im Mai/Juni 1918 erneut aufgenommen wurde. Die Deutschen eroberten Soissons und stießen bis zur Marne vor (Schlacht an der Aisne). Dieser kritischen Situation begegnete Pétain durch die Errichtung einer gestaffelten Verteidigung in der Tiefe unter der vorübergehenden Preisgabe französischen Territoriums. Trotz der Vorbehalte innerhalb der Generalität bewährte sich Pétains Verteidigungsstrategie, und der deutsche Vormarsch konnte im Juli bei Reims aufgehalten werden.[35] Für seine Erfolge wurde Pétain mit der Militärmedaille geehrt. Gegenüber Foch plädierte Pétain für die Miteinbeziehung des US-Expeditionskorps, und die erhöhte Präsenz der ständig wachsenden Zahl amerikanischer Truppen verstärkte die Linien und verbesserte die Moral der kämpfenden französischen Verbände.[36] In der Zweiten Marneschlacht setzte Foch am 18. Juli zu einem schnellen Gegenstoß an, und nach der Schlacht bei Amiens erlangte die Entente endgültig die strategische Oberhand. Anschließend befahl Foch das koordinierte Vorgehen aller Streitkräfte und erzwang mit der Hunderttageoffensive (August bis November) den deutschen Rückzug hinter die Siegfriedstellung.

Um dem bevorstehenden Zusammenbruch zu entgehen, richtete das Deutsche Reich ein Gesuch um einen Waffenstillstand an die Entente, der am 11. November in Compiègne unterzeichnet wurde. Durch den Waffenstillstand wurden die Planungen Pétains und seines Stabschefs Edmond Buat für eine französisch-amerikanische Offensive in Lothringen hinfällig. Diese hätte einen Vorstoß mit 25 Divisionen aus dem Raum Verdun auf deutsches Territorium zum Ziel gehabt und sollte das Reich zur Kapitulation zwingen.[37]

Am 19. November 1918 zog Pétain feierlich an der Spitze der 10. Armee in das von den Deutschen geräumte Metz ein.

Marschall von Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Foto zeigt die Ernennung Pétains zum Marschall (8. Dezember 1918)

Neben Ferdinand Foch, dem die Siege des Jahres 1918 zugeschrieben wurden, zählte Pétain nach Kriegsende zu den angesehensten Befehlshabern der französischen Armee und war ein gefeierter Nationalheld. Aufgrund seiner Verdienste ernannte ihn die Nationalversammlung am 21. November 1918 per Dekret zum Marschall von Frankreich, der höchsten militärischen Auszeichnung der Republik.

Im Ehrenhof der Festung Metz erhielt Pétain am 8. Dezember 1918 aus den Händen des Staatspräsidenten Raymond Poincaré den Marschallstab, der ihn in seiner Ansprache ehrte:

„Sie haben beim französischen Soldaten alles erzielt, was Sie verlangt haben. Sie haben ihn verstanden, Sie haben ihn geliebt, und er hat Ihnen für die Zuneigung und Fürsorge, die Sie ihm entgegengebracht haben, mit Gehorsam und Hingabe gedankt […] Faberts Tugenden sind auch die Ihren gewesen: Klugheit, Methode, ständige Sorge um das Wohlergehen der Truppe; das Streben, dem Lande alle Eigenliebe und jedes persönliche Interesse zu opfern.“[38]

Pétains Ansehen im Ausland manifestierte sich durch militärische Ehrerweisungen aller verbündeten Staaten. Als weiteren Ausdruck der öffentlichen Wertschätzung wurde Pétain am 12. April 1919 durch das Institut de France in die Akademie der Moralischen und Politischen Wissenschaften aufgenommen. Den unweigerlichen Höhepunkt seiner Offizierslaufbahn bildete der französische Nationalfeiertag, der am 14. Juli 1919 mit einem Siegeszug anlässlich der Beendigung des Ersten Weltkriegs verbunden wurde. Dabei zogen erstmals Truppen aller Bündnismächte über die Avenue des Champs-Élysées in Paris. Auf einem Schimmel führte Marschall Pétain die französischen Einheiten an, die aus Angehörigen aller Départements zusammengesetzt waren.

Im Zuge der Auflösung des Grand Quartier Général legte Pétain die Funktion des Oberbefehlshabers am 20. Oktober 1919 nieder.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Conseil Supérieur de la Guerre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pétain nach einer Sitzung des Verteidigungsrates (1922)
Pétain um 1930

Am 23. Januar 1920 wurde Pétain von der Regierung zum Vizepräsidenten des Conseil Supérieur de la Guerre (CSG) ernannt, da er im Gegensatz zu Foch als loyaler Republikaner galt, der sich nicht in die Belange der Politik einmischte.[39] Damit war er Vorsitzender der höchsten militärischen Institution Frankreichs und hätte im Kriegsfall automatisch den Oberbefehl ausgeübt. Zusätzlich übernahm Pétain im Februar 1922 das Amt des Generalinspekteurs der Armee, wodurch er eine beratende Funktion im Conseil Supérieur de la Défense Nationale (CSDN) erhielt. Die Aufgabe des Verteidigungsrates bestand in der Vorbereitung einer möglichen Kriegsstrategie, Entscheidungen über Bewaffnung, Ausbildung und Aufstellung der Streitkräfte. Gegenüber Beschlüssen des Generalstabschefs besaß Pétain ein Vetorecht.[40] Diesen Posten konnte er mit seinen Vertrauten Edmond Buat und nach dessen Tod 1923 mit Marie-Eugène Debeney besetzen.

In seinen Funktionen prägte Pétain die Verteidigungsdoktrin Frankreichs entscheidend mit. Die von Général Debeney ausgearbeitete und durch Pétain im Jahr 1921 erlassene Instruction provisoire sur la conduite des grandes unités (Vorläufige Anweisung zum Verhalten großer Einheiten) sollte bis 1935 offizielle Doktrin der französischen Armee bleiben. Die Instruction stützte sich auf Pétains Erkenntnisse und Schlussfolgerungen des Stellungskrieges und sah im Falle eines erneuten deutschen Angriffs auf Frankreich eine strikt defensive Kriegstaktik vor.[41] Die Offensive sei nur mit ausreichender Feuerkraft und personeller Überlegenheit in Betracht zu ziehen. Pétain manifestierte den Primat der Infanterie, während Panzer und Luftstreitkräfte einzig unterstützende Waffengattungen seien. Zur wirksamen Verteidigung Frankreichs verlangte er die Bereitstellung von 6.875 Panzern,[42] wenngleich seine Grundsatzanweisungen zur Rolle der Panzerwaffe lediglich den Satz „Panzer unterstützen das Vorgehen der Infanterie durch Niederkämpfen von Feldbefestigungen und von hartnäckigem Widerstand der Infanterie“ enthielten.[43]

Hohe Verlustzahlen während des Ersten Weltkriegs (1,3 Millionen Gefallene) und eine im Verhältnis zum Deutschen Reich niedrigere Geburtenrate waren die Hauptgründe für die defensive militärische Ausrichtung Frankreichs. Pétain hatte den politischen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen, da die Regierung 1923 eine Verkürzung der Wehrpflicht von 36 auf 18 Monate beschlossen hatte und regelmäßig Reduzierungen des Militärbudgets vornahm.[44] Die Regierung beauftragte die Armee mit der Erstellung einer Studie zur Verteidigung der Grenzen, um nach den Erfahrungen des Jahres 1914 gegen eine erneute deutsche Invasion vorbereitet zu sein. Im Rahmen dieser Studie sprach sich Pétain für eine lineare, befestigte Front aus und plädierte für den Ausbau starker Verteidigungsbefestigungen entlang der Grenze, um die „Unantastbarkeit“ französischen Territoriums zu garantieren.[45] Dabei orientierte er sich am Vorbild der Festungsstadt Verdun und persönlichen Abwehrerfolgen. Während einer ausgedehnten Besichtigungs- und Inspektionsreise der französischen Bunkeranlagen 1927/28 sowie im Zuge einer erneuten Reduzierung der Wehrpflicht auf zwölf Monate schob Pétain die Debatte zur Errichtung eines Schutzwalls voran. Obwohl die 1920er Jahre durch Einsparungen des französischen Militärhaushalts gekennzeichnet waren, genehmigte das Parlament 1930 die finanziellen Mittel zum Bau einer befestigten Verteidigungslinie. Den entsprechenden Gesetzesentwurf hatte Kriegsminister André Maginot eingebracht, und die Befestigung erhielt den Namen Maginot-Linie. Bis zum November 1936 galten 1000 Kilometer als fertiggestellt,[46] die Kosten beliefen sich auf fünf Milliarden Francs. Das Dogma der Unbesiegbarkeit der Maginot-Linie war geboren, und die öffentliche Meinung Frankreichs blickte mit geradezu religiösem Vertrauen auf die Befestigungslinie.[47]

1925 berief Pétain den von ihm geförderten Charles de Gaulle in seinen persönlichen Stab. De Gaulles wesentliche Aufgabe bestand darin, zwei militärische Abhandlungen vorzubereiten, die unter dem Namen des berühmten Marschalls erscheinen sollten. Über den Inhalt gab es zwischen ihnen Auseinandersetzungen, was zu einer deutlichen Abkühlung des freundschaftlichen Verhältnisses führte.[48]

Nach dem Tod Ferdinand Fochs wurde Pétain 1929 einstimmig als Mitglied in die renommierte Académie française gewählt und am 22. Januar 1931 offiziell eingeführt. Die Laudatio hielt der Schriftsteller Paul Valéry.

Mit Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren nahm Philippe Pétain am 9. Februar 1931 seinen Abschied aus der Armee. Die Funktionen als Vizepräsident des Obersten Kriegsrates und des Generalinspekteurs übergab er an Général Maxime Weygand.

Rifkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebiet der Rif-Republik

Der seit 1921 schwelende Aufstand der Rifkabylen, eines Berberstamms unter der Führung Abd al-Karims, bedrohte die spanische Kolonialherrschaft in Nord-Marokko (Rifkrieg). Den Spaniern gelang es nicht, die zwischenzeitlich unabhängig gewordene Rif-Republik niederzuschlagen. Die Unruhen drohten sich auch auf das französische Protektorat auszuweiten, und Generalresident Hubert Lyautey schien die Lage zu entgleiten. Die Regierung Painlevé sicherte den bedrängten Spaniern ihre Unterstützung zu. Sie verständigte sich mit Miguel Primo de Rivera auf eine gemeinsame militärische Operation und verlegte umfangreiche Truppenkontingente nach Nordafrika.

Trotz seiner Vorbehalte, nie in den Kolonien gedient zu haben, betraute die Regierung Marschall Pétain am 13. Juli 1925 mit dem Oberbefehl über die Expeditionsstreitkräfte. Mit der Ernennung Pétains, der enorme zivile und militärische Reputation genoss, wollte man die zum Pazifismus tendierende öffentliche Meinung für einen Krieg gewinnen.[49] Am 3. September traf Pétain im marokkanischen Fès ein und übernahm die Befehlsgewalt, Général Alphonse Georges machte er zu seinem Stabschef und wichtigsten Mitarbeiter. Die Ankunft Pétains führte zum freiwilligen Ausscheiden des verbitterten Lyautey aus seinem Amt.[50] Die spanisch-französische Streitmacht zählte eine Stärke von 250.000 Mann und wurde durch Artillerie, Panzer und Flugzeuge unterstützt. Unter massivem Materialeinsatz, Zerstörung der Infrastruktur durch Luftangriffe und starkem Artilleriefeuer gelang es Pétain, die Guerilla-Aktionen der Aufständischen einzudämmen und bis Jahresende 1925 zum Rückzug in das Rif-Gebirge zu zwingen. Pétain ließ die fruchtbaren Anbaugebiete im Norden des Landes besetzen und konnte somit die Lebensmittelversorgung der Aufständischen unterbinden. In einer sorgfältig vorbereiteten Offensive rückten die Spanier am 15. April 1926 von Al Hoceïma in den Gebirgszug ein, die französischen Truppen stießen von Süden in Richtung Ajdir vor. Während der Kampfhandlungen setzten die Europäer völkerrechtswidrig Senfgasbomben ein[51] (Chemiewaffeneinsatz im Rifkrieg). Gegenüber den technologisch überlegenen Expeditionsstreitkräften musste al-Karim am 27. Mai 1926 kapitulieren, und die Kolonialmächte konnten ihre Herrschaft vollständig wiederherstellen.

Für seine Verdienste wurde Pétain vom spanischen König Alfons XIII. in der Infanterieakademie von Toledo mit der Medalla Militar ausgezeichnet.

Politische Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philippe Pétain in Zivilkleidung (1930)

Obwohl Philippe Pétain seinen Abschied aus der Armee genommen hatte, stellte er auch weiterhin eine bedeutende Persönlichkeit in der französischen Öffentlichkeit dar. Seine ungebrochene Autorität als Held von Verdun und Marschall von Frankreich waren in der Gesellschaft fest verankert. Verschiedene rechte Gruppierungen buhlten um die Gunst des Kriegshelden, der bereits in den 1920er-Jahren eine Tendenz zu autoritären, antiparlamentarischen politischen Ansätzen entwickelt hatte und eine zunehmend kritische Haltung zum parlamentarischen Regierungssystem einnahm. Insbesondere der politisch aktive Publizist Gustave Hervé trat öffentlich für die Schaffung einer autoritären Regierungsform ein und sah in einer Diktatur des Marschalls Pétain die einzige Möglichkeit Frankreich zu retten.[52][53] Pétain brachte dem spanischen Militärdiktator Miguel Primo de Rivera große Bewunderung entgegen, der sein Land unter der Parole „Vaterland, Religion, Monarchie“ erneuern wollte.[54]

1931 erhielt Pétain eine Einladung des amerikanischen Generals John J. Pershing und reiste mit der Delegation des Premierministers Pierre Laval zu einem Staatsbesuch in die Vereinigten Staaten. Als offizieller Vertreter der Französischen Republik nahm Pétain an der 150–Jahr–Feier zur Schlacht von Yorktown teil, die den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen England entschieden hatte. Dabei betonte er – in demonstrativer Abgrenzung gegenüber Großbritannien – das Bündnis zwischen Frankreich und den USA. Anlässlich des Besuchs ehrte die Stadt New York den hoch angesehenen Marschall am 26. Oktober mit einer Parade am Broadway.

Kriegsminister (1934)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weltwirtschaftskrise führte zu einer innenpolitischen Instabilität der Dritten Republik, die in den blutigen Unruhen vom 6. Februar 1934 ihren Höhepunkt fand und zum Sturz der Regierung Édouard Daladier führte. Staatspräsident Albert Lebrun beauftragte daraufhin den Konservativen Gaston Doumergue am 8. Februar mit der Bildung einer neuen Regierung der Union Nationale. Doumergue wiederum bat Pétain, den Posten des Kriegsministers anzunehmen, denn nach seiner Ansicht stellte die in allen politischen Lagern respektierte Person des Marschalls im neuen Kabinett ein Unterpfand zur Beruhigung der Kriegsveteranen (z. B. Jeunesses patriotes, Croix de Feu) dar.

Nach seinem endgültigen Eintritt in die zivile Politik hatte Pétain mit den in Ministerien üblichen Schwierigkeiten zu kämpfen und schlug sich mit der wichtigsten herum, dem seinem Geschäftsbereich zugemessenen Budget. Die finanzielle Lage Frankreichs war angespannt und erforderte Sparmaßnahmen. Pétain, der sich als Soldat beunruhigt über die deutsche Wiederaufrüstung gezeigt hatte, musste als Minister eine Reduzierung der Militärkredite billigen. Auch eine Gesetzesvorlage zur Verlängerung der Wehrpflicht auf 24 Monate fand keine parlamentarische Mehrheit. Gegenüber dem außenpolitischen Kurs des Außenministers Louis Barthou, der die osteuropäischen Staaten an Frankreich binden wollte (Pacte de l’Est), war Pétain im Hinblick auf die militärische Stärke dieser Staaten äußerst kritisch.[55] Mit der Ermordung Barthous und des jugoslawischen Königs Alexander I. am 9. Oktober in Marseille fand diese Bestrebung ihr plötzliches Ende, und die Regierung geriet in eine Krise. Als Abgesandter Frankreichs reiste Pétain zu der Beerdigungszeremonie nach Topola und traf dort mit dem deutschen Vertreter Hermann Göring zusammen, über den er sich im Anschluss positiv äußerte.[56]

Die Regierung Doumergue scheiterte nach neunmonatiger Amtszeit am 8. November 1934. Sie hatte eine Revision der Verfassungsgesetze von 1875 zur Stärkung der Exekutivgewalt gegenüber der Legislative eingebracht, jedoch in der Abgeordnetenkammer keine Mehrheit erhalten.

Botschafter in Spanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Anerkennung des nationalistischen Franco-Spanien durch die französische Regierung wurde Marschall Pétain am 2. März 1939 zum außerordentlichen Botschafter Frankreichs in Spanien ernannt und überreichte Innenminister Ramón Serrano Súñer am 24. März in Burgos sein Akkreditierungsschreiben. Aufgrund seiner Erfolge während des Rifkrieges genoss Pétain im Nachbarland großes Ansehen und sollte die Neutralität Spaniens im Hinblick auf den bevorstehenden Konflikt mit dem Deutschen Reich gewährleisten, das eine aggressive Außenpolitik betrieb. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 lehnte Pétain das Angebot des Premierministers Édouard Daladier, in das französische Kriegskabinett einzutreten, ab und verblieb als Botschafter in Spanien.

Die Niederlage von 1940[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eintritt in die Regierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pétain an seinem Schreibtisch (Mai 1940)
Von links: Général Weygand, Paul Baudouin, Paul Reynaud und Philippe Pétain (Mai 1940)

Mit dem deutschen Angriff in Westeuropa endete am 10. Mai 1940 die Phase des drôle de guerre. Unter Umgehung der Maginot-Linie passierten deutsche Panzerverbände die Ardennen, überquerten nach dem unerwarteten Frontdurchbruch bei Sedan am 15. Mai die Maas und stießen zum Ärmelkanal vor (Sichelschnittplan). Bereits wenige Tage nach Beginn der Kampfhandlungen war Frankreich in eine schwere militärische und politische Krise geraten, weshalb sich Premierminister Paul Reynaud zu einer Kabinettsumbildung gezwungen sah. Er fügte das Kriegsministerium seinem Portfolio hinzu, ernannte Georges Mandel zum Innenminister und nahm Kontakt zu Philippe Pétain auf, der sich am 18. Mai bereit erklärte, als stellvertretender Regierungschef in das Kabinett einzutreten. Den glücklosen Oberbefehlshaber Maurice Gamelin ersetzte Reynaud durch Maxime Weygand. Durch den Regierungseintritt des mittlerweile 84-jährigen Pétain, während des Ersten Weltkriegs Symbolfigur des Durchhaltewillens, erhoffte sich Reynaud eine Stärkung der Moral und der Verteidigungsbereitschaft. In einer Rundfunkansprache erklärte er:

„Der Sieger von Verdun, Marschall Pétain, ist heute Morgen aus Madrid zurückgekehrt. Er wird an meiner Seite stehen […] all seine Weisheit und all seine Kraft in den Dienst unseres Landes stellen. Er wird dort bleiben, bis der Krieg gewonnen ist.“[57]

Die Ernennung des populären Marschalls fand in der französischen Öffentlichkeit großen Anklang und wurde als „divine surprise“ (himmlische Überraschung) hoffnungsvoll begrüßt. Der Schriftsteller François Mauriac schrieb: „Diesen Greis haben uns die Toten von Verdun geschickt.“[58] Die militärische Lage allerdings verschlechterte sich nahezu täglich, denn die Westmächte konnten dem Blitzkrieg keine wirkungsvolle Verteidigung entgegenstellen, und der schnelle deutsche Vormarsch zur Kanalküste schloss den Hauptteil der alliierten Streitkräfte in Nordfrankreich ein (Schlacht von Dünkirchen). Während der Sitzung des Britisch-Französischen Kriegsrates vom 25. Mai zeigte Pétain eine defätistische Haltung. Frankreich sei auf den Krieg schlecht vorbereitet, und er machte die politischen Entscheidungsträger für die drohende Niederlage verantwortlich. Der Marschall war nicht bereit, den Kampf bis zum Äußersten zu führen:

„Ich kann nicht zulassen, dass man die Fehler der Politik auf die Armee abwälzt […] Es ist einfach und dumm zu sagen, man werde bis zum letzten Mann kämpfen. Man sagt so etwas besser nicht und tut es auch nicht. Nach unseren Verlusten im letzten Krieg und unserer schwachen Geburtenzahl ist dies außerdem ein Verbrechen!“[59]

Nach der Niederlage in Dünkirchen und der Evakuierung des Britischen Expeditionskorps (Operation Dynamo) bereitete die Wehrmacht ihren Angriff auf Paris vor (Fall Rot). Die eilig errichtete Weygand-Linie, eine Auffangstellung der Franzosen südlich der Somme und der Aisne, konnte den deutschen Vorstoß nicht aufhalten. Die französische Armee stand unmittelbar vor dem Zusammenbruch,[60] Millionen ziviler Binnenflüchtlinge und zunehmende Kriegspanik lösten die öffentliche Ordnung auf.[61] Am 10. Juni verließen die französischen Verfassungsorgane die Hauptstadt und flohen über Tours nach Bordeaux. Paris, das man zur offenen Stadt erklärte, wurde von den Deutschen am 14. Juni kampflos besetzt. Vor diesem Hintergrund appellierte Oberbefehlshaber Weygand an die Regierung, der Vernichtung der Armee ein Ende zu bereiten und die Deutschen um Bekanntgabe der Waffenstillstandsbedingungen zu ersuchen. Diesbezüglich herrschte im Kabinett Uneinigkeit, und zwei konträre Auffassungen traten zutage: Premierminister Reynaud und Charles de Gaulle, seit dem 6. Juni Staatssekretär im Kriegsministerium, plädierten für eine Fortsetzung des militärischen Widerstands. Notfalls solle sich die Regierung in der „Festung Bretagne“ verschanzen oder nach Nordafrika absetzen, um dieses als Basis des weiteren Kampfes zu nutzen.[62] Pétain hingegen hielt eine Fortsetzung des Krieges für aussichtslos und unterstützte Weygands Forderung nach einer raschen Beendigung der Kampfhandlungen. Entgegen allen Bündnisverpflichtungen gegenüber Großbritannien bestand er als konsequentester Fürsprecher auf dem Abschluss eines Separatfriedens mit dem Deutschen Reich. Zur Verdeutlichung seines Standpunktes verlas Pétain während der Kabinettssitzung am 13. Juni eine Erklärung:

„Es ist für die französische Regierung unmöglich, französischen Boden zu verlassen, ohne zu emigrieren, ohne zu desertieren. Ich bin der Ansicht, dass der französische Boden nicht aufgegeben werden darf und dass das Leiden, das dem Vaterland und seinen Söhnen bevorsteht, angenommen werden muss. Die französische Wiedergeburt wird Frucht dieses Leidens sein, und die Erneuerung unseres Landes muss an Ort und Stelle eingeleitet werden. Wir können nicht auf die Wiedereroberung Frankreichs durch alliierte Kanonen zu unbekanntem Zeitpunkt und unvorherzusehenden Bedingungen warten. Ich werde mich weigern, den Boden des Mutterlandes zu verlassen, ich werde bei dem französischen Volk bleiben, um seine Leiden und sein Elend zu teilen – wenn nötig, außerhalb der Regierung. Der Waffenstillstand ist in meinen Augen die notwendige Vorbedingung für ein Weiterleben des ewigen Frankreich.“Jean Lacouture: De Gaulle: The Rebel 1890–1944. 1984 (englische Ausgabe 1991), 640 S. Band 2: De Gaulle: The Ruler 1945–1970. 1993, 700 S., The standard scholarly biography.[60]

Waffenstillstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Soldaten vor dem Arc de Triomphe in Paris (Juni 1940)
Wilhelm Keitel (li.) und Charles Huntziger (re. Mitte) am 22. Juni 1940 im Wagen von Compiègne
Frankreich nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1940)

Auch nach der Ankunft in Bordeaux bestand Reynaud hartnäckig darauf, dass die Armee zu kapitulieren habe, während die Regierung aus dem Exil heraus den Widerstand aufrechterhalten solle. Da sich zahlreiche Minister hinter Pétain stellten und der Premierminister mit seiner Ansicht im Kabinett keine Mehrheit fand und auch Winston Churchills Angebot einer Britisch-Französischen Staatenunion abgelehnt wurde, trat er am Abend des 16. Juni von seinem Amt zurück. Als Nachfolger empfahl er Pétain, der von Staatspräsident Albert Lebrun umgehend mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt wurde und binnen kürzester Zeit eine vorgefertigte Kabinettsliste, mit 16 Ministern sowie zwei Unterstaatssekretären, präsentierte. Diese umfasste mit Maxime Weygand (Verteidigung und Generalstabschef), François Darlan (Marine), Bertrand Pujo (Luftfahrt) und Louis Colson (Krieg) vier hochrangige Militärs, Parlamentarier wie Camille Chautemps (Stellvertretender Premierminister), Jean Ybarnégaray (Veteranen und Familie) und Albert Rivière (Kolonien), auch parteilose Technokraten wie Paul Baudouin (Äußeres), Yves Bouthillier (Finanzen) und Albert Rivaud (Bildung). Seinen Vertrauten Raphaël Alibert machte er zum Staatsminister, Pierre Laval gehörte der Regierung noch nicht an, da man ihm nur das Justizressort, nicht aber das begehrte Außenamt angeboten hatte.[63]

Unmittelbar nach seiner Amtsübernahme ließ Pétain über den Außenminister die Bedingungen eines Waffenstillstands beim Deutschen Reich erfragen und wandte sich am 17. Juni in seiner ersten Radioansprache um 12:30 Uhr an die Bevölkerung. Darin begründete er sein Ersuchen um Waffenstillstandsverhandlungen und warb um Verständnis für diesen Schritt:

„Franzosen!

Dem Ruf des Präsidenten der Republik folgend, übernehme ich heute die Leitung der französischen Regierung. Sicher des Vertrauens des gesamten Volkes, stelle ich meine Person Frankreich zur Verfügung, um sein Leid zu mildern […] Ich teile Ihnen heute mit schwerem Herzen mit, dass es Zeit ist, diesen Kampf zu beenden. Ich habe mich diese Nacht an den Gegner gewendet, um ihn zu fragen, ob er bereit ist, zusammen mit uns, unter Soldaten, nach dem Kampf und in Ehre die Mittel zu suchen, um den Feindseligkeiten ein Ende zu setzen.“[64][65]

Nach der Ankündigung Pétains, einen Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich zu vereinbaren, rief der nach Großbritannien geflohene Charles de Gaulle sein Land via Radio Londres zur Fortsetzung des Widerstands auf (Appell vom 18. Juni) und gründete zu diesem Zweck die Freien Französischen Streitkräfte (FFL). Während die deutsche Antwort auf das Waffenstillstandsgesuch ausstand, nahm der Gedanke einer Exilregierung Gestalt an. Der ehemalige Innenminister Georges Mandel bemühte sich, das Staatsoberhaupt, die Präsidenten der Abgeordnetenkammer und des Senats sowie möglichst viele Parlamentarier zur Abreise an Bord der Massilia zu bewegen. Um die Legitimität seiner Regierung zu sichern, verbot Pétain daraufhin allen Inhabern eines öffentlichen Amts, Bordeaux zu verlassen, und drohte, Präsident Lebrun festzunehmen, sollte dieser versuchen auszureisen.[66] Lediglich 27 Parlamentarier folgten dem Aufruf Mandels und schifften sich am 21. Juni an dessen Seite nach Nordafrika ein. Einen Tag später kamen die Unterhändler des Waffenstillstands auf der Lichtung von Rethondes zusammen.

Ohne Verhandlungen diktierte die deutsche Führung der französischen Delegation am 22. Juni 1940 die Bedingungen des Waffenstillstands von Compiègne, der einer Kapitulation faktisch gleichzusetzen war und Frankreichs Status als Großmacht aufhob. Die Regierung akzeptierte die Vertragsbedingungen und bevollmächtigte Général Charles Huntziger zur Unterzeichnung. Die Kampfhandlungen wurden daraufhin eingestellt, und der Waffenstillstand trat am 25. Juni in Kraft. Der Vertrag teilte das Territorium durch eine Demarkationslinie in einen unter deutscher Militärverwaltung stehenden Nord- und Westteil («Zone Occupée») sowie einen unbesetzten Südteil («Zone Libre»), der etwa 40 Prozent der Landesfläche umfasste. Das Deutsche Reich annektierte Elsaß-Lothringen, die Départements Nord und Pas-de-Calais unterstellten sie der Militärverwaltung in Belgien und Nordfrankreich. Die Kosten der Besatzung (20 Millionen Reichsmark pro Tag)[67] hatte der französische Staat zu entrichten (siehe dazu: Deutsche Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg). Zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung durfte Frankreich ein 100.000-Mann-Heer ohne schwere Bewaffnung unterhalten, die Repatriierung der 1,85 Millionen französischen Kriegsgefangenen sollte erst nach Abschluss eines endgültigen Friedens erfolgen. Die Kriegsflotte hingegen wurde nicht demobilisiert, und die inneren Verhältnisse der Kolonien blieben unangetastet.

Gemäß den Waffenstillstandsbestimmungen behielt die französische Regierung die Kontrolle über die Kriegsmarine, und obwohl Admiral Darlan eine Auslieferung an das Deutsche Reich ausgeschlossen hatte, fürchtete Großbritannien deren Einsatz auf Seiten der Achsenmächte. Um dies zu verhindern, forderten die Briten ultimativ die Übergabe oder Demobilisierung der französischen Flotte, die den Kriegshafen von Mers-el-Kébir angelaufen hatte. Nach Ablauf des Ultimatums am 3. Juli 1940 bombardierte die Royal Navy diesen Flottenverband (Operation Catapult), wobei 1.297 französische Marineangehörige starben. Gleichzeitig wurden alle in britischen Häfen befindlichen französischen Kriegsschiffe gekapert und beschlagnahmt (Operation Grasp). Die Ereignisse belasteten das französisch-britische Verhältnis schwer, und Darlan verlangte einen Vergeltungsangriff. Wenn auch zur Anglophobie tendierend, konstituierte sich Pétain in dieser Lage als maßvoll und erteilte der Forderung Darlans eine Absage. Als Reaktion brach Pétain am 5. Juli die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien ab.

Staatschef in Vichy[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schaffung des État français[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hôtel du Parc in Vichy, der Amtssitz Pétains
Pétain und Laval
Zweites Kabinett Pétain (18. Juli 1940)

Nach Einrichtung der deutschen Besatzungszone übersiedelte die Regierung von Bordeaux kurzzeitig in das mit Flüchtlingen überfüllte Clermont-Ferrand. Aus praktischen Erwägungen heraus verlegte Pétain den Regierungssitz schließlich am 1. Juli 1940 in die freie Zone nach Vichy. Der Kurort, in der Nähe der Demarkationslinie gelegen, hatte gute Straßen- und Eisenbahnverbindungen sowie eine moderne Telefonzentrale. Die zahlreichen Hotels boten den Ministerien, Behörden und Botschaften ausreichend Unterkunftsmöglichkeiten. Pétain selbst bezog zwei Etagen des Hôtel du Parc.

Unter dem unmittelbaren Eindruck der katastrophalen Niederlage («Le Débâcle») zeichneten sich in den Wochen nach dem Waffenstillstand konkrete Pläne einer umfassenden politischen Reform ab. Die Anhänger Pétains, angeführt von Pierre Laval, seit dem 23. Juni Staatsminister und stellvertretender Regierungschef, forderten Verfassungsänderungen. Die Republik hatte sich für Laval diskreditiert und er glaubte, nur eine autoritäre Regierungsform könne Frankreich in das siegreiche totalitäre System eingliedern.[68] Dem Marschall sollten unbeschränkte Vollmachten eingeräumt werden, damit er den Wiederaufbau der französischen Nation einleiten könne. In einer Kabinettssitzung am 4. Juli befürwortete Laval die unverzügliche Einberufung der Nationalversammlung, damit diese Pétain beauftrage, eine neue Verfassung aufzusetzen. Pétain erteilte dem Vorschlag einer legalen Verfassungsreform seine Zustimmung und kündigte erstmals seit Abschluss des Waffenstillstands die Einberufung der Parlamentskammern an. Laval und Alibert erarbeiteten in den folgenden Tagen eine entsprechende Gesetzesvorlage, welche „die Rechte der Arbeit, der Familie und des Vaterlandes“ garantieren solle.[69] In einer Atmosphäre voller Gerüchte und Befürchtungen führte Laval in Vichy erste Verhandlungen im parlamentarischen Umfeld.[70]

Unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Jules Jeanneney konstituierten sich die Abgeordneten und Senatoren am 10. Juli 1940 als Nationalversammlung im Grand Casino de Vichy. Pétain ließ sich durch Laval vertreten, der die Volksvertreter in seiner Rede aufforderte, sich um die Person des Marschalls zu sammeln. Mit einer klaren Mehrheit von 570 zu 80 Stimmen (bei 21 Enthaltungen und 237 Abwesenden)[71] votierten die Mitglieder der Nationalversammlung für Lavals Gesetzesvorlage.

Artikel 1: Die Nationalversammlung erteilt der Regierung der Republik unter der Autorität und Unterschrift des Marschalls Pétain umfassende Ermächtigung, durch einen oder mehrere Gesetzesakte eine neue Verfassung des französischen Staates zu verkünden. Die Verfassung wird die Rechte der Arbeit, der Familie und des Vaterlands garantieren. Sie wird von der Nation ratifiziert werden und von den durch sie geschaffenen Parlamentsversammlungen angewendet werden.

Das gegenwärtige Verfassungsgesetz, beraten und beschlossen von der Nationalversammlung, ist als Staatsgesetz auszuführen.

Geschehen zu Vichy, am 10. Juli 1940[72]

Auf Grundlage dieser Generalermächtigung verkündete Pétain am 11. und 12. Juli die ersten vier Verfassungsakte («actes constitutionell»). Diese hebelten den republikanischen Grundsatz der Gewaltenteilung aus und ersetzten die Volkssouveränität durch die persönliche des Marschalls.[73] Sie bildeten die Grundlage einer Diktatur und ein Berater bemerkte, dass Pétain größere Machtbefugnisse als jeder französische Führer seit Ludwig XIV. in seiner Person vereine.[74] Durch die Schaffung einer neuen Exekutivgewalt beendete Verfassungsakt Nr. 1 faktisch die Dritte Republik: „Wir, Philippe Pétain, Marschall von Frankreich, erklären hiermit, die Funktionen des französischen Staatschefs («Chef de l'État français») zu übernehmen.“ Der Akt Nr. 2 übertrug Pétain den „Vollbesitz der Regierungsgewalt“ und zwar sowohl die legislative wie die exekutive, die Ernennung und Absetzung der ihm allein verantwortlichen Minister, den Erlass und die Ausführung von Gesetzen, den Oberbefehl über die Streitkräfte, das Begnadigungs- und Amnestierecht sowie die Verhandlung und Ratifizierung von Verträgen. Der Marschall gewährte sich judikative Vollmachten, indem er über Minister oder Beamte zu Gericht sitzen durfte, „welche ihre Amtspflichten verletzt“ hatten. Gerichtsurteile wurden nicht mehr im Namen des Volkes, sondern in dem des „Marschalls von Frankreich und Chef des Staates“ verkündet.[75] Akt Nr. 3 vertagte bis auf Weiteres die beiden Parlamentskammern. Der Akt Nr. 4 vom 12. Juli erlaubte es ihm, die Mitglieder der Regierung zu bestimmen und legte die Nachfolge zugunsten Lavals fest, der als «Dauphin» bezeichnet wurde.[76] Der Historiker Pierre Bourget beschrieb Pétain als „König oder Regent von Frankreich, ein König ohne Krone.“[77]

Pétain erweiterte sein Kabinett nach rechts indem er Adrien Marquet (Inneres), François Piétri (Kommunikation), Pierre Caziot (Landwirtschaft), und René Belin (Industrie) aufnahm.[78][79] Einen Premierminister ernannte er zunächst nicht, Pierre Laval blieb stellvertretender Regierungschef.

Personenkult[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Ereignissen des Sommers 1940 entstanden ein regelrechter Mythos und Personenkult um Pétain, den man mit Jeanne d'Arc verglich und der seine Person zum Wohle Frankreichs geopfert hatte. Seine Porträts ersetzten von nun an die Bilder der Marianne in öffentlichen Gebäuden. Neues Staatssymbol wurde die Francisque, bestehend aus einem Marschallstab und zwei Liktoren-Beilen. „Nichts ohne den Marschall. Alles mit dem Marschall“, wurde zur weitverbreiteten Parole, das Lied «Maréchal, nous voilà» als inoffizielle Nationalhymne nach der Marseillaise gespielt. Vichy entwickelte sich zu einem politischen Wallfahrtsort um seine Person. Er wurde als Unser Vater, Unser Marschall oder als Vater aller Kinder Frankreichs bezeichnet.[80]

Auch der katholische Klerus in Frankreich unterstützte das neue Regime. Am 16. Juli 1940 reiste Kardinal Pierre-Marie Gerlier nach Vichy, um dort seine Hochachtung für jenes Opfer auszusprechen, dass Pétain dem Vaterland bringe.

Révolution Nationale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Francisque, Wappen des Vichy-Regimes

„Wir müssen von nun an unsere Anstrengungen auf die Zukunft richten. Eine neue Ordnung beginnt“, hatte Philippe Pétain den Franzosen am 25. Juni 1940 erklärt.[81] Er wertete die militärische Niederlage als Zeichen eines Zerfallsprozesses der französischen Gesellschaft und beklagte sowohl die innere Zerrissenheit des Landes als auch den Verfall traditioneller Werte. Seit dem Waffenstillstand warb Pétain für eine geistig-moralische Wende («redressement intellectuel et moral») und wollte sie in einer Révolution nationale zu neuer Einheit und moralischer Erneuerung führen. Unter der Parole «Travail, Famille, Patrie» (Arbeit, Familie, Vaterland) setzte sich das Vichy-Regime entschieden von den Prinzipien der Französischen Revolution «Liberté, Égalité, Fraternité» (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) und der aus ihr gewachsenen republikanischen Tradition ab. Ziel war die Rückkehr zu einer traditionellen, patriarchalischen und hierarchischen Gesellschaftsform und deren moralische Erneuerung.

„Die Nationale Revolution richtet sich nicht gegen die politische Unterdrückung, sondern gegen eine überlebte Ordnung. Sie vollzieht sich am Morgen nach der Niederlage, sieben Jahre nach der deutschen Revolution, achtzehn Jahre nach der italienischen Revolution, und in einem ganz anderen Geist als diese beiden historischen Revolutionen“[82]

Kollaboration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pétain und Hitler am 24. Oktober 1940 in Montoire

Um die Souveränität des Landes zu behaupten, proklamierte Pétain ein neutrales Frankreich, das zwischen den kriegführenden Parteien Äquidistanz zu halten suchte. In diesem Sinne lehnte er bei einem Treffen mit Adolf Hitler am 24. Oktober 1940 in Montoire einen Kriegseintritt Frankreichs an der Seite der Achsenmächte ab.[83] Er hielt eine Zusammenarbeit (Kollaboration) mit dem Deutschen Reich aber für notwendig, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, Art und Umfang der materiellen, personellen und industriellen Ausbeutung des Landes in Grenzen zu halten und die Rückführung der fast zwei Millionen französischer Soldaten aus deutscher Kriegsgefangenschaft zu erreichen. Am 30. Oktober rechtfertigte Pétain in einer Radioansprache seine Politik:

„Ich habe am letzten Dienstag den Kanzler des Deutschen Reiches getroffen […]. Ich bin aus freiem Entschluss der Einladung des Führers gefolgt. Ich habe von seiner Seite keinerlei „Diktat“, keinerlei Druck erfahren. Eine Kollaboration zwischen unseren beiden Ländern ist ins Auge gefasst worden. Ich habe dies dem Grunde nach akzeptiert. […]

Ich betrete in Ehren den Weg der Kollaboration, um die Einheit Frankreichs zu erhalten – eine Einheit von zehn Jahrhunderten – und dies geschieht im Rahmen des Aufbaus einer neuen europäischen Ordnung. […] Diese Kollaboration muss aufrichtig sein. Sie muss jedes aggressive Denken ausschließen. Sie muss von einer geduldigen und vertrauensvollen Bemühung getragen werden. Frankreich ist durch zahlreiche Verpflichtungen gegenüber dem Sieger gebunden. Zumindest bleibt es souverän. Diese Souveränität verpflichtet es, seinen Boden zu verteidigen, die Meinungsverschiedenheiten beizulegen und den Abfall seiner Kolonien zu mindern.

Dies ist meine Politik. Die Minister sind nur mir gegenüber verantwortlich. Über mich allein wird die Geschichte richten. Ich habe bisher in der Sprache des Vaters zu Ihnen gesprochen. Heute rede ich zu Ihnen in der Sprache des Chefs.

Folgen Sie mir. Bewahren Sie Ihr Vertrauen in das ewige Frankreich.“[84]

Wegen der staatlichen Kollaboration, der autoritären Innenpolitik sowie zunehmender deutscher Repressalien verlor das Vichy-Regime ab 1942 spürbar an Rückhalt in der Bevölkerung und geriet in immer stärkere Abhängigkeit zum Deutschen Reich. Die Aufstellung einer Freiwilligenlegion zur Unterstützung der Wehrmacht im Kampf gegen den Bolschewismus in der Sowjetunion radikalisierte den kommunistischen Widerstand in Frankreich und brachte der Résistance regen Zulauf. Auf deutschen Druck hin und gegen den Rat der USA ernannte Pétain Pierre Laval am 18. April 1942 erneut zu seinem Stellvertreter und Regierungschef und in der Folge schwang sich Laval zum wichtigsten Entscheidungsträger des Vichy-Regimes auf. Der entschieden deutsch-freundliche Laval intensivierte die Kollaboration, indem er die verstärkte Gestellung französischer Zwangsarbeiter für die deutsche Kriegswirtschaft und die Deportation von Juden organisierte. Zu diesem Zweck gründete er mit der Milice française eine paramilitärische Einheit, die eng mit der deutschen Besatzungsmacht zusammenarbeitete.

Als sich im November 1942 nach der Landung der Alliierten in Nordafrika ein Angriff auf die „Festung Europa“ abzeichnete, besetzten deutsche und italienische Truppen am 11. November handstreichartig die bis dahin unbesetzte Südzone Frankreichs (Unternehmen Anton). Pétain blieb in Vichy, allerdings büßte das Regime durch die Besetzung seine ohnehin geringe faktische Macht weitgehend ein und sank endgültig auf den Status einer deutschen Marionettenregierung herab. Hitler sprach davon, dass es klug sei, „die Fiktion einer französischen Regierung mit Pétain aufrechtzuerhalten. Deshalb solle man Pétain ruhig als eine Art Gespenst beibehalten und ihn von Zeit zu Zeit etwas von Laval aufblasen lassen, wenn er etwas zu sehr zusammensinke“.[85] In den letzten Monaten spielte Pétain kaum noch eine politische Rolle, deckte jedoch mit seiner Autorität die Politik Lavals und die Maßnahmen der Milice.

Das Ende in Vichy[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der alliierten Landung in der Normandie Anfang Juni 1944 (Operation Overlord) begann die Befreiung Frankreichs und das Ende des Vichy-Regimes zeichnete sich ab. Am 20. August wurde die Regierung zunächst nach Belfort verlegt und auf deutschen Befehl hin am 7. September ins hohenzollerische Sigmaringen. Dort bezog sie im Hohenzollernschloss Quartier und bildete in der „Provisorischen Hauptstadt des besetzten Frankreich“ eine einflusslose Exilregierung. Pétain, der gezwungen worden war, Frankreich zu verlassen, beteiligte sich nicht an dieser Regierungskommission, der nun Faschisten wie Fernand de Brinon und Jacques Doriot angehörten.

Angesichts des sich abzeichnenden militärischen Zusammenbruchs der deutschen Wehrmacht und um einer Festnahme durch die vorrückende 1. französische Armee zu entgehen, reiste Pétain mit seiner Ehefrau am 23. April 1945 in die neutrale Schweiz aus. Nach diplomatischer Vorbereitung stellte er sich drei Tage später am Grenzbahnhof Vallorbe den französischen Behörden und wurde durch Général Marie-Pierre Kœnig verhaftet. Bis zum Beginn seines Prozesses wurde Pétain im Fort de Montrouge nahe Paris inhaftiert.

Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pétain auf der Anklagebank vor dem Haute cour de justice (Foto: 30. Juli 1945)

Im Zuge der Säuberung des Staatsapparats und des öffentlichen Lebens wurde durch die Commission d’Épuration eine Verurteilung führender Vertreter der Kollaboration und des Vichy-Regimes angestrebt. Das von der Öffentlichkeit viel beachtete Gerichtsverfahren gegen Pétain wurde am 23. Juli 1945 im Pariser Palais de Justice eröffnet. Die Staatsanwaltschaft klagte den ehemaligen Staatschef vor dem Haute cour de justice u. a. wegen „Verschwörung gegen die französische Republik und die Sicherheit des Staates“ sowie „Kollaboration mit dem Feind“ an. Pétain, der in der Uniform eines Marschalls von Frankreich auf der Anklagebank erschien, ließ sich durch die Rechtsanwälte Jacques Isorni, Fernand Payen und Jean Lemaire verteidigen und nahm zu den Anschuldigungen nur einmal Stellung. Am ersten Sitzungstag führte er aus:

„Ich habe mich freiwillig gestellt, um dem französischen Volk Rechenschaft abzulegen, nicht dem Hohen Gerichtshof, der das französische Volk nicht repräsentiert. Nach meiner Einschätzung hat der Waffenstillstand Frankreich gerettet, habe ich während der vierjährigen Besatzungszeit durch mein Handeln die Franzosen vor dem Schlimmsten bewahrt, habe die Befreiung vorbereitet und die einzig möglichen Grundlagen für den nationalen Wiederaufstieg gelegt. Indem Sie mich verurteilen, verlängern Sie die Zwietracht in Frankreich. (…) Ich erkläre mich für unschuldig und verweigere jede weitere Aussage… .[86]

Das Geschworenengericht ließ im Prozessverlauf wesentliche Punkte der Anklageschrift fallen, hielt jedoch am Vorwurf des Hochverrats fest und verurteilte Pétain am 15. August zum Tode. Der Schuldspruch war mit vierzehn zu dreizehn Geschworenenstimmen entschieden worden. In Anbetracht des fortgeschrittenen Alters des Verurteilten plädierten 17 der insgesamt 27 Geschworenen für die Aussetzung der Todesstrafe und empfahlen die Umwandlung in eine lebenslange Haftstrafe. Als provisorischer Regierungschef folgte Charles de Gaulle der Begnadigungsempfehlung und wandelte Pétains Strafe am 17. August zu lebenslanger Haft um. Nach dem Urteilsspruch sowie der Aberkennung seiner bürgerlichen Ehrenrechte wurde Pétain zunächst im Fort du Portalet (Département Pyrénées-Atlantiques) inhaftiert. Die Pyrenäen-Festung hatte dem Vichy-Regime als Haftanstalt für politische Gefangene gedient.

Lebensende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabstein Pétains

Am 16. November 1945 wurde Pétain auf die Atlantikinsel Île d’Yeu (Département Vendée) verlegt und als einziger Häftling in der Zitadelle des Forts de Pierre-Levée untergebracht. Im Zuge einer Befragung durch die Abordnung eines Parlamentsausschusses unter ärztlichem Vorsitz, diagnostizierte dieser bei dem 91-Jährigen im Juni 1947 Altersschwäche sowie eine Gedächtnisstörung.[87] Aus gesundheitlichen Gründen forderten Pétains Anwälte und verschiedene ausländische Würdenträger wie der Duke of Windsor oder Francisco Franco vergeblich eine vorzeitige Haftentlassung.[88] Aufgrund einer Demenzerkrankung und einer Herzinsuffizienz hatte sich der Gesundheitszustand Pétains bis 1949 erheblich verschlechtert.[89] Um den Patienten besser pflegen zu können, wurde er im Juni 1951 in ein Privathaus im Hauptort Port-Joinville verlegt. Dort verstarb Philippe Pétain am 23. Juli 1951 im Alter von 95 Jahren. Zwei Tage später wurde er auf dem örtlichen Friedhof Cimetière communal de Port-Joinville beigesetzt.

Die französische Regierung lehnte seinen Wunsch ab, im Beinhaus von Douaumont bei Verdun beigesetzt zu werden. Um eine Umbettung dorthin zu erzwingen, wurden die Gebeine Pétains zwei Wochen vor den Wahlen zur Nationalversammlung des Jahres 1973 von Anhängern des Marschalls entwendet, zwei Tage später von der Polizei gefunden und am 22. Februar 1973 auf Anweisung von Staatspräsident Georges Pompidou wieder auf die Île d’Yeu überführt.[90][91]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philippe Pétain galt als eingefleischter Junggeselle, der ein bewegtes amouröses Leben führte und sich mit flüchtigen Liebschaften begnügte («homme à femmes»). Gegenüber einem Vertrauten soll er gesagt haben: „Ich habe in meinem Leben zwei Leidenschaften gehabt: die Liebe und die Infanterie.“[92] Erst 1901 hielt er um die Hand der einundzwanzig Jahre jüngeren Eugénie Hardon (1877–1962) an, was deren Familie im Hinblick auf die bescheidene Karriere des Offiziers ablehnte. 1915 trafen sich Pétain und die inzwischen geschiedene Eugénie wieder und sie heirateten am 14. September 1920 im Rathaus des 7. Pariser Arrondissements.[93] Trauzeuge war sein langjähriger Weggefährte Général Émile Fayolle. Annie (oder Ninie) hatte aus ihrer ersten Ehe einen Sohn, aus der Verbindung mit Pétain gingen keine Nachkommen hervor.

1920 bezog das Ehepaar Pétain ein Appartement in der Square de La Tour-Maubourg im noblen 7. Arrondissement und erwarb mit der Villa L'Ermitage in Villeneuve-Loubet ein Anwesen an der Côte d'Azur.[94] Auf dem vier Hektar großen Besitz besorgte ein Pächter die Landbestellung und kümmerte sich um die Geflügelzucht. Der Staatsgerichtshof konfiszierte die Eigentümer nach Pétains Verurteilung am 15. August 1945.[95]

Nachleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Pétain in großen Teilen der Bevölkerung sowie vor allem der politischen und militärischen Elite immer noch als Kriegsheld galt, wurde er jahrelang eher als Opfer der deutschen Besatzung gesehen und betont, dass sein Regime bei allen Fehlern auch als „Schutzschild“ gegen das nationalsozialistische Deutschland gewirkt habe. Die Verbrechen des Regimes wie etwa die Deportation der französischen Juden wurden entweder verschwiegen oder anderen Vichy-Funktionären zugeschrieben. Der Historiker Henry Rousso bezeichnete dies 1987 als das „Vichy-Syndrom“. Noch François Mitterrand (der erste sozialistische Präsident, 1981–1995) legte 1987 wie alle seine Vorgänger eine Rose zur Erinnerung an Pétain am Fort Douaumont (Verdun) nieder; als dies 1992 publik wurde, löste es einen Skandal aus. Erst Mitterrands Nachfolger Jacques Chirac verurteilte die Verbrechen des Regimes und benannte die Verantwortung des französischen Staates dafür.

In einigen rechtsnationalen bis rechtsextremen Kreisen, wie beim Rassemblement National (RN), gilt Pétain immer noch als Held. Allerdings vermeidet die gegenwärtige Parteivorsitzende Marine Le Pen anders als ihr Vater und ehemaliger Vorsitzender der Partei Jean-Marie Le Pen das Thema.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Actes et écrits. Flammarion, Paris 1974 (2 Bde.).
  • La bataille de Verdun. Édition Avalon, Paris 1986, ISBN 2-906316-02-4 (Nachdr. d. Ausg. Paris 1929).
  • Discours aux Francais. 17 juin 1940–20 août 1944. Albin Michel, Paris 1989, ISBN 2-226-03867-1.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Philippe Pétain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pierre Bourget: Der Marschall. Pétain zwischen Kollaboration und Résistance. Verlag Ullstein, 1966. S. 28.
  2. Herbert R. Lottman: Pétain. Éditions du Seuil, Paris 1984, ISBN 2-02-006763-3, S. 13.
  3. gw.geneanet.org
  4. Herbert R. Lottman (trad. Béatrice Vierne): Pétain, Éditions du Seuil. Paris 1984.
  5. Hervé Bentegeat: «Et surtout pas un mot à la Maréchale». Pétain et ses femmes. Albin Michel, 2014, S. 230.
  6. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0.
  7. Richard Griffiths: Marshal Pétain. Faber and Faber, 2011, ISBN 978-0-571-27814-5.
  8. a b Nicolas Atkin: Pétain. Longman, Harlow 1997, ISBN 0-582-07037-6.
  9. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0.
  10. Nicolas Atkin: Pétain. Longman, Harlow 1997, ISBN 0-582-07037-6, S. 5.
  11. Henry du Moulin de Labarthète: Le Temps des illusions – Souvenirs (juillet 1940–avril 1942). Éd. La diffusion du livre, 1947, S. 97.
  12. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0, S. 54.
  13. Charles Williams: Pétain. London 2005, ISBN 978-0-316-86127-4, S. 206.
  14. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0.
  15. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0, S. 17.
  16. Pierre Bourget: Der Marschall. Pétain zwischen Kollaboration und Résistance. Verlag Ullstein, 1966. S. 56.
  17. Guy Pedroncini: Pétain, 1856–1918 – Le soldat et la gloire. Perrin, 1989.
  18. Richard Griffiths: Marshal Pétain. Faber and Faber, 2011, ISBN 978-0-571-27814-5.
  19. Nicholas Atkin: Pétain. Routledge, London/New York 2014, ISBN 978-1-315-84547-0, S. 14.
  20. Sven Lange: Hans Delbrück und der „Strategiestreit“. Kriegführung und Kriegsgeschichte in der Kontroverse 1879–1914. Rombach, Freiburg im Breisgau 1995, ISBN 3-7930-0771-5, S. 129.
  21. Jost Dülffer: Frieden stiften. Deeskalations- und Friedenspolitik im 20. Jahrhundert. Böhlau, Köln/Wien 2008, ISBN 978-3-412-20117-3, S. 191.
  22. Richard Griffiths: Marshal Pétain. Faber and Faber, 2011, ISBN 978-0-571-27814-5.
  23. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0.
  24. Pierre Bourget: Der Marschall. Pétain zwischen Kollaboration und Résistance. Verlag Ullstein, 1966. S. 71.
  25. Nicolas Atkin: Pétain. Routledge, London/New York 2014, ISBN 978-1-315-84547-0, S. 20.
  26. Francois Caron: Frankreich im Zeitalter des Imperialismus 1851–1918 (= Geschichte Frankreichs. Bd. 5). DVA, Stuttgart 1991, ISBN 3-421-06455-5, S. 600.
  27. Mutiny in the French Army. historylearningsite.co.uk. Abgerufen am 12. Mai 2009.
  28. LaGarde, Lieutenant Benoit: Grand Quartier Général 1914–1918. Sous-Serie GR 16 NN – Répertoire numérique détailleé (französisch). Service historique de la Défense.
  29. Guy Pedroncini: Les Mutineries de 1917. Presses universitaires de France (PUF), Paris 1967 (Neuauflage 1999).
  30. Leonard V. Smith: France. In: John Horne (Hrsg.): A companion to World War I. Wiley-Blackwell, Malden, Mass. u. a. 2010, ISBN 978-1-4051-2386-0, S. 425.
  31. Pierre Bourget: Der Marschall. Pétain zwischen Kollaboration und Résistance. Verlag Ullstein, 1966. S. 91/92.
  32. Arlette Estienne Mondet: Le général J. B. E Estienne – père des chars: Des chenilles et des ailes. Editions L`Harmattan, 2011, S. 159.
  33. Richard Griffiths: Marshal Pétain. Faber and Faber, 2011, ISBN 978-0-571-27814-5.
  34. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0, S. 60.
  35. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0, S. 63.
  36. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0, S. 64.
  37. Marc Ferro: Pétain (= Pluriel). Hachette, Paris 2009, S. 789.
  38. Pierre Bourget: Der Marschall. Pétain zwischen Kollaboration und Résistance. Verlag Ullstein, 1966. S. 110.
  39. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0.
  40. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0, S. 42.
  41. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0, S. 43.
  42. Guy Pedroncini: Pétain, le soldat, 1914–1940. 1998, S. 339; siehe auch: Guy Pedroncini: Remarques sur les grandes décisions stratégiques françaises de 1914 à 1940 (Wikiwix).
  43. Alistair Horne: To lose a battle. France 1940. New York 1979.
  44. Richard Griffiths: Marshal Pétain. Faber and Faber, 2011, ISBN 978-0-571-27814-5.
  45. Exposé d'une organisation des nouvelles frontières de la France, April 1919 und Exposé d'une organisation des frontières de la France, Ende 1919.
  46. Pariser Tageszeitung. Jg. 1, 1936, Nr. 148, 6. November 1936, S. 2, Spalte.
  47. Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Band 1. Lingen Verlag, 1967, S. 37.
  48. Eric Roussel: De Gaulle. Band I: 1890–1945. Éditions Gallimard, Paris 2002, zitiert nach der Taschenbuchausgabe: Éditions Perrin, S. 61 ff.
  49. Herbert R. Lottman (Übers. Béatrice Vierne): Pétain. Éditions du Seuil. Paris 1984.
  50. Richard Griffiths: Marshal Pétain. Faber and Faber, 2011, ISBN 978-0-571-27814-5.
  51. España y sus bombas tóxicas sobre Marruecos. In: El Mundo. 5. Juli 2008.
  52. Stefan Grüner: Paul Reynaud (1878–1966): Biographische Studien zum Liberalismus in Frankreich. München 2001, S. 164.
  53. Matthias Waechter: Der Mythos des Gaullismus: Heldenkult, Geschichtspolitik und Ideologie 1940–1958. Göttingen 2006, S. 38.
  54. Pierre Bourget: Der Marschall. Pétain zwischen Kollaboration und Résistance. Verlag Ullstein, 1966. S. 44.
  55. Richard Griffiths: Marshal Pétain. Faber and Faber, 2011, ISBN 978-0-571-27814-5.
  56. Pierre Bourget: Der Marschall. Pétain zwischen Kollaboration und Résistance. Verlag Ullstein, 1966. S. 117.
  57. Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Band 1. Lingen Verlag, 1967, S. 179.
  58. Alistair Horne: To lose a battle. France 1940. New York 1979.
  59. Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Band 1. Lingen Verlag, 1967, S. 181/182.
  60. a b Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Band 1. Lingen Verlag, 1967, S. 196.
  61. Medard Ritzenhofen: Ein Funke – keine Flamme des Widerstandes. De Gaulles Appell vom 18. Juni 1940 und seine Wirkung. Ingo Kolboom: Nation und Europa. Charles de Gaulle – als Symbolfigur für ein Mißverständnis. Ernst Weisenfeld: Europa vom Atlantik zum Ural. Eine magische Formel – Eine Vision – Eine Politik. Pierre Maillard: Deutschland mit Frankreich – ein „unvollendeter Traum“. In: Dokumente/Documents. Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog (PDF; 15,63 MB).
  62. Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Band 1. Lingen Verlag, 1967, S. 200.
  63. Roman Schnur: Vive la République oder vive la France. Zur Krise der Demokratie in Frankreich 1939/40. Duncker & Humblot, Berlin 1982, S. 20.
  64. Philippe Pétain auf Lignemaginot.com.
  65. zum Schreiben ‚an den Gegner‘ siehe Kriegstagebuch des OKW. Band I. S. 965.
  66. Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Band 1. Lingen Verlag, 1967, S. 223.
  67. Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus. Fischer, Frankfurt am Main 2005, S. 170.
  68. Roman Schnur: Vive la République oder vive la France, Duncker & Humblot, ISBN 3-428-45285-2
  69. Nicolas Atkin: Pétain. Longman, Harlow 1997, ISBN 0-582-07037-6.
  70. Henry Rousso: Vichy, Frankreich unter deutscher Besatzung; C.H.Beck, ISBN 978-3-406-58454-1
  71. Namentliches Abstimmungsergebnis im Protokoll auf der Website der Französischen Nationalversammlung (PDF; 3,1 MB).
  72. http://www.verfassungen.eu/f/fverf40.htm
  73. Loi constitutionnelle du 10 juillet 1940 (Digithèque MJP).
  74. Julian Jackson; France: The Dark Years, 1940–1944. Oxford University Press. S. 124-125, 133. ISBN 0-19-820706-9.
  75. Henry Rousso: Vichy, Frankreich unter deutscher Besatzung; C.H.Beck, ISBN 978-3-406-58454-1, S. 31
  76. Henry Rousso: Vichy, Frankreich unter deutscher Besatzung; C.H.Beck, ISBN 978-3-406-58454-1, S. 31
  77. Pierre Bourget: Der Marschall. Pétain zwischen Kollaboration und Résistance. Verlag Ullstein, 1966. S. 219.
  78. Régime de Vichy 1940 - 1944
  79. Ministries, political parties, etc. from 1870 (rulers.org)
  80. Charles Sowerwine: France since 1870. Culture, Society and the Making of the Republic. Palgrave Macmillan, London 2001/2009, S. 190/191.
  81. Robert B. Bruce: Pétain: Verdun to Vichy (Military Profiles). Potomac Book, 2008, ISBN 978-1-57488-757-0, S. 67.
  82. Henry Rousso: Vichy, Frankreich unter deutscher Besatzung; C.H.Beck, ISBN 978-3-406-58454-1, S. 32
  83. Kriegstagebuch des OKW, Band I, S. 130. (28. Oktober 1940)
  84. Pétain, Philippe: Ansprache zur „Kollaboration“ (30. Oktober 1940). Themenportal Europäische Geschichte.
  85. Siehe Eberhard Jäckel: Frankreich in Hitlers Europa: die deutsche Frankreichpolitik im 2. Weltkrieg. Stuttgart 1966, S. 260 f.
  86. deutschlandfunk.de
  87. Paxton RO: La France de Vichy 1940–1944, Nouvelle Édition. Paris, Édition du Seuil, 1997, S. 76.
  88. Herbert R. Lottman (trad. Béatrice Vierne): Pétain. Éditions du Seuil, Paris 1984, ISBN 2-02-006763-3.
  89. Charles Williams: Pétain. London 2005, ISBN 0-316-86127-8, S. 206.
  90. Time Magazine, März 1973.
  91. Grabstätte von Pétain
  92. Pierre Bourget: Der Marschall. Pétain zwischen Kollaboration und Résistance. Verlag Ullstein, 1966. S. 115
  93. Herbert R. Lottman (trad. Béatrice Vierne): Pétain. Éditions du Seuil, Paris 1984, ISBN 2-02-006763-3, S. 120–122 : « […] Pétain épousait Alphonsine Berthe Eugénie Hardon […] ».
  94. archives.nicematin.com
  95. Pierre Bourget: Der Marschall. Pétain zwischen Kollaboration und Résistance. Verlag Ullstein, 1966. S. 137
VorgängerAmtNachfolger
Joseph Paul-BoncourKriegsminister von Frankreich
9. Februar – 8. November 1934
Louis Maurin
Eirik LabonneFranzösischer Botschafter in Spanien
11. März 1939 – 18. Mai 1940
François Piétri
Paul ReynaudPremierminister von Frankreich
16. Juni – 11. Juli 1940
Pierre Laval
Albert LebrunFranzösischer Staatspräsident
11. Juli 1940 – 20. August 1944
Charles de Gaulle
(provisorisch)