Lakritz

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Süße Lakritze
Formvarianten (u. a. Brezel, Schnecke und Pfeife)

Als Lakritz oder Lakritze wird der Wurzelextrakt des Echten Süßholzes (Glycyrrhiza glabra) bezeichnet. Zudem wird der Begriff für Produkte auf dessen Basis verwendet. Lakritz wird in Teilen Deutschlands und der Schweiz auch als „Bärendreck“ bezeichnet. Es handelt sich dabei vor allem um Süßwaren, die in Form von Süßlakritz und Salzlakritz konsumiert werden. Lakritz kann jedoch auch in zahlreichen anderen Produkten wie Getränken enthalten sein.

Lakritze als Süßigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Herstellung von Lakritz werden die Inhaltsstoffe aus den Wurzeln des Echten Süßholz als Rohlakritz extrahiert und eingedickt. Zusätzlich werden Zuckersirup, Mehl und Gelatine zugesetzt, um daraus die üblichen Lakritzformen herzustellen. Vermischt mit Stärke, Agar, Anis, Fenchelöl, Pektin und teilweise Salmiak werden die üblichen Lakritzvariationen hergestellt. Die schwarze Farbe, die Lakritzsüßigkeiten in der Regel haben, ist künstlich verstärkt.

In den Niederlanden und Skandinavien ist Lakritz (nl. drop, dän. lakrids) sehr verbreitet und wird in den verschiedensten Geschmacksrichtungen und Formen als Süßigkeit angeboten. Hauptsächlich wird zwischen süßem (nl. zoet, dän. sød) und salzigem (nl. zout, dän. salted) unterschieden. Vor allem in Skandinavien wird der Lakritze Salmiak beigemischt, welches sehr intensiv im Geschmack ist. Im süddeutschen Sprachraum, in der Schweiz sowie in Österreich wird die süße Lakritze mundartlich oft auch Bärendreck genannt, weil der Ulmer (später Nürnberger) Süßwarenfabrikant Karl Bär auf viele Lakritzarten teilweise europaweit Patente innehatte. In Österreich ist Lakritze vergleichsweise wenig beliebt und schwieriger erhältlich, richtig salzige Varianten gibt es im allgemeinen Handel so gut wie gar nicht.

Lakritzkonfekt (liquorice allsorts)

Aus Großbritannien stammen die sogenannten liquorice allsorts, bei denen Stücke von Lakritz als Lakritzkonfekt mit verschieden aromatisierten, lakritzefreien Schichten umhüllt oder gefüllt werden; unter verschiedenen Markennamen werden liquorice allsorts international verkauft, in Deutschland wird das Lakritzkonfekt beispielsweise von Haribo als Color-rado vertrieben.

Lakritztaler aus Hartlakritz (links) und Weichlakritz (rechts)

Ein weiterer charakteristischer Bestandteil von Lakritzwaren ist Ammoniumchlorid, auch Salmiak genannt. In Deutschland dürfen Lebensmittel ohne Warnhinweis auf der Verpackung nicht mehr als 2 Prozent Salmiak enthalten. Lakritzwaren mit einem höheren Gehalt an Salmiak müssen einen Warnhinweis auf der Verpackung haben. Dieser lautet:

  1. Erwachsenenlakritz – kein Kinderlakritz bei Gehalten über 2 bis 4,49 %
  2. Extra stark, Erwachsenenlakritz – kein Kinderlakritz bei Gehalten über 4,49 bis 7,99 %

Lakritz kann den Elektrolythaushalt des Körpers beeinflussen, insbesondere den Verlust von Kalium, und zu Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Ödemen führen. Diese Wirkung beruht darauf, dass einer der Hauptinhaltsstoffe der Lakritze (Glycyrrhizin) den Mineralocorticoidstoffwechsel beeinflusst.[1] Derselbe Mechanismus hemmt auch den Abbau von 4-(Methylnitrosamino)-1-(3-pyridyl)-1-butanon (NNK). NNK trägt als wichtiges Karzinogen der Zigarette zum Lungenkrebsrisiko bei.[2] Die Tabakverordnung erlaubt den Zusatz von Lakritz als Aromastoff, der Gehalt in verschiedenen Zigarettenmarken kann auf der Website des BMEL nachgeschlagen werden.[3]

Obwohl derzeit noch keine gesetzlichen Höchstgrenzen für Glycyrrhizin festgelegt worden sind, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung dennoch vor übermäßigem Lakritzgenuss. Lakritzprodukte, die mehr als 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm Lakritze enthalten, müssen in Deutschland als Starklakritz gekennzeichnet sein.

Insbesondere als Süßigkeit für Kinder ist Lakritz seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts in zahlreichen Formen beliebt, so als Schnecken, Rauten oder als Taler. Die Lakritzmünzen der Firma Haribo wurden ab 1925 als Negertaler, umgangssprachlich auch Negergeld, vertrieben; wegen des teilweise als diskriminierend empfundenen Ausdrucks wurden sie 1993 umbenannt.[4]

Lakritz als Getränk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der arabischen Welt, besonders in Ägypten und Syrien, sind Aufgüsse aus Lakritzpulver, kühl getrunken, als Erfrischungsgetränk beliebt. Bekannt sind die Getränke unter ihrem arabischen Namen (arabisch عرقسوس, DMG ʿaraqsūs) wo ʿaraqsūs vor dem Fastenbeginn, zum Suhurmahl getrunken wird. Das Getränk wird vorzugsweise von Straßenhändlern verkauft, die es aus kunstvoll gearbeiteten Kanistern an Passanten ausschenken.[5]

In Finnland ist der sogenannte Salmiakki Koskenkorva oder Salmiakki Kossu weitverbreitet. Es ist ein Mischgetränk auf Basis des Koskenkorva Viina (Kossu), eines wodkaähnlichen finnischen Schnapses. Die tiefschwarze Spirituose hat 32 Volumenprozent Alkohol und schmeckt intensiv nach Lakritze. Sie wird, besonders im norddeutschen Sprachraum, auch als „Vogelsuppe“ bezeichnet. In Holstein wird Lakritz in Korn oder Köm aufgelöst und als „Swarte Sööch“ (niederdeutsch für „Schwarze Sau“) getrunken.

Auch in Island gibt es Wodka-Mischgetränke mit Lakritzgeschmack. Die im Land beliebten Lakritzgummis Opal und Tópas sind beide als pechschwarze, alkoholische Getränke erhältlich und haben einen gewöhnungsbedürftig scharfen und intensiven Geschmack. In Deutschland ist vor allem Lakritzlikör verbreitet.

Verbreitung und Verbrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da das Süßholz aus dem Vorderen Orient herangeschafft werden musste, ist Lakritze vor allem in Küstenregionen bekannt und geschätzt. Stark verbreitet ist sein Genuss z. B. in den Küstenregionen Frankreichs, in Norditalien, in Skandinavien und in England. In Deutschland wurde Süßholz früher in unterschiedlichen Regionen vor allem im Süden angebaut, jedoch ging der Anbau stark zurück und wird heute nur noch von einzelnen Privatleuten und in Bamberg von der Bamberger Süßholz-Gesellschaft betrieben.[6]

Den weltweit höchsten Lakritzeverbrauch haben die Niederländer mit zwei Kilogramm pro Person und Jahr. In Deutschland ist der Verbrauch im Norden deutlich größer als im Süden; hier werden etwa 200 Gramm pro Person und Jahr verbraucht.[7] In Österreich ist der Verbrauch vernachlässigbar.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka. 4. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2002, ISBN 3-8047-1854-X
  • Tim Richardson: Sweets. The History of Temptation. Bantam Books, New York 2004.
  • Klaus-D. Kreische: Lakritz – Die schwarze Leidenschaft.Thorbecke-Verlag 2010, ISBN 978-3-7995-0291-7
  • Klaus-D. Kreische: Lakritz – Traktat einer Reise in die Welt der schwarzen Süßigkeit.Oktober-Verlag 2012, ISBN 978-3-941895-31-7
  • Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band IV, 3. Teil. Seite 1454-1457. 1. Auflage. Carl Hanser-Verlag, München 1924. Nachdruck 1964. (Beschreibung)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Black Licorice: Trick or Treat? US Food & Drug Administration, Consumer Updates, 25.10.2011.
  2. Edmund Maser (2004) Significance of reductases in the detoxification of the tobacco-specific carcinogen NNK In: Trends in Pharmacological Sciences. Band 25: Seiten 235-237. doi:10.1016/j.tips.2004.03.001
  3. Datenbank mit Zusatzstoffen in Tabakprodukten auf den Seiten des BMEL, abgerufen am 19. Juli 2014
  4. Trevor Jones: Harrap's standard German and English dictionary. Teil 1, Band L-R, S. N 26 s. v. Negergeld. – Manfred Paeffgen: Das Bild Schwarz-Afrikas in der öffentlichen Meinung der Bundesrepublik Deutschland (1949–1972). München 1976, ISBN 3-8039-0130-8, S. 98. – Bettina Grosse de Cosnac: Ein Bär geht um die Welt. Haribo – Vom Bonbonkocher zum König der Gummibärchen. Eine deutsche Familiensaga. Hamburg 2003, ISBN 3-203-77521-2, S. 151. – Schwarze Kunst. In: Der Spiegel, 10. Februar 1965, online
  5. Amany Abdel-Moneim: Keeping cool in Ramadan. Al-Ahram Weekly, 3–9. September 2003, abgerufen am 7. August 2014.
  6. Die Geschichte des Bamberger Süßholzanbaus. Auszug aus der Festschrift zum 125-jährigen Vereinsjubiläum des Oberen Gärtnervereins Bamberg. Dr. Dr. habil. Gerhard Handschuh, Bamberg 1988
  7. a b Michael Witt: Naschkatzen, Süßholzraspler, in Die Rheinpfalz am Sonntag, 12. August 2007, S. 19

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lakritzwaren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Lakritze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen