Laverda

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Die Pflanzenmarke LaVerda siehe Landgard, der Landtechnikhersteller Laverda S.p.A.
Moto Laverda
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Rechtsform Società per Azioni
Gründung 13. Oktober 1949
Auflösung 31. März 1987
Auflösungsgrund Insolvenz
Sitz Breganze, Italien
Leitung Francesco und Massimo Laverda
Website www.laverda.it

Moto Laverda war ein italienischer Motorradhersteller. Das 1949 gegründete Unternehmen ging 1987 in die Insolvenz. 1993 als International Moto Laverda S.p.A. neu gegründet, wurde Laverda 2004 vom Piaggio-Konzern übernommen und ist seitdem nur noch als Marke existent.

Laverda 75 (1953)
Laverda 750 S (1970)
Laverda 1000 (1976)
Laverda RGA Jota (1981)
Laverda Ghost Strike (1998)

Am 1. Januar 2014 waren in Deutschland 1724 Laverda-Krafträder zugelassen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Francesco Laverda, der Enkel des Landmaschinenherstellers Pietro Laverda, gründete 1949 in Breganze die Moto Laverda S.p.A. und startete die Produktion von Fahrzeugen mit dem Motorrad Laverda 75. Später kamen hubraumstärke Modelle hinzu, so 1953 der Typ Laverda 100, ein Mini-Scooter mit 50 cm³ Motor, sowie ein Viertaktmodell mit 200 cm³, das in die USA exportiert wurde.

Laverda 750 (1968–1977)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Massimo Laverda († 26. Oktober 2005), Sohn des Gründers, brachte 1968 die Laverda 650 heraus, deren Hubraum wenig später auf 750 cm³ erhöht wurde. Es waren Zweizylindermaschinen, deren Besonderheit der unten offene Rahmen und der mittragende Motor war. Die Typenbezeichnungen lauteten

  • 750 (1968–1969),
  • 750 GT (1970–1972),
  • 750 SFC (1971–1976),
  • 750 SF1, 750 SF2, 750 SF3 (1971–1977) und
  • 750 GTL (1975–1976).

Anfang 1977 endete die Produktion der 750er-Modelle.

Laverda 1000, 1200 (1973–1987)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1970 begann die Entwicklung einer Maschine mit Dreizylindermotor und 1000 cm³ Hubraum. Die ersten Prototypen entstanden durch Anbau eines weiteren Zylinders an den Zweizylindermotor; der Rahmen war, im Gegensatz zur 750er, ein geschlossener Doppelschleifenrahmen. In Serie ging der Dreizylindermotor (mit 180° Hubzapfenversatz des mittleren Kolbens, die äußeren laufen parallel) in einer modernisierten Form mit zwei obenliegenden Nockenwellen (DOHC) und Tassenstößeln. Die ersten fünfzig Maschinen (1973) hatten Speichenräder mit Trommelbremsen, eine Drei-in-Eins-Auspuffanlage und der Tank war aus Kunststoff; ab Beginn der Serienfertigung Ende 1973 war der Tank aus Blech und die Auspuffanlage eine Drei-in-Zwei-Ausführung, die Modellbezeichnung lautete Laverda 1000.

Ende 1974 (Modelljahr 1975) kam die Laverda 1000 3C heraus (Leistung lt. Kfz-Brief: 78 DIN-PS bei 7.750 min−1; Angabe im Handbuch: 80 PS bei 7.250 min−1). Die Maschine mit 980 cm³ Hubraum hat ein Fünfganggetriebe, doppelte Scheibenbremsen (Ø 280 mm) vorn und eine hintere Trommelbremse (Ø 230 mm). Bei einem im April 1975 durchgeführten Test der Zeitschrift „Das Motorrad“ (Heft 8/75) ergab sich eine Geschwindigkeit von 209,4 km/h (solo langliegend) und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,7 s. Die Maschine wurde Anfang 1975 in Deutschland für 9.000 DM inklusive 11 % Mehrwertsteuer angeboten, was heute ca. 17.400 Euro entspricht.[2]

Ab Ende 1976 gab es die 1000 3CL, nun mit Alugußrädern, einer Bremsscheibe hinten (Ø 280 mm) und einem „Heckbürzel“; 1977 wurde die 1200 T zur Seite gestellt; Unterschied zur 1000er waren größere Zylinderbohrung sowie schräger gestellte hintere Federbeine. Die Jota sowie 1200 TS waren in der Ausstattung (zum Beispiel Verkleidung, Armaturen, Seitenteile, leicht erhöhte Leistung) veränderte 1000er bzw. 1200er. Die ab 1983 angebotenen 120°- 1000 RGS-Modelle hatten einen völlig anderen Doppelrohrrahmen mit elastisch aufgehängten Motoren; die 1000 SFC ist eine leicht modifizierte „RGS“ und war 1987 das letzte in Breganze produzierte Motorrad.

Laverda 500 (1976–1984)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1976 erschien die Laverda 500 auf dem deutschen Markt, ein leichtes und leistungsstarkes Motorrad mit Halblitermotor (Bohrung/Hub: 72 × 61 mm), der 44 PS (32 kW) leistete und das Laverda-Programm erweitern sollte. Eine auf 350 cm³ Hubraum verkleinerte kleinere Versionen wurde speziell für den italienischen Markt entwickelt. Aus der Halblitermaschine entstand die Rennversion Laverda 500 SFC (1981–1983).

Laverda LZ (1977–1986)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laverda baute mit der LZ-Reihe auch leichte Maschinen mit Zweitaktmotoren von 50, 125 und 175 cm³ Hubraum. Diese Zweitakt-Modelle wurden fast ausschließlich für den italienischen Markt produziert. Auch Geländemotorräder mit 125 cm³ und die Laverda OR 600 Atlas mit Zweizylinder-Viertaktmotor und 572 cm³ Hubraum standen auf der Verkaufsliste.

Zwei Insolvenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Absatz- und Finanzkrise folgte in den 1980er Jahren, Laverda taumelte von einer Krise zur nächsten. Sie war insbesondere auf eine nicht marktgerechte Produktdiversifikation zurückzuführen. Am 31. März 1987 wurde Insolvenz angemeldet. Die Marke Moto Laverda wurde 1993 als International Moto Laverda unter Francesco Tognon neu gegründet und neue Produkte mit 650er Motoren vorgestellt. 1998 wurde Laverda wieder insolvent, die Rechte gingen an einen Investor über, dann 2000 an Aprilia, der wiederum am 30. Dezember 2004 von der Piaggio-Gruppe übernommen wurde.

Produktionsaufnahme (1995–2000)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1995 wurde die Produktion mit den Modellen 650, 650 Sport, 668 Sport, 668 Ghost und 668 Ghost Legend in Zanè aufgenommen, die aus dem alten 500er Modell entwickelt wurden. Die Ghost-Modelle gab es mit Aluprofil- oder Stahl-Rohrrahmen. Der Motor leistete 64 PS (47 kW) bei 8.000 min−1 und hatte ein maximales Drehmoment von 60 Nm bei 7.000 min−1.

1997 wurde der Hubraum auf 750 cm³ erweitert und auf Wasserkühlung umgestellt. Die Typenbezeichnungen waren 750 S, 750 S Carenata in Italien, 750 Strike, 750 Ghost Strike, 750 Ghost Strike, 750 Diamante mit Rohrrahmen, 750 S Formula, 750 Super Sport und 750 T 8. Die erste Motorversion der 750 S und der 750 S Formula von 1998 leistete 92 PS (67,6 kW) bei 9.000 min−1 und hatte ein maximales Drehmoment von 75 Nm bei 6.500 min−1. Die 750 S für Italien, mit 747 cm³ und Halbverkleidung, leistete nur 82 PS (60 kW) bei 9.000 min−1 und hatte ein maximales Drehmoment von 74 Nm bei 7.000 min−1. Die anderen Modelle von 1998 bis 2000 leisteten 85 PS (62,5 kW) bei 9.200 min−1 und hatten ein Drehmoment von 75 Nm bei 7.200 min−1.

1999 wurden noch die Modelle 750 S Formula mit 95 PS, die 750 Super Sport, 750 Strike, 750 Black Strike, jeweils mit 92 PS und die „750 Sport“ mit 82 PS bei 8.250 min−1 präsentiert. Die Maschinen waren unausgereift und gelten als sehr störanfällig. Die Produktion wurde 2000 eingestellt.

Unter Verwendung des Namens Laverda wurde ein Modell auf Basis der Aprilia Mille 1000 V2 mit speziellem Rahmen und Anbauteilen entwickelt. Ein Prototyp wurde realisiert. Auf der Motor Show in Bologna wurde 2002 die Laverda 1000 SFC genannte Entwicklung präsentiert. Das Projekt wurde eingestellt.

Rennsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laverda war im Rennsport, insbesondere bei Langstreckenrennen sehr engagiert und entwickelte dafür spezielle Modelle, so die 750 SFC, 500 SFC und die Laverda V6.

Rennsiege (Strecke (Land) - Platzierung - Fahrer):

1971 (alle auf 750 SFC):

  • Zeltweg (A) - Platz 1 - Brettoni
  • Zeltweg (A) - Platz 2 - Cretti
  • Oss (NL) - Platz 1 - Angiolini/Hutten
  • Barcelona (E) - Platz 1 - Brettoni/Angiolini
  • Vallelunga (I) - Platz 1 - Bertorello/Loigo
  • Bol d'Or (F) - Platz 2 - Brettoni/Cretti
  • Modena (I) - Platz 1 - Angiolini
  • Modena (I) - Platz 2 - Brettoni

1972 (alle auf 750 SFC):

  • Monza (I) - Platz 1 - Gallina/Pescucci
  • Vallelunga (I) - Platz 1 - Gallina/Pescucci
  • Barcelona (E) - Platz 2 - Gallina/Schreyer
  • Zolder (B) - Platz 3 - Cash/Wittich
  • Modena (I) - Platz 1 - Gallina/Pescucci
  • Modena (I) - Platz 2 - Bertorello/Loigi
  • Modena (I) - Platz 4 - Cereghini/Falletta

1973 (alle auf 750 SFC):

  • Imola/1 (I) - Platz 3 - Brettoni/Loigo
  • Imola/2 (I) - Platz 2 - Gallina/Nicola
  • Zandvoort (NL) - Platz 1 - Van der Wal/Strijbos

1974 (alle auf 1000 3C):

  • Barcelona (E) - Platz 6 - Lucchinelli/Fougeray
  • Mugello (I) - Platz 3 - Brettoni/Cereghini
  • Spa (B) - Platz 2 - Gallina/Cereghini
  • Spa (B) - Platz 3 - Lucchinelli/Fougeray

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean-Louis Olive: Laverda: die komplette Historie von 1949 bis 1989. Übersetzt von Wolf Töns. Heel, Königswinter 2007, ISBN 978-3-89880-834-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Laverda Motorräder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kba.de FZ 17 (abgerufen am 28. April 2015)
  2. Die Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, auf 100 EUR gerundet und gilt für den zurückliegenden Januar.