Lederer Ragnarsdóttir Oei

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Lederer Ragnarsdóttir Oei
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1979
Sitz Stuttgart, Deutschland
Leitung Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir, Marc Oei
Mitarbeiter ca. 45
Website www.archlro.de

Lederer Ragnarsdóttir Oei ist ein deutsches Architekturbüro mit Sitz in Stuttgart.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Büro wurde 1979 von Arno Lederer gegründet. Seit 1985 besteht die Büropartnerschaft mit Jórunn Ragnarsdóttir; 1992 kam Marc Oei als dritter Partner hinzu. Das Büro beschäftigt rund 45 Mitarbeiter (2015). Seit 1. Januar 2012: LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei GmbH & Co.KG. Geschäftsführer: Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir, Marc Oei und Katja Pütter.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtige Bezugspunkte für die Arbeiten des Büros Lederer Ragnarsdóttir Oei sind – neben Le Corbusier und Louis I. Kahn – vor allem skandinavische Architekten wie Alvar Aalto, Sigurd Lewerentz, Klas Anshelm und Peter Celsing. Sowohl die hier zu entdeckende haptische Materialität als auch die körperhaft umschlossenen Räume, deren Wirkung durch eine gezielte Lichtführung unterstützt wird, stehen der architektonischen Haltung des Büros sehr nahe.

Die frühen Projekte wie die Wohn- und Geschäftshäuser, die Bibliothek und das Bankgebäude in der Stadtmitte Fellbach (1987) lassen mit ihrer kubischen Ästhetik und der Favorisierung des weißen Putzes zunächst noch eine Nähe zur Architektur der Klassischen Moderne erkennen. Auch das Haus Baur in Stuttgart (1992) folgt noch recht stark dem Formenkanon der Moderne. Demgegenüber entstehen in dieser Zeit jedoch auch erste Bauten, die sich durch ihre Kubatur, ihre Farb- oder Materialwahl spürbar davon entfernen. Beispielhaft hierfür stehen das in kräftigem Blau verputzte, von einem flach geneigten Satteldach umschlossene Wohnhaus Zeller in Stuttgart (1988) oder auch der sanft geschwungene Kindergarten „Rübenloch“ in der Altstadt von Tübingen (1989), der durch seine weiß-gelb-blaue Fassade und das hohe Satteldach eine merklich andere Prägung erfährt. Entscheidend für das weitere Vokabular des Büros ist das 1991 realisierte Finanzamt in Reutlingen: Bereits hier wird die anthrazitfarbene, nur an gezielten Stellen geöffnete Klinkerfassade mit weißen Lagerfugen zu einem wichtigen Gestaltungselement. Die Körperhaftigkeit und räumliche Umschlossenheit werden insbesondere in der neuen Eingangshalle des Finanzamts spürbar. In derselben Haltung und Materialität entsteht 1997 die Hauptverwaltung der EnBW (Energie Baden-Württemberg) im Stadtzentrum von Stuttgart. Auch hier betonen die unterschiedlich gefärbten Stoß- und Lagerfugen des anthrazitfarbenen Klinkers die Horizontalität und Schwere des Gebäudes.

Beim Salem International College in Überlingen am Bodensee (2000) sowie bei der Schule mit Sporthalle in Ostfildern (2002) besteht die Fassade erstmals aus grob vermörteltem Ziegelmauerwerk. Dieser Eindruck des Neuen und gleichzeitig Vertrauten, der sich direkt von den skandinavischen Vorbildern ableitet, wird zu einem prägenden Element dieser Schulbauten.

Ein Schlüsselwerk war die Grundinstandsetzung des Hessischen Staatstheaters in Darmstadt (2006), bei der aus einem im Geiste der autogerechten Stadt konzipierten „Drive-in-Theater“ aus den frühen 1970er Jahren ein zur Stadt offenes Theater mit einem neuen, organisch geformten Eingangsbauwerk entsteht.

Die 2009 eingeweihte Erweiterung des Marianum Klosters in Hegne am Bodensee führt die Reihe der grob vermörtelten Ziegelbauten fort. Beim Bildungszentrum Bestehornpark in Aschersleben aus 2010 besteht die Fassade des Neubaus erstmals aus geschlämmtem Mauerwerk.

Werkliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen:

  • LRO-Webseite: Ausführliche Beschreibung, Literaturangaben und Fotos zu den Bauten von LRO ab 1997.[1]
  • #Lederer 2013.2: Werkliste mit sämtlichen Werken von LRO von 1976 bis 2011.
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Bild Jahr Kategorie Bauwerk Adresse
1991 Behörden Finanzamt in Reutlingen Reutlingen, Leonhardsplatz 1 Welt-Icon
1997 Bürogebäude Ehemalige Hauptverwaltung der EnBW Stuttgart, seit 2009 Sitz der EnBW Netze BW. – Die Gebäudehälfte an der Kriegsbergstraße wurde in den siebziger Jahren von dem Büro Kammerer + Belz gebaut, die Gebäudehälfte an der Jägerstraße (Abbildung) von LRO. Stuttgart, Kriegsbergstraße 32 Welt-Icon
1999 Bildung Tagungszentrum der Katholischen Akademie Stuttgart-Hohenheim. Stuttgart, Paracelsusstraße 91-93 Welt-Icon
2000 Bildung Salem International College mit Internat in Überlingen am Bodensee. Überlingen, Kurt-Hahn-Straße, Nördlich Härlen
2001 Kirchliche Bauten Franz-Josef-Fischer-Haus, Gemeindezentrum der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius in Stuttgart-Zuffenhausen mit Gemeindehaus und Seniorenwohnungen. Stuttgart, Besigheimer Straße 19 Welt-Icon
2002 Bildung Schule im Park, Grund- und Werkrealschule in Ostfildern-Scharnhauser Park. Ostfildern, Gerhard-Koch-Straße 6 Welt-Icon
2002 Wohnhaus Haus Gunter in Stuttgart, Wohnhaus von Arno Lederer und Jórunn Ragnarsdóttir. Stuttgart, Gunterstraße 5A/5B Welt-Icon
2003 Bildung Gustav-von-Schmoller-Schule in Heilbronn.
1-3. Neubau
4. Altbau und Pavillon von 1957
Heilbronn, Frankfurter Straße 63 Welt-Icon
2004 Bürogebäude Sanierung und Neubau der Helvetia Versicherungen in Frankfurt am Main. Frankfurt am Main, Berliner Straße 56-58 Welt-Icon
2006 Theater Sanierung und Erweiterung des Hessischen Staatstheaters in Darmstadt. Darmstadt, Georg-Büchner-Platz 1 Welt-Icon
2006 Büro- und Geschäftshaus Weißes Haus. Umbau des ehemaligen Lerche-Hauses von Max Bächer von 1974. Stuttgart, Königstraße 43B Welt-Icon
2007 Verwaltung Rathaus in Eppingen. Eppingen, Marktplatz 1 Welt-Icon
2007 Kirchliche Bauten Heinrich-Fries-Haus, Haus der katholischen Kirche in Heilbronn. Heilbronn, Bahnhofstraße 13 Welt-Icon
2007 Büro- und Geschäftshaus Empfangs- und Ausstellungsgebäude feco-Forum in Karlsruhe. Karlsruhe, Am Storrenacker 24 Welt-Icon
2008 Bildung Duale Hochschule Baden-Württemberg Lörrach (DHBW). Lörrach, Hangstraße 46-50 Welt-Icon
2009 Bildung Kloster Hegne Marianum in Allensbach. Allensbach-Hegne, Konradistraße 12 Welt-Icon
2009 Kirchliche Bauten Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Uhlbach. Stuttgart, Passeier Straße 7 Welt-Icon
2010 Platz Georg-Büchner-Anlage beim Hessischen Staatstheater Darmstadt. Darmstadt, Georg-Büchner-Platz Welt-Icon
2010 Bildung Bildungszentrum Bestehornpark in Aschersleben. Aschersleben, Heinrichstraße
2011 Behörden Temporärer Amtssitz des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe-Waldstadt. Karlsruhe, Rintheimer Querallee 11 Welt-Icon
2011 Büro- und Geschäftshaus Büro- und Geschäftshaus Kaiserkarree in Karlsruhe. Karlsruhe, Kaiserstraße 74 Welt-Icon
2011 Verwaltung Rathaus in Brackenheim.
1. Westfassade
2. Zwischenbau
3. Ostfassade
4. Altes Rathaus
Brackenheim, Marktplatz 1 Welt-Icon
2012 Wohngebäude Gästehaus des Haupt- und Landgestüts Marbach in Gomadingen. Gomadingen, Gestütshof 1 Welt-Icon
2013 Museum Kunstmuseum Ravensburg. Ravensburg, Burgstraße 9 Welt-Icon
2013 Museum Museum – Information – Kunst Ludwigsburg. Ludwigsburg, Eberhardstraße 1 Welt-Icon
2013 Bildung Waldorfkindergarten Esslingen am Neckar. Esslingen, Weilstraße 94 Welt-Icon
2013 Kirchliche Bauten Sanierung und Erweiterung des Bischöflichen Ordinariats Rottenburg am Neckar. Rottenburg am Neckar, Eugen-Bolz-Platz 1 Welt-Icon
2014 Bildung Bildungszentrum Hospitalhof der Evangelischen Kirche in Stuttgart.
1. Ansicht von Westen
2. Ansicht von Norden
3. Lichtaugen
4. Blick in den Innenhof
Stuttgart, Büchsenstraße 33 Welt-Icon

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2000: Hugo-Häring-Preis des BDA für die Hauptverwaltung der EVS (EnBW) in Stuttgart
  • 2001: Auszeichnung zum Deutschen Architekturpreis für die Schule mit Sporthalle in Ostfildern
  • 2003: Hugo-Häring-Preis des BDA für die Schule mit Sporthalle in Ostfildern
  • 2005: Auszeichnung guter Bauten des BDA für die Gustav-von-Schmoller Schule in Heilbronn
  • 2005: Auszeichnung vorbildlicher Bauten im Land Hessen, Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, für die Helvetia Direktion Deutschland in Frankfurt a.M
  • 2006: Nominierung für den Mies van der Rohe Award for European Architecture, Fundació Mies van der Rohe in Barcelona, für das Hessische Staatstheater in Darmstadt
  • 2008: Auszeichnung Guter Architektur in Hessen BDA; Joseph-Maria-Olbrich-Plakette für das Hessische Staatstheater in Darmstadt
  • 2008: Auszeichnung guter Bauten des BDA für das Büro- und Geschäftshaus „Das Weiße Haus“ in Stuttgart
  • 2008: Architekturpreis „Farbe – Struktur – Oberfläche“ für das Hessische Staatstheater in Darmstadt
  • 2009: Hugo-Häring-Preis des BDA für das feco-Forum in Karlsruhe
  • 2010: Nominierung für den Architekturpreis Große Nike des BDA für das Hessische Staatstheater in Darmstadt und das feco-Forum in Karlsruhe
  • 2011: Auszeichnung vorbildlicher Bauten im Land Hessen, Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, für die Georg-Büchner-Anlage vor dem Hessischen Staatstheater in Darmstadt
  • 2011: Hugo-Häring-Auszeichnung (erste Stufe) des BDA für das Kloster Hegne Marianum in Allensbach am Bodensee, den temporären Amtssitz des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe sowie die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach
  • 2012: Auszeichnung "Gestaltungspreis der Wüstenrot-Stiftung – Zukunft der Vergangenheit" für den temporären Amtssitz des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe
  • 2012: Hugo-Häring-Preis des BDA für das Kloster Hegne Marianum in Allensbach am Bodensee
  • 2012: Belobigung beim Deutschen Städtebaupreis für die Georg-Büchner-Anlage am Hessischen Staatstheater in Darmstadt
  • 2012: Auszeichnung "Beispielhaftes Bauen" der Architektenkammer Baden-Württemberg für den temporären Amtssitz des Bundesverfassungsgerichts und das feco-Forum in Karlsruhe
  • 2013: Deutscher Architekturpreis für das Kunstmuseum Ravensburg[2]
  • 2013: Auszeichnung Europäischer Architekturpreis Energie + Architektur 2012 für das Kunstmuseum Ravensburg
  • 2013: Beispielhaftes Bauen im Landkreis Ludwigsburg 2006–2013 der Architektenkammer Baden-Württemberg für das MIK Ludwigsburg
  • 2013: Auszeichnung Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2013 für das Kunstmuseum Ravensburg
  • 2014: DAM Preis für Architektur in Deutschland 2014 für das Kunstmuseum Ravensburg
  • 2014: Wienerberger Brick Award 2014 für das Kunstmuseum Ravensburg
  • 2014: Passive House Award 2014 – Kategorie „Sonderbauten“ des Passivhaus-Instituts Darmstadt für das Kunstmuseum Ravensburg
  • 2014: Hugo-Häring-Auszeichnungen 2014 des BDA für das Rathaus Brackenheim | Haus Reisch Bad Saulgau | Kunstmuseum Ravensburg | Neubau Hospitalhof Stuttgart | Gästehaus Landgestüt Marbach | Bischöfliches Ordinariat Rottenburg
  • 2014: Winner Silver Fritz-Höger-Preis 2014 für das Bischöfliche Ordinariat Rottenburg
  • 2014: Gestaltungspreis der Wüstenrot Stiftung 2014 für den Neubau Hospitalhof Stuttgart
  • 2015: Finalist beim Mies van der Rohe European Union Prize for Contemporary Architecture 2015 mit dem Kunstmuseum Ravensburg
  • 2015: Hugo-Häring-Landespreis 2015 des BDA für den Neubau Hospitalhof Stuttgart und das Bischöfliche Ordinariat Rottenburg
  • 2015: Auszeichnung "Beispielhaftes Bauen Landkreis und Stadt Heilbronn 2010-2015" der Architektenkammer Baden-Württemberg für das Rathaus Brackenheim
  • 2015: Auszeichnung "Beispielhaftes Bauen Stuttgart 2011-2015" der Architektenkammer Baden-Württemberg für den Hospitalhof Stuttgart
  • 2016: Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg, Kategorie: Bauen für die Gemeinschaft, Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg (MVI) für den Hospitalhof Stuttgart

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verzeichnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Lederer: Publikationen – Beiträge und Essays. Stuttgart 2013, online: (Publikationsliste 1990–2013).
  • Arno Lederer: Werkverzeichnis. Stuttgart 2013, online: (Werkverzeichnis 1976–2014).

Einzelne Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir: Wohnen heute = Housing today. [Übers. ins Englische: Peter Green]. Krämer, Stuttgart und Zürich 1992, 147 S., ISBN 3-7828-0616-6.
  • Arno Lederer: Über das Bauen mit Ziegeln. In: a+u Architecture and Urbanism Oktober 2001, online:.
  • Arno Lederer, Bettina Hintze: Die besten Einfamilienhäuser unter 150 m². Deutschland – Österreich – Schweiz. Callwey, München 2004, 158 S., ISBN 3-7667-1598-4 (Häuser-Award … ; 2004).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Falk Jaeger (Hrsg.): Lederer+Ragnarsdóttir+Oei. Jovis, Berlin 2008, 144 S., ISBN 978-3-939633-56-3.
  • Wolfgang Bachmann (Hrsg.), Haila Ochs (Texte): Lederer Ragnarsdóttir Oei. Callwey, München 1995, 160 S., ISBN 3-7667-1160-1.
  • Amber Sayah: Vertrautheit des Neuen. Zu den jüngeren Bauten von Lederer, Ragnarsdóttir und Oei. In: Stuttgarter Zeitung vom 31. Mai 2001.
  • Lederer + Ragnarsdóttir + Oei 1. Jovis, Berlin 2012, ISBN 978-3-86859-199-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lederer Ragnarsdóttir Oei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe: [1].
  2. http://www.bbr.bund.de/nn_21264/DE/WettbewerbeAusschreibungen/DeutscherArchitekturpreis/Architekturpreis__node.html?__nnn=true