Lehr- und Ausbildungsgruppe für das Fernspähwesen der Bundeswehr

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Die Lehr- und Ausbildungsgruppe für das Fernspähwesen der Bundeswehr (LAFBw) war eine Legende für die paramilitärische Spezialeinheit 404/III des Bundesnachrichtendienstes (BND) und existierte formal von 1964 bis 1979. Sie war im Kontext des Kalten Kriegs offenbar ausschließlich für den Einsatz als Stay-behind-Organisation vorgesehen. Vorbild war die britische Special Operations Executive.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einheit wurde am 23. Dezember 1964 gegründet und als Fernspäher-Gruppe der Bundeswehr legendiert. Im Verteidigungsfall bestand ihre Aufgabe in der Organisation von Widerstandsgruppen hinter den feindlichen Linien zur Partisanen- bzw. Guerillakriegführung, die Schleusung von Agenten und Material auf dem Land-, Luft- und Seeweg, Observationen, Schulungen, die Ausbildung von BND-Mitgliedern zur Führung von Kommandotrupps und Spezialeinheiten. Bundeswehrintern erhielt die Gruppe offenbar die Bezeichnung Clandestine Action Group. Die Ausbildung fand bis 1968 in einer Bundeswehreinrichtung in Heufeld bei Bad Aibling statt, anschließend in München. Im Verteidigungsfall unterlagen die Angehörigen der Gruppe aufgrund des Modus Operandi nicht der Haager Landkriegsordnung. Die Mitglieder von 404/III rekrutierten sich, soweit bekannt, aus Angehörigen der drei Teilstreitkräfte der Bundeswehr Heer, Luftwaffe und Marine.

Die Ausbildung erfolgte in Zusammenarbeit mit Einheiten der Bundeswehr wie den Fallschirmjägern und der 10th Special Forces Group der United States Army in Bad Tölz; letztere hatte schon vorher die Zusammenarbeit mit westdeutschen Stay-behind-Gruppen geübt. Zum Ausbildungsprogramm gehörte offenbar auch die Absolvierung von Einzelkämpferlehrgängen zusammen mit Angehörigen der Bundeswehr, des Bundesgrenzschutzes und der amerikanischen Special Forces, sowie eine Pionierausbildung für Sprengmittel und eine nachrichtendienstliche Schulung in einer BND-Schule in München. Bei den Übungen griffen die Mitglieder der Gruppe auch auf Depots der bereits um 1950 angelegten Verstecke zurück.

Mitte der 1970er Jahre kam es zwischen dem Bundesministerium für Verteidigung und dem BND offenbar zu Differenzen über die gemeinsame Zusammenarbeit, vor allem wegen des fehlenden Kombattantenstatus der Gruppe. Schließlich wurde die formelle Zusammenarbeit eingestellt und die Gruppe offiziell im Oktober 1979 aufgelöst; informell sollen Kontakte vor allem zur Materialbeschaffung noch bis 1986 bestanden haben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Stoll: Der Mann, der Dieter Gerlach wurde. Bonusmaterial Kapitel 8: Reinhard Gehlens Schattentruppe – die Stay-Behind-Organisation des BND 1956 bis 1968, in: Erich Schmidt-Eenboom/Ulrich Stoll: Partisanen der NATO. Stay-Behind Organisationen in Deutschland 1946-1991, Berlin (Chr. Links Verlag) 2015