Leipziger Straße (Frankfurt am Main)

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Leipziger Straße
Wappen
Straße in Frankfurt am Main
Leipziger Straße
U-Bahn Ecke Markgrafenstraße
Basisdaten
Ort Frankfurt am Main
Ortsteil Bockenheim
Anschluss­straßen Adalbertstraße (Südosten)
Friesengasse, Grempstraße (Nordwesten)
Querstraßen Landgrafenstraße, Kurfürstenstraße, Markgrafenstraße, Am Weingarten
Bauwerke Ladengalerie Bockenheim, leerstehendes Kaufhof-Warenhaus, Geschäftsstelle der VHS Frankfurt, Exzess-Halle und Theater „Die Dramatische Bühne“
Technische Daten
Straßenlänge 780 m[1]

Die Leipziger Straße ist eine zentrale Geschäfts- und Wohnstraße im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. Durch die 1895 erfolgte Eingemeindung Bockenheims wurde eine Umbenennung der zuvor Frankfurter Straße genannten Straße zwingend. Historisch wurden die Hausnummern vom Stadtzentrum der vormals selbständigen kurhessischen Stadt Bockenheim bis zum damaligen Stadtrand an der Bockenheimer Warte hochgezählt, wie heute noch in der Parallelstraße Große Seestraße der Fall. Seit der Eingemeindung wurden die Hausnummern aufsteigend vom Frankfurter Stadtzentrum ausgehend vergeben.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leipziger Straße verläuft in einer leichten Krümmung von der Adalbertstraße in Höhe der Bockenheimer Warte in nordwestlicher Richtung in den Stadtteil hinein. Diese Krümmung hat eine historische Ursache:[2] Der Baugrund in Richtung der südwestlich der Leipziger Straße gelegenen Großen Seestraße ist von starken Wasseradern durchzogen und nicht so basalthaltig wie in Richtung der nordöstlich davon gelegenen Sophienstraße. Daher hatte unter anderem die Firma Siesmayer das Gelände des Kurfürstenplatzes, ein ehemaliges Sumpfgebiet, vor dessen parkähnlicher Gestaltung trockenlegen müssen. Die Einmündung der Basaltstraße in die Leipziger Straße trennte vormals das nordwestlich gelegene Alt-Bockenheim vom südöstlichen Neu-Bockenheim. Dort, kurz vor dem Hülya-Platz endet die Leipziger Straße und teilt sich in die Friesengasse und die Grempstraße, vormals Kirchgasse.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leipziger Straße liegt in einer Tempo-30-Zone. Der geringe Straßenquerschnitt erlaubt nur einspuriges Fahren; so ist sie in voller Länge als Einbahnstraße stadtauswärts ausgewiesen. Sie war eine der ersten Einbahnstraßen in Deutschland, in der in einem Versuchsprojekt das Radfahren gegen die Hauptfahrtrichtung erlaubt wurde.

Das Kraftverkehrsaufkommen besteht fast ausschließlich aus Pkw und kleinen bis mittleren Transportern zur Anlieferung. Trotz der geringen Fahrbahnbreite ist das Verkehrsaufkommen durch Kraftfahrzeuge und Fahrräder des Anlieger- und Einkaufsverkehrs hoch. Anlieger der Seitenstraßen nutzen die Leipziger Straße als Durchgangsstraße.

Unter der Leipziger Straße verläuft die C-Strecke der Frankfurter Stadtbahn mit den Linien U6 und U7 zwischen der Bockenheimer Warte und dem Industriehof. In Höhe der Kurfürstenstraße befindet sich die U-Bahn-Station Leipziger Straße.

Bis Mai 1965 führte von der Bockenheimer Warte kommend eine Linie der Straßenbahn Frankfurt am Main über die Leipziger Straße und bog am Kirchplatz links Richtung Schönhof ab. Nach Stilllegung des Linienbetriebes war die Strecke noch einige Jahre als Betriebsstrecke befahrbar, bevor Gleise und Fahrleitung entfernt wurden.[3] Noch heute zeugen einige Oberleitungsrosetten an Altbauten entlang der Leipziger Straße vom früheren Straßenbahnbetrieb.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bild der Leipziger Straße wird im Erdgeschoss der Bebauung durchgängig von kleinen und mittleren Fachgeschäften aller Branchen geprägt. Hinzu kommen Handwerksbetriebe, Dienstleister, Gaststätten sowie viele Lebensmittelgeschäfte und Gemüsestände. Im nordwestlichen Teil befindet sich ein Warenhaus der Woolworth-Kette. In vielen Hinterhöfen und auch in den Seitenstraßen sind weitere Geschäfte und Betriebe angesiedelt. Im östlichen Bereich zwischen der Adalbertstraße und der Leipziger Straße befindet sich ein kleines Einkaufszentrum, die Ladengalerie Bockenheim.

Der wirtschaftliche Strukturwandel der 1990er-Jahre im Einzelhandel ist auch an der Leipziger Straße nicht vorbeigegangen. Ein deutliches Zeichen dafür ist das Kaufhof-Warenhaus, das im Juni 2000 geschlossen wurde.[4] Der geplante Umbau in ein Boutiquencenter wurde im Februar 2007 wegen fehlender Baugenehmigung und Baumängeln gestoppt.[5] Im Mai 2014 eröffnete der Online-Versandhändler Zalando an dieser Stelle einen Outlet-Store.[6]

Eine Reihe von Fachgeschäften ist verschwunden, und in den Läden finden sich heute nicht selten schnell wechselnde Anbieter von Billigware, Telefonläden und Internetcafés. Jedoch ist diese Veränderung nicht so gravierend wie im Frankfurter Westen, wo insbesondere in der Königsteiner Straße in Höchst ein tiefgreifender Wandel stattgefunden hat.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ExZess

In der Exzess-Halle in der Leipziger Straße 91 befindet sich seit 1993 das Theater Die Dramatische Bühne, das vor allem Shakespeare, Goethe und Molière aufführt. Seit 1999 veranstaltet das Theater im Sommer Freilichtaufführungen im Grüneburgpark.

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leipziger Straße ist uneinheitlich bebaut. Es finden sich einige Baudenkmäler, wie z. B. das Delkeskampsches Haus am Anfang, eine Reihe von Bauten der Gründerzeit und des Jugendstils, sowie des Klassizismus. Es haben nur wenige Bauten den Zweiten Weltkrieg überstanden. Die Baulücken wurden in der Nachkriegszeit und den 1970er- und 1980er-Jahren mit Zweckbauten gefüllt. Augenfällig ist das Gebäude des ehemaligen Kaufhofs gegenüber der Straße Am Weingarten an der Ecke Rohmerstraße, wo sich die Leipziger Straße platzartig erweitert.

Die Erdgeschosse der Bauten sind durchgängig mit Gewerberäumen belegt. In den oberen Stockwerken finden sich Wohnungen, Praxisräume und gelegentlich kleine Dienstleistungsbetriebe.

Filiale Kaufhaus Woolworth-Bockenheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Woolworth-Filiale Bockenheim

Im Jahr 1812 errichtete Adolf Keller an diesem Ort ein imposantes Bürgerhaus. Er war unter anderem ein Unterstützer der evangelischen Kirchengemeinde und vieler gemeinnütziger Bockenheimer Institutionen. 1968 baute die Hertie GmbH an der Leipziger Straße 88–90 eine Filiale für ihren Vollsortimenter im Niedrigpreisbereich unter dem Namen Bilka. Im Souterrain wurde ein Self-Service-Restaurant mit eigener Küche eröffnet, das sich großer Beliebtheit bei Rentnern und Studenten erfreute. In den modern verkleideten oberen Stockwerken befanden sich Lager- und Verwaltungsräume. Die Hertie GmbH (1994 selbst von Karstadt übernommen) musste ihre Tochtergesellschaft Bilka 1989 an Woolworth verkaufen. Diese schloss nach 21-jähriger Betriebsdauer das Restaurant und erweiterte dort ihre Verkaufsfläche. Im Jahr 1998 wurden die deutschen Geschäfte von Woolworth im Rahmen eines Management-Buy-out in die DWW Deutsche Woolworth GmbH + Co.OHG mit Sitz in Frankfurt eingebracht. Das Kapital stellte die englische Electra Private Equity bereit. Das komplette Souterrain wurde an die Hugo Leibbrand Gruppe, die jetzige REWE Gruppe verpachtet, die sich Ende 2010 wieder zurückzog. Der ursprüngliche amerikanische Woolworth Konzern wurde zwischenzeitlich liquidiert. Die deutsche DWW Deutsche Woolworth GmbH + Co. OHG mit derzeit etwa 330 Läden (202 Kaufhäuser und 128 Mini-Läden) und insgesamt 13.000 Mitarbeitern sucht dringend nach höherer Rendite. Daher läuft hier und in Koblenz ein Versuch mit einem Concept-Store-Modell. Dazu sollten „Marktplätze“ auf der Verkaufsfläche gebildet werden, die sich umsatzfördernd hätten auswirken sollen. Der damalige Kapitalgeber, die englische Electra Private Equity, gab 2007 das Investment an den britischen Finanzinvestor Argyll Partners weiter.

Ehemaliges Kaufhofgebäude-Bockenheim (vormals Warenhaus Schreiber)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das umgebaute ehemalige Kaufhof-Gebäude

1944 wurden die Gebäude des Eckgrundstücks Leipziger- Rohmerstraße durch Bombentreffer zerstört. Nach Kriegsende wurde hier ein Geschäftshaus errichtet. Nach Bekanntgabe der Pläne des Baus einer Stadtteilfiliale der Kaufhof AG, wurden erhebliche Bedenken laut gegen die geplante Bebauung wegen einer befürchteten negativen Sogwirkung auf die Umsätze anderer vorhandenen Einzelhandelsgeschäfte. In den 1960er-Jahren errichtete dann die Kaufhof AG Filialen in verschiedenen Stadtteilen, so auch in Bornheim und in Bockenheim mit damals zeitbezogenen, modernen Fassaden. Der wirtschaftliche Ertrag entsprach jedoch nicht den gesetzten Zielen, zumal die eröffnete U-Bahn Kaufkraft wieder abschöpfte und zur Zeil verlagerte. Nach der Übernahme der Kaufhof AG durch die Metro AG wurde im Sommer 2000 wegen zu spärlicher Renditen die Schließung auch dieser Filiale beschlossen. Zwei Monate später wurde die Liegenschaft an einen privaten Investor verkauft. Auch im Jahre 2008 waren die Renovierungsarbeiten nicht abgeschlossen, und Bürgerinitiativen beklagten Bautätigkeiten wie Lärm und Schmutz. Mit neu erstellter Hausfassade wurde seit 2010 ein Teilbereich von der Drogeriekette DM gepachtet. Im Mai 2014 eröffnete der Online-Versandhändler Zalando an dieser Stelle einen Outlet-Store, der sich zu einem Kundenmagneten entwickelte. Auch eine Filiale der Berliner Lebensmittelfirma Kochstudio pachtete hier Räume für ein Ladenlokal. Das Gebäude wurde aufgestockt und die zusätzliche Fläche als Wohnungen vermietet.

Ladengalerie an der Bockenheimer Warte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haupteingang der Ladengalerie

Die Ladengalerie wurde im Oktober 1984 fertiggestellt. Eigentümer ist zurzeit der geschlossene Immobilienfonds DG-Immobilien-Anlage Nr. 15. Die hohen Erwartungen scheiterten an zu hohen Mietforderungen. Bis in die 2010er Jahre herrschte immer wieder Leerstand der angebotenen Ladenflächen, trotz vorhandener Tiefgarage, Wohnbebauung, U-Bahn-Nähe und günstiger Lage zwischen Adalbert- und Leipziger Straße. Das ursprüngliche Galeriekonzept wurde so nicht angenommen. Ab den 2010er Jahren ist wieder Vollvermietung, insbesondere durch kleinere Geschäfte und Gastronomiebetriebe erreicht worden. Gegenwärtig (Stand 2018) gibt es mehrere Ankermieter, insbesondere die Filialen der Netto Marken-Discount, des KiK, von Subway und der Frankfurter Sparkasse.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leipziger Straße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtvermessungsamt Frankfurt am Main (Hrsg.): DVD Amtliche Stadtkarten Frankfurt am Main 2009. Stadtvermessungsamt Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 2009. (online)
  2. Baugrund von Bockenheim-Seite 4 (PDF; 4,5 MB)
  3. Zuletzt befahren von der Linie 3 - stillgelegt zum Fahrplanwechsel 28. Mai 1965@1@2Vorlage:Toter Link/www.beku-bildarchiv.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Bericht der Rhein-Main-Zeitung vom 31. März 2005
  5. Frankfurter Neue Presse und Frankfurter Rundschau vom 8. Februar 2007
  6. Zalando eröffnet zweites Outlet in Frankfurt auf faz.net vom 15. Mai 2014

Koordinaten: 50° 7′ 21″ N, 8° 38′ 42″ O