Leonid Iwanowitsch Dobytschin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Leonid Dobytschin

Leonid Iwanowitsch Dobytschin (russisch Леонид Иванович Добычин; * 5. Junijul./ 17. Juni 1894greg. in Ludza, Gouvernement Witebsk; † 25. März 1936 oder später in Leningrad (?)) war ein der Avantgarde zugerechneter russischer Prosa-Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Dobytschin war der Sohn eines Arztes und einer Krankenschwester. Er wuchs in Dünaburg auf und erhielt die Möglichkeit, Abitur zu machen. Er hinterließ ein vergleichsweise schmales Werk, durch das er in Konflikt zur offiziellen Literatur der Sowjetunion geriet, deren Zukunftsvision er sich nicht zum Programm machen konnte.[1] Sein Roman Die Stadt N. wurde von der stalinistischen Kritik als „formalistisch“ bezeichnet. Nach einer Sitzung des Leningrader Schriftstellerverbandes, auf der das diskutiert worden war, verschwand Dobytschin am 26. März 1936. Er schrieb einem Freund einen Brief, in dem er ihn bat, mit dem hinterlassenen Geld einige Schulden zu begleichen, denn er gehe „weit weg“. Seither hat man nichts von ihn gehört; seine Leiche wurde nicht gefunden.

Werke[Bearbeiten]

  • Vstretschi s Lis (Встречи с Лиз), Leningrad 1927
  • Portret (Портрет), Leningrad 1931
  • Gorod N. (Город Эн), Moskau 1936
  • Isbrannaja prosa (Ausgewählte Prosa), 2 Bd., New York 1984
  • Gorod N.: rasskasy (Город Эн: рассказы), Moskau 1989.
  • Raskoldowannyj krug: Wassilij Andrejew, Nikolaj Barschew, Leonid Dobytschin (Расколдованный круг: Василий Андреев, Николай Баршев, Леонид Добычин), Leningrad 1990.
  • Gorod N. // Trudnyje powesti. 30-e gody (Город Эн // Трудные повести. 30—е годы: рассказы) Moskau 1992.
  • Polnoje sobranije sotschinenij i pisem (Полное собрание сочинений и писем), St. Petersburg 1999.
  • Gorod N. (Город Эн), Daugavpils: Daugavpils Universitātes Akadēmiskais apgāds «Saule», 2007. — (Bibliotheca Latgalica). ISBN 978-9984-14-354-5.

Deutsche Ausgaben[Bearbeiten]

  • Leonid Dobytschin: Die Stadt N. Mit einem Vorwort von Wenjamin Kawerin. Deutsch von Gabriele Leupold. – Frankfurt: Fischer 1989.
  • Leonid Dobytschin: Teetrinken. Deutsch von Alfred Frank. – Leipzig: Reclam 1992.
  • Leonid Dobyčin: Im Gouvernement S: Šurkas Verwandtschaft. Deutsch von Peter Urban. – Berlin: Friedenauer Presse 1996.
  • Leonid Dobyčin: Evdokija. Eine Erzählung. Deutsch von Peter Urban. – Berlin: Friedenauer Presse 2008.[2]
  • Leonid Dobyčin: Die Stadt N.. Deutsch von Peter Urban. – Berlin: Friedenauer Presse 2009.[3]
  • Leonid Dobyčin: Die Erzählungen. Deutsch von Peter Urban. – Berlin: Friedenauer Presse 2013.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christoph Schröder: Leonid Dobycin: Mysteriöser Tod eines Autors. Spiegel Online, 30. November 2009
  2. Olga Martynova: Der Größte. Die Zeit. Nr. 49, November 2008, S. 59 (Über: Leonid Dobyčin: Evdokija. Dt. von Peter Urban. – Berlin: Friedenauer Presse 2008.)
  3. Olga Martynova: Immer schön langsam. Die Zeit. Nr. 49. November 2009, S. 38–39 (Über: Leonid Dobyčin: Die Stadt N. Dt. von Peter Urban. – Berlin: Friedenauer Presse 2009.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leonid Dobychin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien