Lifeplus

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Lifeplus ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das Nahrungsergänzungsmittel und Pflegeprodukte verkauft. Das Unternehmen vertreibt seine Produkte mit Hilfe des Empfehlungsmarketings, auch Multi-Level-Marketing (MLM) genannt. Verbraucherschützer kritisieren die angebotenen Nahrungsergänzungsmittel als in der Regel überflüssig, auch das Empfehlungsmarketing wird beanstandet.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 beschloss der US-amerikanische Apotheker Bob Lemon, Nahrungsergänzungsmittel zu entwickeln und herzustellen.[2] Daraus entwickelte sich nach eigenen Angaben eines der „wahrscheinlich weltweit führenden Unternehmen im MLM Business Marketing“.[2]

1999 begann Gabi Steiner, eine ehemals alleinerziehende Mutter und Großhandelskauffrau aus Baden-Württemberg, mit dem Empfehlungsmarketing.[3] Heute lebt sie als Millionärin unter anderem auf Mallorca.[4] Die Mallorca Zeitung berichtete im November 2015, dass mehr als 91.000 Menschen aus dem Team von Gabi Steiner „im vergangenen Monat“ Produkte im Wert von 14 Millionen Euro bei Lifeplus bestellt hätten, also ca. 160 €/Person/Monat.[4]

2017 versammelten sich 15.000 Menschen in den Stuttgarter Messehallen, um an einem Kongress von Lifeplus teilzunehmen.[5]

Zahlen und Fakten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlen zu Mitarbeitern und Umsatz sind auf der Homepage von Lifeplus nicht zu finden.

Die deutschsprachige Homepage nennt als Kontaktadresse Lifeplus Europe Ltd. mit Sitz in Cambridgeshire, England.[6]

Kritik an Nahrungsergänzungsmitteln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produkte von Lifeplus seien im Vergleich zu anderen Produkten aus Drogerien, Supermarkt oder Apotheke „recht teuer“, urteilt das Internetportal „Klartext Nahrungsergänzung“, das von den Verbraucherzentralen verantwortet wird.[1] Ein hoher Preis sei jedoch keine Garantie für bessere Qualität. Das Portal betont, dass gesunde Menschen, die sich mit Mischkost ernähren, keine zusätzliche Nahrungsergänzung brauchten. Deutschland sei kein Land, in dem Vitaminmangel herrsche. Das habe die Nationale Verzehrsstudie II gezeigt.

Kritik am Empfehlungsmarketing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Empfehlungsmarketing oder Multi-Level-Marketing empfehlen Kunden die Produkte in ihrem Bekanntenkreis, in der Familie, an Freunde oder Arbeitskollegen. Sie erhalten eine Provision, sofern die Empfehlung zu einer Bestellung führt. Wer Kunden gewonnen hat, die ebenfalls Kunden akquirieren und damit für Umsatz sorgen, erhält zusätzliche Provisionen. „Klartext Nahrungsergänzung“ schreibt, dass das Einkommen des Einzelnen umso höher sei, je mehr Kunden beziehungsweise Geschäftspartner er angeworben habe.[1] Das Unternehmen agiere laut Stuttgarter Zeitung „in einer rechtlichen Grauzone“.[5] Es handele sich aber nicht um ein verbotenes Schneeballsystem, da jeder Werbende für Lifeplus kein normaler Verbraucher sei, sondern auch Geschäftspartner. „Klartext Nahrungsergänzung“ urteilt, dass Werbeaussagen bei Mund-zu-Mund-Propaganda schwer zu kontrollieren seien.[1] So dürften Nahrungsergänzungsmittel nicht damit beworben werden, dass sie Krankheiten heilen oder lindern. „Ob sich Berater an diese Rechtslage halten oder in ihren Heilsversprechen weit darüber hinausgehen, lässt sich nicht überprüfen“, schreibt das Portal. Im März 2019 wurde auf der Webseite von n-tv als „Anzeige“ von Lifeplus Europe Ltd. ein Text veröffentlicht, der das Geschäftsmodell von Lifeplus verteidigt.[7] Ein ähnlicher Text erschien auf der Webseite des Handelsblatts[8] und der Zeitschrift Focus[9].  

Kontroverse um Fernsehberichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BR Fernsehen sendete im November 2014 einen kritischen Bericht über Lifeplus und deren Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln.[10] Lifeplus reagierte mit einer Stellungnahme, die der BR auf seiner Homepage veröffentlichte.[11] Darin weist das Unternehmen diverse Vorwürfe bezüglich seiner Produkte und Vertriebsmethoden zurück. Die ARD sendete am 9. September 2019 eine Reportage, die ebenfalls Nahrungsergänzungsmittel und deren Vertrieb zum Thema machte.[12] Darin wird der Vorwurf erhoben, dass Lifeplus-Vertriebspartner Produkte von Lifeplus auch zur Behandlung von Krebspatienten empfehlen. Laut ARD-Sendung erklärte Lifeplus dazu: „Angebliche Produktempfehlungen für krebskranke Menschen“ seien dem Unternehmen "nicht bekannt". Fehlverhalten von „Lifeplus-Partnern“ werde „unmittelbar entsprechend sanktioniert“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Lifeplus-Produkte: gesundheitliche Bewertung. Portal der Verbraucherzentralen, 29. März 2018; zuletzt aufgerufen am 17. Januar 2019
  2. a b Nicht alle MLM Business Marketing-Unternehmen sind gleich. Webseite des Herstellers, zuletzt aufgerufen am 17. Januar 2019
  3. Was sind das für Chancen?! Webseite von Gabi Steiner, zuletzt aufgerufen am 17. Januar 2019
  4. a b Stephanie Schuster: Sie wollte nicht alt werden und wurde reich in: Mallorcazeitung, Onlineausgabe, 25. November 2015; zuletzt aufgerufen am 17. Januar 2019
  5. a b Claudia Bell: Glücklich durch Vitaminpillen? in: Stuttgarter Zeitung, Online-Ausgabe, 20. Juni 2017; zuletzt aufgerufen am 17. Januar 2019:
  6. Empfehlungsmarketing-Unternehmen Lifeplus. Webseite des Herstellers; zuletzt aufgerufen am 17. Januar 2019
  7. Lifeplus Europe Ltd.: Das Geschäftsmodell von Lifeplus - warum die Kritik? 15. März 2019, abgerufen am 11. September 2019.
  8. Lifeplus Europe Ltd.: Das Unternehmen Lifeplus: Ist die Kritik am MLM-Geschäftsmodell berechtigt? 4. Juni 2019, abgerufen am 11. September 2019.
  9. Lifeplus Europe Ltd.: Lifeplus in der Kritik - aber warum eigentlich? 29. Mai 2019, abgerufen am 11. September 2019.
  10. Das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln. Bayerischer Rundfunk, Die Story. 12. November 2014; zuletzt aufgerufen am 17. Januar 2019
  11. Stellungnahme von Lifeplus Europe Ltd., 12. November 2014; zuletzt aufgerufen am 17. Januar 2019
  12. ARD: Exclusiv im Ersten: Armee der Heilsbringer. Das dubiose Geschäft mit Nahrungsergänzungsmittleln. 9. September 2019, abgerufen am 11. September 2019.