Loppersum (Groningen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gemeinde Loppersum
Flagge der Gemeinde Loppersum
Flagge
Wappen der Gemeinde Loppersum
Wappen
Provinz Groningen Groningen
Bürgermeister Albert Rodenboog (CDA)
Sitz der Gemeinde Loppersum
Fläche
 – Land
 – Wasser
111,99 km2
111,04 km2
0,95 km2
CBS-Code 0024
Einwohner 9.800 (31. Aug. 2017[1])
Bevölkerungsdichte 88 Einwohner/km2
Koordinaten 53° 19′ N, 6° 45′ OKoordinaten: 53° 19′ N, 6° 45′ O
Bedeutender Verkehrsweg N46 N360 N996 N998
Vorwahl 0595, 0596
Postleitzahlen 9911–9915, 9917–9919, 9921–9924, 9987, 9991–9994
Website Homepage von Loppersum
LocatieLoppersum.png
Vorlage:Infobox Ort in den Niederlanden/Wartung/Karte

Loppersum (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i) ist eine Gemeinde in den Niederlanden, Provinz Groningen. Sie hat 9800 Einwohner (Stand 31. August 2017). Ihre Gesamtfläche beträgt etwa 112 km². Überregional bekannt wurde die Gemeinde durch Erdbeben, die als Folge der Erdgasförderung gelten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Dörfer dieser Gemeinde liegen auf "wierden" (Warften). Auf diesen, meistens von Menschenhand aufgeworfenen, Fluchthügeln waren die ersten Bewohner (Fischer und Bauern) sicher vor dem Wasser der Ausläufer des Wattenmeeres. Diese Warften entstanden zwischen 500 v. Chr. und dem Mittelalter. Einige wurden später abgegraben; einerseits, weil das Erdreich im Inneren einer Warft wegen der Anwesenheit menschlicher, tierischer und pflanzlicher Abfälle sehr fruchtbar ist; andererseits, weil Schatzsucher und seriöse Archäologen darin wertvolle alte Gegenstände suchten.

"Borg" Ten Ham, Ausschnitt aus der "Borgenkaart/Coenderskaart" Groningen, 1678

Nahe Loppersum stand das Herrenhaus ("Borg") Ten Ham (Den Ham), auch Duirsum genannt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war es im Besitz der Familie Heemstra. Die Erbtochter Bawine heiratete Roelof van Munster, Herrn zu Ruinen und 1505–1512 Drost der Provinz Drenthe.[2] Deren Sohn Roelof van Münster (ca. 1500–1558), Herr zu Herzford, bewohnte Ten Ham mit seiner Frau Maria van Selbach (ca. 1510–1576).[2] Deren Schwiegersohn Johan de Mepsche (ca. 1520–1585), Vize-Statthalter der Provinz Groningen, baute Ten Ham zu einem Schloss um, das, laut Zeitzeugen, "im Land Groningen seines Gleichen nicht hatte".[3] Ten Ham wurde im 18. Jahrhundert abgerissen. Mehrere Grabsteine aus der Blütezeit sind in der eindrucksvollen Loppersumer Petrus- und Pauluskirche erhalten.

Loppersum entwickelte sich wegen seiner Lage an der Eisenbahn und der Hauptstraße seit dem späten 19. Jahrhundert zum Einkaufs- und Verwaltungszentrum der Gemeinde.

Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus 17 kleinen Dörfern. Die fett gedruckten Orte haben mehr als 1000 Einwohner. Die schräg gedruckten haben zwischen 500 und 1000 Einwohner. Ein (K), bzw. (M) bedeutet, dass das Dorf eine sehenswürdige alte Kirche, bzw. Mühle besitzt.

  • Eenum (K, mit Orgel von Arp Schnitger)
  • Garrelsweer
  • Garsthuizen (M)
  • Huizinge (K)
  • Leermens (K)
  • Loppersum (K, M)
  • Middelstum (K, M)
  • Oosterwijtwerd (K)
  • Westerwijtwerd (K, M)
  • Stedum (K)
  • Toornwerd
  • Westeremden (K)
  • Winneweer
  • Wirdum (K)
  • 't Zandt (K)
  • Zeerijp (K, M)
  • Zijldijk.

Lage und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt nordöstlich der Stadt Groningen, an der Bahnstrecke Groningen–Delfzijl und der Fernstraße nach Delfzijl. Die Dörfer Stedum und Loppersum haben kleine Bahnhöfe (30-Minuten-Dienst). Die Gemeindeverwaltung befindet sich in Loppersum.

Die Landwirtschaft und das damit zusammenhängende Kleingewerbe bestimmen das Wirtschaftsleben in der Gemeinde.

Erdgasförderung und Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Loppersum befindet sich auf Europas größtem Erdgasreservoir.[4] Seit den 1960er Jahren wird das Gas durch die Nederlandse Aardolie Maatschappij (NAM) gefördert. Seitdem im Dezember 1986 nahe Assen das erste Erdbeben im Gebiet des Groninger Gasfeldes registriert wurde, fanden mehr als tausend weitere statt, die aber meistens nur eine Stärke von maximal 2,0 erreichten. Da sich die Erschütterungen aber in einer geringen Tiefe von höchstens 3000 Metern ereignen, sind sie deutlicher spürbar.
Ende 1988 richtete das Koninklijk Nederlands Meteorologisch Instituut (KNMI) eine seismologische Überwachung des Gebietes ein, was bald den Beweis für einen Zusammenhang zwischen der Gasförderung und der Zunahme von Beben erbrachte.[5] Am 16. August 2012 kam es in Huizinge zu einem Erdbeben der Stärke 3,6. Es entstanden dadurch sichtbare Schäden an Gebäuden. Da jetzt auch eine Gefährdung der Bevölkerung zu befürchten war, veranlasste die niederländische Regierung, dass die NAM die Gasförderung drosselt, für entstandene Schäden aufkommt und mit Hilfe eines Untersuchungsprogrammes für mehr Sicherheit sorgt.[6]

Am 8. Januar 2018 erreichte ein Erdbeben in Zeerijp die Stärke 3,4.[7] Es war auch in der rund 25 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Groningen zu spüren gewesen.[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • das Museum De Weem des Malers Henk Helmantel (Niederländischer Künstler des Jahres 2008) in Westeremden
  • die Burg Rusthoven bei Wirdum
  • die Petrus- und Pauluskirche, das Heimatmuseum und die Windmühle De Stormvogel in Loppersum

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ende des Jahres 2017 sprachen die Gemeinderäte von Delfzijl, Appingedam und Loppersum über die Fusion der Gemeinden. Sie arbeiten auf einen Zusammenschluss zum 1. Januar 2021 hin.[9]

Sitzverteilung im Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahlen 2018[10]
 %
30
20
10
0
24,8
18,2
18,0
13,7
12,4
8,9
4,1
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
+5,9
+2,6
-2,8
+2,6
-0,1
+0,1
+4,1
-12,3

Der Gemeinderat wird seit 2006 folgendermaßen gebildet:

Partei Sitze[11]
2006 2010 2014 2018
Loppersum Vooruit 3 3 3
PvdA 4 2 2 3
CDA 4 3 3 2
GroenLinks 2 2 2 2
ChristenUnie 2 2 2 2
VVD 1 1 1 1
D66 2 2 0
Gemeentebelangen Loppersum 2
Gesamt 15 15 15 13

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Juni 2003 ist Albert Rodenboog (CDA) amtierender Bürgermeister der Gemeinde. Zu seinem Kollegium zählen die Beigeordneten Bé Schollema (PvdA), Pier Prins (CDA), Rudi Slager (ChristenUnie) sowie der Gemeindesekretär Jurry Bonnema.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Art. Loppersum. In: Wiebe Jannes Formsma, Riektje Annie Luitjens-Dijkveld Stol, Adolf Pathuis: De Ommelander borgen en steenhuizen. Van Gorcum, Assen 1973, ISBN 90-232-1047-6, S. 222–233.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Loppersum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevolkingsontwikkeling; regio per maand August 2017Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. a b E.-G. Graf zu Münster, "Die Grafen zu Münster - Familienkundliche Notizen 1100-1980", Schwäbisch Gmünd (1981); zitiert in "Emsländische und Bentheimer Familienforschung", 1992, Heft 18, S. 626ff.
  3. W.J. Formsma, R.A. Luitjens-Dijkveld Stol, A. Pathuis, "De Ommelander Borgen en Steenhuizen", van Gorcum, Assen, NL (1973); ISBN 9023210476.
  4. C. Hecking: Druck von unten. zeit.de, 16. April 2015; abgerufen am 9. Januar 2018
  5. KNMI: Aardbevingen door gaswinning., abgerufen am 9. Januar 2018
  6. Onderzoeksprogramma Groningen, nam.nl; abgerufen am 9. Januar 2018
  7. Zware aardbeving in groningse Zeerijp. knmi.nl, 8. Januar 2018; abgerufen am 9. Januar 2018
  8. Kai-Uwe Hanken, Daniel Gonzalez-Tepper: Erde bebt in der Provinz Groningen. noz.de; abgerufen am 10. Januar 2018
  9. Fusie Delfzijl, Appingedam en Loppersum in 2021. In: RTV Noord. 12. Januar 2018, abgerufen am 27. Juni 2018 (niederländisch).
  10. Ergebnis der Kommunalwahlen: 2014 2018, abgerufen am 27. Juni 2018 (niederländisch)
  11. Sitzverteilung im Gemeinderat: 2006 2010 2014 2018, abgerufen am 27. Juni 2018 (niederländisch)
  12. College van B&W Gemeente Loppersum, abgerufen am 27. Juni 2018 (niederländisch)