Lot (Einheit)

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Württembergisches Loth (1859)
Bayerisches 4 Loth (vor 1870) prismatisch

Das Lot (früher auch Loth geschrieben) ist eine Maßeinheit der Masse, die hauptsächlich im deutschen Sprachgebiet und in Skandinavien gebräuchlich war.

Es wurde im Deutschen Reich 1868/69/72, in Österreich 1871/76 und in der Schweiz 1875/77 durch die metrische Maßeinheit Gramm abgelöst. Aber noch im frühen 20. Jahrhundert war es in Koch- und Backrezepten als volkstümliche Maßeinheit gebräuchlich.[1]

Als ungenaue, aber anschauliche Faustregel gilt, dass ein Lot etwa einem „Löffel voll“ entspricht.[2]

Altes Lot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meistens galt für die alten, kleineren Masse-Einheiten vor etwa 1856:

1/32 (Handels-)Pfund = 1/16 (Münz-)Mark = ½ Unze = 1 Lot = 4 Quentchen = 16 Pfenniggewichte = 32 Hellergewichte = 18 Gran

Das Lot hatte in den verschiedenen deutschen Ländern unterschiedliche Massen, die zusätzlich auch noch zeitlich verschieden waren. Es lag meist zwischen 14 g und 18 g. Einige Beispiele:

  • 14,606 g vor Mai 1856 in Preußen, Anhalt, Hessen, Homburg, Frankfurt am Main, Lippe-Detmold, Schaumburg-Lippe, Mecklenburg-Strelitz, Nassau, Reuß, Sachsen, S-Altenburg, S-Coburg, S-Gotha, S-Weimar, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen, Waldeck und Württemberg
  • 15,1 g in Mecklenburg-Schwerin
  • 15,2 g in Lübeck
  • 15,6 g in Baden, Bremen und dem Großherzogtum Hessen
  • 15,9 g in Sachsen-Meiningen
  • 17,5 g in Österreich
  • 17,6 g in Bayern

Neues Lot, Zoll-Lot, Postlot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das in Preußen am 27. Mai 1856 erlassene Gesetz „eines allgemeinen Landes-Gewichts“ für den deutschen Zollverein definierte die Gewichte wie folgt:

  • 1 Pfund = 0,5 kg
  • 1/120.000 Last = 1/3000 Center = 1/30 Pfund = 1 Lot = 10 Quentchen = 100 Cent = 1000 Korn

1 Lot entsprach damit 16,666 g und zugleich einem Vereinstaler fein.

„Dadurch läßt sich unser neues Gewicht leicht mit dem französischen vergleichen, das auch schon in den anderen Ländern, z. B. in den Niederlanden und in der Lombardei eingeführt war.“

Johann Christian Gädicke: Berliner Ausrechner von kleinen zu großen Preisen…

In Wertevergleichstabellen von gleichnamigen alten und neuen Maßeinheiten wurde dann ab 1856 in Preußen das Lot von vor 1856 (und auch andere Maßeinheiten) zur Unterscheidung häufig mit dem Vorsatz „Alt-“ und das neue, ab 27. Mai 1856 geltende Lot mit dem Vorsatz „Neu-“ oder auch „Zoll-“ versehen. Die Post sprach ab 1858 vom „Postlot“.[3][4]

Metrisches Lot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem frühen 19. Jahrhundert gab es auch das metrische Neulot: in Österreich und Bayern zu 10 g (1888 gesetzlich aufgehoben), in Lübeck zu 50 g. In Österreich und Polen lebt das Neulot als Dekagramm bis heute weiter.

Volumenmaß[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Lot war auch ein französisches Volumenmaß für Flüssigkeiten in der Region um Lille.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literarisch wird das Lot u. a. im Märchen vom tapferen Schneiderlein („Das Mus scheint mir gut, wieg sie mir doch vier Lot ab, liebe Frau, wenn’s auch ein Viertelpfund ist, kommt es mir nicht darauf an“) und im Schlussteil der Geschichte vom Suppenkaspar aus dem Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann verwendet („Er wog vielleicht ein halbes Lot“).

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Trapp: Kleines Handbuch der Maße, Zahlen, Gewichte… Verlag Phillip Reclam, Stuttgart 1992, ISBN 3-89836-198-5.
  • Walter Gellert u. a.: Kleine Enzyklopädie Natur. Verlag VEB Leipziger Druckhaus und Offizin Andersen Nexö Leipzig, 1962.
  • Johann Christian Gädicke: Berliner Ausrechner von kleinen zu großen Preisen… Ernst’sche Buchhandlung Quedlinburg, Berlin 1858.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Margarete und Emma Doennig: Kochbuch. Selbstverlag der Kochschule der Ostpreußischen Haushaltungsschule, Königsberg, 6. Aufl. 1911, S. 1.
  2. Wolfgang Schneider: Das Lot-Gewicht bei Paracelsus. In: Peter Dilg, Guido Jüttner, Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Paul Ulrich Unschuld (Hrsg.): Perspektiven der Pharmaziegeschichte. Festschrift Rudolf Schmitz. Graz 1983, S. 325–330; hier: S. 329.
  3. Leopold Herzka: Der Bauratgeber. Handbuch für das gesamte Baugewerbe und seine Grenzgebiete. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-70919-993-0, S. 4.
  4. Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 16, Leipzig 1908, S. 221.
  5. Jurende’s vaterländischer Pilger. Geschäfts- und Unterhaltungsbuch für alle Provinzen des österreichischen Kaiserstaates, allen Freunden der Kultur aus dem Lehr-, Wehr- und Nährstande, vorzüglich allen Natur- und Vaterlands-Freunden geweiht, Band 21, Winiker, Brünn 1834, S. 179