Low-Code-Plattform

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Der Begriff Low-Code-Plattform (auch Low-Code-Entwicklungsplattform) beschreibt eine Entwicklungsumgebung für Software, die den Entwicklungsprozess unter Verwendung visueller Applikationsdesigner und anderer grafischer Modellierungsmethoden ermöglicht, anstatt sie mithilfe klassischer textbasierter Programmiertechniken herzustellen. Dadurch wird die Entwicklungs- und Bereitstellungszeit für Geschäftsanwendungen deutlich beschleunigt. Aufgrund dieser Vorteile können Low-Code-Plattformen die Kosten für die Planung des Projekts, das Training der Mitarbeiter und die Erstellung und Fertigstellung der IT-Anwendung deutlich senken.[1]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Low-Code-Plattformen können als Nachfolger von Programmiersprachen der vierten Generation und Rapid Application Development-Werkzeugen betrachtet werden. Bekannte Größen auf dem heutigen amerikanischen Markt sind u. a. Oracle Application Express (APEX)[2], OutSystems[3],Mendix[4] und Anakeen[5]. Deutsche Hersteller sind u. a. Scopeland[6] und simplifier[7]. Im Open-Source-Bereich stellte die Eclipse Foundation die erste frei verfügbare Plattform bereit.[8] Erst am 9. Juni 2014 wurde vom Branchenanalysten Forrester Research der Begriff Low-Code für diese spezielle Art der Anwendungsentwicklung vergeben.[1]

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Üblicherweise wird eine Low-Code-Entwicklung, genau wie bei herkömmlicher Programmierung per Hand, in einer integrierten Entwicklungsumgebung programmiert. Anders als in herkömmlichen Programmierumgebungen kommen bei Low-Code-Entwicklungsplattformen anstelle individueller Programmcodes ausschließlich vorgefertigte Standardsoftwarebausteine zum Einsatz. Über intelligente Metadaten werden diese so gesteuert, dass ein Programmverhalten entsteht, dass nahezu identisch ist mit einer handgeschriebenen Anwendung.[9] Die Entwicklung einer Anwendung läuft in der Regel in verschiedenen Stufen ab. Benötigt wird dazu :

Anforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Unternehmen setzen Low-Code-Plattformen ein, um einem breiten Spektrum von Entwicklern die Möglichkeit zu geben, schnell und ohne zeitaufwändige Codierung eigene Web- und Mobile Applikationen zu entwickeln und zu implementieren.

Laut Forrester Research gibt es vier[11] wichtige Merkmale jeder Low-Code-Entwicklungsplattform:

Modellgetriebene Entwicklung

Low-Code-Plattformen bieten intuitivere Möglichkeiten für die Erstellung von Anwendungen als herkömmliche Programmierung. Die modellgetriebene Entwicklung verwendet visuelle Modelle für die Definition von Datenmodellen, Geschäftslogik, Benutzeroberflächen usw. Dieser Ansatz ermöglicht Power-Usern oder professionellen Anwendungsentwicklern die visuelle Modellierung von komplexen Full-Stack-Web- und mobilen Anwendungen. Das kann im Vergleich zur herkömmlichen Programmierung zu einer 10-fachen Produktivitätssteigerung führen.

Wiederverwendbarkeit

Die Produktivität kann mit Low-Code-Entwicklungsplattformen weiter gesteigert werden, da sie sofort einsatzbereite Vorlagen, Widgets, Plug-Ins und Komponenten zur Verfügung stellen, die immer wieder verwendet werden können. Unternehmen können in ihre Low-Code-Plattformen auch einen privaten App Store integrieren, mit dessen Hilfe unternehmensspezifische IPs zur Wiederverwendung an Entwicklungsteams verteilt werden können. In beiden Szenarien wird das Erstellen von Apps eher zu einer visuellen Inszenierung der notwendigen Bausteine, anstatt das Rad jedes Projekts neu erfinden zu müssen.

Support über reine Entwicklungsphase hinaus

In der Regel sind die meisten Low-Code-Plattformen so konzipiert, dass sie den gesamten Lebenszyklus von Anwendungen unterstützen können: von der Gestaltung, über die Bereitstellung und Wartung, hin zu einer eventuellen Wiederaufnahme oder Fortsetzung von Projekten. Darin besteht ein wichtiger Time-to-Market-Vorteil, der eine nahtlose Möglichkeit bietet, Anwendungen entlang des Lebenszyklus zu verschieben, insbesondere im Hinblick auf deren Bereitstellung.

Cloud-basierte Bereitstellung

Einige Low-Code-Entwicklungsplattformen bieten die Flexibilität, Anwendungen in der präferierten Cloud oder sogar vor Ort bereitzustellen und zu verwalten. Die automatisierte Bereitstellung in Verbindung mit einer Cloud-nativen, zustandslosen Architektur ermöglicht eine sofortige Verfügbarkeit und die Unterstützung umfangreicher Implementierungen, insbesondere im Unternehmenskontext

Markt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das hohe Kundeninteresse an Low-Code-Entwicklungsplattformen hat zu einer dynamischen Marktlandschaft geführt. Diese sind durch steigende Umsätze, hohe Wachstumsraten und eine breitere Akzeptanz der Unternehmen gekennzeichnet.

Dieses Wachstum wird durch die zunehmende Wertschätzung von Low-Code-Plattformen als Werkzeuge für die Entwicklung neuer Technologien und bereits vorhandener Technologien in Großunternehmen begünstigt.[12] Komplexe Probleme wie landesweite Produktrückrufe, die Zusammenarbeit mit den Endkunden für die Erstellung maßgeschneiderter Anwendungen oder die Verwaltung von Versicherungssparten werden durch den Einsatz von Low-Code-Plattformen erleichtert. In der Regel ist es möglich Low-Code-Anwendungen in Back-Office-Systemen zu integrieren, ohne diese jedoch ganz zu ersetzen.

Bis zum Jahresende geht das Marktforschungsinstitut Forrester davon aus, dass IBM und SAP auch auf dem Plattformmarkt vertreten sein werden. Auch Dell, Microsoft und Oracle haben ihre Portfolios rund um Low-Code-Plattformen erweitert (Stand:07.2017). Diese Entwicklung von den großen Anbietern helfen dabei, die Kategorie für Unternehmenskunden zu legitimieren – auch wenn ihre Produkte hinter den Marktführern zurückbleiben.[13]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Forschungsunternehmen Forrester schätzt, dass der Gesamtmarkt für Low-Code-Plattformen bis 2020 auf 15,5 Milliarden US-Dollar wachsen wird.[14]

Das enorme Marktwachstum der Low-Code-Entwicklungen ist auf deren Flexibilität und Leichtigkeit zurückzuführen.[15] Low-Code-Plattformen verlagern den Fokus auf den allgemeinen Zweck von Anwendungen, mit der Möglichkeit, benutzerdefinierten Code hinzuzufügen, falls dies benötigt oder gewünscht wird.[16] Einer der treibenden Faktoren bei der Verwendung von Low-Code-Plattformen ist deren mobile Verfügbarkeit: Daher müssen Entwickler nicht mehr Zeit für die Erstellung von Software für mehrere Geräte aufbringen, denn Low-Code-Anwendungen verfügen normalerweise über den Feature-Standard. Somit kann die erstellte Software problemlos auf verschiedene Endgeräte portiert werden.[17] Aufgrund eines Minimums an erforderlichen Programmierkenntnissen sind Low-Code-Anwendungsentwicklungen schneller erlernbar als gängige Programmiersprachen, die man als Ganzes erlernen und verstehen muss. Die Verwendung von Features wie Drag & Drop-Interfaces, die eine Visualisierung der Anwendung ermöglichen, beschleunigen die Bauzeiten einer Anwendung erheblich.[18] Forrester geht des Weiteren davon aus, dass Low-Code-Plattformen eine Schlüsselrolle bei der künftigen weiteren Digitalisierung vieler Geschäftsprozesse spielen werden:"Low-Code Development Platforms Are Accelerating Digital Transformation at Scale.",Forrester 2017[19]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige IT Experten bezweifeln, dass Low-Code-Entwicklungsplattformen geeignet sind um skalierbare und unternehmenskritische Applikationen zu entwickeln.[20] Andere bezweifeln die in Aussicht gestellten Kosteneinsparungen und Vereinfachungen bei der Entwicklung.[21] Einige CIOs haben zudem ihr Bedenken ausgedrückt, dass die Einführung von Low-Code Entwicklungsplattformen zu einem Anstieg von nicht unterstützten Anwendungen im Bereich der Schatten-IT führen könnte.[22]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b New Development Platforms Emerge For Customer-Facing Applications
  2. Oracle Corporation: Oracle Application Express. Abgerufen am 5. April 2018 (englisch).
  3. https://www.outsystems.com/1/low-code-platform-de/
  4. https://www.mendix.com/low-code-platform/
  5. Expert Digitalisation & Low-Code Platform HTML5 - Anakeen. Abgerufen am 10. Januar 2018 (fr-FR).
  6. http://www.scopeland.de/technologie
  7. https://www.simplifier.io
  8. https://www.eclipse.org/osbp/index.html
  9. https://www.simplifier.io/low-code-plattformen/
  10. https://www.outsystems.com/blog/low-code-development-platform.html
  11. The increasingly connected state of IT infrastructure
  12. https://www.forrester.com/report/Vendor+Landscape+A+Fork+In+The+Road+For+LowCode+Development+Platforms/-/E-RES137578
  13. https://www.forrester.com/report/Vendor+Landscape+A+Fork+In+The+Road+For+LowCode+Development+Platforms/-/E-RES137578
  14. http://informationsecurity.report/Resources/Whitepapers/0eb07c59-b01c-4399-9022-dfc297487060_Forrester%20Vendor%20Landscape%20The%20Fractured,%20Fertile%20Terrain.pdf
  15. https://www.cio.com/article/2845378/development-tools/use-low-code-platforms-to-develop-the-apps-customers-want.html
  16. https://sdtimes.com/low-code-development-seeks-accelerate-software-delivery/
  17. https://www.pcmag.com/article/345661/building-an-app-with-no-coding-myth-or-reality
  18. http://informationsecurity.report/Resources/Whitepapers/0eb07c59-b01c-4399-9022-dfc297487060_Forrester%20Vendor%20Landscape%20The%20Fractured,%20Fertile%20Terrain.pdf
  19. https://www.forrester.com/report/The+Forrester+Wave+LowCode+Development+Platforms+For+ADD+Pros+Q4+2017/-/E-RES137262
  20. John Rymer: Low-Code Platforms Deliver Customer Facing Apps Fast, But Can They Scale Up?. Forrester Research. Abgerufen am 22. Januar 2016.
  21. Bob Reselman: Why the promise of low-code software platforms is deceiving. TechTarget. Abgerufen am 1. Mai 2019.
  22. Joel Shore: How no-code development tools can benefit IT. TechTarget Magazine. 31. Juli 2015. Abgerufen am 22. Januar 2017.