Ludmannsdorf

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Ludmannsdorf
Bilčovs
Wappen Österreichkarte
Wappen von LudmannsdorfBilčovs
Ludmannsdorf (Österreich)
Ludmannsdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Klagenfurt-Land
Kfz-Kennzeichen: KL
Fläche: 26,36 km²
Koordinaten: 46° 32′ N, 14° 8′ OKoordinaten: 46° 32′ 29″ N, 14° 8′ 11″ O
Höhe: 564 m ü. A.
Einwohner: 1.802 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 68 Einw. pro km²
Postleitzahl: 9072
Vorwahl: 04228
Gemeindekennziffer: 2 04 16
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Nr. 27, 9072 Ludmannsdorf
Website: www.ludmannsdorf.at
Politik
Bürgermeister: Manfred Maierhofer (GL)
Gemeinderat: (2015)
(15 Mitglieder)

8 GL, 4 SPÖ, 2 EL, 1 FPÖ

Lage der Gemeinde Ludmannsdorf
Bilčovs im Bezirk Klagenfurt-Land
Ebenthal in Kärnten Feistritz im Rosental Ferlach Grafenstein Keutschach am See Köttmannsdorf Krumpendorf am Wörthersee Ludmannsdorf Magdalensberg Maria Rain Maria Saal Maria Wörth Moosburg Poggersdorf Pörtschach am Wörther See Sankt Margareten im Rosental Schiefling am Wörthersee Techelsberg am Wörther See Zell Klagenfurt KärntenLage der Gemeinde Ludmannsdorf im Bezirk Klagenfurt-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Ludmannsdorf (slowenisch: Bilčovs) ist eine zweisprachige Gemeinde mit 1802 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) in Kärnten. Die Gemeinde liegt im Rosental zwischen dem Wörthersee und der Drau.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet von Ludmannsdorf erstreckt sich nördlich der Drau und südlich des Wörthersees zwischen den Gemeinden Velden am Wörther See und Köttmannsdorf. Es liegt auf dem stark bewaldeten Höhenzug der Sattnitz, einer Endmoräne der Eiszeit, und überblickt das Rosental und die Karawanken. Die Seehöhe des Gemeindegebiets liegt zwischen 600 und 900 Meter.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludmannsdorf besteht aus den fünf Katastralgemeinden Ludmannsdorf (Bilčovs), Großkleinberg (Mala gora), Oberdörfl (Zgornja Vesca), Selkach (Želuče) und Wellersdorf (Velinja vas). Das Gemeindegebiet umfasst folgende 17 Ortschaften (Einwohnerzahlen Stand 1. Jänner 2015[1]):

  • Bach (Potok), 96
  • Edling (Kajzaze), 169
  • Fellersdorf (Bilnjovs), 55
  • Franzendorf (Branča ves), 170
  • Großkleinberg (Mala gora), 63
  • Ludmannsdorf (Bilčovs), 182
  • Lukowitz (Koviče), 115
  • Moschenitzen (Moščenica), 40
  • Muschkau (Muškava), 112
  • Niederdörfl (Spodnja Vesca), 90
  • Oberdörfl (Zgornja Vesca), 142
  • Pugrad (Podgrad), 180
  • Rupertiberg (Na Gori), 52
  • Selkach (Želuče), 106
  • Strein (Stranje), 35
  • Wellersdorf (Velinja vas), 146
  • Zedras (Sodražava), 53
Ogris-Höhe, Blick auf das Rosental
Filialkirche Sankt Helena
Design auf dem Gipfel der Selkacher Zikkurat

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schiefling am Wörthersee
Keutschach am See
Velden Nachbargemeinden Köttmannsdorf
St. Jakob im Rosental Feistritz im Rosental

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Besiedlung des Gebietes durch die Karantaner-Slawen im 6. Jahrhundert und der Errichtung des karantanischen Staatswesens im 7. Jahrhundert ist das Gebiet der Sattnitz (slow. Gure) und Ludmannsdorf/Bilčovs eng mit der slowenischen Kulturgeschichte verbunden.

Im Jahr 1141 wurde Ludmannsdorf/Bilčovs erstmals urkundlich erwähnt. Das bis heute stark durch die landwirtschaftlichen Kleinbetriebe geprägte Gebiet wies einen hohen Anteil an kleinen Keuschen auf und wurde seit dem Hochmittelalter bis 1848 von den Herrschaften Hollenburg und Viktring dominiert.

Kaiser Joseph II. erhob den Ort 1787 zur Pfarre. Die Kirche des Heiligen Jakob, Wahrzeichen der Gemeinde, stammt zum Teil aus dem 13. Jahrhundert und enthält sowohl romanische und gotische Stilelemente. Die Innenausstattung der Kirche wurde im 18. Jahrhundert barockisiert.

Während der Franzosenkriege war Ludmannsdorf von 1809 bis 1813 zwischen der französischen Illyrischen Provinz und dem Kaisertum Österreich geteilt. Die Grenze zwischen den beiden Ländern verlief ungefähr entlang der Linie Rupertiberg-Selkach. 1813 wurden die Franzosen bei Rosegg besiegt und aus Kärnten vertrieben.

1850 konstituierten sich die Gemeinden Ludmannsdorf und Oberdörfl. Letztere wurde 1957/58 als Ortsgemeinde aufgelöst und nach Ludmannsdorf eingemeindet.

In der Gemeinde mit traditionell hohem Anteil an Kärntner Slowenen stimmten bei der Volksabstimmung 1920 in Kärnten rund vier Fünftel (Ludmannsdorf) bzw. zwei Drittel (Oberdörfl) für den Anschluss an Jugoslawien.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Volkszählung 2001 hat die Gemeinde Ludmannsdorf 1.825 Einwohner, davon besitzen 96,5 % die österreichische Staatsbürgerschaft. 69 % der Bevölkerung gehören der deutschsprachigen und 28 % der slowenischsprachigen Volksgruppe an.

Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 90,9 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche 2,0 % und zum Islam 1,5 %. 3,5 % sind ohne religiöses Bekenntnis. Ehrendomherr Kanonikus Leopold Kassl war Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde.

Die katholische Pfarre wird zweisprachig, deutsch und slowenisch geführt.[2][3]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Der slowenische Dialekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludmannsdorf zählt typologisch zur slowenischen Dialektgruppe des sogenannten Rosentaler Dialektes bzw. zu dessen nordwestlicher Varietät der Sattnitz (Gure). Kennzeichnend sind zahlreiche phonetische, morphologische und lexikalische Archaismen.[4][5][6][7]

Der autochthone slowenische Name der Einwohner der Sattnitz (slow. Gure = Berggegend) ist Gorjanci (im Gegensatz zum Namen der Einwohner des tiefer gelegenen Klagenfurter Feldes Poljanci < polje = Feld).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Ludmannsdorf
Pfarrkirche St. Jakob d. Ä.
Turk-Kreuz in Selkach
Draubrücke bei Selkach

Die gotische Pfarrkirche Hl. Jakob mit barocker Einrichtung steht im Ortszentrum.

Die Gemeinde verfügt über zahlreiche Kultur-, Sport- und andere Vereine, der bekannteste ist der slowenische Kulturverein Bilka. Zwei international bekannte Künstler stammen aus Ludmannsdorf: Der Schriftsteller Janko Ferk und die Malerin Meina Schellander.

Das unter dem Titel „Drau-Art“ geschaffene Land-Art-Projekt von „Kunstbau Saager“ ist eine Landschaftsgestaltung der drei Künstler Edmund Hoke, Tomas Hoke und Armin Guerino. Mit den Wasserformen Schnecke, Strudel und Walze formten die drei Designer die durch den Draustau entstandene Bucht bei Selkach. Natur, Kunst und Technik wurden zu einer wachsenden Einheit, die den Besuchern zur Verfügung steht. Auf dem Hügel „Zikkurat“, auf der Wellenkette und im strudelförmigen Hafenbecken bieten sich neue Perspektiven, der Drau und den Bergen näher zu kommen.

Im Gemeindegebiet finden sich zahlreiche Wegkreuze und Bildstöcke. Gleich in der Nähe der Stauseebrücke nach Maria Elend in der kleinen Ortschaft Selkach steht dieser massige Bildstock aus dem 16. Jahrhundert mit seichten Rundbogennischen unter seinem Pyramiden-Schindeldach. Die Bemalung datiert aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wirtschaftsleben der Gemeinde ist vor allem geprägt von der Holzindustrie; in Ludmannsdorf sind sechs Tischlereibetriebe, zwei Zimmereien und drei Sägewerke ansässig. Der größte Arbeitgeber der Gemeinde und mithin der Region ist die Firma Holzbau Gasser GmbH.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Ludmannsdorf hat 15 Mitglieder und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2015 wie folgt zusammen:

  • 8 GL (Ludmannsdorfer Volkspartei - Alternative Liste - Gemeindeliste)
  • 4 SPÖ
  • 2 EL
  • 1 FPÖ

Direkt gewählter Bürgermeister ist seit 2009 Manfred Maierhofer (GL).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wappen von Ludmannsdorf werden die traditionellen wirtschaftlichen Eigenheiten des heutigen Gemeindegebiets zum Ausdruck gebracht. Die beiden goldenen Zahnflanken symbolisieren Sägeblätter und damit die Holzgewinnung und -verarbeitung, das Korbgeflecht dazwischen erinnert an die – heute nicht mehr betriebene – Korbflechterei und Strohverarbeitung u. a. zu Strohhüten, die früher als Heimindustrie eine regionale Bedeutung besaßen. Der blaue Schildgrund spielt auf die Lage des Gemeindegebiets zwischen Drau, Keutschacher Seental und Wörthersee an.

Wappen und Fahne wurden der Gemeinde am 5. März 2002 verliehen. Die Fahne ist Gelb-Blau mit eingearbeitetem Wappen. Die offizielle Blasonierung lautet: „In Blau mit goldenen Zahnflanken pfahlweise ein goldenes, schwarz gezeichnetes Korbgeflecht.“[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dekanalamt Ferlach (Hg.) / Dekanijski urad Borovlje (izd.): Dekanat Ferlach, Geschichte und Gegenwart = Dekanija Borovlje, zgodovina in sedanjost. Klagenfurt/Celovec 2012, S. 127–156.
  • Anton Kreuzer: Köttmannsdorf und Umgebung - Die Gegend zwischen dem Keutschacher Seental und dem Draufluss. Kreuzer Buch, Klagenfurt 2011
  • J. Filipič: Der nationale Differenzierungsprozeß in den Gemeinden Oberdörfl/Zgornja Vesca, Ludmannsdorf/Bilčovs und Köttmannsdorf/Kotmara vas in den Jahren 1880 bis 1945. Wien 1994.
  • Polona Sketelj: Bilčovske družinske jaslice. Bilčovs 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Parish church of Saint James, Ludmannsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Ludmannsdorf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Bevölkerung am 1.1.2015 nach Ortschaften
  2. http://www.kath-kirche-kaernten.at/pfarren/pfarre/C2965
  3. Liste der Pfarren im Dekanat Ferlach/Borovlje
  4. Johann Scheinigg: Obraz rožanskega narečja na Koroškem. XXXII. Programm des k. k. Staats-Gymnasiums zu Klagenfurt. Klagenfurt, Druck der St. Hermagoras-Buchdruckerei 1882
  5. Fran Ramovš: Kratka zgodovina slovenskega jezika. Ljubljana 1936.
  6. Tine Logar: Slovenska narečja. Ljubljana 1975
  7. Tine Logar: Koroška slovenska narečja In: Enciklopedija Slovenije 5 (Kari–Krei), Ljubljana 1991.
  8. zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 174