Luigi Lo Cascio

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Luigi Lo Cascio

Luigi Lo Cascio (* 20. Oktober 1967 in Palermo) ist ein italienischer Schauspieler.

Biografie[Bearbeiten]

Luigi Lo Cascio wurde 1967 in Palermo geboren. In der sizilianischen Hauptstadt wuchs er mit vier Brüdern auf und beschloss in die Fußstapfen seines Urgroßvaters und Onkels zu treten und Medizin zu studieren, um ebenso wie sie eine Karriere als Psychiater einzuschlagen. Während seines Studiums schloss sich Lo Cascio gemeinsam mit Freunden dem Straßentheater Ascelle (dt.: „Achselhöhle“) in seiner Heimatstadt an, wo er 1989 vom Theaterregisseur Federico Tiezzi entdeckt wurde.[1] Tiezzi bot ihm eine Rolle in der Inszenierung von Samuel Becketts Warten auf Godot an, die den Laienschauspieler unter anderem an das Teatro Quirino in Rom oder das Teatro Carignano in Turin führte. Schnell fand er Gefallen am Theater und brach sein Medizinstudium vorzeitig ab, um sich einer professionellen Karriere als Schauspieler widmen zu können. Lo Cascio zog nach Rom und beendete 1992 erfolgreich seine Schauspielausbildung an der staatlichen Kunsthochschule Silvio D'Amico mit Orazio Costas Inszenierung von William Shakespeares Hamlet. Weitere Auftritte in den 1990er Jahren in zahlreichen klassischen Theaterstücken wie Alexandre Dumas' Die Kameliendame (1992), Shakespeares Romeo und Julia (1996), Heinrich von Kleists Die Familie Schroffenstein (1997) oder Oscar Wildes Salome (1998) folgten. Lo Cascio hegt eine Vorliebe für das Theater Luigi Pirandellos, die griechische Tragödie, aber auch die Werke von Samuel Beckett und Bertolt Brecht.[1]

Durch die Empfehlung seines Onkels Luigi Maria Burruano, ebenfalls Schauspieler, gelangte Lo Cascio im Jahr 2000 an die Hauptrolle in Marco Tullio Giordanas Spielfilm 100 Schritte. Das Krimidrama folgt dem Leben des sizilianischen Politikers Giuseppe „Peppino“ Impastato, der sich unter anderem mit einem selbstfinanzierten freien Radiosender gegen die Mafia stellte und dies 1978 mit dem Leben bezahlte. 100 Schritte war internationaler Erfolg bei Publikum und Kritikern beschieden. Der Film wurde 2001 für den Golden Globe nominiert, während Lo Cascio im selben Jahr für sein Kinodebüt als Giuseppe Impastato, das von der Frankfurter Rundschau als „Dreieinigkeit“ aus Rudi Dutschke, Werner Enke und Roberto Benigni charakterisiert wurde[2], den David di Donatello, den wichtigsten italienischen Filmpreis erhielt. Nahtlos an den Erfolg anknüpfen konnte der Schauspieler ein Jahr später mit der Hauptrolle in Giuseppe Piccionis Licht meiner Augen (2001). In dem stillen, melancholischen Liebesfilm[3] mimt der Italiener den römischen Chauffeur Antonio, der sich mit Helden aus Science-Fiction-Romanen identifiziert und in der allein erziehenden Mutter und sich dem Leben verweigernden Stoikerin Maria auf die Liebe seines Lebens trifft. Lo Cascio erhielt bei der Premiere von Licht meiner Augen auf den Filmfestspielen von Venedig 2001 gemeinsam mit Filmpartnerin Sandra Ceccarelli die Coppa Volpi als bester Darsteller und setzte sich unter anderem gegen so etablierte Akteure wie Ben Kingsley (The Triumph of Love) oder Gael García Bernal (Y Tu Mamá También – Lust for Life) durch.

Nach den Erfolgen von 100 Schritte und Licht meiner Augen avancierte Luigi Lo Cascio zum „Shooting Star“ des italienischen Kinos.[3] 2002 folgte mit Cristina Comencinis italienischer Familiengeschichte Der schönste Tag in meinem Leben, erneut neben Ceccarelli, die Rolle des homosexuellen Sohnes von Virna Lisi, der seine Liebe zu Männern verhehlt. 2003 arbeitete Lo Cascio wieder mit Marco Tullio Giordana an Die besten Jahre zusammen. Der Film, ursprünglich als Fernsehvierteiler für das staatliche Fernsehen RAI konzipiert[4] zeigt die politische und gesellschaftliche Entwicklung Italiens von den sechziger Jahren bis zur Gegenwart am Beispiel einer Familie auf und kam als Zweiteiler à drei Stunden in die Kinos. Als gegensätzliches Brüderpaar dominierte Lo Cascio und sein Landsmann Alessio Boni die Szenerie, die später gemeinsam mit dem übrigen männlichen Schauspielensemble mit dem Nastro d’Argento des Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani geehrt wurden. Bis 2006 folgten sechs weitere Filmproduktionen, in denen Lo Cascio überwiegend mit Hauptrollen vertreten war, darunter Buongiorno, notte – Der Fall Aldo Moro (2003), Marco Bellocchios Aufarbeitung des Entführungsfalls Aldo Moro aus den 1970er Jahren, und die erneute Zusammenarbeit mit Giuseppe Piccioni und Sandra Ceccarelli an dem Film-im-Film-Drama Das Leben, das ich immer wollte (2004), in dem Lo Cascio als verliebter und später egomanischer Star eines Kostümdramas zu sehen ist. 2009 spielte er bei Baarìa mit.

Luigi Lo Cascio lebt in Rom und ist seit 2006 mit der Cutterin Desideria Rayner verheiratet.

Filmografie[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

David di Donatello[Bearbeiten]

  • 2001: Bester Hauptdarsteller für 100 Schritte
  • 2002: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Licht meiner Augen
  • 2004: nominiert als Bester Hauptdarsteller für Die besten Jahre

Europäischer Filmpreis[Bearbeiten]

  • 2002: nominiert für den Publikumspreis als Bester Darsteller für Licht meiner Augen
  • 2003: nominiert als Bester Darsteller für Die besten Jahre

Weitere[Bearbeiten]

Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani

  • 2001: nominiert für den Nastro d’Argento als Bester Hauptdarsteller für Hundert Schritte
  • 2004: Nastro d’Argento als Bester Hauptdarsteller für Die besten Jahre
  • 2011: Nastro d’Argento des Jahres für Noi credevamo (gemeinsam mit dem Schauspielensemble und Stab)

Internationale Filmfestspiele von Venedig

  • 2001: Coppa Volpi und Pasinetti-Preis als Bester Darsteller für Licht meiner Augen

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b vgl. Biografie bei luigilocascio.20m.com (italienisch)
  2. vgl. Distelmeyer, Jan: Der Clown und die Macht. In: Frankfurter Rundschau, 28. August 2003, Feuilleton, S. 10
  3. a b vgl. Jähnigen, Brigitte: Der Mann als Minnesänger. In: Stuttgarter Nachrichten, 23. Dezember 2004, Kulturmagazin, S. 15
  4. vgl. Breithaupt, Christiane: Fette Jahre, zahnlose Zeit. In: die tageszeitung, 5. März 2005, Kultur, S. 21