Europäischer Filmpreis

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Der Europäische Filmpreis ist ein paneuropäischer Filmpreis, der seit 1988 von der Europäischen Filmakademie (EFA) verliehen wird. Die Auszeichnung wird auch als „europäischer Oscar“ bezeichnet.[1][2]

Die letzte Verleihung fand am 7. Dezember 2019 in Berlin statt, die nächste Verleihung soll 2020 in Reykjavík stattfinden.

Geschichte und Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europäische Filmpreis, bis 1997 auch unter dem Namen Felix bekannt, soll die Aufmerksamkeit des Publikums auf europäische Filme lenken und europäische Kinos stärken.

Die ersten Felixe wurden am 26. November 1988 in Berlin, in dem Jahr Kulturhauptstadt Europas, vergeben.[3]

Preistrophäe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1996 wurde eine von Markus Lüpertz entworfene Preistrophäe namens Felix überreicht, die einen Mann mit Taube in der Hand zeigte. 1997 wurde diese gegen eine silberfarbene Statuette ausgetauscht, die eine langhaarige Frau mit einem mit Europa-Sternen besetzten Kleid zeigt. Die namenlose Preistrophäe wurde von dem Briten Theo Fennell entworfen.[4]

Nominierungsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr gibt die Europäische Filmakademie (EFA) und die EFA Productions GmbH in Berlin eine Auswahlliste („Longlist“) mit circa 40 Spielfilmen bekannt, die für eine Nominierung in Frage kommen. Alle Produktionen müssen zwischen Juli des vorherigen und Juni des Jahres der Bekanntgabe öffentlich auf Festivals oder in Kinos gezeigt worden sein. 20 von diesen Filmen gelangen durch die Wahl der EFA-Mitglieder in den jeweiligen europäischen Ländern direkt auf die Liste. Die restlichen 20 Filme werden unter anderem von europäischen Filminstitutionen, Festivals und Fachzeitschriften vorgeschlagen und durch ein Auswahlkomitee ermittelt, das aus Mitgliedern des EFA-Vorstandes und einer Expertengruppe besteht. Über die Nominierten in den einzelnen Kategorien stimmen in den nächsten Wochen die 2500 Mitglieder der Europäischen Filmakademie wie auch bei der Oscarverleihung per Briefwahl ab. Sie erhalten dafür kostenfreie Kopien der Filme zugestellt. Die Nominierungen werden jedes Jahr Anfang November, einen Monat vor der Verleihung, auf dem Europäischen Filmfestival von Sevilla bekanntgegeben. In einem zweiten Wahlgang stimmen dann die EFA-Mitglieder bis zur Verleihung über die Gewinner der einzelnen Kategorien ab.

Produzenten von europäischen Spielfilmproduktionen, die nicht auf der Liste der empfohlenen Filme vertreten sind, haben nach den geltenden Regularien das Recht, den Mitgliedern der European Film Academy auf eigene Kosten DVDs ihrer Filme als Kandidaten für eine Nominierung zuzusenden.[5] Dies geschah beispielsweise 2008 im Fall von So viele Jahre liebe ich dich, für den die Britin Kristin Scott Thomas mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurde.

Für die Nominierungen in den Kategorien Bester europäischer Kurzfilm und Bester europäischer Dokumentarfilm (Prix Arte) gelten separate Nominierungsrichtlinien. Bei Kurzfilmproduktionen sind alle Film- und Videoformate mit einer Spieldauer von bis zu 15 Minuten berechtigt, darunter auch Animations- und Dokumentarfilme. Die Nominierten werden einzeln auf 15 europäischen Filmfestivals ermittelt und vorab preisgekrönt. Aus diesen wählen die EFA-Mitglieder den Gesamtsieger. Kurzfilme gelten als europäisch, wenn der Regisseur in Europa geboren wurde oder einen europäischen Pass besitzt. Als europäisch zählt die Europäische Filmakademie auch Beiträge aus Israel und den Palästinensischen Autonomiegebieten.[6]

Bei Dokumentarfilmen einigt sich ein Expertenteam auf drei nominierte Produktionen mit einer Laufzeit von mindestens 70 Minuten. Diese müssen auf einem von der EFA anerkannten Filmfestival offiziell gezeigt oder nach dem 1. Juli eines jeden Jahres im Kino öffentlich gezeigt worden sein. Alle EFA-Mitglieder entscheiden über den Gewinnerfilm, der bei der Verleihung der Europäischen Filmpreise bekanntgegeben wird.[7]

Änderung der Regularien 2019

2019 wurden die Regularien geändert, mit dem Ziel einer Reduzierung der Anzahl der ausgewählten Filme, einer Demokratisierung des Nominierungsverfahren und einer Gleichbehandlung aller Länder. Unter anderem wurde die Direktwahl von Spielfilmen der 20 Länder mit den meisten EFA-Mitgliedern abgeschafft. Um an den EFAs teilnehmen zu können, muss ein Film zusätzlich zu den bisherigen Kriterien entweder eine Auszeichnung bei einem großen Festival erhalten haben oder für große Aufmerksamkeit bei Filmfestivals gesorgt haben oder in mindestens drei Länder (bei Dokumentationen ein Land) verkauft oder verliehen worden sein.[8][9]

Preisverleihung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europäische Filmpreis wird jeweils an einem Samstag im Dezember während einer Fernsehgala verliehen, die seit 1997 in ungeraden Jahren in Berlin, dem Sitz der Akademie, und in geraden Jahren in einer anderen europäischen Stadt stattfindet (Ausnahme 2009 Bochum).

Ort Land Anzahl Jahre
Barcelona SpanienSpanien Spanien 1 2004
Berlin DeutschlandDeutschland Deutschland 15 1988, 1993, 1994, 1995, 1997, 1999, 2001, 2003, 2005, 2007, 2011, 2013, 2015, 2017, 2019[10]
Bochum DeutschlandDeutschland Deutschland 1 2009
Breslau PolenPolen Polen 1 2016
Glasgow Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 1 1990
Kopenhagen DanemarkDänemark Dänemark 1 2008
London Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 1 1998
Valletta MaltaMalta Malta 1 2012
Paris FrankreichFrankreich Frankreich 2 1989, 2000
Potsdam-Babelsberg DeutschlandDeutschland Deutschland 3 1991, 1992, 1996
Reykjavík IslandIsland Island 1 2020[10]
Riga LettlandLettland Lettland 1 2014
Rom ItalienItalien Italien 1 2002
Sevilla[11] SpanienSpanien Spanien 1 2018
Tallinn EstlandEstland Estland 1 2010
Warschau PolenPolen Polen 1 2006

Kategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Hauptpreis für den besten europäischen Film werden verschiedene weitere Preise verliehen, 2018 waren es insgesamt 24 ausgelobte Kategorien, darunter auch drei Ehren- und Publikumspreise.[12] Der Großteil der Gewinner wird von den EFA-Mitgliedern bestimmt. 2019 wird erstmals eine Kategorie für die Beste europäische Serie (New European Achievement in Fiction Series Award) vergeben, mit dem die deutschen Regisseure Achim von Borries, Henk Handloegten und Tom Tykwer füre ihre Arbeit an Babylon Berlin geehrt werden.[13]

Filmkategorien

Kategorie Originalbezeichnung verliehen seit
Bester Film European Film 1988
Beste Komödie European Comedy 2013
Bester Nachwuchsfilm European Discovery – Prix FIPRESCI 1988
Bester Dokumentarfilm European Documentary 1989
Bester Animationsfilm European Animated Feature Film 2009
Bester Kurzfilm European Short Film 1998

Filmschaffende

Kategorie Originalbezeichnung verliehen seit
Beste Regie European Director 1988
Beste Darstellerin European Actress 1988
Bester Darsteller European Actor 1988
Bestes Drehbuch European Screenwriter 1988
Beste Kamera European Cinematography / Carlo Di Palma European Cinematographer Award 1988
Bester Schnitt European Editing 1991
Bestes Szenenbild European Production Design 1988
Bestes Kostümbild European Costume Design 2013
Bestes Maskenbild European Hair & Make-Up 2016
Beste Filmmusik European Original Score 1989
Bester Ton European Sound 2013
Beste visuelle Effekte European Visual Effects 2018

Ehrenpreise

Kategorie Originalbezeichnung verliehen seit
Europäischer Filmpreis für ein Lebenswerk European Film Academy Lifetime Achievement Award 1988
Beste europäische Leistung im Weltkino European Achievement in World Cinema 1997
Koproduzentenpreis Eurimages Co-Production Award – Prix EURIMAGES 2007

Publikumspreise

Kategorie Originalbezeichnung verliehen seit
Publikumspreis – Bester Film EFA People’s Choice Award 2006
Bester Kinderfilm EFA Young Audience Award (YAA) 2012
European University Film Award European University Film Award (EUFA) 2016[14]
Ehemals vergebene Kategorien

Bis 2009 wurde im Rahmen der Preisverleihung auch der Europäische FIPRESCI-Preis (Critics Award – Prix Fipresci) der Fédération Internationale de la Presse Cinématographique (FIPRESCI) vergeben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Europäischer Oscar“ für Fatih Akin. In: Süddeutsche Zeitung. 1. Dezember 2007, abgerufen am 6. Januar 2011.
  2. Stimmt für den besten Film des Jahres! auf moviepilot.de. 2. September 2010, abgerufen am 6. Januar 2011.
  3. Kalenderblatt der Deutschen Welle. Abgerufen am 25. November 2008.
  4. »Es hilft bei der nächsten Produktion«. In: Aachener Nachrichten, 3. Dezember 2012, S. 11.
  5. vgl. Auswahlverfahren bei europeanfilmacademy.org (aufgerufen am 26. April 2013)
  6. vgl. Kurzfilm-Regularien (Memento des Originals vom 17. November 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.europeanfilmacademy.org bei europeanfilmacademy.org (abgerufen am 26. April 2013).
  7. vgl. Dokumentarfilm-Regularien bei europeanfilmacademy.org (abgerufen am 26. April 2013).
  8. Neue Regularien für Europäischen Filmpreis. Artikel vom 10. April 2019, abgerufen am 10. April 2019.
  9. New Regulations for European Film Awards. Abgerufen am 10. April 2019.
  10. a b Gala des Europäischen Filmpreises wechselt 2020 nach Reykjavik: Nächster Halt nach Sevilla und Berlin. Artikel vom 28. Februar 2019, abgerufen am 1. März 2019.
  11. European Film Awards 2018 Go to Seville bei europeanfilmacademy.org (abgerufen am 4. November 2017).
  12. Award Categories. Abgerufen am 10. September 2019.
  13. EFA Honours Babylon Berlin. Abgerufen am 10. September 2019.
  14. The European Film Academy: Launch of European University Film Award. Abgerufen am 25. November 2018.