Lukian von Antiochia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lukian von Antiochia (auch Lukian von Samosata[1]; * um 250 vermutlich in Samosata; † 7. Januar 312 in Nikomedia) war Theologe und Priester der Kirche von Antiochia. Er war Leiter der Antiochenischen Schule und wird als Märtyrer und Heiliger verehrt.

Lukian genoss aufgrund seines asketischen Lebens und seiner Gelehrsamkeit allgemeines hohes Ansehen. Sowohl die Arianer als auch die Nestorianer beriefen sich auf ihn und seine Schule. Aus der Antiochenischen Schule gingen aber auch Johannes Chrysostomos, Diodorus und Theodor von Mopsuestia hervor.

Leben[Bearbeiten]

Nach Suidas wurde Lukian bei Samosata als Kind angesehener Eltern geboren und im benachbarten Edessa in der Schule eines gewissen Macarius ausgebildet. Diese Herkunft kann jedoch bezweifelt werden, da sie nicht durch andere Quellen gedeckt ist und einer Verwechslung mit dem gleichnamigen Satiriker Lukian von Samosata zugrunde liegen kann.

Lukian ließ sich in jungen Jahren in Antiochia am Orontes nieder, wurde zum Priester geweiht und stieg zum Leiter der Antiochenischen Schule auf. Obwohl er nicht die die theologischen Ansichten des Paulus von Samosata vertrat, geriet er im Zuge dessen Verdammung auch unter Verdacht und wurde gezwungen, die Gemeinschaft mit der Kirche aufzugeben. Dieser Bruch mit den rechtgläubigen Vertretern währte während der Amtszeit der Bischöfe Domnus I. (268–273), Timaios (273–277) und Kyrillos I. (277–299). Wahrscheinlich versöhnte er sich noch während des Episkopats von Kyrillos I. mit der Kirche (möglicherweise um 285); andernfalls wäre es schwer verständlich, dass seine Schüler von den orientalischen Bischöfen aufgenommen wurden.

Über sein Leben ist weiterhin wenig bekannt, obwohl er einen großen Einfluss auf die Geschichte des Christentum hatte. In ihm zentrierte sich die Ablehnung der in Alexandria aufkommenden allegorisierenden Tendenzen. Er lehnte die Methode der Allegorese der alexandrinischen Schule zur Bibelauslegung rundweg ab und schlug ein System der literarischen Interpretation vor, das in der Ostkirche lange Zeit vorherrschte.

Die meisten Autoren sehen in ihm den wahren Urheber der Ansichten, die später in der Häresie des Arius ihren Ausdruck fanden. Seine Christologie stellt eine Vereinigung von Modalismus und Subordinatianismus dar: Das Wort, obwohl es der Schöpfer aller nachfolgender Wesen war, war selbst ein Geschöpf, allerdings allen anderen geschaffenen Dingen überlegen. Die großen Anführer des Arianismus einschließlich des Arius und des Eusebius von Nikomedia wurden von ihm gelehrt und verehrten ihn als Vordenker.

Trotz seiner Heterodoxie bezeichnet Eusebius von Caesarea ihn in seiner Kirchengeschichte als Mann von ausnahmsloser Tugend;[2] während des Höhepunktes des arianischen Konfliktes war seine Heiligkeit nicht weniger berühmt als sein Ansehen als Gelehrter.

Während der Christenverfolgung des römischen Kaisers Maximinus Daia wurde er verhaftet und nach Nikomedia gebracht, wo er gefoltert und, nachdem er ein öffentliches Glaubensbekenntnis abgelegt hatte, zum Tod verurteilt wurde. Er starb am 7. Januar 312 den Märtyrertod. Sein Grab wurde zunächst eine Wallfahrtsstätte für die Arianer; seit Ende des 4. Jahrhunderts wird er als Heiliger verehrt.

Werke[Bearbeiten]

Neben der christologischen Kontroverse hatte sein Wirken auch große Einflüsse auf die Bibelauslegung. Er vertrat die Ansicht, den literarischen Sinn der textlichen Präzision vorzuziehen und überarbeitet selbst die Septuaginta anhand der hebräischen Originalfassung. Seine Bibelübersetzung war im 4. Jahrhundert weit verbreitet.[3][4] Er verfasste auch eine Bibelrezension des Neuen Testaments. Hieronymus nennt Lebelli de Fide als weiteres Werk. Keines davon ist jedoch erhalten. Ihm wird auch die Verfassung eines Glaubensbekenntnisses zugeschrieben, das 341 auf der Synode von Antiochia präsentiert wurde.[5] Seine Autorenschaft ist allerdings zweifelhaft und er hat es sicherlich nicht in seiner heutigen Form verfasst. Durch Rufinus von Aquileia ist eine Übesetzung seiner apologetischen Rede überliefert. Suidas nennt eine Reihe von Briefen, in einem Ausschnitt davon wird der Tod des Bischofs Anthimus berichtet.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. jedoch nicht mit dem gleichnamigen Satiriker Lukian von Samosata zu verwechseln
  2.  Eusebius von Caesarea: Historia Ecclesiastica. Buch VIII, 4. Jahrhundert, Kapitel 13.2 (deutsche Übersetzung von Philipp Häuser in der Bibliothek der Kirchenväter).
  3.  Hieronymus: Lucianus. In: De viris illustribus. 4. Jahrhundert, Kapitel 77 (Wikisource: Lucianus the presbyter (englisch) Auf Wikisource.).
  4.  Hieronymus: Adversus Rufinum. 4. Jahrhundert, Kapitel 26.
  5.  Athanasius der Große: Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. In: Sämmtliche Werke des heiligen Athanasius. Band 3, Kempten 1836 (Originaltitel: De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria, 4. Jahrhundert), Kapitel 23 (deutsche Fassung).
  6. "Chronicon Paschale in P.G. XCII, 689

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Lucian of Antioch – Quellen und Volltexte (englisch)