Mälzerei Lichtenrade

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Westseite der Mälzerei Lichtenrade

Die Mälzerei Lichtenrade ist ein Industriegebäude aus dem Jahr 1898 im Berliner Ortsteil Lichtenrade, Steinstraße 41. Sie diente ursprünglich zur Herstellung von Malz zum Bierbrauen nach einem damals modernen Verfahren und steht seit 1984 unter Denkmalschutz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mälzerei Lichtenrade, 2018

Aufgrund der wachsenden Nachfrage an Bier am Ende des 19. Jahrhunderts, als Berlin und die umgebenden Städte stark expandierten, sah sich der Generaldirektor der damaligen 1867 gegründeten Schloßbrauerei Schöneberg A.G., später eine Marke von Berliner Kindl, Max Fincke, veranlasst, außerhalb der dicht bebauten damals eigenständigen Stadt Schöneberg eine große Mälzerei zu errichten. Die Anlage sollte einerseits den steigenden Bedarf an Malz decken, andererseits die Anwohner im dicht besiedelten Stadtgebiet von Schöneberg durch die Geruchsentwicklung nicht belästigen. Mit der Planung beauftragt wurde der Regierungsbaumeister Wilhelm Walther. Als Bauplatz kamen direkt an der Dresdener Bahn gelegene 40 Morgen Landwirtschaftsfläche des aufgeteilten Bornhagenschen Guts in Frage. In den Jahren 1897/1898 wurde das Gebäudeensemble, bestehend aus einem Gebäude mit Darrentrakt, Lagerböden und Keimanlage, einem Kessel- und Maschinenhaus sowie Nebengebäuden errichtet. Der Fertigungsprozess des Mälzens war für die damalige Zeit modern und leitete die industrielle Herstellung von Bier in großer Menge ein. Damit wurde die bis dahin seit dem Mittelalter übliche Keimung der Braugerste auf einer Tenne durch einen maschinell unterstützten pneumatischen Prozess nach dem Verfahren des lothringischen Bierbrauers und Erfinders Josef Nikolaus Galland ersetzt. In diesem Verfahren wurde feuchte und temperierte Luft durch rotierende mit Getreide gefüllte Trommeln geblasen, was den für das Mälzen erforderlichen Keimprozess beschleunigte.[1] Beliefert wurde die Mälzerei per Eisenbahn über einen Industrieanschluss vom Bahnhof Lichtenrade aus, der Abtransport zu den Brauhäusern erfolgte mit Pferdefuhrwerken. Pro Tag erreichten 28 Güterwagen mit Braugerste die Mälzerei, jährlich produzierte sie 60.000 Zentner Malz.

Direkt nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Getreide aufgrund der Notlage rationiert, sodass sich ein Weiterbetrieb der Mälzerei Lichtenrade nicht mehr lohnte. Das Hauptgebäude wurde nach dem Ausbau der Maschinen an einen Lagerbetrieb vermietet. Die Nebengebäude wurden abgerissen. Im Jahr 1933 beschlagnahmte die deutsche Wehrmacht das Haupthaus, das sie schließlich bis 1945 als Lebensmittellager nutzte. In der Zeit des Kalten Krieges lagerte hier ein Teil der West-Berliner Senatsreserve. Auch heute noch wird das seit 1984 unter Denkmalschutz stehende Gebäude als Lagerhaus genutzt.[2]

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Architekt Wilhelm Walther, bekannt für seine wilhelminisch geprägten Bauten unter anderem für Versicherungen und Geschäftshäuser, wählte für seinen Entwurf der Mälzerei Lichtenrade den Stil der damals beliebten historisierenden Architektur einer norddeutsch nachempfundenen Neorenaissance. Zu dieser Formensprache gehören geschweifte Giebel mit Einfassungen aus hellem Sandstein, rote Mauerziegel mit weiß abgesetzten, die Fassaden gliedernden Putz- und Wappenflächen sowie reich verziertes Schmiedeeisen für Maueranker und andere eiserne Elemente. Das Firmensignet der Brauerei mit dem Sprichwort Hopfen und Malz, Gott erhalt’s befindet sich am Westgiebel in einem steinmetzmäßig bearbeiteten Wappen mit Figurenschmuck aus Sandstein. Die Dächer sind mit Schiefer gedeckt, der westliche Kopfbau, die ehemalige fünfgeschossige Darre mit quer zur Hauptachse des Gebäudes verlaufendem Walmdach, besitzt zwei hoch aufragende, durch alle Stockwerke führende Dunstschlote mit aufgesetzter Regenabdeckung. Das Gebäude wirkt monumental und überragt die gesamte Bebauung der Gegend um den Lichtenrader Bahnhof.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilfried Postier: Lichtenrade – ein Dorf in Berlin, Berlin 1983
  • Hans-Jürgen Rach: Die Dörfer in Berlin, Berlin 1990, ISBN 3-345-00243-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mälzerei Lichtenrade – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Internetseite der Malzfabrik Weyermann
  2. Internetseite Lichtenrade-berlin.de (Memento des Originals vom 23. Juli 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lichtenrade-berlin.de
  3. Denkmaldatenbank der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

Koordinaten: 52° 23′ 16,4″ N, 13° 23′ 49,8″ O