GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast

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GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast

MOAB bomb.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Fliegerbombe
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA
Hersteller: Munitions Directorate of the Air Force Research Laboratory (AFRL)
Entwicklung: 2002
Indienststellung: 2003
Einsatzzeit: Im Dienst
Stückpreis: 170.000 USD[1][2]
Technische Daten
Länge: 9140 mm
Durchmesser: 1030 mm
Gefechtsgewicht: 9550 kg
Ausstattung
Lenkung: Trägheitsnavigationsplattform & GPS
Gefechtskopf: BLU-120
Waffenplattformen: Bomber und Transportflugzeuge
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Die GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast (Abkürzung MOAB, zu deutsch etwa: Mächtige Luft-Explosions-Waffe) der United States Air Force ist die sprengkraftstärkste konventionelle Fliegerbombe im Arsenal der US-Streitkräfte. Als Sprengkopf wird der BLU-120 verwendet. Dieser enthält 8,48 Tonnen Sprengstoff[3] und entwickelt eine nominelle Sprengkraft von 11 Tonnen TNT-Äquivalent und einen Sprengradius von 150 Meter.

Das Akronym MOAB wurde nachträglich auch als mother of all bombs („Mutter aller Bomben“) interpretiert, angelehnt an den im Zweiten Golfkrieg von Saddam Hussein geprägten Ausdruck „Mutter aller Schlachten“. Die MOAB war die weltweit größte Bombe ihrer Art, bis im Jahr 2007 in Russland der „Vater aller Bomben“ gezündet wurde, eine Bombe mit 44 Tonnen TNT-Äquivalent.[4]

Größe und Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit ihrer Hülle wiegt sie 9,55 Tonnen, hat einen Durchmesser von 1,03 Meter und eine Länge von 9,14 Metern. Sie gilt als Nachfolgemodell der in Vietnam, 1991 im Irak und zuletzt in Afghanistan eingesetzten Daisy Cutter (BLU-82B), die mit ca. 5,7 Tonnen Sprengstoff gefüllt ist. Diese diente ursprünglich dazu, Landezonen für Hubschrauber in den Dschungel zu sprengen; sie wurde aber auch gegen Höhlen und Truppenansammlungen eingesetzt sowie testweise zum Räumen von Minenfeldern.[3][5]

Der BLU-120-Sprengkopf hat eine Füllung aus dem Mischsprengstoff H6: Dieser besteht aus Hexogen (Cyclotrimethylentrinitramin), auch bekannt als RDX, das zusätzlich mit Tritonal angereichert wird. Tritonal ist ein Gemisch aus Aluminiumpulver und TNT (Trinitrotoluol, Trotyl). Dieser Sprengstoff ist in der Herstellung zwar teurer als die GSX-Mixtur (gelled slurry explosive; „gelierter schlammartiger Sprengstoff“) aus Ammoniumnitrat und Aluminiumpulver, die bei der BLU-82B verwendet wird, aber auch wirkungsvoller. Die Wirkung beruht vor allem darauf, dass die entsprechenden Bomben nicht erst am Boden, sondern kurz darüber explodieren und so eine enorme Druckwelle, die sogenannte Machwelle nahe der Erdoberfläche erzeugen.

Darüber hinaus hat die Größe dieser Bombe eine Wirkung im Sinne der psychologischen Kriegsführung.

Stückpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stückpreis der Bombe lag 2009 bei 14,6 Millionen US-Dollar. Nach ihrem ersten Einsatz im April 2017 wurde in den Medien ein Stückpreis von 16 Mio. US-Dollar genannt, später aber auf 170.000 US-Dollar korrigiert.[1][2]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die MOAB wird aus großer Höhe aus einem Flugzeug abgeworfen und mit Hilfe einer Trägheitsnavigationsplattform und des Global Positioning Systems (GPS) satellitengesteuert ins Ziel geführt.[5] Mit diesem Lenksystem wird ein Streukreisradius (CEP) von 3 bis 15 Metern erreicht. Da sie über ein Leitsystem verfügt, benötigt die MOAB im Gegensatz zur BLU-82B während des Abwurfs auch keinen Fallschirm zur Stabilisierung. Beim Abwurf wird allerdings ein kleiner Fallschirm verwendet, um den Schlitten mit der Bombe aus dem Flugzeug zu ziehen, der danach zusammen mit dem Fallschirm ausgeklinkt wird.

Die MOAB wurde zum ersten Mal am 11. März 2003 getestet:[3] Dazu wurde sie von einer Lockheed C-130 über dem Testgelände (Eglin Test Range) des Luftwaffenstützpunktes Eglin Air Force Base in Florida von der Eglin’s 46th Test Wing abgeworfen. Dieser Test fand im Zusammenhang mit der Irakkrise statt, um die irakischen Streitkräfte zu beeindrucken. Entwickelt wurde sie für den Einsatz gegen große Truppenansammlungen und Bunkeranlagen, aber vermutlich auch wegen der psychischen Wirkung auf den Feind, da sie bei herkömmlichen Aufgaben jedem anderen nichtnuklearen Waffensystem überlegen wäre.

Einsatzflugzeuge:

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Video, das die Explosion im April 2017 in Afghanistan zeigt.

Der erste Gefechtseinsatz erfolgte am 13. April 2017 in Afghanistan.[6][7] Der Angriff wurde von US-General John Nicholson, Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Afghanistan, angeordnet. Die Bombe wurde aus einer Lockheed MC-130 abgeworfen. Ziel des Luftschlages waren Anhänger des „Islamischen Staates“ (IS) in einem Tunnelsystem im Atschin-Distrikt der Provinz Nangarhar im Osten des Landes.[8] Warum der eigentlich für solche Einsätze konzipierte Massive Ordnance Penetrator (MOP) nicht benutzt wurde, ist nicht bekannt. Durch die Bombardierung wurden nach Angaben örtlicher Behörden mindestens 94 Dschihadisten des „Islamischen Staates“ getötet.[9][10] Nach Aussagen lokaler Taliban-Kämpfer hielten sich dort zum Zeitpunkt des Abwurfs keine IS-Kämpfer mehr auf.[11] Eine spätere unabhängige Analyse ergab die Zerstörung von Gebäuden in einem 150-Meter-Radius um den Explosionspunkt; von einem zunächst berichteten Krater mit einem Durchmesser von 300 m fanden die Analysten keine Spuren.[12]

Papst Franziskus erklärte im Mai 2017 infolge des Abwurfs: „Ich war beschämt, als ich den Namen der Bombe hörte – ‘die Mutter aller Bomben’. Eine Mutter bringt Leben und diese Bombe bringt den Tod. Und wir nennen diese Waffe eine Mama? Was ist da los?“

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere nicht im Artikel erwähnte große Bomben:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b badische-zeitung.de, 15. April 2017, Willi Germund: Eine gewaltige Bombe mit fragwürdiger Botschaft (15. April 2017)
  2. a b How much the US's 'mother of all bombs' really costs. In: Business Insider Deutschland. (businessinsider.de [abgerufen am 19. April 2017]).
  3. a b c d GBU-43 auf designation-systems.net
  4. Dirk Scheuring: Kabummski, Vater aller Bomben. Russlands Militär demonstriert technologische Innovationsfähigkeit. In: Telepolis. Verlag Heinz Heise, 15. September 2007, abgerufen am 14. April 2017.
  5. a b Bericht bei Netzeitung über die Bombe (Memento vom 11. Februar 2013 im Webarchiv archive.is)
  6. Afghanistan: USA werfen zum ersten Mal „Mutter aller Bomben“ ab. In: Welt Online. 13. April 2017, abgerufen am 13. April 2017.
  7. Die von den USA erstmals abgeworfene «Mutter aller Bomben» tötet 36 IS-Kämpfer. In: Neue Zürcher Zeitung. NZZ-Gruppe, 14. April 2017, abgerufen am 14. April 2017.
  8. Abwurf über Afghanistan – USA zünden „Mutter aller Bomben“. In: n-tv.de. 13. April 2017, abgerufen am 13. April 2017.
  9. US-Luftangriff in Afghanistan Zahl der Todesopfer durch "Moab"-Bombe steigt, spiegel.de
  10. Number of IS fighters killed by US non-nuclear ‘Mother Of All Bombs’ jumps to 94: Afghan official. financialexpress, 15. April 2017, abgerufen am 15. April 2017 (englisch).
  11. Emran Feroz: Im Schatten der Megabombe. In: Die Tageszeitung. 9. Juni 2017, abgerufen am 9. Juni 2017.
  12. Sune Engel Rasmussen: "Questions for US military after doubt cast on efficiency of Afghan bombing" The Guardian vom 5. April 2017