Psychologische Kriegsführung

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Collage aus verschiedenen PSYOP-Methoden
Funkspruch an libysche Truppen, Internationaler Militäreinsatz in Libyen 2011

Der Ausdruck psychologische Kriegsführung (englisch: Psychological warfare (PSYWAR))[1] bezeichnet im Militärwesen und in der Kriegsführung alle Methoden und Maßnahmen zur Beeinflussung des Verhaltens und der Einstellungen von gegnerischen Streitkräften sowie fremder Zivilbevölkerungen im Rahmen oder im Vorfeld militärischer Operationen. Dabei wird durch gezielte Falschinformation Einfluss auf die strategischen Erwägungen des Gegners genommen. Unter anderem ist psychologische Kriegsführung Methode von Geheimdiensten, wie sie beispielsweise mit der sogenannten Zersetzung in der Vorwendezeit durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR angewendet wurde.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „psychologische Kriegsführung“ gilt als problematisch und anstößig. Der Einsatz von Militärmacht erstreckt sich zunehmend nicht mehr auf die Ebene des lokalen kriegerischen Konfliktes, sondern er globalisiert sich durch die Massenmedien. Häufig operiert man daher mit euphemistischen Begriffen wie „Befriedung“ oder „Stabilisierung“ in Spannungs- oder Konfliktgebieten (z. B. UN-Friedensmissionen), und bemüht sich, die bislang unverhüllte Terminologie entsprechend zu wandeln.

Im NATO-Sprachgebrauch hat sich der Begriff „Psychological Operations“ (PSYOP) durchgesetzt, als Paralleldisziplin zu MEDIAOPS (Media Operations), worunter im zivilen Sprachgebrauch Public Relations/Medienarbeit zu verstehen ist. PSYOPS und MEDIAOPS sind Teilgebiete von INFOOPS (Informational Operations).

Diesen begrifflichen Unterschieden und hierarchischen Zuordnungen entsprechen Entscheidungs- und Befehlswege. Die Bundeswehr hat als spezifische Form bzw. Doktrin der psychologischen Kriegsführung die Operative Information (OPINFO) entwickelt, was die NATO-Terminologie in gewisser Weise zusammenfasst.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals entwickelt und in vollem Umfang angewandt wurde die psychologische Kriegsführung im Mittelalter in der mongolischen Kriegführung.[2] Unter der militärischen Reformation von Dschingis Khan, dem Anführer des mongolischen Reiches im 13. Jahrhundert n. Chr. wurden weniger subtile Methoden verwendet. Die Mongolen zogen es vor, den Willen des Feindes zu brechen, bevor sie angriffen. Sie forderten von den Siedlungen und Städten völlige Unterwerfung und bedrohten sie mit vollständiger Zerstörung, wenn sie sich weigerten. Wenn sie kämpfen mussten, um die jeweilige Siedlung zu erobern, erfüllten die mongolischen Generäle ihre Drohungen und massakrierten die Überlebenden zur Abschreckung. Geschichten der ziehenden Horde breiteten sich in die nächsten Dörfer aus und schufen eine Aura der Unsicherheit und Angst, die die Möglichkeit zukünftigen Widerstands untergrub.[3]

Im Zweiten Weltkrieg setzten sowohl die Achsenmächte als auch Alliierte auf die psychologische Kriegsführung.

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Methode der psychologischen Kriegsführung zählt alles, was die Moral der gegnerischen Kräfte stört, vermindert oder zerstört oder deren Wahrnehmung verfälscht. Propaganda und Gaslighting gehören ebenso wie brutale Abschreckungsbeispiele dazu.[5][6] Auch der unmittelbare Einsatz militärischer Mittel kann Elemente psychologischer Kriegsführung enthalten. So können Manöver nahe dem Hoheitsgebiet eines potenziellen Gegners dessen Kampfeswillen schwächen oder Überfälle im Hinterland zur Verunsicherung gegnerischer Truppen führen.

Klassische Methoden bzw. Medien der psychologischen Kriegführung sind auch das Verteilen von Handzetteln, das Verbringen von Flugblättern per Flugzeug, Ballon, Granate oder Rakete, Lautsprecheraufrufe oder Hörfunksender. Dabei nutzt man die Erkenntnisse der modernen Werbepsychologie: Flugblätter wurden etwa im Zweiten Weltkrieg auch im Stil der jeweiligen Landeswährung gefertigt und waren auf den ersten Blick kaum von einem auf der Straße liegenden Geldschein zu unterscheiden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Psychologische Kriegsführung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tyler Wall: US - Psychologische Kriegsführung und Zivile Beeinflussung U.S Psychological Warfare and Civilian Targeting. United States: Vanderbilt University (September 2010), S. 289, Abgerufen am 10. Januar 2018.
  2. Johannes von Plano CarpiniKunde von den Mongolen. 1245–1247. Eingeleitet, übersetzt und erläutert von Felicitas Schmieder, Thorbecke, Sigmaringen 1997, ISBN 3-7995-0603-9
  3. David Nicolle: The Mongol Warlords: Genghis Khan, Kublai Khan, Hulegu, Tamerlane (2004) S, 21.
  4. Vgl. Ellic Howe: Uranias Kinder. Die seltsame Welt der Astrologen und das Dritte Reich. Beltz Athenäum, Weinheim 1995, ISBN 3-89547-710-9.
  5. S. C. Chekinov, ; S. A. Bogdanov: The Nature and Content of a New-Generation War (PDF). United States: Military Thought. S. 16, ISSN 0869-5636. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  6. Béla Szunyogh: (1955), Psychological warfare; an introduction to ideological propaganda and the techniques of psychological warfare. United States: William-Frederick Press. S, 13. Abgerufen am 10. Januar 2018.