Machmur

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Machmur
Lage
Machmur (Irak)
Machmur
Machmur
Koordinaten 35° 47′ N, 43° 35′ OKoordinaten: 35° 47′ N, 43° 35′ O
Staat Irak
Autonome Region Kurdistan
Gouvernement Erbil
Basisdaten
Höhe 267 m
Einwohner 18.000

Machmur (kurdisch مەخموور Mexmûr; arabisch مخمور, DMG Maḫmūr) ist eine Stadt im gleichnamigen Distrikt der hauptsächlich von Kurden bewohnten irakischen Gouvernements Erbil. Sie befindet sich südwestlich der Stadt Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan. Der ganze Distrikt gehört zu den umstrittenen Gebieten des Nordiraks, auf denen die Regierung Kurdistans Anspruch erhebt.

Kurdisches Flüchtlingslager Machmur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kurdische Flüchtlingslager Machmur befindet sich im Distrikt Machmur, inmitten des Dreiecks MossulKirkuk – Erbil.[1]

1993 waren ganze Dörfer, insgesamt ungefähr 17.000 Menschen, aus der Gegend um Mardin, Hakkâri und Şırnak (Südosttürkei) vor den Kämpfen zwischen der türkischen Armee und der PKK über die Grenze in den Nordirak geflohen und hatten sich vorübergehend in verschiedenen Flüchtlingslagern niedergelassen. Die UNO sprach ihnen 1994 den Flüchtlingsstatus zu und brachte die Menschen im Lager Etrus unter. Von dort aus flüchteten die Menschen in Eigeninitiative nach Machmur in der Nähe der Stadt Mossul, die unter irakischer Kontrolle steht.[2][3] Es wurde 1998 eröffnet und ist der Zufluchtsort von bis zu 12.000 kurdischen Flüchtlingen aus der türkischen Region Südostanatolien, die in den 1990er Jahren während der Kämpfe zwischen der türkischen Armee und der kurdischen PKK geflohen sind. Machmur ist eine der stärksten Basen der PKK im Irak, und viele der Bewohner von Machmur schlossen sich der PKK an.[4]

Seit 1998 steht Machmur offiziell unter dem Schutz und der Kontrolle des UNHCR sowie der irakischen Regierung. Es ist das siebte Lager für die aus der Türkei geflohenen Menschen.

In Machmur konnten mit der Hilfe des UNHCR sieben Schulen funktionsfähig gemacht werden.[5] Bis zu einem offiziellen Verbot im Oktober 2001 wurde dort in Kurmandschi, eine Sprache der überwiegend in der Türkei lebenden Kurden, unterrichtet.[6] Im Jahre 2011 wurde ein mehrere Monate dauernder Prozess, mit dem 10.240 Flüchtlingen offizielle Ausweispapiere ausgestellt wurde, abgeschlossen.[7]

Anfang August 2014 kam es im Zuge der Irakkrise zu Kämpfen zwischen dem IS und kurdischen Kräften der Peschmerga und der PKK um die Vorherrschaft über Machmur. Der IS eroberte Machmur am 7. August, bis am 10. August die Peshmerga und die PKK-Kämpfer mit Luftunterstützung der USA zurückkehrten.[4] Seit den irakisch-kurdischen Kämpfen vom Oktober 2017 befindet sich Machmur wieder unter Kontrolle der irakischen Regierung.[8][9][10]

Bedeutende Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karte des UNHRC von 2006 (PDF)
  2. Drucksache 13/10404 des Deutschen Bundestages vom 28. April 1998 (PDF; 458 kB)
  3. Focus.de: Kurden im Irak: Vergessen im Flüchtlingslager abgerufen am 13. April 2008
  4. a b Hannes Černy: Iraqi Kurdistan, the PKK and International Relations: Theory and Ethnic Conflict (Exeter Studies in Ethno Politics). 1. Auflage. Routledge, 2018, ISBN 978-1-138-67617-6, S. 260.
  5. UNHCR Global report 2006 (PDF)
  6. Bericht von Human Rights Watch
  7. United Nations High Commissioner for Refugees: Refugees in Iraq camp to enjoy more services, rights after registration. In: UNHCR. (unhcr.org [abgerufen am 29. Oktober 2018]).
  8. BBC vom 18. Oktober 2017: Iraq takes disputed areas as Kurds 'withdraw to 2014 lines'
  9. Anadolu Agency vom 17. Oktober 2017: Kurdish forces withdraw from Iraq’s Makhmur district
  10. Daily Sabah vom 17. Oktober 2017: Baghdad’s offensive forces KRG to withdraw from most occupied areas