Manfred Bruns

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Manfred Bruns (1986)

Manfred Bruns (* 1934 in Linz am Rhein) ist ein ehemaliger deutscher Staatsanwalt. Er war bis zu seiner Pensionierung im Sommer 1994 Bundesanwalt am Bundesgerichtshof (Karlsruhe). Er war Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) und ist der Webmaster des LSVD.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manfred Bruns wurde 1934 in Linz am Rhein als Kind in ein erzkatholisches Elternhaus hineingeboren. 1961 heiratete er seine Frau Helga, mit der er über Jahre eine zutiefst traditionelle Ehe führte, aus der drei Kinder hervorgingen [1] 1963 begann seine Karriere an der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Anfang der 19achtziger Jahre outete er sich gegenüber seiner Frau, und etwas später gegenüber seinen jugendlichen Kindern, als homosexuell. 1983 weihte er seinen damaligen Chef, Generalbundesanwalt Kurt Rebmann ein, der ihn von allen Staatsschutzangelegenheiten abzog, da er ihn als Sicherheitsriskio einstufte. 1985 berichtete die Boulevardzeitung BILD über Bruns: "Bundesanwalt Manfred Bruns bekennt: Ich bin schwul." Seit 1993 lebt er mit seinem Lebensgefährten in Karlsruhe. Das Ehepaar ließ sich nie scheiden.

 "Ich habe sehr viel Glück gehabt", sagt Bruns. "Ich habe eine wunderbare Frau gefunden, die mich so toleriert, wie ich bin." 

Bruns gilt als Vater zur Abschaffung des Strafrechtsparagrafen § 175 zum 11. Juni 1994, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts in der Bundesrepublik Deutschland unter Strafe stellte.

Homosexuellenrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bruns hat sich in zahlreichen Artikeln und Vorträgen für die Rechte der Homosexuellen und für Menschen mit HIV und AIDS engagiert. Er war für die SPD Mitglied der Enquete-Kommission „AIDS“ des Deutschen Bundestages und hat sich dort mit Erfolg für eine liberale AIDS-Politik eingesetzt.

Mit Volker Beck und Günter Dworek setzte Bruns sich für die Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften zunächst im (heute nicht mehr existierenden) westdeutschen Bundesverband Homosexualität ein. Ab 1990 war er im SVD (Schwulenverband der DDR), dem späteren LSVD (Lesben und Schwulenverband in Deutschland), aktiv. Er vermittelt Hilfe für Schwule und Lesben bei rechtlichen und sozialen Problemen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der seinerzeitige Bundespräsident Roman Herzog hat Bruns anlässlich seines Ausscheidens aus dem aktiven Dienst „für sein gesellschaftliches und gesellschaftspolitisches Engagement für die Emanzipation und Anerkennung Homosexueller, für den Schutz ihrer Rechte und für die Wahrung der Würde von Menschen, die HIV-positiv oder an AIDS erkrankt sind“, am 27. Oktober 1994 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. [2] Er erhielt die Magnus-Hirschfeld-Medaille 2002 für besondere Verdienste um die Sexualreform.

2012 erhielt Bruns den ersten „Preis für das Engagement gegen Diskriminierung“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.[3] Aus diesem Anlass veröffentlichte die Hirschfeld-Eddy-Stiftung eine Festschrift zu Ehren von Bruns.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 20 Jahre Doppelleben. Spiegel online, 5. Juni 2014, abgerufen am 20. März 2015.
  2. Kleine Geschichte des LSVD
  3. Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Lüders: "Bruns ist ein Vorbild für alle, die für Gleichbehandlung streiten" vom 27. September 2012, abgerufen am 21. August 2013
  4. Hirschfeld-Eddy-Stiftung: Vom Verbot zur Gleichberechtigung. Die Rechtsentwicklung zu Homosexualität und Transsexualität in Deutschland. Festschrift für Manfred Bruns. Schriftenreihe der Hirschfeld-Eddy-Stiftung, Band 3. Berlin, 2012. (PDF; 3,3 MB)