Schwules Netzwerk NRW

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Schwules Netzwerk NRW e.V.
Zweck: Netzwerkorganisation für gleichgeschlechtlich lebende Menschen in Nordrhein-Westfalen
Vorsitz: Steffen Schwab (seit Dezember 2013)
Gründungsdatum: 1991
Mitgliederzahl: 43 Organisationen und Vereine[1][2]
Mitarbeiterzahl: Benjamin Kinkel, Landesgeschäftsführer (hauptamtlich), Ute Hummler, Verwaltungsangestellte (hauptamtlich), sowie Hilfskräfte auf Honorarbasis
Sitz: Köln
Website: http://www.schwul-nrw.de

Das Schwule Netzwerk NRW e. V. ist ein als Verein organisierter Interessen- und Fachverband für Selbsthilfegruppen und Initiativen gleichgeschlechtlich lebender Menschen in Nordrhein-Westfalen. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die soziale, kulturelle und politische Arbeit seiner Mitglieder zu vernetzen, zu koordinieren und mitzugestalten sowie ihre Anliegen etwa durch Lobbying mitzuvertreten und unabhängig von staatlichen Strukturen in den gesellschaftlichen Dialog einzubringen.

Organisationsstruktur, Aufgaben, Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schwulen Netzwerk NRW sind derzeit 43 Organisationen und Vereine zusammengeschlossen. Sie treffen sich zu Mitgliederversammlungen, beschließen den Haushalt, diskutieren ihre Interessen und wählen alle zwei Jahre den Vorstand. Die Mitgliedschaft im Schwulen Netzwerk NRW steht gemeinnützigen Organisationen und Gruppen sowie fördernden Einzelmitgliedern offen.

Das Schwule Netzwerk NRW e.V. wird ehrenamtlich durch derzeit sieben Vorstandsmitglieder geführt. Der amtierende Vorstand wurde durch die Mitgliederversammlung am 23. März 2013 für zwei Jahre gewählt. Die Landesgeschäftsstelle des Schwulen Netzwerks NRW befindet sich in einer Bürogemeinschaft zusammen mit der AIDS-Hilfe NRW e.V. in Köln. In der Landesgeschäftsstelle werden für die Mitgliedsorganisationen vor allem folgende Aufgaben koordiniert:

  • fachliche und organisatorische Beratung der Mitgliedsorganisationen,
  • Organisation von Vernetzung,
  • fachpolitische Interessenvertretung auf Landesebene,
  • Öffentlichkeitsarbeit für den Landesverband,
  • Betreuung und Verwaltung der aus Landesmitteln geförderten regionalen Projekte für Öffentlichkeitsarbeit, Beratung, Selbsthilfe, Fortbildung und Vernetzung.[3]

Das Schwule Netzwerk NRW arbeitet an einer Netzwerkorganisation, die Bewegungen und Entwicklungen innerhalb und außerhalb des Verbandes aufgreifen und mitgestalten soll: Gay Pride, Hilfe zur Selbsthilfe, ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement sollen gefördert, Interessen schwul-lesbischen Lebens sollen von gleichgeschlechtlich lebenden Menschen selbst in den gesellschaftlichen Dialog eingebracht und nicht bloß stellvertretend von staatlichen Strukturen verhandelt werden.

Die Finanzierung erfolgt derzeit zu etwa 90 Prozent aus dem Etat des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen. Eigenmittel werden über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Sponsoring erworben.

Die Nichtregierungsorganisation ist Mitglied im Landesverband NRW des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands, in der AIDS-Hilfe NRW, im Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) und Kooperationspartner der Initiative Queer Nations (IQN, → Queer Nationalism).[4][5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 1990 traf sich auf Betreiben der AIDS-Hilfe NRW eine Gruppe, die die Möglichkeiten einer regionalen Zusammenarbeit schwuler Organisationen analysierte. Darauf aufbauend organisierte der Aktivist Claudius Meyer ein Arbeitstreffen im Januar 1991, bei dem ein Gründungsaufruf für eine Netzwerkorganisation konzipiert wurde. Eine „Initiative Schwules Netzwerk NRW“ lud Vertreter der schwulen Community sodann zur Gründungsversammlung am 15. Juni 1991 in das Haus des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes nach Dortmund ein, wo der Verein Schwules Netzwerk NRW gegründet wurde. Das Plakat der Gründungsversammlung stellte eine Karikatur des Comic-Zeichners Ralf König dar. Zum 20-jährigen Jubiläum im Jahr 2011 schenkte er dem Verband eine „Neuauflage“ seiner Zeichnung von 1991.[6] Zu den ersten Projekten des Verbandes gehörte die Organisation von Seminaren zur Medienarbeit und zur Telefonberatung sowie die Entwicklung eines Infopools mit Kontaktdaten von schwulen Gruppen in Nordrhein-Westfalen. Während die Verbandsarbeit 1991 noch aus rund 4000 DM Eigenmitteln bestritten wurde, konnten für die Verbandsarbeit 1992 bereits etwa 100.000 DM Landesmittel und rund 20.000 DM Eigenmittel eingeworben werden, so dass Arbeitskreise ins Leben gerufen, weitere Seminare organisiert und eine Vielzahl anderer Projekte und Aktionen durchgeführt wurden. Seit 1993 lädt der Verein anlässlich der Kölner Demonstrationsparade Cologne Pride zu seinem jährlichen „CSD-Empfang“ ein, seit 2000 gemeinsam mit der AIDS-Hilfe NRW. Zusammen mit dem Schwulenverband in Deutschland veranstaltete das Schwule Netzwerk NRW 1995 den ersten Fachkongress zum Thema Schwules Leben im Alter unter dem Titel Gay and Gray.[7]

Die Kompassnadel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2001 verleiht das Schwule Netzwerk NRW auf seinem „CSD-Empfang“ die Auszeichnung Die Kompassnadel an „Persönlichkeiten, die sich besonders um die Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz der schwulen Minderheit verdient gemacht haben“.[8] 2006 ging dieser Preis an den Politiker Franz Müntefering und den 18-jährigen Deniz Yücel (nicht identisch mit dem Journalisten),[9] 2011 an die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und den Siegener Schwulenaktivisten Ansgar Cziba,[10] 2013 an die Redaktionen von Der Spiegel und Spiegel Online sowie Falk Steinborn für das TV-Magazin queerblick (→ Homosexualität im Fernsehen).[11] Die Deutsche AIDS-Hilfe kritisierte die Auszeichnung der Spiegel-Redaktion wegen der „unsäglichen Berichterstattung“ des Magazins während der „AIDS-Krise“ (→ Spiegel-Berichterstattung ab Mai 1982).[12][13] Bei der Preisverleihung bedauerte der Spiegel-Redakteur Markus Verbeet die durch die damalige Berichterstattung hervorgerufenen Verletzungen „zutiefst“.[14] 2014 werden der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, für sein Engagement bei der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und der Duisburger Schwulenaktivist Wulf Thomas ausgezeichnet.[15][16]

Im Weblog ruhrbarone wurde die angekündigte Preisvergabe an Volker Jung kritisiert und der Laureat als ein „wertkonservativer Evangelikaler“ bezeichnet, „dessen Glaubensbrüder in weiten Teilen Afrikas weiter missionieren und unter der gleichen Dachorganisation der Evangelisch-Protestantischen Kirche mit massiver Lobbyarbeit und Duldung dafür sorgen, dass weiterhin Gesetze in Afrikas Unrechtsstaaten erlassen werden, die Menschen aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung in Lebensgefahr bringen.“[17]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 20 Jahre Schwules Netzwerk NRW. Die Geschichte und die Arbeitsschwerpunkte eines Landesverbandes (2011) PDF
  • Johannes Jakob Arens: Christopher Street Day. CSD im Spannungsfeld zwischen schwul-lesbischer Emanzipation und kommerzieller Spaßkultur. Schriftenreihe des Schwulen Netzwerks NRW (2007)
  • Älter werden. Beiträge aus der Praxis der schwulen Selbstorganisation (2003)
  • Jung zu sein, das ist nicht schwer, erwachsensein dagegen sehr? Dokumentation der ersten schwulen Fachtagung für Generationen zwischen Jugend und Alter (2000; mit Beiträgen u. a. von Martin Dannecker)[18]
  • Lesbische und schwule Familien. Ergebnisse einer Befragung unter Lesben und Schwulen in NRW (1999)
  • Watch Out and Dream. Zukunftsfabrik für schwule Jugendliche. Eine Dokumentation (1998)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitgliederliste
  2. Schwules Netzwerk NRW e.V.: Minderheitenpolitik im Fokus, Website des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) NRW (Memento vom 28. April 2014 im Internet Archive)
  3. 20 Jahre Schwules Netzwerk NRW. Die Geschichte und die Arbeitsschwerpunkte eines Landesverbandes (2011) PDF (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  4. Selbstdarstellung im Portal schwules-netzwerk.de, abgerufen am 2. Mai 2014
  5. Kooperationspartner (Memento des Originals vom 31. März 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.queer-nations.de, Webseite im Portal queer-nations.de, abgerufen am 2. Mai 2014
  6. 20 Jahre Schwules Netzwerk NRW. Artikel vom 14. Juni 2011 im Portal queer.de, abgerufen am 2. Mai 2014
  7. Hans-Georg Stümke, Michael Bochow: ... älter werden wir umsonst! Schwules Leben jenseits der Dreißig. Erfahrungen, Interviews, Berichte, Verlag Rosa Winkel, 1998, ISBN 978-3-86149-071-5, S. 6
  8. Die Kompassnadel (Memento vom 15. Januar 2014 im Internet Archive). Webseite im Portal csd-empfang-nrw.de, abgerufen am 2. Mai 2014
  9. Schwules Netzwerk NRW e.V. ehrt Franz Müntefering (SPD). Artikel vom 18. Januar 2006 im Portal shortnews.de, abgerufen am 2. Mai 2014
  10. „Kompassnadel“ für die Ministerpräsidentin. Artikel vom 3. Juli 2011 im Portal rp-online.de, abgerufen am 2. Mai 2014
  11. Pressemitteilung vom 6. Juli 2013 im Portal lifepr.de, abgerufen am 2. Mai 2014
  12. Deutsche AIDS-Hilfe kritisiert Auszeichnung des SPIEGEL mit Akzeptanz-Preis. Pressemeldung vom 28. Januar 2013 im Portal aidshilfe.de, abgerufen am 2. Mai 2014
  13. Aids: Eine Epidemie die erst beginnt. Artikel vom 6. Juni 1983 in Der Spiegel 23/1983, abgerufen im Portal spiegel.de am 2. Mai 2014
  14. Markus Verbeet: Sind wir preiswürdig? Artikel vom 10. Juli 2013 im Portal spiegel.de, abgerufen am 2. Mai 2014
  15. Schwule ehren Kirchenpräsidenten, Hessischer Rundfunk, 24. Januar 2014
  16. Die Kompassnadel 2014 geht an Dr. Volker Jung und an Wulf Thomas. Webseite vom 24. Januar 2014 im Portal schwules-netzwerk.de, abgerufen am 2. Mai 2014
  17. Torsten Dirk: Warum das Schwule Netzwerk NRW Kirchenpräsident Jung nicht ehren sollte. Artikel vom 27. Januar 2014 im Portal ruhrbarone.de, abgerufen am 2. Mai 2014
  18. Erhard Köllner: Homosexualität als anthropologische Herausforderung, Klinkhardt Verlag 2001, ISBN 978-3-7815-1138-5, S. 296