Manfred Niekisch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Manfred Niekisch (* 14. Juli 1951 in Nürnberg) ist ein deutscher Biologe und Experte für internationalen Naturschutz. Er war zwischen März 2008 und Ende 2017 Direktor des Zoos Frankfurt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manfred Niekisch studierte Biologie an der Universität Köln und promovierte an der Universität Bonn zum Dr. rer. nat. mit Untersuchungen zur Besiedlungsstrategie der Gelbbauchunke Bombina v. variegata Linnaeus, 1758 (Anura, Amphibia). Von 1983 bis 1989 war er Direktor der Artenschutzzentrale/TRAFFIC Germany der Umweltstiftung WWF Deutschland, anschließend bis 1998 wissenschaftlicher Geschäftsführer der Tropenwaldstiftung OroVerde. Von 1998 bis 2008 hatte er die Professur „Internationaler Naturschutz“ an der Universität Greifswald inne, die einzige Professur dieser Art im deutschsprachigen Raum. Von März 2008 bis zu seiner Pensionierung Ende 2017 hatte er die Leitung des Frankfurter Zoos inne. Seit 2010 hat Niekisch am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main die Kooperationsprofessur für Internationalen Naturschutz inne.[1]

An den Universitäten Marburg, Hanoi/Vietnam, an der Fachhochschule Göttingen und an der Universidad Internacional de Andalucía in Sevilla nahm beziehungsweise nimmt er Lehraufträge zum Internationalen Naturschutz wahr. Die wissenschaftlichen Inhalte seiner Arbeit liegen besonders in Strategien und Instrumenten zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen, speziell zum Schutz der biologischen Vielfalt. Hierzu zählen auch die internationalen Konventionen mit Naturschutz-Relevanz. Niekisch ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und Mitherausgeber des Journal for Nature Conservation. Er hat in zahlreichen Ländern der Erde, mit Schwerpunkten in Vietnam und in den Ländern Lateinamerikas, geforscht.

Niekischs Privatbibliothek umfasst mehr als 12.000 Fachbücher, vornehmlich zu den Themen Ornithologie und Herpetologie sowie zu seinem Spezialgebiet Feuerland.[2]

Ehrenamtliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenamtlich ist Manfred Niekisch in zahlreichen Funktionen tätig, unter anderem als Präsident der Gesellschaft für Tropenökologie (gtö), Vizepräsident der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), Vizepräsident der Stiftung „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“, Vorsitzender des Stiftungsrates der Tropenwaldstiftung OroVerde und als Vorsitzender des Kuratoriums der Bruno-H.-Schubert-Stiftung. Er ist Mitglied der World Commission on Protected Areas (WCPA) und der Species Survival Commission (SSC) der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) sowie des Comité Científico von Fundación Natura und Ehrenmitglied der Fundación Humedales (beide Kolumbien) sowie des Beirates des Global Nature Fund. Weiterhin ist er International Advisor des Council for Research and Exploration von National Geographic. 17 Jahre lang war er zudem als Erster Vizepräsident des Deutschen Naturschutzringes tätig. Im Jahr 2004 wurde er auf dem 3. World Conservation Congress in den Council der Weltnaturschutzunion IUCN wiedergewählt, wo er auch den Vorsitz des Programme and Policy Committee innehatte. Nach den zwei maximal möglichen Amtszeiten beendete er diese Tätigkeit 2008. Im selben Jahr wurde er in den Verwaltungsrat der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung sowie durch das Bundeskabinett in den Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) berufen.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015: Biologische Diversität - Ressource und Menschenrecht. – In Feest, F. C. (Hrsg.): Regenwald. – Lokschuppen Rosenheim, S. 294–298.
  • WITTIG, R. & M. NIEKISCH (2014): Biodiversität. Grundlagen, Gefährdung, Schutz. – Springer Spektrum Heidelberg
  • 2013: Von Dodos und Java-Nashörnern - oder auch nicht. – In: MITSCHELE, K. & S. SCHARF (Ed.): Werkbegriff Nachhaltigkeit. S. 195–205 Transcript Verlag, Bielefeld
  • 2013: Biodiversitätsschutz im Wald. – AFZ Der Wald. Allgemeine Forst Zeitschrift für Waldwirtschaft und Umweltvorsorge. 68. Jg, Heft 17, S. 22–23. München
  • 2012: Was trennt den Menschen vom Tier – Glas und Gitter? In: NESSEL, S. & H. SCHLÜPMANN (Ed.): Zoo und Kino. – Verlag Stroemfeld, S. 206–220.
  • 2012 Tier und Menschen im Zoo verbinden – aber wie? In: Das Senckenberg-Wissenschaftsmagazin Band 142, Heft 5/6, S. 206–211.
  • 2012 Zoos at War. In: PENN, L., M. GUSSET & G. DICK: 77 years: The History and Evolution of the World Association of Zoos and Aquariums 1935–2012, S. 23
  • 2011 Die zoologische Buchillustration vom Holzschnitt bis zur Fotografie – Verknüpfung von Wissenschaft und Kunst. – Imprimatur, Neue Folge XXII, S. 37–62.
  • 2010: The History of Reptiles and Amphibians at Frankfurt Zoo. - Bonn zoological Bulletin Volume 57 Issue 2, pp. 347–357, Bonn
  • 1996: Die Gelbbauchunke (Bombina v. variegata). Biologie, Gefährdung, Schutz. – Ökologie in Forschung und Anwendung 7, 234 S., Margraf Verlag
  • 2000: Internationaler Naturschutz. – In: Engelhardt, W. und K. Buchwald (Hrsg.): Umweltschutz – Grundlagen und Praxis, Bd. 8: Arten-, Biotop- und Landschaftsschutz. Economica Verlag, Bonn, S. 309–349
  • 2004: Recursos biológicos: Perspectivas para un nuevo paradigma de desarrollo para América Latina. In: U. Müller & K. Bodemer (Eds.): Nuevos paradigmas de desarrollo para América Latina, S. 218–231
  • 2005: Biodiversität als Entwicklungspotenzial: Paradigmenwechsel im Naturschutz. In: B. Fritz & K. Hujo (Ed.): Ökonomie unter den Bedingungen Lateinamerikas. Erkundungen zu Geld und Kredit, Sozialpolitik und Umwelt. S. 81–92
  • 2006: Internationale Entwicklungspolitik vor dem Hintergrund schwindender biologischer Ressourcen: Ein Beitrag zu den Beziehungen zwischen Naturschutz und Entwicklungszusammenarbeit. - Natur und Landschaft 81. Jg, 9/10., S. 484–486. Kohlhammer, Stuttgart
  • 2006: Schutzgebiete und ihre Rolle beim Schutz biologischer Ressourcen. - Natur und Landschaft 81. Jg., 9/10, S. 445–449. Kohlhammer, Stuttgart
  • 2006: 30 Jahre Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Eine Analyse. – Zeitschrift für Europäisches Umwelt- und Planungsrecht 4. Jg., Heft 4, S. 213–215. lexxicon Verlag, Berlin
  • 2007: Naturschutz und globale Trends: Taugt nachhaltige Entwicklung noch als Leitbild? – Jahrbuch für Naturschutz und Landschaftspflege 56/1, S. 53–60
  • 2008: Historische und bibliographische Notizen zum „Angenehmen und lehrreichen Geschenk für die Jugend“, Augsburg 1783 – 1788, mit spezieller Behandlung des herpetologischen Teils. – Sekretär. Beiträge zur Literatur und Geschichte der Herpetologie und Terrarienkunde Vol. 8, Heft 1, S. 30–62
  • 2009: August Johann Rösel von Rosenhof - Künstler, Naturforscher und Pionier der Herpetologie. Eine Einführung zum Reprint der „Historia naturalis ranarum nostratium/Naturgeschichte der Frösche hiesigen Landes“, Nürnberg 1758 - August Johann Rösel von Rosenhof - Artist, Naturalist and Pioneer of Herpetology. An Introduction to the Reprint of the „Historia naturalis ranarum nostratium/Naturgeschichte der Frösche hiesigen Landes“, Nuremberg 1758. - Fines Mundi, Saarbrücken, 60 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kooperationsprofessur für Internationalen Naturschutz. Goethe-Universität Frankfurt am Main, abgerufen am 8. September 2017.
  2. Martin Schmitz-Kuhl: Jäger, Sammler, Feuerländer. In: Bookster Frankfurt Rhein Main. 24. Mai 2016, abgerufen am 11. Januar 2018.