Marcel Heinig

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Marcel Heinig läuft durch Schweden beim Transeuropalauf 2009.

Marcel Nico Andreas Heinig (* 16. November 1981 in Cottbus) ist ein deutscher Extremsportler und akademischer Mentalcoach. Seinen größten sportlichen Erfolg erzielte er 2008 mit dem Gewinn des Europacups im zehnfachen Langtriathlon.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend, Ausbildung und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marcel Heinig wuchs in Cottbus auf. Nach dem Wehrdienst absolvierte er an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus sein Studium zum Wirtschaftsingenieur, das er mit dem Diplom abschloss. Zudem erlangte er einen Berufsabschluss als Kaufmann im Einzelhandel und fortführend als Handelsfachwirt. Marcel Heinig absolvierte bis 2014 einen fünfsemestrigen Universitätslehrgang zum akademischen Mentalcoach an der Universität Salzburg, der einzigen Universität Europas, die bisher diesen Studiengang in diesem Semesterumfang anbietet und Absolventen der Betitelung ‚Akademischer Mentalcoach’ berechtigt.

Marathon und Ultratriathlon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marcel Heinig war bis zum Abitur mit bis zu 125 kg Körpergewicht stark übergewichtig und konnte sich für sportliche Aktivitäten nicht begeistern. Das änderte sich, als er die Frist seines Kriegsdienstverweigerungsantrages verpasste, somit den Zivildienst nicht antreten konnte und zum Wehrdienst eingezogen wurde. Heinig nahm in dieser Zeit über 40 Kilogramm Gewicht ab und lief ein Jahr nach der Änderung seines Lebensstils seinen ersten Marathonlauf, im Spreewald. Knapp 36 Monate später absolvierte er 2005 seinen 100. Marathon[1] in Lissabon und wurde damit weltweit jüngstes Mitglied[2] eines 100-Marathon-Clubs.

Im Dezember 2008 finishte Marcel Heinig beim Las-Vegas-Marathon in 4:42:36 Std. seinen 200. und im Oktober 2011 beim Istanbul-Marathon seinen 300. Marathon in 4:41:36 Std[3].

Beim Ironman Germany in Frankfurt absolvierte Marcel Heinig 2005 seinen ersten Triathlon in 12:33 Std (Platz 1158) [4]. Ein Jahr später startete er beim International Austrian Double Ultra Triathlon Neulengbach, einem Ultratriathlon. Dabei stellte sich heraus, dass Heinigs Stärken mehr im mentalen Durchhaltevermögen liegen als in den physischen Bereichen, bei denen es vorwiegend auf reine Schnelligkeit ankommt.

Im November 2006 nahm Marcel Heinig an der Weltpremiere im 10-Tage-Triathlon (Deca one per day oder auch Deca Ultra Day)[5] in Monterrey/Mexiko teil und absolvierte dort an zehn aufeinanderfolgenden Tagen täglich ein Langtriathlon (Ironman). Er erreichte bei den Männern den 5. Platz[6] und sicherte sich zudem den Weltrekord in seiner Altersklasse. Bei der dritten Auflage des 10-Tage-Triathlons im Jahr 2009[7] holte er sich am gleichen Ort den Gesamtweltrekord[8], indem er täglich fünf Triathlons (Olympische Distanz) bewältigte und innerhalb von 10 Tagen 75 Schwimm-, 2000 Rad- und 500 Laufkilometer zurücklegte.

Im Jahr 2008 schaffte es Marcel Heinig als weltweit erster Triathlet bei allen fünf IUTA-World-Cup-Ultratriathlons[9] auf das Siegerpodest und gewann als erster männlicher deutscher Triathlet den IUTA World Cup[10]. Im November des gleichen Jahres errang er beim Deca Ultratriathlon Monterrey/Mexiko[11] als erster Deutscher die Goldmedaille im zehnfachen Langtriathlon.

Bedeutung für die medizinische Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Beat Knechtle lief Heinig 2011 als Proband in einer Klimakammer einen Marathonlauf von -45°C bis +55°C und unterstützte damit eine wissenschaftliche Untersuchung, die es vergleichbar noch nie zuvor gab. Zwar existierten bereits Studien zu den Auswirkungen von Extrembelastungen auf den menschlichen Organismus und das Herz-Kreislauf-System bei extrem kalten oder extrem warmen, aber gleichbleibenden Zuständen – eine wissenschaftliche Untersuchung über so große Temperaturschwankungen in solch kurzer Zeit gab es jedoch bis dato noch nie.[12] Im Rahmen der Untersuchung konnte aufgezeigt werden, dass durch den extremen thermischen Stress gewisse Laborwerte wie Myoglobin, Wachstumshormon, Prolaktin, Renin und Aldosteron teils massiv anstiegen, der Organismus jedoch trotzdem in der Lage war, sich so zu regulieren, dass die Körperkerntemperatur konstant blieb.[13] Zudem bestätigte es die Erkenntnis, dass der Körper die oberste Priorität darauf legt, überlebenswichtige Organe zuerst zu schützen. Da der Versuch in einer 7 Meter x 5 Meter großen Klimakammer stattfand und es dort keine Laufbänder gab, die dieser Temperaturdifferenz sicher standhalten konnten, lief Marcel Heinig circa 2.500 Runden im Kreis.

2009 nahm Heinig als Botschafter des Landes Brandenburg am 4487,7 km langen Transeuropalauf von Bari ans Nordkap teil und bewarb dabei die Initiative ‚Tolerantes Brandenburg‘. Neben der sportlichen Herausforderung zeichnete sich die zweite Auflage des Transeuropalaufes insbesondere durch eine medizinische Besonderheit aus. Erstmals konnten dort durch eine umfangreiche medizinische Langzeituntersuchung einiger Teilnehmer, die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft[14] unterstützt wurde, weltweit einmalige Daten über die Auswirkungen von extremen körperlichen Belastungen erfasst werden, die indirekt bewiesen, dass selbst unter Belastung regenerative und damit schutzwirkende Aufbauprozesse stattfinden.[15]

TV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Titel ‚Vom Sofa-Hocker zum Spitzensportler’ war Marcel Heinig im November 2011 einer der letzten Gäste von Günther Jauch bei stern TV. Neben einem Live-Interview wurde auch sein Weg zum Extremsportler in einer Dokumentation dargestellt. In Begleitung von stern TV absolvierte Heinig in dieser die ursprünglichen Triathlondistanzen auf der Strecke Kopenhagen/Berlin in geänderter Reihenfolge. Er lief 160 km von Kopenhagen nach Rødbyhavn, schwamm dann 20 km über den Fehmarnbelt und legte anschließend die verbleibenden 400 km von Fehmarn zum Brandenburger Tor in Berlin mit dem Rad zurück.[16]

Heinigs Leben wurde in der Reihe ‚Die Mutmachter’ des ZDF Morgenmagazins ‚Sonntags – TV fürs Leben’ portraitiert und seine Wandlung dort als echter Mutmacher bezeichnet.[17]

Gemeinsam mit Wolfgang Kulow absolvierte Heinig in der Commerzbank Arena den weltweit ersten Unterwassertriathlon[18] in einem 2x6x2 Meter großen Tauchtruck. Über diesen Triathlon wurde bundesweit berichtet und vom Popkultur-Magazin ‚Der Marker‘ ein ausführlicher Bericht für ZDFkultur erstellt.[19]

In der Galileo-Reihe ‚Mensch vs. Tier‘ trat Heinig im Herbst 2010 im Deutschen Museum München gegen einen Zwerghamster an, um herauszufinden, wer die größere Laufdistanz im Verhältnis zur Schrittlänge zurücklegen kann. Dabei stellte sich heraus, dass Hamster im Vergleich zum Menschen zwar winzig sind, aber dennoch wesentlich höhere Laufdistanzen bewältigen können.[20][21]

Stimmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Den Titel ‚Härtester Mann der Welt‘ – er verdient ihn wirklich!“

Bild-Zeitung [22]

„Extremsport, aber keine Sucht. […] Und eine weitere wichtige Eigenschaft bringt Marcel Heinig mit: Vernunft.“

Men’s Health [23]

„Beim Weltrekordversuch im Unterwassertriathlon kommt es auf mehr an als pure Kraft.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung [24]

Ultratriathlons[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marcel Heinig mit neuem Weltrekord beim Zieleinlauf des 10-Tage-Triathlons in Monterrey/Mexiko 2009
1) 7,6 km Schwimmen, 360 km Radfahren, 84,4 km Laufen
2) 11,4 km Schwimmen, 540 km Radfahren, 126,6 km Laufen
3) 38 km Schwimmen, 1800 km Radfahren, 422 km Laufen
4) in 10 Tagen: 10 x (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen)
5) in 10 Tagen: 10 x (7,5 km Schwimmen, 200 km Radfahren, 50 km Laufen)

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cottbuser Sportler des Jahres 2007[41]
  • BTU Sportlerehrung 2007, 2008
  • Eintrag in die Ehrenchronik der Stadt Cottbus, 2009[42]
  • Empfang im Landtag Brandenburg durch die Landesregierung, 2009[43]
  • Aufnahme ‚Brandenburger Köpfe‘, 2013[44]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bericht auf marathon4you.de. 14. Dezember 2005, abgerufen am 29. März 2016.
  2. Clubmagazin 100MC aktuell. 1. März 2006, abgerufen am 29. März 2016.
  3. https://www.athlinks.com/Result/Search?searchTerm=marcel%20heinig
  4. https://services.datasport.com/2005/triathlon/ironman_germany/rang201.htm
  5. Archiv IUTA Unterschied der zwei Austragungsformen des zehnfachen Ironman. Abgerufen am 29. März 2016.
  6. Bericht und Platzierungen. Abgerufen am 29. März 2016.
  7. Ergebnisprotokoll 50 Olympic Triathlons. 24. November 2009, archiviert vom Original am 30. Juni 2012, abgerufen am 29. März 2016.
  8. Bericht Rekord 50 Olympische Triathlons. 24. November 2009, abgerufen am 29. März 2016.
  9. 2008 IUTA Classification. Men’s Classification. IUTA Sport, 17. März 2009, archiviert vom Original am 28. November 2009, abgerufen am 23. September 2014 (PDF; 110 kB).
  10. Liste aller IUTA World Cup Sieger. 31. Dezember 2015, abgerufen am 29. März 2016.
  11. Ergebnisliste Deca Ultratriathlon Monterrey/Mexiko aller IUTA World Cup Sieger. 30. November 2008, abgerufen am 29. März 2016.
  12. Bericht auf marathon4you.de. 12. Mai 2011, abgerufen am 29. März 2016.
  13. Paper auf Dovepress – Journal of Sports Medicine. 7. August 2012, abgerufen am 29. März 2016.
  14. Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1. Februar 2010, abgerufen am 29. März 2016.
  15. Presseinfo 93. Deutscher Röntgenkongress. 1. Mai 2012, abgerufen am 29. März 2016.
  16. Presseankündigung stern TV. 10. November 2010, archiviert vom Original am 13. November 2010, abgerufen am 29. März 2016.
  17. ZDF Mediathek. 25. März 2012, abgerufen am 29. März 2016.
  18. Bericht auf tauchjournal.de. 4. September 2011, abgerufen am 29. März 2016.
  19. Ankündigung TV-Bericht der Marker. 4. September 2011, abgerufen am 29. März 2016.
  20. Tierforum. 8. November 2010, abgerufen am 29. März 2016.
  21. Archiv Homepage Marcel Heinig. 8. November 2010, abgerufen am 29. März 2016.
  22. Bild-Zeitung. 26. November 2008, abgerufen am 29. März 2016.
  23. Artikel zum Thema Sportsucht. 17. November 2008, abgerufen am 29. März 2016.
  24. Artikel zur den Herausforderungen beim Unterwassertriathlon. 1. September 2011, abgerufen am 29. März 2016.
  25. Ergebnisprotokoll 50 Olympic Triathlons. 24. November 2009, archiviert vom Original am 30. Juni 2012, abgerufen am 29. März 2016.
  26. Bericht Netzathleten.de. 23. November 2009, abgerufen am 31. März 2016.
  27. Ergebnisliste Deca Ultratriathlon Monterrey 2008. 30. November 2008, abgerufen am 31. März 2016.
  28. Nationale Rekorde IUTA. Abgerufen am 31. März 2016.
  29. Statistik Double Ultratriathlon Virginia 2005-2015. usaultratri, abgerufen am 31. März 2016.
  30. Ergebnisse Double Ultratriathlon Bonyhád 2008. Evochip Ungarn, abgerufen am 31. März 2016.
  31. Statistik Triple Ultratriathlon Lensahn 1992-2014. TSV Lensahn, abgerufen am 31. März 2016.
  32. Ergebnisliste Double Ultratriathlon Lévis. sportstats.ca, abgerufen am 31. März 2016.
  33. Zeitungsbericht Double Ultratriathlon Lévis. 9. Juli 2008, abgerufen am 31. März 2016.
  34. Statistik Triple2) Ultratriathlon Lensahn 1992-2014. TSV Lensahn, abgerufen am 31. März 2016.
  35. Ergebnisse Double1) Ultratriathlon Neulengbach 2007. TSVA, 27. Mai 2006, abgerufen am 21. November 2007 (PDF).
  36. Pressemitteilung Schloßtriathlon Moritzburg. 27. November 2008, abgerufen am 31. März 2016.
  37. Presseartikel 10 Ironmans in 10 Tagen 2006. 9. Dezember 2006, abgerufen am 31. März 2016.
  38. Statistik Triple2) Ultratriathlon Lensahn 1992-2014. TSV Lensahn, abgerufen am 31. März 2016.
  39. Bericht Triple2) Ultratriathlon Moosburg 2006. 22. Juni 2006, abgerufen am 31. März 2016.
  40. Ergebnisse Double1) Ultratriathlon Neulengbach 2006. TSVA, 27. Mai 2006, abgerufen am 31. März 2016 (PDF).
  41. Lausitzer Rundschau vom 19. Januar 2008
  42. Homepage der Stadt Cottbus
  43. Tolerantes Brandenburg
  44. [1]