Margarete Gutöhrlein

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Margarete Gutöhrlein (* 1884 in Berlin; † 15. Juni 1958) gründete das erste Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Deutschland.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Margarete Gutöhrlein wurde als Tochter christlich-jüdischer Eltern in Berlin geboren. Sie erlernte die Schauspielerei bei Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin. Während eines Schottlandaufenthalts lernte Gutöhrlein Englisch. Im Ersten Weltkrieg macht sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. Zwei ihrer drei Töchter ergriffen ebenfalls den Beruf der Schauspielerin und begannen als „Sister G.“ eine internationale Varieté-Karriere und spielen in amerikanischen Spielfilmen mit. Gutöhrlein begleitete ihre Töchter auf Tourneen durch Europa und die USA. Mit ihrem dritten Ehemann Georg Gutöhrlein zog sie 1927 zusammen mit zwei Töchtern aus erster Ehe von Berlin nach Schwäbisch Hall. Dort überlebte sie die nationalsozialistische Herrschaft mit Hilfe von Freunden, die sie versteckten. 1945 übernahm Margarete Gutöhrlein aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer Englischkenntnisse im Auftrag der amerikanischen Militärregierung die Leitung des Roten Kreuzes in Schwäbisch Hall. Dort sorgte sie unter anderem für Unterbringung und Pflege entlassener Soldaten und zahlreicher Flüchtlinge, unter denen sich auch zahlreiche Kinder befanden.

Nachdem Gutöhrlein Hermann Gmeiner kennengelernt hatte, verschrieb sie sich ab 1956 der Idee, im baden-württembergischen Waldenburg ein Kinderdorf nach dem Vorbild von Robert Corti und Gmeiner zu gründen. Dort sollten verlassene und verwaiste Kinder unabhängig von der Herkunft ihrer Eltern oder ihrer Religionszugehörigkeit leben können.

Am 31. Oktober 1956 gründete Gutöhrlein mit anderen Privatpersonen u. a. Clara von Arnim den Verein „SOS-Kinderdorf Schwäbisch Hall“. Als Kooperationspartner gewann sie den Waldenburger Bürgermeister Franz Gehweiler, der zusammen mit dem Gemeinderat dem Verein ein Grundstück für das Kinderdorf schenkte.

Gutöhrleins Idee einer überkonfessionellen Einrichtung erwies sich als nicht vereinbar mit den Grundsätzen der SOS-Kinderdörfer. Sie entwickelte darum ein eigenes Projekt, für dessen Idee sie den Tropenarzt und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer für eine Patenschaft gewinnen konnte. Am 11. Dezember 1957 wurde der Verein in „Albert-Schweitzer-Kinderdorf e.V.“ umbenannt.

Margarete Gutöhrlein erlebte die Vollendung ihres Werkes nicht mehr. Nach dem Tode Gutöhrleins 1958 führte ihr Mann Georg Gutöhrlein ihr Werk fort. Ab September 1960 zogen die ersten Kinder mit den Hauseltern in das Kinderdorf Waldenburg ein.

Später entstanden in Deutschland weitere Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und -Familienwerke.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elke Däuber, Doris Müller: Eine Frau, die sich was traute. Das aktive und außergewöhnliche Leben der Margarete Gutöhrlein. in: Württembergisch Franken, Jahrbuch des Vereins für Württembergisch Franken. Bd. 88, 2004
  • Albert-Schweitzer-Kinderdorf e.V.: 50 Jahre Albert-Schweitzer-Kinderdorf Waldenburg. Waldenburg 2007.